Software iOS
Test
5
10.05.2016

Praxis

Zunächst schließe ich einen Splitting-Adapter mit zwei 3,5-Millimeter-Klinkenbuchsen an den Audioausgang des iPads an. Die eine verbinde ich mit dem Ausgang des Line-Eingangs meines Pioneer DJM-S9. Der andere Kanal kümmert sich um das Pre-Cueing über den Kopfhörer. Da der Pegel des Mastersignals von der App nicht dem Niveau einer professionellen Software entspricht, kompensiere ich die schwächelnde Lautstärke durch Aufdrehen des Kopfhörerlevels am iPad. Sollte dadurch das Pre-Cueing-Signal zu laut werden, passe ich dies im Setup an. Da ich persönlich über keinen Deezer-Account verfüge, greife ich ausschließlich auf iTunes, als „Meine Musik“ gelistet, und Soundcloud zu. Für Ordnung sorgen die von iTunes übernommen Unterordner:

  • Tracks
  • Playlisten
  • Meine Mixe, die mit edjing aufgezeichnet wurden
  • Künstler
  • Alben
  • Ordner

Um von den Tracks auf Soundcloud zu profitieren, müsst ihr euch zuvor einen Account zulegen, was am schnellsten über ein vorhandenes Facebook-Profil geht. Angemeldet und eingeloggt erscheinen anschließend auch unter Soundcloud fünf Subkategorien:

  • Dein Stream: bisher angehörte Tracks
  • Deine Likes: favorisierte Tracks
  • Deine Tracks: hochgeladene Tracks
  • Deine Sets: eigene Sets
  • Folgen: Künstler, denen ich auf Soundcloud folge

Die Suche in der Library ist wirklich komfortabel, vor allem dank der verschiedenen Ordner, der übersichtlichen Ansicht und auch der Suchfunktion. Das Laden gestreamter Tracks dauert schon einige Sekunden, da Wellenformen einzulesen und die BPMs zu analysieren und zu setzen sind. Etwas versteckt in der Library sind zudem noch Funktionen zu finden, um die Tracks in der Playlist oder Warteliste für den Automix zu bunkern.

BPM und Beatgrids

Da die BPM hundertstelgenau analysiert und angezeigt werden, stehen die Chancen für ein sauberes Sync-Mixen sehr gut. Wer dennoch seiner Beatmatching-Leidenschaft frönen möchte, der wechselt auf den Tempo-Reiter. Beim manuellen Geschwindigkeitsabgleich empfehle ich die Pitch-Range auf maximal zehn Prozent zu beschränken. Ein größerer Umfang geht auf Kosten der Genauigkeit. Aber warum es sich unnötig schwer machen, wenn die App Beatgrids sehr akkurat setzt?

Im BPM-Fenster kann ich diese auch anhand eines Taktes per Finger korrigieren. Einfach den angezeigten Wellenformausschnitt zoomen oder stretchen. Als zweite Möglichkeit gibt es das manuelle Tapping der BPM zum laufenden Track. Falsch gesetzte Beatgrids, etwa bei Tracks mit Half- oder Doubletime-Beats, halbiert oder verdoppelt man einfach. Leider speichert die App diese Änderungen bisher nicht ab. Ärgerlich.

Manuelles Mixing

Bevor ich einen Track in den anderen mixe, setze ich noch einen Hot Cue auf den Down-Beat. Zur Info: Cue-Punkte werden generell stets auf das Taktraster ausgerichtet. Das Spulen im Track läuft in zwei Phasen ab. Zunächst tippe ich grob auf die gewünschte Position in der Wellenform und der Abspielkopf springt dorthin. Zur Feinsuche berühre ich den Wellenformausschnitt und verschiebe den „Abspielkopf“ an die gewünschte Stelle. Ich starte Track A, den anderen höre ich über das Pre-Cueing vor. Kurz das Tempo per Sync-Knopf angeglichen. Das läuft! Allerdings: Um den anderen Track beat- und phasengenau mit dem Hot Cue manuell zu treffen, bedarf es schon etwas Übung. Liegen die Beats nicht ganz in Phase, passe ich sie per Pitch-Bending oder durch erneutes Sync-Drücken an.

Läuft der Mix hingegen phasengenau, gibt es nicht zu rütteln. Ein nettes Detail: Verschiebe ich den Crossfader, verändert sich auch gleichzeitig die Helligkeit des Waveform-Ausschnitts. Ein eingeblendeter Track scheint zunächst dunkler und gewinnt mit zunehmender Präsenz im Mix an Farbe im Display. Das Gleiche gilt umgekehrt für den Mix-Out.

Effekte

edjings Effekte laden zu Sound-Spielereien ein. Besonders die Rolls ergeben mit dem darüber gelegten Filter, das innerhalb eines Taktes vom Low- zum Highpass wandert, eine sehr schicke Kombination. Nach vier Zählzeiten sollte man den Effekt jedoch verlassen, denn anschließend springt das Filter wieder direkt vom High- zum Lowpass.

Die vier verschiedenen Beatgrid-Effekte kreieren neue Track-Patterns. Four-To-The-Floor-Stampfer avancieren damit zu Breakbeat-Tracks, allerdings zählt auch hier die wohl überlegte Dosierung, denn auf Dauer kann der Einsatz des Effekts auch nerven. Nur der Vollversion vorbehalten sind die vier Color-Effekte, die ich sogar alle zugleich herausfordern kann. Das Filter funktioniert je nach Fader-Richtung als Low- und Highpass. Reverb, Delay und Echo Out lassen sich mit dem Regler lediglich in ihrer Intensität verstellen.

Zur weiteren Klangmodulation steht noch der Dreiband-EQ (mit Reset) bereit, der beim eingestellten Minimum das Signal nicht komplett killt. Im Freeze-Mode wird die im Playhead-Fenster gezeigte Wellenform förmlich eingefroren und die acht Beats zweier Takte sind anschließend auf dem Display einzeln anspielbar. Der größte Unterschied zum Serato-Slicer besteht darin, dass dieser auch mit dem laufenden Track wandert. edjings Freeze-Beats hingegen verharren an ihrer Position und der Track springt immer wieder an die eingefrorene Stelle zurück. Bevor ich mich nun noch dem Automix widme, teste ich noch schnell den Vinyl-Modus. Eine schöne Spielerei für ein paar Babyscratches, mehr aber auch nicht, wenn ihr mich fragt. 

Der virtuelle Automix-DJ mixt meine Playlist recht souverän und die Übergänge klingen bei korrekten Grids gut. Wenn die Software eine Kick mit einer Snare verwechselt oder einen Auftaktschlag nicht beachtet, stellt sich dies natürlich anders dar. Ein weiteres kleineres Manko besteht in der einstellbaren Übergangslänge für den Automix, da sich diese nach der Zeit richtet und nicht nach den Takten oder Phrasen eines Tracks. Was ich mir noch gewünscht hätte: eine Autogain-Funktion zur automatischen Lautstärkeanpassung der Musikstücke.

Nun noch ein kurzes Feedback zur Performance der App. Mit meinem iPad Air der ersten Generation gab es leider ein paar kleinere Probleme. Die Wellenformen ruckelten mitunter, es kam auch schon mal zum Absturz der App. Für „professionellere“ Einsätze empfiehlt sich daher wohl entweder ein neueres iPad-Modell oder eine andere App wie DJAY Pro, MixVibes Cross DJ oder Traktor DJ. Schließlich möchte ich noch die Record-Funktion erwähnen, die euren Mix für die Nachwelt festhält. Zudem unterstützt mich edjing beim Social-Networking, indem es die Datei auf Facebook, Twitter, Google+ teilt und auch per E-Mail verschickt.

Audiobeispiele

Pro & Contra

  • Übersichtliches Layout
  • Einfaches Handling
  • Zugriff auf Soundcloud und Deezer
  • Exaktes Beat-Sync
  • Acht verschiedene Crossfader-Kurven
  • Color-Effekte und EQ für individuelle Klangmodulierung
  • Viele weitere kreative Bordmittel

  • Kein Auto-Gain
  • Geänderte Beatgrids nicht speicherbar
  • Kein phrasengenauer Automix
  • Keine Controller-Unterstützung (außer Mixfader)

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