Eurorack-Module
Test
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02.10.2018


Erica Synths / Liquid Sky Dada Noise System Test

Eurorack Noise-Instrument

Spezielles Eurorack-Komplettsystem für Glitch- und Noisemusik

Entstanden ist das Dada Noise System in einer Kooperation zwischen Erica Synths und Liquid Sky Berlin. Liquid Sky Berlin, als Künstlerkollektiv in verschiedenen Bereichen - angefangen bei Design über Mode bis Kunst - tätig, hat sich durch musikalische Präferenzen im Terrain abgefahrener Glitch-(Video-) Kunst und Noise-Musik einen Namen gemacht. Auch hat Liquid Sky durch das Plattenspieler-Verbot in deren Club in Berlin Kreuzberg für Aufsehen gesorgt.

Beim Dada Noise System handelt es sich um eine Zusammenstellung von verschiedenen Erica Synths Modulen, die ebenfalls in einem Erica Synths Case samt eigener Stromversorgung ausgeliefert werden. Dieses System ist darauf ausgelegt sehr spielbar zu sein. Anders, als viele andere Komplettsysteme, spezialisiert sich das Dada Noise System auf eine bestimmte Art von Klangerzeugung und versteht sich als 'Noise- Instrument'. Wir haben das ungewöhnliche System genau unter die Lupe genommen, und berichten über unsere Eindrücke in diesem ausführlichen Test.

Details

Das Dada Noise System besteht aus 15 verschiedenen Erica Synths Modulen, die eine Mischung der Black Series, Fusion Series und der Pico Series darstellen. Eine bunte Mischung also aus fast allen Serien, die Erica Synths im Portfolio bietet.

Den enthaltenen Pico VCO und das kleine Pico Drums-Modul haben wir uns bereits näher beim Pico System II Test genauer angeguckt. Ebenso den Fusion Ring Modulator und das Fusion Delay im Fusion Drone System Test. Black Modulator und Black Mixer sind im Erica Synths Black System enthalten. Das Black Code Source mit seinem Expander und das Black Output Modul haben unsere volle Aufmerksamkeit in eigenen Testberichten erhalten. Schauen wir uns jetzt doch noch die verbleibenden sieben Module an, die wir noch nicht hier bei Bonedo besprochen haben, und die im Dada Noise System enthalten sind.


BLACK HOLE DSP + Expansion ROM

Das Black Hole DSP ist ein digitales Stereo Multi-Effektgerät, welches auf dem hervorragenden Spin FV-1 Chip basiert. Das Black Hole bietet 16 verschiedene Effekte, die speziell für Erica Synths programmiert wurden. Es gibt zwei Potis, womit sich zwei verschiedene Parameter des jeweils ausgewählten Effekts einstellen lassen. Beide Parameter können auch durch zwei dedizierte CV-Buchsen per Steuerspannugen automatisiert werden.

Ein weiteres Poti wählt zwischen den 16 verschiedenen Effekten aus und auch dieses kann per CV gesteuert werden, was eine sehr schöne Dreingabe ist. Ein vierter Drehregler ist dazu bestimmt die interne Clock des FV-1 Chips in der Geschwindigkeit zu ändern. Dieses ergibt Klänge die von digitalen Vintage-Geräten bis zu extremen Bitcrushing reichen. Zum Schluss gibt es noch einen Dry/ Wet Regler, der zwischen dem trockenen und bearbeiteten Signal überblendet. Beide dieser Potis sind ebenfalls per CV anzusteuern und somit ist jede vorhandene Funktion des Black Hole auch per CV ansprechbar. Vorbildlich!

Außer den 5 Eingängen für Steuerspannungen, finden wir noch ein Eingangs- und Ausgangspärchen Buchsen für den Stereobetrieb vor. Ein kleiner Druckknopf lässt zwischen verschiedenen Bänken der Effekte umschalten, denn diese sind in zwei Gruppen à acht Effekten gruppiert. Das im Dada Noise System verbaute ‚Black Hole‘ hat noch den DSP FX Expansion ROM installiert. Dieser Erweiterungschip fügt den bereits enthaltenen zwei Bänken eine dritte hinzu und bietet weitere interessante Effekte, wie verschiedene Shimmer, verzerrte Delays und ein paar rudimentäre, aber durchaus sinnvolle, Looper. Alles in allem ist das Black Hole ein sehr vollständiges und hervorragend klingendes Effekt-Modul.


BLACK OCTASOURCE

Das Octasource ist ein CV-steuerbarer LFO mit acht Ausgängen, die in der Phase verschoben sind. Mit einem großen Poti wird die Geschwindigkeit dieses LFOs eingestellt. Steht der Drehregler in der 12 Uhr Stellung so ist der der LFO angehalten und sozusagen im ‚Freeze‘ Zustand. Dreht man das Poti im Uhrzeigersinn weiter, so nimmt der LFO an Geschwindigkeit zu und die acht Ausgänge beginnen auch im Uhrzeigersinn in der Phase zu rotieren. Das Gleiche passiert anders herum, wenn man das Poti von der Mittelstellung gegen den Uhrzeigersinn dreht. Um dieses Poti per CV zu steuern, steht eine Eingangsbuchse samt dediziertem Abschwächer-Poti zur Verfügung. Anders als bei anderen LFOs oder VCOs, die viele phasenverschobene Ausgänge bieten, kann das Octasource nicht nur acht gleiche phasenverschobene Wellenformen ausgeben.

Mit einem Kippschalter kann man in einen ‚Multi-Modus‘ schalten, sodass dann auch acht verschiedene Wellenformen aus den einzelnen Buchsen ausgegeben werden. Die Wellenformen werden per ‚Wave‘ Poti ausgewählt, wobei hier zwischen den üblichen verdächtigen Wellenformen überblendet wird und somit eine große Anzahl an interessanten neuen Wellenformen zur Verfügung stehen. Im Multi-Modus darf man dann die verschiedenen Wellenformen über die acht Ausgangsbuchsen rotieren. Auch diese Funktion ist per CV zu automatisieren, wobei hier jedoch kein Abschwächer zur Verfügung steht. Alle der acht Ausgangsbuchsen haben jeweils eine eigene zweifarbige LED, die über die gerade ausgegebene Wellenform informiert. Alle acht Ausgänge sind um 45 Grad in der Phase verschoben.

Ganz speziell ist hier aber der ‚Phase CV‘ Eingang wodurch man sich nochmal innerhalb dieser 45 Grad bewegen kann und somit das Verhältnis der Phasenverschiebung ändert. Zum Schluss gibt es sogar noch einen Sync Eingang, womit dieser ‚aufgebohrte‘ LFO mit anderen Modulen gesynct werden kann. Hierbei verliert der Rate Regler seine Funktion, außer, wenn dieser in Mittelstellung ist, dann nämlich werden alle Ausgänge auf den gerade ausgegebenen Wert eingefroren. Alles in allem ist dieser LFO eine mächtige Modulationsquelle mit vielen verschiedenen Wellenformen, aber bleibt dennoch einfach und schnell in der Bedienung.


BLACK MULTIMODE VCF

Das Multimode-Filter bietet gleichzeitig Lowpass, Bandpass und Highpass and drei verschiedenen Ausgangsbuchsen. Außer einer Eingangsbuchse für das eingehende Audiomaterial, gibt es noch zwei Eingangsbuchsen um den Cutoff und die Resonanz per CV anzusteuern. Für beide CV-Eingänge gibt es eigene Abschwächer, womit dieses Filter sehr gut zu kontrollieren ist. Zusätzlich zu den beiden Abschwächer-Potis und den beiden Potis für Cutoff und Resonanz, dient noch einen Drehregler um das eingehende Audio in der Lautstärke zu regeln. Hierbei kann man das eingehende Signal auch sehr schön, dank eingebauter Germanium-Diode, in die Verzerrung drücken. Alles in allem ist es ein einfaches, aber gut klingendes Filter, bei welchem jede Funktion über CV Eingänge verfügt. Die mögliche Sättigung bzw. Verzerrung durch die Germanium-Diode ist ein sehr willkommener Bonus.

BLACK DUAL EG/LFO

Dieses Modul bietet gleich zwei ADSR- oder AD-Hüllkurven bei nur 10TE Breite. Beide Hüllkurven können getrennt voneinander in einen Loop-Modus versetzt werden und fungieren somit auch als LFOs. Ein Kippschalter lässt wählen, ob man mit zwei ADSR oder zwei AD bzw. ASR Hüllkurven arbeiten möchte. Es gibt vier Potis womit sich die Attack-, Decay- und Release-Zeiten, sowie das Sustain-Level der ADSR Hüllkurven einstellen lassen. Mit einem weiteren Kippschalter wählt man eine der beiden Hüllkurven, mit der man gerade bearbeitet. Schön gelöst ist hier, dass alle vier Potis über kleine LEDs verfügen, die anfangen zu blinken, wenn man auf die andere Hüllkurve umschaltet und den vorher eingestellten Wert erreicht hat.

Befindet man sich im AD-Modus, so kann man mit den vier Potis die Attack- und Decayzeiten beider Hüllkurven gleichzeitig steuern. Die letzten beiden der vier Kippschalter bieten die Möglichkeit, zwischen einem langen oder kurzen Modus für die Hüllkurven zu wählen. In der dritten Position versetzen diese beiden Kippschalter die jeweilige Hüllkurve in einen Loop-Modus. Beide Hüllkurven haben jeweils einen Gate- und einen Triggereingang. Befindet man sich im AD-Hüllkurven Modus, so verwandelt ein eingehendes Gate die jeweilige AD-Hüllkurve in eine ASR Hüllkurve. Im LFO-Modus aktivieren eingehende Gates die LFOs. Das ermöglicht einem tolle Patches, bei denen man die LFOs starten und stoppen kann. Steckt nichts in der Gate Buchse, so sind die LFOs freischwingend.

Die beiden Trigger-Eingänge retriggern die beiden Hüllkurven bzw. LFOs, egal in welcher Stage sie sich gerade befinden. Die Tatsache, dass man zwei Eingänge für jede Hüllkurve hat, bedeutet auch hier, dass man damit sehr umfangreiche Patches bauen kann. Außer einem Ausgang, samt LED, für jede Hüllkurve, gibt es jeweils noch einen weiteren Ausgang, der die jeweilige Hüllkurve invertiert ausgibt. Diese Hüllkurven können im Short-Modus sehr knackig sein, und ermöglichen dadurch auch schöne perkussive Klänge. Dieses Modul ist ein wundervoller analoger Function-Generator, da es sehr viele Funktionen auf kleinem Raum bietet, ohne dabei kompliziert in der Bedienung zu sein.


BLACK QUAD VCA & MIXER/SPLITTER

Dieser vierfach VCA ist ebenfalls 10TE klein, eher einfach in seiner Funktionsweise, aber wirklich hochwertig im Klang. Ich habe viele verschiedene VCAs ausprobiert und ordne diesen der obersten Liga zu. Für die vier hier verbauten VCAs gibt es vier Eingangsbuchsen für Steuerspannungen sowie vier Eingangsbuchsen für eingehendes Audiomaterial. An vier weiteren Buchsen kann man dann jeweils die einzelnen VCAs abgreifen. Die vier Ausgangsbuchsen sind von links nach rechts aufeinander normalisiert und so lässt sich das Modul auch hervorragend als Mischer verwenden. So gesagt, kann es als 2+2 Mischer oder als einfacher Mischer mit vier Kanälen genutzt werden. Mit vier Potis lassen sich die eingehenden Steuerspannugen abschwächen. Steckt kein Kabel in der jeweiligen CV-Buchse, so funktioniert das jeweilige Poti als Lautstärkeregler.

Auch der Mixer / Splitter ist recht einfach aufgebaut. In nur 4TE erhält man hier ein buffered Multiple was einen Eingang auf vier Ausgänge verteilt und einen Mischer der vier Eingänge auf einen Ausgang zusammenführt. Das aktive Multiple ist selbstverständlich in DC ausgeführt und beim Mischer kann man durch einen Jumper auf der Platine des Moduls, zwischen DC und AC wählen. Hier lässt sich eigentlich nichts Weiteres zu sagen, außer, dass auch dieses Erica Modul einen sehr hochwertigen Eindruck hinterlässt.

BLACK JOYSTICK CONTROLLER

Auch der Joystick gehört zu der ‚einfach aber sinnvoll‘ Kategorie und ist sehr gut verarbeitet. Der Joystick bewegt sich butterweich, ohne dabei locker zu wirken. Der Joystick springt auch nicht automatisch in die Mittelstellung zurück, wenn man ihn loslässt. Sehr sinnvoll wurde hier der Wertebereich gewählt, denn der ist um den Nullpunkt etwas weiter ausgelegt. Das bedeutet, dass man diesen einfach auf 0 Volt stellen kann, auch wenn man nicht zu 100% die Mitte trifft. Das ist sehr praktisch, alles andere würde stark irritieren, da man sonst immer minimale Spannungen an den Ausgängen vorliegen hätte. Es gibt vier Ausgangbuchsen, die jeweils 0 - 10 Volt ausgeben und mit ‚E‘, ‚W‘, ‚N‘ und ‚S‘ beschriftet sind.

Diese stehen für die vier Himmelsrichtungen und geben Spannungen aus sobald man sich in eine Himmelsrichtung bewegt. Des Weiteren gibt es vier Ausgänge, die -5 bis +5 Volt ausgeben. Diese stehen für Bewegungen auf der X- und Y-Achse und werden auch invertiert ausgegeben. Es gibt zwei CV Eingangsbuchsen für die X- und Y-Achse, wobei hier die eingehenden Steuerspannungen zu den Werten der vier X- und Y- Buchsen addiert werden. Im Endeffekt ist der Black Joxstick Controller ein haptisch tolles Modul, was sehr zum Spielen einlädt und wunderbar in das Dada Noise System passt.

Audiobeispiele

Pro & Contra

  • Hochwertige Verarbeitung und Klang
  • Außergewöhnliche, aber sinnvolle Zusammenstellung an Modulen
  • Gute Mischung aus analogen, digitalen Modulen und Modulen mit Röhren
  • Intuitiv zu verwenden
  • Schnell erzielbare hochwertige Klangergebnisse
  • Tracks und Performances in kurzer Zeit erstellbar
  • Prädestiniert für Live-Auftritte und Studio

  • Keine

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