Software
Test
10
10.09.2018

Praxis

Neu gestaltete Benutzeroberfläche

Im Gegensatz zum Vorgänger erstrahlt die Benutzeroberfläche von Spaces 2 mit sehr hübsch anzusehenden Bildern der gesampelten Räume bzw. der gesampelten Hall-Geräte. Was ich im Gegenzug ein wenig vermisse, sind die früher vorhandenen Infos zum verwendeten Equipment. Auch wenn diese nicht überlebenswichtig sind, wäre es doch interessant, zu wissen, über welche Kombination aus Mikrofon und Vorstufe eine Impulsantwort aufgenommen wurde – gerade auch deshalb, weil Engineer Nick Phoenix offenbar großen Wert auf die Verwendung von hochwertigsten Komponenten gelegt hat, die natürlich auch bei Impulsantworten direkten Einfluss auf die Klangqualität haben.

Spaces 2 will genauso wie der Vorgänger vor allem hochwertigen und realistischen Raumklang liefern und bietet dementsprechend wenige Bearbeitungsmöglichkeiten. Hybrid-Techniken wie eine Modulation der Hallfahne oder separater Zugriff auf Early Reflections wurden vorsätzlich nicht integriert, und auch das Laden oder Erzeugen von eigenen IRs ist nicht vorgesehen. Das Plugin konzentriert sich also auf das Wesentliche, und das kann bekanntlich durchaus Vorteile haben. Zumindest läuft man nicht Gefahr, sich im Parameter-Gestrüpp zu verfangen, was bei komplexer aufgebauten Hall-Effekten durchaus schnell passieren kann.

In der Hauptansicht lassen sich der Pegel des Eingangssignals, der Dry- und Wet-Anteil und das Predelay regeln. An dieser Stelle vermisse ich eine Skalierung in Dezibel bzw. in Millisekunden. Auch wenn die wesentlichen Entscheidungen beim Mixing über das Gehör und nicht über Zahlenwerte getroffen werden sollten, wäre es doch hilfreich, eine entsprechende Anzeige einblenden zu können. Dies würde beispielsweise das Synchronisieren des Predelays mit dem Tempo eines Arrangements erheblich erleichtern. Positiv fällt mir dagegen auf, dass sowohl das Dry/Wet-Verhältnis als auch das Predelay mit dem Laden jedes Presets automatisch auf einen zur Impulsantwort passenden Wert gebracht werden. Wenn man Spaces 2 als Insert-Effekt verwendet, dann liegen die Ergebnisse also von Anfang an in einem vernünftigen Bereich. Wer dagegen traditioneller unterwegs ist und das Plugin vorrangig als Send-Effekt auf einem separaten Mixer-Kanal einsetzen will, der kann im Settings-Dialog dafür sorgen, dass der Dry-Regler beim Laden eines Presets standardmäßig auf null steht.

Weitgehend selbsterklärend: Decay- und Filter-Ansicht

Die Möglichkeit, das Decay (also die Abklingzeit der Hallfahne) zu regeln, ist im Grunde für jeden Faltungshall absoluter Standard. Beim Vorgänger war ein solcher Parameter nicht vorhanden, da man bei EastWest der Ansicht war, dass die aufgenommenen Impulsantworten in der dargebotenen Form den originalen Räumen am nächsten kämen und eine weitere Bearbeitung nicht notwendig sei. Von diesem Grundsatz hat sich der Hersteller in Spaces 2 aber gelöst, und so lassen sich in der neu hinzugekommenen Decay-Ansicht nun entsprechende Anpassungen vornehmen. Allerdings gibt es hier eine nicht ganz unwesentliche Einschränkung: Es ist zwar möglich, die Abklingzeit auf einer horizontalen Prozent-Skala zu kürzen, nicht aber sie zu verlängern. Mit der sieben Jahre langen Hallfahne, die in der Einleitung angesprochen wurde, wird es also nichts. Schade eigentlich!

Die Filter-Ansicht ist ganz ähnlich gestaltet wie die Decay-Ansicht und bietet Zugriff auf ein Lowpass- und ein Highpass-Filter. Vor allem in dichten Arrangements bietet es sich an, Gebrauch davon zu machen.

Könnte flexibler sein: Der Preset-Browser

Die mehr als 1000 Presets von Spaces 2 sind im Browser in Kategorien wie Konzertsäle, Kirchen, Lagerhäuser oder digitale Hallgeräte unterteilt und bieten dort größtenteils zusätzliche Unterkategorien, die an vielen Stellen selbst wiederum in Bereiche für einfache Stereo-Presets und True-Stereo-Presets gegliedert sind. Ein wenig verwirrend ist, dass es eine spezielle Kategorie namens „Instrument Specific Tour“ gibt, deren über 300 Presets auch in den allgemeinen Kategorien zu finden und dementsprechend doppelt gelistet sind. Und auch mit dem etwas kryptischen Bennenungsschema muss man sich anfangs ein wenig vertraut machen.

Eine Möglichkeit flexible Filter zu setzen und möglicherweise auch ein Rating-System würden die Suche nach Presets eindeutig erleichtern. Vor allem eine Kategorie für die komplexer gesampelten Räume wäre äußerst hilfreich, da sich diese momentan ohne spezielle Kennzeichnung mit den einfacheren Räumen vermischen. Aber gut – all das sind Dinge, die sich bei der regelmäßigen Arbeit mit dem Plugin von selbst lösen werden.

Klang: Fantastisch!

Die Überschrift nimmt die frohe Nachricht vorweg: Der Klang von EastWest Spaces 2 ist durchweg hervorragend, und trotz der vielen unterschiedlichen Presets lassen sich durchaus allgemeine Klangeigenschaften erkennen. Es wird eine wunderschöne und realistische Räumlichkeit gezeichnet, die einem Mix sehr effektiv mehr Größe und Dimension verleihen kann, ohne dabei aufdringlich oder offensichtlich zu wirken – vorausgesetzt natürlich, dass man es mit dem Hall nicht übertreibt. Die Höhen wirken bei den meisten Impulsantworten ausgesprochen smooth und die teils kräftigen Bassanteile machen vor allem bei orchestralem Einsatz eine sehr gute Figur. Für den Einsatz in dicht arrangierten Pop-Produktionen empfiehlt sich dagegen in den meisten Fällen ein Griff zum Highpass-Filter.

In den folgenden Audios sind mehrere Presets mit Spaces 2 als Insert auf einer Vocal-Spur und einer Drums-Summe (ohne Raum-Kanäle) zu hören. In beiden Fällen handelt es sich um Material, das nach der Aufnahme nicht oder nur minimal weiterbearbeitet wurde. Bei den Presets wurde der allgemein recht hohe Hall-Anteil an manchen Stellen etwas gezähmt.

Aber kommen wir zum Kernpunkt von Spaces 2: den instrumentenspezifischen Impulsantworten aus den acht komplex gesampelten Räumen. Um diese zu testen, habe ich ein kurzes und mit breitem Pinsel arrangiertes Stück für Streicher, Blechbläser und Percussion ausgewählt, das mit ProjectSAM Orchestral Essentials erstellt wurde. In der trockenen Version (Track 1) hört man, dass es bereits ohne den Einsatz von zusätzlichem Hall nicht ganz trocken zugeht, was für Orchester-Libraries aber natürlich nicht ungewöhnlich ist. Für Track 2 wurde ein einzelnes Preset (War Memorial Opera House – Solo) verwendet, für Track 3 wurden dagegen die instrumentenspezifischen Impulsantworten für Streicher, Blechbläser und Percussion aus dem gleichen Raum eingesetzt. 

Die Details eines Hall-Effekts sind in der Summe eines Arrangements natürlich nicht ganz einfach zu hören, und allgemein sind hier eine gute Abhöre oder Kopfhörer zu empfehlen. Um die Eigenschaften der instrumentenspezifischen Presets zu verdeutlichen, folgen nun die einzelnen Instrumentengruppen in isolierter Form – und zwar jeweils in einer trockenen Version, einer Variante mit einheitlichem Preset und einer Variante mit dem zugehörigen instrumentenspezifischen Preset. Es ist schon beeindruckend, was da passiert! Die Streicher bekommen mehr Höhe, das Blech mehr Breite und Tiefe und die Percussion-Instrumente profitieren von einer dickeren Hallfahne und wirken allgemein wuchtiger. Ich wage es, mich zu der Äußerung hinreißen zu lassen, dass die Unterschiede durchaus einige der sehr begehrten letzten oberen Prozentpunkte zu einem Mix beitragen können.

Bisher war nur einer der acht komplex gesampelten Räume zu hören. Zum Abschluss möchte ich das Orchester also noch in eine Auswahl der anderen Räume setzen. Hier wurde ausschließlich mit instrumentenspezifischen Impulsantworten gearbeitet.

Audiobeispiele

Pro & Contra

  • durchweg hervorragender und edler Klang
  • 
instrumentenspezifische Impulsantworten
  • 
unkomplizierte Bedienung

  • Preset-Browser könnte flexibler sein
  • 
fehlende Skalierung einiger Regler

  • Decay-Zeit lässt sich zwar kürzen, aber nicht verlängern

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