Keyboards
Test
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05.01.2021

 

 

Enjoy Electronics Reminder MultiFX Test

Multieffekt mit Delays, Reverb und Filter

Besser als andere?

Die junge italienische Boutique-Schmiede Enjoy Electronics präsentiert mit dem „Reminder MultiFX“ einen interessanten Multieffekt-Prozessor, den es speziell in dieser Form und Ausrichtung bis dato wohl kaum gegeben haben dürfte. Mit einem vielseitigen Stereo-Delay, einem Reverb, einer Filter-Bank und einem LFO richtet sich das hochwertige Effektgerät vor allem an Keyboarder, Produzenten und Sound Nerds, die ihren Klanghorizont erweitern wollen. Durch vier Outputs und verschiedene Routing-Möglichkeiten lässt sich das Gerät auch quadraphonisch nutzen. Wie sich der Reminder in der Praxis schlägt, haben für euch untersucht.

Details

Äussere Erscheinung

Schon bevor ich den ON-Schalter gefunden habe, bin ich von dem außerordentlich geschmackvollen Design und der hochwertigen Verarbeitung des Reminders beeindruckt. Hier wurde wirklich nicht an Qualität oder Platz gespart, die großen Moog-artigen Vintage-Potis treffen auf ein schnittiges, modernes Gehäuse mit liebevoll designter Holz-Umrahmung. Mit 46 x 15,8 x 6,8cm (BxTxH) und knapp 3,0kg Gewicht ist das Gerät der ideale Schreibtisch-Bewohner, sollte sich aber auch gut in mobilen Setups gut unterbringen lassen. 

Features und Funktionsweise

Das Hauptaugenmerk des Reminder Multieffekts liegt augenscheinlich auf der mittig platzierten Delay-Sektion, der auch am meisten Platz eingeräumt wurde. Es handelt sich hierbei zunächst um ein einfaches Stereo-Delay, welches allerdings mit vielerlei Funktionen und Erweiterungen ausgeschmückt wurde. Reminder bietet zwei dezidierte Delay Time-Potis für den linken und rechten Kanal, die sich am Master- Tempo orientieren. Ein stufenloses, tempo-unabhängiges Verstellen der Delay-Time ist nicht möglich. Die Subdivisions reichen jeweils von ½ bis 1/16T, per Button lassen sich die Notenwerte jeweils punktieren. Mittels des Offset-Potis lässt sich eine Delay-Time zwischen den beiden Kanälen einstellen, wodurch interessante Stereo-Effekte entstehen. Besonders interessant wird es, wenn das Double Pulse Delay – kurz „DPD“ genannt – hinzugenommen wird. Es funktioniert wie eine Art „Delay im Delay“: Dadurch wird eine zusätzliche Verzögerung erzeugt, dessen Position sich relativ zum Haupt-Delay festlegen lässt. Durch dieses unkonventionelle Konzept lassen sich intuitiv komplexe Rhythmen kreieren, für die es ansonsten mehrere Delay-Pedale und viel Feinarbeit gebraucht hätte.

Mit dem Delay kann man in verschiedenen Modi arbeiten, wodurch, wie z. B. im „Manual Add“-Modus nur bestimmte Teile des Quell-Signals ins Delay geschickt werden können und der Rest ohne Echo durchgespeist wird. Im unteren Bereich finden sich einige Mixer-Potis, womit sich der Dry/Wet-Anteil der Delay-Sektion regeln lässt. Außerdem gibt es einen Feedback-Regler mit Infinity-Mode. Das Delay wandert in den recht kompakt gestrickten Reverb, der sich in Sachen Amount, Size und Hipass-Filterung bearbeiten lässt, jedoch keine verschiedenen Hall-Algorithmen bietet.

Die Effekt-Reihenfolge des Reminder lässt sich nicht beliebig verändern. Was aber möglich ist, ist eine Pre/Post-Schaltung des Filters vor, beziehungsweise nach der Delay-Engine. Wird der große Filter-Regler nach links gedreht, greift ein Low-Pass Filter. In die andere Richtung macht sich ein Hi-Pass breit. Für das Double Pulse Delay gibt es noch ein separates Filter mit gleicher Wirkungsweise. Der separate Resonanz-Regler wirkt simultan auf beide Filter-Einheiten. Leider lässt sich das Filter nicht wahlweise auf Wet/Dry-Signale anwenden, was für mich gerade in Bezug auf Drum-Sounds essentiell ist. Außerdem vermisse ich eine kleine Distortion-Einheit, wie sie bei einer herkömmlichen Filterbank mittlerweile Gang und gebe ist. Der syncbare, globale LFO des Reminder beherbergt vier unterschiedliche Wellenformen und lässt sich Sektions-übergreifend routen, beispielsweise auf die Filter-Frequenz oder den Reverb-Amount.

Anschlüsse und Quadrophonie

Rückseitig bietet der Multieffekt zwei 6,3 mm Klinken-Audio Ins und gleich vier Audio Outs. Wie diese Anschlüsse geroutet werden, lässt sich im Menü organisieren, was im OLED-Display angezeigt wird. Der Reminder lässt sich entweder Mono In/Stereo Out, Stereo In/Out, oder eben quadrophonisch über die vier Ausgänge betreiben. So lässt sich z. B. das Double Pulse Delay ausschließlich auf Ausgang 3 / 4 routen, während der Reverb nur auf 1 / 2 zu hören ist. In einem Setup mit vier Lautsprechern (… wie in einem Techno-Club) entstehen dadurch ansprechende, dreidimensionale Sound-Welten. Reminder bietet gleich zwei Footswitch-Anschlüsse zur Kontrolle von Tap Tempo und Delay-Trigger, die aber leider keine Expression-Befehle für z. B. Feedback oder Filter-Frequenz senden können. Neben MIDI In/Out/Through ist ein USB-Anschluss an Bord, der sowohl für MIDI-Zwecke dient, als auch für die Stromversorgung zuständig ist. Aktuell lässt sich via MIDI lediglich das Master-Tempo kontrollieren, eine ausführliche MIDI-Implementierung ist für zukünftige Software-Updates geplant. CV-Anschlüsse zur Verbindung mit analogen Klangerzeugern sind nicht verbaut.

Audiobeispiele

Pro & Contra

  • Hochwertige Verarbeitung
  • Ergonomische, übersichtliche Bedienoberfläche
  • Vielseitige Routing-Möglichkeiten
  • Mono/Stereo-Betrieb möglich
  • Präzises, zuverlässiges Ansprache-Verhalten im Sound
  • Zeitgemäße Effekt-Kombination und Konzept

  • Kaum Modulations-Möglichkeiten
  • Klinischer Grundsound
  • Reverb nur in mono
  • Filter lässt sich nicht einzeln auf Wet-Signal routen

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