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Test
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06.07.2017

Elektron Digitakt Test

Digital Drum Machine

Kooperation mit Electronic Beats

Elektron gibt uns mächtig G.A.S. und released ein neues Produkt nach dem anderen. Erst Analog Heath und Analog Drive, und dann auch noch die Ankündigungen des Digitakt und Octatrack Mk2

Der Elektron Digitakt ist mittlerweile weitestgehend der breiten Masse zugänglich, sodass wir uns nach unserem ersten, schnellen Preview jetzt dem neuen Schweden-Sampler im Detail widmen. Dieser Test erfolgte wieder in Kooperation mit Telekom Electronic Beats, daher gibt es im Praxis-Teil zusätzlich ein umfangreiches Video mit dem Electronic Artist Martin Stimming! Er konnte sich intensiv in den Digitakt einarbeiten und gibt uns im Test seinen ungefilterten Eindruck.

Details

8 Voice Drum Sampler und Sequenzer

Elektron Digitakt ist ein Step-Sequenzer und Sampler speziell für One-Shots – und damit ideal für das Drum Programming. Auf ihrer Website sprechen Elektron von einer Drum Machine, was nicht falsch ist, aber durchaus irreführende Assoziationen zu einer eigenen Klangerzeugung wecken könnte. Digitakt ist also keine Machinedrum 2.0 oder eine Art „digitaler“ Analog Rytm.

Die Engine hat acht Stimmen, man kann also bis zu acht Samples parallel pro Step abfeuern. Pro Step – das sage ich deshalb, weil jede Stimme pro Step das Sample auch ändern kann. Pro Pattern bzw. Project können wiederum bis zu 127 Samples angesprochen werden. Eine Limitierung der Länge scheint es nicht zu geben, insgesamt dürfen alle Samples eines Projektes nicht größer als 64 MB sein. Multi-Samples oder dediziertes Round-Robin gibt es nicht.

Classic Elektron User Interface + Neues

Die grundsätzliche Bedienung ist wie bei allen Elektron-Maschinen: Es gibt acht Push-Encoder, deren Funktionen sich mit dem Display-Inhalt kontinuierlich ändern. Hinzu kommen die klassischen beleuchteten 16 Step-Taster, mit denen sich der Sequenzer programmieren als auch live bespielen lässt.

Neu ist der Chromatic-Mode, mit dem sich auch Drums tonal spielen lassen. Das ist allerdings nur die halbe Wahrheit, denn insbesondere die zusätzlichen acht MIDI-Spuren profitieren von diesem Funktionszuwachs. Pro Step lassen diese das Spiel von Akkorden mit bis zu vier Noten gleichzeitig zu. Mehr wären zwar wünschenswert gewesen, hätten die Übersichtlichkeit aber durchaus gefährdet. Apropos Display, das ist endlich wieder groß und verdammt gut lesbar!

Die Verarbeitung ist gut, allerdings klappert der kompakte, schwarze Kasten recht ordentlich beim Spielen. Mit denselben Maßen wie Analog Heat (215 x 184 x 63 mm cm) und einem in etwa identischem Preis sowie etwas weniger Gewicht (1,45 kg) macht diese Maschine dennoch ordentlich Spaß! 

Talking MIDI

Zwar bietet der Digitakt nur einen klassischen MIDI-Out, allerdings ist das Senden vieler parallelen Noteninformationen dank Turbo-MIDI gar kein Problem. Über den MIDI-Out hängt das natürlich auch von den nachfolgenden Gerätschaften ab, über USB und unter OSX mit Ableton Live funktionierte das Ganze aber hervorragend. 

Ich muss gestehen, ich war mehr als skeptisch – aber auch bei viel Verkehr auf der Leitung kam es zu keinen Drifts der Note-Events. Dennoch wären mehr als ein MIDI-Out schon schön gewesen. Immerhin gibt es einen MIDI-Thru, der sich wie der MIDI-Out auch als DIN-Sync für ältere Gerätschaften nutzen lässt.

Das Dilemma des Prototyps

Ich habe zum Test eine Vorab-Version erhalten, die softwaretechnisch noch nicht ganz ausgereift war. Dank OS 1.03 konnte ich nun aber keine weiteren Bugs mehr finden. Das angekündigte Overbridge Feature konnte auch ich noch nicht ausprobieren, es wurde für Ende des Jahres angekündigt und soll kostenpflichtig sein. Ob sich Elektron damit ein Gefallen getan hat? Ich denke nicht.

Die reguläre Kaufversion soll jedenfalls mehr als 400 Sounds an Bord haben, bei mir war das +Drive noch leer. Die Aufteilung sieht jedenfalls wie folgt aus:

  • 5 akustische Drumkits, vier von „That Sound“
  • 23 elektronische Drumkits
  • 42 Synth-Oneshots
  • 44 Synth Stabs und Pads
  • 83 Oszillator Wellenformen und Noise Loops

Das sind also keine Unmengen an Samples. Vergleiche mit einer MPC oder dergleichen stellen sich meiner Auffassung nach also nicht. Zumal das Konzept ein gänzlich anderes ist: Statt mit GBs zu klotzen, setzt Elektrons Fokus auf gezielter Manipulation von relativ wenigen Samples – und das in Echtzeit. Das wird vor allem bei den Wellenform-Samples deutlich, weshalb ich sogar fast schon von einem Wavetable-Synth sprechen würde.

Alte Werte, neue Details

Der Sequenzer war schon immer das wichtigste Argument für einen Elektron. Ich finde, er gehört mit zu dem Besten, was der Hardwaremarkt hergibt und gipfelt hier in seinem aktuellen Höhepunkt. Kurz die wichtigsten Fakten: Pro Project gibt es 8 Bänke à 16 Pattern à 64 Steps. Dank +Drive können bis zu 128 Projekte gespeichert werden. 

Jeder Step kann mit Parameter-Locks, das heißt mit ganz individuellen Parametern, nur für diesen Step, versehen werden. Anders ausgedrückt: So gut wie jeder Parameter kann automatisiert und manipuliert werden. Hinzu kommen Trigger-Conditions, wo gewisse Steps nur mit einer definierten Wahrscheinlichkeit abgespielt werden bzw. für ein Fill definiert werden können. Zusätzlich kommen anpassbare Track-Lengths hinzu. 

Mit dem μTime-Setting kann jeder Step außerdem auf 1/384 genau verschoben werden, um der Kiste einen ganz individuellen Swing verpassen zu können – fernab vom globalen Swing-Parametern. Das bedeutet auch, dass „Live“-eingespieltes MIDI-Material äußerst authentisch wiedergegeben wird und nur bei Bedarf quantisiert werden muss. Quantisierung ist dabei während der Aufnahme als auch danach möglich und sowohl global als auch individuell pro Track anwendbar.

Steps, Tracks und Patters können nach Belieben kopiert, gelöscht und „undo-ed“ werden. Dass echte Anwender hinter der Entwicklung stecken, bezeugt allein dieses kleine Detail: Sollte man ein anfänglich aus 16 Steps bestehendes Pattern auf weitere „Pages“ erweitern (bis zu 64 Steps), dann werden bereits gesetzte Noten einfach mitkopiert. Ein kleines, aber sehr feines Detail!

Auch ein Metronom ist mittlerweile am Start, es kennt sämtliche Signaturen, eine eigene Lautstärke-Regelung und sogar Preroll.

Sample me!

Samples können nicht nur per MIDI und USB übertragen werden, sondern auch aufgenommen werden. Dazu steht ein Stereo-Eingang (2*TS) auf der Rückseite zur Verfügung. Auch intern, vom Digitakt selbst, kann aufgenommen werden. Die maximale Sampling-Zeit beträgt dabei 33 Sekunden und ist von dem 64-MB-Limit unabhängig. 

Aufgenommen wird übrigens immer Mono bzw. Mono-summiert, den Stereo-Input sollte man also besser als Dual-Mono betrachten. Die verfügbaren Eingänge lauten damit: Ext R, Ext L, Ext L+R, Int L, Int R und Int L+R.

Verfügbare Parameter der acht Audio-Tracks

Betrachten wir zunächst die acht Audio-Tracks, die natürlich alle gleich von der Parametrisierung her sind. Es gibt fünf Pages namentlich Trigger, Source, Filter, Amplifier und LFO – pro Track.

Trigger definiert das Step-Handling, also welche Note gespielt wird, Velocity, Length, Condition (die Wahrscheinlichkeit), ob das Filter neu getriggert wird und ob auch der LFO neu getriggert wird. Source bündelt alle Sample-Einstellungen, dazu gehören Tune, Abspielrichtung (Forward, Forward Loop, Reverse Loop und Reverse), Bit-Reduktion, Level, Start-, End- und Loop-Punkt sowie natürlich auch die Einstellung, welches der maximal 127 Samples abgespielt werden kann. Nochmal: Alle diese Parameter können pro Step geändert werden!

Die Filter-Page beheimatet eine ADSR-Hüllkurve inklusive Frequenz, Resonanz und Envelope-Anteil (+/- 64) sowie den Filtertypen (Low- oder High-Pass). In der Amp-Sektion gibt es ein AHD-Envelope, Volume und Panning sowie das Effekt-Routing. Ein Overdrive-Effekt kann individuell pro Sound aufgerufen werden, Delay und Reverb gibt es insgesamt jeweils nur einmal und ist deshalb als Sends ausgelegt.

Die LFO-Page, wie der Name schon sagt, steht für den Low-Frequency-Oscillator, einer Quelle für weitere Modulationen und es gibt sie pro Track. Es stehen folgende Parameter zur Verfügung: Speed, Multiplier, Fade, Destination, Waveform (Triangle, Sine, Squar Saw, Exponential, Ramp und Random), Start-Phase, Trigger-Mode und Depth. 

Anschlagsempfindlich sind die Pads aber nicht, sie so zu spielen wird nur über einen externen Controller möglich. Besonders cool aber: ein angeschlossenes Keyboard kann dem ausgewählten Track folgen. 

Umfangreicher, zusätzlicher 8-Spur Sequenzer

Kommen wir nun zu den MIDI-Tracks: Die LFO-Page ist identisch, der Rest natürlich etwas anders. So kann man unter Trigger wieder Note, Velocity, Length, Condition und LFO-Trigger festlegen, die Definition von Note-2, Note-3 und Note-4 ist exklusiv. Kurz um: Hier wird der Abstand per Halbton zum Grundton definiert. Das ist insofern cool, als man so Akkorde unkompliziert transponieren kann, wenn es denn auch etwas technisch anmuten mag.

Die Source-Page definiert Channel, Bank und Programm sowie die fixen CCs wie Pitch-Bend, Aftertouch, Mod-Wheel und Breath-Control. Die Filter-Page dient bei den MIDI-Tracks zur Steuerung von acht frei wählbaren (CC-)Messages, die Ziele bzw. Kanäle werden unter Amp definiert. 

Globales Reverb und Delay

Pro Audiotrack gibt es einen Overdrive und einmal Bitreduction. Delay und Reverb werden indes mit Sends angesprochen und stehen insgesamt nur einmal zur Verfügung. Das Delay kann auch das Reverb füttern, umgekehrt ist es nicht möglich. Die entsprechenden Pages erreicht man mit der gelben Function-Taste, die entsprechende, gelb-beschriftete Doppel-Belegungen aufruft. Das Delay kennt folgende Parameter: Delay-Time, Ping-Pong (On/Off), Stereo-Width, Feedback-Gain, High-Pass, Low-Pass, Reverb-Send und Volume.

Bei dem Reverb sieht es folgendermaßen aus: Pre-Delay, Decay, Feedback EQ High-Shelf-Frequency, High-Shelf-Gain (nur negative Werte möglich), High-Pass, Low-Pass und Volume. 

Der Vollständigkeit halber sei noch die Master-Page erwähnt, hier können nochmal zusätzlich Volumes der Audio-Tracks eingestellt werden. 

Anschlüsse an der Rückseite

Schlussendlich nochmal eine Zusammenfassung der Anschlüsse: MIDI-mäßig gibt es einen In, einen Out und auch einen Thru, wobei die letzten Beiden sogar in der Lage sind DIN-Sync auszugeben. Via USB gibt es ebenfalls MIDI und in Verbindung mit Overbridge auch Audio. Analog-Audio gibt es via symmetrischen Stereo-Main-Out und unsymmetrischen Stereo-In sowie einen Kopfhörerausgang. Kopfhörerausgang und Main-Out werden von einem gemeinsamen Regler gesteuert, was etwas schade ist.

Hinzu kommen der Stromanschluss, der Hauptschalter und die USB-Buchse. Das mitgelieferte Netzteil liefert 12 Volt und ist selbst mit 100 bis 240 Volt kompatibel. Zum Lieferumfang gehört außerdem noch ein Handbuch und ein schickes, rotes Textil-USB-Kabel.

Video

Audiobeispiele

Pro & Contra

  • Hardware
  • acht Sample-Tracks
  • acht zusätzliche MIDI-Tracks
  • äußerst ausgereifter Sequenzer

  • klappernde Taster

Gehört zu dieser Serie

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