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Test
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18.11.2020

E-Drum-Vergleichstest: Die Oberklasse (2020)

Profi-Kits von Alesis, GEWA, Pearl und Roland im ultimativen Vergleich

Wir testen sieben E-Drumsets der oberen Preisklasse im direkten Vergleich: das Alesis Strike Pro, das G9 Pro L6 von GEWA, das Pearl e/MERGE Hybrid und von Roland das Topmodell TD-50KV sowie das TD-27KV in der Grundausstattung und in den Varianten VAD503 und VAD506. Zusätzlich zu den Video-Reviews der E-Drumsets stellen wir euch wie immer ausführliche Testberichte mit vielen Audiobeispielen der Drum-Module zur Verfügung.

Im Folgenden stellen wir euch die Testkandidaten in alphabetischer Reihenfolge vor. In den Videos bekommt Ihr einen schnellen Überblick, darunter kommt Ihr jeweils zum ausführlichen Einzeltest. Danach beleuchten wir die wichtigen Aspekte, die es bei den E-Drumsets der oberen Preisklasse zu beachten gilt, und im Fazit erfahrt ihr dann, welche Kits das Rennen gemacht haben.

Viel Spaß beim Lesen...

Alesis Strike Pro

Das Alesis Strike Pro E-Drum Kit darf als eine Kampfansage in Richtung des Platzhirsches Roland verstanden werden, der den Hochpreissektor in Sachen E-Drums bislang größtenteils für sich beansprucht. Mesh Head Pads mit Holzkesseln, die sich in ihren Größen kaum von Akustik-Drums unterscheiden, sollen für authentisches Spielgefühl und professionelle Optik sorgen, und auch das Modul bietet eine Menge Features und einige Besonderheiten. Wir haben das Strike Pro ausführlich getestet.

GEWA G9 Pro L6

Mit dem G9 startete 2018 das deutsche Unternehmen GEWA einen umfassenden Vorstoß in die Welt der E-Drums. Das Ziel des Entwicklerteams bestand von Anfang an darin, in der absoluten Oberklasse mitzuspielen. Mit seinem komplexen Soundmodul, das einen Touchscreen, 128 GB internen Speicher und eine aufwendige Multichip-Architektur bietet, und auch mit der in Zusammenarbeit mit DW entwickelten hochwertigen Hardware konnte das Kit bei seiner Erstvorstellung staunende Blicke auf sich ziehen. Die Pro-L6-Konfiguration mit Echtholzkesseln für Kick, Snare und vier Toms sowie Gummipads für Hi-Hats, Ride und zwei Crashbecken hatten wir zum ausführlichen Review im Testlabor.

Pearl e/MERGE Hybrid

Pearl startet – nach dem vor einigen Jahren vorgestellten e-PRO – mit dem in Zusammenarbeit mit Korg entwickelten e/MERGE einen neuen Versuch, die Marke auch im Bereich der exklusiven E-Drums zu etablieren. Ein neu entwickeltes Modul mit hochauflösenden Akustikdrum-Samples in „Wave Trigger Technology“ sowie zahlreichen Percussion-, Electro- und Orchestral-Sounds aus Korgs Hi-Definition Sample Libraries bildet den Kern des Sets. Im Mittelpunkt stand bei der Konzeption eine unkomplizierte Bedienung, die den Fokus klar auf das Spielvergnügen lenken soll. Ebenfalls neu sind die PUREtouch Pads. Ob die Mischung stimmt, haben wir in unserem Test untersucht. 

Roland TD-27KV / VAD503 / VAD506

Als Nachfolger des TD-25 stellte Roland 2019 das TD-27KV V-Drum Set vor. Das Kit kommt optisch relativ konventionell daher, wurde aber von Roland um die auf demselben Modul basierenden Varianten VAD503 und VAD506 ergänzt, die zeigen, dass ein E-Drumset auch komplett anders aussehen kann, nämlich wie ein akustisches Schlagzeug. Wie beim Topmodell TD-50 besteht auch beim TD-27 Modul die Möglichkeit Digitalpads anzuschließen. Snare- und Ridebeckenpad funktionieren bei allen drei von uns getesteten Produktvarianten digital und versprechen hierdurch klare Vorteile gegenüber herkömmlichen Pads. Interessant ist auch die Möglichkeit, eigene Samples zu importieren und diese bei Bedarf mit den internen Sounds zu „layern“. Was die drei neuen Kits noch so alles können, haben wir im Test herausgefunden. 

Roland TD-50KV

Aktuelles Roland-E-Drum-Flaggschiff ist das TD-50, das wir in der Variante TD-50KV im Test hatten. Hier gibt es im Vergleich zu den übrigen Testkandidaten von allem etwas mehr: Pads mit Digitaltechnologie ausgestattet, mehr Klangbearbeitungsmöglichkeiten, zahlreiche Anschlüsse inkl. XLR-Ausgänge, vielseitiges Routing usw. Ob auch die inneren Werte überzeugen können und der deutliche Preissprung des rund 6700 Euro teuren Gerätes gegenüber den Konkurrenten gerechtfertigt ist, erfahrt ihr bei uns.

Die Module

Die Anzahl der Sounds und Kits sagt zwar nichts über die Klangqualität aus – die untersuchen wir in einem der folgenden Kapitel – , aber wir liefern sie hier trotzdem: Auf dem Papier ist das Alesis Strike Pro mit rund 1600 Sounds und 115 Preset Drumkits Spitzenreiter. 700 Sounds und 35-55 Preset Kits bieten das Roland TD-27KV und das Pearl e/MERGE, und um die 400 Sounds und 40-50 Kits das Roland TD-50KV und das GEWA G9.

Die klanglichen Bearbeitungsmöglichkeiten fallen bei fast allen hier getesteten Kits sehr umfangreich aus. So verfügen alle Kits – neben den Standards wie Reverb oder Equalizer – über eine Multieffektabteilung, und Roland setzt noch einen drauf, indem sogar Parameter wie Kesseldurchmesser bzw. -tiefe, Felltyp, Art und Grad der Dämpfung, Raschelstärke des Spiralteppichs beim Anschlagen der Toms usw. bestimmt werden können. Hier wird auch Unmögliches möglich wie zum Beispiel ein 40-Zoll-Crashbecken oder eine 18-Zoll-Snare. Die Multieffekte bei Roland, GEWA und Pearl beinhalten auch Spezialitäten wie Lo-Fi-Effekte, verschiedene Filter, Ringmodulator usw., während sich das Alesis Strike Pro lediglich auf die Standards wie Delay, Chorus, Flanger o.ä. beschränkt.

Natürlich stehen viele Anwender auch nicht darauf, in Untermenüs zu wühlen und Sounds zu verbiegen, sondern wollen lieber einfach nur hochwertige Sounds und eine möglichst einfache Bedienung, die den Blick ins Handbuch überflüssig macht. Denjenigen sei versichert, dass auch dies möglich ist. Das Pearl e/MERGE beispielsweise bietet Funktionstasten, mit denen man direkt in bestimmte Klangwelten wie Electronic, World oder Vintage eintauchen kann und verfügt zur schnellen Anpassung des Raumanteils bei den akustischen Kits sogar einen Ambience-Fader. Diesbezüglich geht Roland beim TD-27 Modul noch einen Schritt weiter: Hier können Tuning (Tonhöhe) und Muffling (Dämpfungsgrad) in Echtzeit per Poti geregelt werden. Solcherlei Möglichkeiten gibt es beim Alesis Strike Pro nicht, dafür finden sich hier zwölf Fader für die Lautstärken der einzelnen Instrumente. Die gibt es auch beim Roland TD-50 Modul, bei dem sich die Masse an Funktionen deutlicher als bei den restlichen Kits auf der Bedienoberfläche widerspiegelt. Dennoch lassen sich die Grundfunktionen selbst bei diesem Technikmonster bereits nach kurzer Eingewöhnung erfassen. Eine Sonderstellung nimmt das GEWA G9 ein, da es als einziger der Testteilnehmer mit einem Touchscreen ausgestattet ist. Hier gibt es unter anderem einen "Easy Mode", der eine gute Übersicht über die grundlegenden Funktionen bietet.

In puncto Anschlüsse und Schnittstellen hebt sich ein Kandidat klar von den anderen ab: das GEWA G9 Pro L6 Kit. Als einziges der Testkits verfügt es über eine WLAN-Schnittstelle, die es ermöglicht, ohne Umwege Updates von der Hersteller-Website oder neue Sounds aus dem Store zu laden. Eine Bluetooth-Funktion ist ebenfalls vorhanden, und die bietet auch das Roland TD-27KV. Die Vorteile, die sich dadurch ergeben, spürt man vor allem beim kabellosen Spielen zu Play-Along Tracks vom Smartphone oder beim Verbinden mit einem Bluetooth-Kopfhörer oder -Speaker, aber auch zur Übertragung von MIDI-Daten kann Bluetooth genutzt werden. MIDI- und/oder USB-Anschlüsse haben alle Module, ebenso verfügen fast alle über jeweils acht Einzelausgänge als 6,35mm-Klinkenbuchsen, lediglich das Roland TD-27 begnügt sich mit zwei Direct Outs. Das GEWA G9 und das Roland TD-50KV bieten als einzige der Oberklasse-Kits XLR-Hauptausgänge und letzteres verfügt zudem über einen zweiten Kopfhörerausgang.

Während die Module der Einsteiger- und Mittelklasse-E-Drumsets teilweise vollgestopft sind mit Trainingsfunktionen und Play-Along Songs, ist der Schwerpunkt der Oberklasse-Kits etwas anders gelagert. Interne Play-Alongs gibt es nur bei den Roland-Kits – 6 beim TD-27 und 20 beim TD-50 –, allerdings bieten alle Module die Möglichkeit, die persönlichen Lieblingssongs über eine SD-Card oder die USB-Verbindung ins Gerät zu laden. Auch bezüglich der Trainingsfunktionen nimmt Roland eine Sonderstellung ein. Eine einzige, nämlich "Quiet Count", hat man dem TD-50KV gelassen, das TD-27KV ist hier, wie auch die letzten Generationen der Roland-Kits, mit diversen Übungsfunktionen breit aufgestellt. Bei den anderen Kits des Vergleichstests wurde dieser Bereich komplett ausgespart.

Kommen wir nun zu den Sonderfunktionen der Kits. Eine Setlist-Funktion, die sich im Live-Einsatz bezahlt macht, bieten sowohl das Roland TD-50KV als auch das GEWA G9, wobei letzteres die Liste sogar als PDF auf dem Touchscreen anzeigen kann. Während alle Kits Samples importieren können, verfügt das Alesis Strike Pro stattdessen nur über eine Onboard Sampling Funktion, d.h. es können keine Samples importiert werden. Es besteht die Möglichkeit, die Samples direkt im Modul zu bearbeiten, allerdings ist fraglich, ob dies von den Usern wirklich als Vorteil wahrgenommen wird, da das Schneiden von Samples auf einem großen Bildschirm am Rechner und das anschließende Importieren ins Modul doch wesentlich zweckmäßiger ist. Kurioserweise zielt eine weitere Sonderfunktion des Alesis-Kits dann doch klar auf die Anwendung am Rechner ab: der Alesis Strike Software Editor, der die Editierung erleichtern soll, jedoch zum Zeitpunkt des Tests alles andere als ausgereift war. Demgegenüber bieten die GEWA- und Roland-Kits sinnvollere Extras, nämlich die Möglichkeit, als USB/MIDI-Interface zu fungieren und eine Vielzahl von Kanälen gleichzeitig auf eine DAW aufzuzeichnen: 8 Monokanäle schafft das GEWA G9, 10 das Roland TD-50KV und satte 28 der kleine Bruder TD-27KV.

Pads und Spielgefühl

Die Trommelpads der Roland-, Alesis- und GEWA-Kits bieten aufgrund ihrer zwei- bis dreilagigen Mesh Heads grundsätzlich ähnliche Spieleigenschaften und lassen in puncto Sensibilität und Spielspaß keine Wünsche offen. Durch seine sechslagigen PUREtouch Mesh Heads vermittelt das Pearl e/MERGE ein etwas härteres Feeling, das aber ebenfalls nach kurzer Eingewöhnung sehr angenehm ist. Allerdings kam es im Test bei diesem Kit zu Übersprechungen zwischen Tom- und Beckenpads – ein Problem, dass sich auch in den Trigger- bzw. Crosstalk-Einstellungen nicht beheben ließ. Eine Besonderheit innerhalb des Testfeldes stellen die 14" Snare- und 18" Ride-Digitalpads der Roland-Kits dar. Diese Pads sind mit mehreren Triggerelementen bestückt und bieten ein Höchstmaß an Dynamik bei sehr gleichmäßigen Klangverläufen zwischen den verschiedenen Zonen. Zudem erkennt das digitale Snarepad, ob ein Stock auf dem Fell aufgelegt ist und aktiviert auf dem Randtrigger in diesem Fall augenblicklich den Rimclicksound.

Bezüglich der Padgrößen ist die Spanne zwischen den sieben Kits riesengroß: Während das Roland TD-27KV mit seinem fünf Zoll großen KD-10 Bassdrum Pad und den drei 10"-Tompads aussieht wie die meisten Kits der mittleren und unteren Preisklasse, zeigen die Roland VAD-Kits mit ihren Holzkesseln, dass es auch ganz anders geht: 20 Zoll misst die Bassdrum und 10 bis 14 Zoll die Toms – das sind Größen, die denen eines herkömmlichen akustischen Drumkits entsprechen. Echte Schießbudenoptik gibt es auch beim GEWA G9, während die übrigen Kits durch teilweise recht flache Kessel und kleinere Bassdrum Pads wie Mischungen aus A- und E-Drum wirken.

Die Größen der Hi-Hat- und Beckenpads bewegen sich zwischen 12 und 18 Zoll, wobei recht unterschiedliche Konstruktionen zum Einsatz kommen. So verwendet Roland beim TD-50KV und TD-27KV jeweils ein überdurchschnittlich schweres 18" Digital Ride, das einen sehr klaren Rebound bietet, während die 14" und 16" Crashes der VAD-Kits wiederum extrem dünn sind, sodass ein "Eintauchen" des Sticks wie bei einem herkömmlichen Thin Crash möglich ist. Bezüglich der Sensibilität der Pads schlugen sich die meisten Testteilnehmer sehr gut, allerdings war die Ansprache des Hi-Hat-Pads beim Alesis Strike Pro unbefriedigend, und beim Crashbecken des Pearl e/MERGE gab es an einer Stelle einen unnatürlichen Lautstärkesprung. 

Dynamik und Latenz

Das akustische Drumset gehört zu den dynamischsten Instrumenten überhaupt. Die Bandbreite von leise bis laut ist riesig, und genau das ist der Punkt, an dem viele E-Drumsets, selbst in der gehobenen Preisklasse, scheitern. In unseren Tests ist das Überprüfen der Dynamik ein wichtiger Bestandteil. Hierfür spielen wir eine Folge von Schlägen von sehr leise bis sehr laut auf dem Snarepad ein und vergleichen anschließend die reale Anschlagstärke, aufgenommen mit einem Mikrofon, mit dem Lautstärkeverlauf, der vom Modul ausgegeben wird. Idealerweise sollten die Kurven identisch aussehen und die Anzahl der Lautstärkestufen sollte übereinstimmen. In diesem Punkt lieferten die GEWA und Pearl Kits sehr gute Ergebnisse, und auch das Alesis bildet die Dynamik akkurat ab. Die Roland-Kits, darunter mit dem TD-50KV auch der mit Abstand teuerste Testkandidat, schnitten in diesem Punkt schlechter ab.

Mindestens ebenso wichtig wie die 1:1-Übersetzung der Anschlagstärke ist die Variationsbreite der Sounds. Auf einer akustischen Snaredrum klingt kein Anschlag exakt wie der andere, es sind immer minimale Unterschiede vorhanden, die den Klang letztendlich lebendig und interessant machen. Die preisgünstigsten E-Drumsets begnügen sich mitunter mit lediglich zwei verschiedenen Samples pro Sound, wodurch der Klang sehr steril wirkt und schnelle Wirbel wie Salven aus einem Maschinengewehr klingen ("Machine-Gun-Effekt"). Viele Klangabstufungen erfordern auch eine entsprechend hohe Rechenleistung und Kapazität des Moduls, die wiederum ihren Preis hat.

GEWA nennt bei seinem G9 Kit beeindruckende Zahlen, wie zum Beispiel 100 Layers pro Instrument, und obwohl wir den Wahrheitsgehalt dieser Aussage nicht überprüfen konnten, wirkten die Klangverläufe beim G9 im Vergleich zu den restlichen Kandidaten tatsächlich am natürlichsten. Zudem kann die Hi-Hat des GEWA acht verschiedene Öffnungsgrade unterscheiden, das ist für ein E-Drumset eine Menge, aber auch das Pearl e/MERGE gibt sich mit sieben Abstufungen hier keine Blöße und bietet zudem variantenreiche Snaresounds. Die Roland-Kits machen sich für verschiedene Klangvariationen auf der Snare die "Positional Sensing"-Technologie zunutze, die bereits beim TD-30, dem Vorgänger des TD-50, zum Einsatz kam und sich über die Jahre bewährt hat. Das Alesis Strike Pro verfügt nicht über ein solches Feature, was sich bei den Snaresounds teilweise auch in einem etwas eindimensionalen Sound bemerkbar macht. 

Ebenso wichtig für ein größtmögliches Akustikdrum-Feeling ist die Dauer der Signalverarbeitung, auch Latenz genannt. Hier entscheiden einige Millisekunden darüber, ob das Spielgefühl authentisch oder unnatürlich wirkt. Grob gesagt sind Latenzen unter zehn Millisekunden gar nicht bis leicht spürbar, bei Werten im zweistelligen Millisekundenbereich merkt man die Verzögerung beim Spielen, indem das Gefühl entsteht, dass man immer etwas "schleppt". Das zeigte sich leider beim Alesis Strike Pro mit einer Latenz von 13 Millisekunden sehr deutlich, wohingegen das Roland TD-50KV mit 3 Millisekunden einen kaum zu übertreffenden Wert bietet. Kaum schlechter war das TD-27KV mit 4 Millisekunden, während die GEWA- und Pearl-Module etwa doppelt so lange brauchten.

Qualität der Sounds

In den Modulen der Premium-Klasse tummeln sich bei allen Bewerbern sehr brauchbare Sounds. Alle Kits verfügen über hervorragende Electrosounds und Percussioninstrumente, und hier sind die qualitativen Unterschiede auch nicht besonders groß, aber den Schwerpunkt bilden akustische Drumkits, und hier trennt sich bei den Oberklasse-Kits die Spreu vom Weizen. Bei Alesis trifft leider der Spruch "Quantität statt Qualität" zu, denn der Vielzahl an Sounds und Drumkits steht in klanglicher Hinsicht eher Mittelmaß gegenüber. So offenbaren die akustischen Drumsounds wenig klangliche Tiefe und Hi-Hats sowie Ridebecken klingen teilweise etwas zu spitz. Wesentlich besser schlägt sich das Pearl e/MERGE, bei dem vor allem die Beckensounds, aber auch die Snares überzeugen. Die Roland-Kits zeichnen sich durch druckvolle Sounds aus, aber auch mit den jazzigen Drumkits lässt es sich gut arbeiten. Gut gelungen sind bei Roland auch die Cymbalsounds, deren Verläufe durch die digitalen Ride Pads herrlich weich sind. Dem Ideal eines akustischen Schlagzeugs kommt aber das GEWA G9 am nächsten, da es insgesamt das natürlichste Klangbild liefert. Hier stimmt die Gesamtmischung, sowohl Drums als auch Beckensounds klingen dynamisch und räumlich und reagieren sensibel auf verschiedene Spieltechniken. 

Hier haben wir einige Stilvergleiche für euch, um die Sounds der Kits miteinander vergleichen zu können, zunächst hört ihr eine Auswahl der akustischen Kits:

....und hier folgen für jedes Modell zwei weitere Kits mit überwiegend Percussion- und Electrosounds:

Look und Mobilität

Während die E-Drumsets der unteren und mittleren Preisklasse nicht übermäßig fotogen sind, zeigen sich die Vertreter der Premium-Preisklasse alles andere als kamerascheu. Im Prinzip eifern fast alle dem Akustikdrum-Look nach, was mal gut, mal weniger gut funktioniert. Das GEWA G9 und Rolands VAD-Kits sind vermutlich vom nicht geschulten Auge nicht mehr von akustischen Drumsets zu unterscheiden, was schlicht und einfach daran liegt, dass hier Holzkessel verwendet werden, die in ihren Dimensionen regulären Schlagzeugen entsprechen.

Die Bassdrum der Roland VAD-Kits misst 20"x16", das GEWA-Modell hat die klassische Bebop-Größe 18"x14", und auch die hier verwendete 10"-12"-14" Tom-Kombination ist im Bereich Akustikdrums verbreitet. Allerdings haben die lackierten GEWA-Toms eine einheitliche Tiefe von fünf Zoll, während Roland bei den VAD-Modellen auf die üblichen Kesseltiefen setzt. Das Roland TD-27KV fällt optisch in dieser Gruppe aus dem Rahmen, weil es sofort als E-Drumkit identifizierbar ist. Die KD-10 Bassdrum und die Tompads kommen auch in Rolands Mittelklasse zum Einsatz. Das Alesis Strike Pro bietet eine Kombination aus 14" Bassdrum und relativ flachen, aber großen Holzkesseln bei Toms und Snare, etwas mehr Kesseltiefe gibt's beim Roland TD-50 und das Pearl kombiniert eine 18"x12" Bassdrum mit wiederum sehr flachen Snare- und Tompads.

Sehr unterschiedlich fallen auch die Rack-Konstruktionen aus. Pearl setzt traditionell auf ein Rack mit Vierkantrohren, wie man es auch von den Akustikdrums kennt, Roland verwendet beim TD-27KV schwarze und beim TD-50KV verchromte Rundrohre, letzteres gilt auch für das Alesis Strike Pro, allerdings hatten die Halterungen im Testverlauf etwas Mühe mt den schweren Tompads. Auch das GEWA G9 Pro L6 verfügt über ein Chromrack, allerdings ist dieses anders konstruiert als bei den übrigen Testteilnehmern. Auffälligster Unterschied ist die fehlende Querstange für die Racktoms, stattdessen sind diese an den senkrechten Rohren montiert. Die Roland VAD-Kits kommen übrigens komplett ohne Rack aus, was ihnen den ersten Platz im Akustik-Drumset-Look-Alike-Wettbewerb beschert.

Wie sieht es mit der Mobilität der Testkandidaten aus? Vom Auspacken der Einzelkomponenten bis zum ersten Schlag auf das fertig aufgebaute und feinjustierte E-Drumkit können bis zu 45 Minuten vergehen. Wenn das Set dann aber einmal steht, kann man beim nächsten Abbau einige Teile montiert lassen, sodass es zukünftig schneller geht. In derselben Zeit ist allerdings ein akustisches Set auch mühelos aufgebaut. Der Platzbedarf der Testteilnehmer im verpackten Zustand ist aber – abgesehen von den Roland VAD-Kits – immer noch spürbar geringer als bei einem akustischen Drumset, in Bezug auf die Mobilität sind E-Drumsets also insgesamt überlegen. Im aufgebauten Zustand braucht ein solches Set eine Fläche von ein bis zwei Quadratmetern und kann von zwei Personen ohne Probleme bewegt werden.

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