Drums Workshop_Folge
Workshop
4
24.04.2014

Drum Cover: Jan Delay - Liebe

Der Groove-Klassiker mit Soundfile, Text und Noten

Legendäre Drum-Grooves zum Nachspielen

Jan Delay hast eine gute Nase für Spitzenpersonal, sein Drummer Jost Nickel ist jedenfalls Weltklasse. So richtig zum Ausdruck kommt seine Virtuosität und Präzision zwar erst in seinen atemberaubenden Soli, wer aber wie Jost aus einem Juristenhaushalt kommt, dessen Beat ist Gesetz. Seit der Tour zu "Klar" ist er nicht mehr aus der Band seines dauernäselnden Chefs wegzudenken und hat seitdem sämtliche Alben eingetrommelt.

Die erste Singleauskopplung des aktuellen Tonträgers von Jan Delay heißt 'Liebe'. Hass beschreibt allerdings eher, was einige Kritiker dem Song und dem dazugehörigen Album 'Hammer und Michel' entgegengebracht haben. Mit Aussagen wie 'Hip Hop ist tot, ich mache jetzt Rock' hat sich Jan Delay allerdings sehr angreifbar gemacht. Eigentlich hätte man nach dieser Aussage schon einen kompletten Verriss formulieren können, ohne auch nur einen Titel gehört zu haben. Immer mit der Ruhe, kann man da nur sagen, was sie hören ist ein fettes Breitbein-Brett, allerdings kein Rockbrett, sondern satter Funk mit gezerrter Gitarre. Und wie es aussieht, ist das Publikum sehr einverstanden mit dem Werk des Rap-Urgesteins und hat es gerade auf Platz Eins der Charts katapultiert. Na, wenn das kein Grund ist, den Beat in unserem "Groove der Woche" Workshop zu glorifizieren!

Der Groove

Das Hauptriff wiederholt sich alle acht Takte und wird von allen Instrumentalisten unisono gespielt wird. Jost begleitet diese Rhythmusfigur mit der Bassdrum und hält den Laden mit einer extrem disziplinierten Achtel-Hihat und einer '2und4'-Snare zusammen. Lediglich kleine Fills im Groove als auch das große Hauptfill am Ende der Schleife unterbrechen den typischen Funk-Unterdruck, der dadurch entsteht, dass alle Beteiligten extrem diszipliniert spielen und die gemeinsamen Akzente so kurz wie möglich halten. Hier ist der achttaktige Groove:

Das Ganze klingt dann wie folgt:

Wer wirklich so klingen will wie Jost, der sollte keinem Instrument im Drumset mehr Gewicht geben als dem anderen. Ein sehr wirkungsvoller Trick ist der, den Groove mit immer gleichen Klick- oder Zischlauten mitzusingen. Also werden Bassdrum und Snare mit dem gleichen Sound gesanglich eingeebnet. Das war übrigens eine Kernbotschaft, die ich aus diversen Unterrichtsstunden bei Jost in meinem Studium an der Popakademie Mannheim gespeichert habe.

Nehmt den Groove ruhig als lockere Groovebasis für eigene Interpretationen! Ich hatte beispielsweise schnell Lust, die großen Lücken mit Ghostnotes und Hats zu füllen. Die Fills spiele ich in meiner Version zwar auch linear, instrumentiere sie aber anders als Jost. Listen to this:

Sound und Equipment

Na gut, eine Kritik habe ich schon: Wie klingt denn bitteschön das Drumset? Die Snare ist derart gesichtslos, dass ich einschlafen möchte. Dabei ist sie das einzige Instrument, das permanent alleine zu hören ist, weil alle anderen Musiker ihre Akzente um die zweite und die vierte Zählzeit herum platzieren. Ich gehe davon aus, dass es sich bei der Snare um Standard-Fabrikware einer großen Firma handelt und sowas reicht bei derart großen Produktionen halt manchmal einfach nicht. Auch das Tuning ist weder Fisch noch Fleisch, der Sustain endet unprätentiös einfach irgendwo und der Hauptton klingt eher nach VW Polo als nach Ferrari Testarossa. Naja. Bassdrum und Hihat sind im Original auch eher vom Schlage Staubsaugervertreter und die Toms sind weder besonders attackig noch besonders tiefbassig, was aber eventuell eher dem Mix anzulasten ist als Josts Tuning. Jetzt bin ich doch in den Kritikmodus gerutscht, und wem die letzten Zeilen besser gefallen haben sollten als der Beginn des Artikels, der ist Zeuge der Tatsache, dass in Deutschland - vielleicht überall - kritische Töne einfach besser ankommen als Lobhudeleien.

Ganz brav schließe ich trotzdem mit der Meinung ab, dass mir Josts Drumming mal wieder spitzenmäßig gut gefällt, tschaui, bis nächste Woche!

 

Hier geht es zur Übersicht über alle bonedo Drum Cover Folgen.

 

Weitere interessante Inhalte:

Workshop Leadsheets für Drummer - Grooves raushören und notieren lernen im zweiteiligen Workshop

Drum Play-Alike Workshop - Wir verraten euch die Tricks der großen Drummer

Veröffentlicht am 24.04.2014

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