Gitarre Hersteller_ESP
Test
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08.01.2019

 

 

ESP LTD MH-1000 Evertune Test

E-Gitarre

High-Gain Diva

Die ESP LTD MH-1000 Evertune ist eine E-Gitarre aus der LTD Deluxe Serie, die sich, wie ein großer Teil des Angebotes der japanischen Gitarrenbauer, eher an die etwas härter rockenden Kollegen wendet und für dieses Metier auch mit diversen Details ausgestattet wurde.

Dazu gehört unter anderem auch eine Evertune Bridge, die für eine konstante Stimmung sorgen soll, und zwar unter nahezu jeder Spielbedingung. Aber auch der flache Hals-Korpusübergang und die aktive Pickup-Bestückung weisen auf die Bestimmung der Gitarre hin. Was sich darüber hinaus in Sachen Bespielbarkeit und Sound tut, wird dieser Test zutage fördern.

 

 

Details

Seit 1996 werden unter dem Namen LTD günstigere Versionen der sonst teureren ESP-Modelle angeboten, und das mit großem Erfolg! Die LTDs können nämlich mit einem sehr guten Preis-Leistungsverhältnis aufwarten und sind daher auch bei so manchem Profi zu finden. Bei der MH-1000 haben wir es mit einem eigenständigen, in Indonesien gefertigten Modell zu tun, das aufgrund seiner Optik und auch der Tonabnehmerbestückung wohl überwiegend in der Abteilung laut, schnell & hart anzutreffen sein dürfte. Aber eines nach dem anderen:

Die Gitarre erreicht mich in einem Karton, in dem sich auch Werkzeug zum Einstellen befinden. Bei einem Preis von über 1000 Euro sollte meiner Meinung nach zumindest ein Gigbag zum Lieferumfang gehören.

Korpus:

Auf den Mahagonikorpus wurde eine geflammte Ahorndecke geleimt, deren Maserung dank der Einfärbung sehr schön zur Geltung kommt und dem Instrument ein attraktives Äußeres verleiht. Ein weißes Binding unterstreicht die edle Note und konturiert die moderne Double-Cutaway-Form. Die Decke ist gewölbt und wird zu den Zargen hin dünner.

 

 

 

Als Tonabnehmer fiel die Wahl auf aktive Doppelspuler aus dem Hause EMG, genauer gesagt einem EMG 85 am Hals und einem EMG 81 am Steg - eine äußerst beliebten Kombination gerade bei Rock- und Metal-Gitarristen, die auf jeden Fall für genügend Dampf sorgt.

 

Die beiden Pickups lassen sich mit einem Dreiwegschalter einzeln wie auch zusammen betreiben, wer Coil-Splitting oder ähnliches benötigt, wird enttäuscht. Die Gitarre zeigt sich dahingehend puristisch.

Dafür muss man aber nicht auf ein Volume- und ein Tone-Poti verzichten, die beide griffige Metallknöpfe besitzen und, wie der Rest der Hardware auch, in schlichtem Schwarz daherkommen und aus der Entfernung betrachtet quasi mit der Gitarre verschmelzen.

 

 

Bei der MH-1000 ist eine Evertune F-Type Bridge verbaut, für mich ein technisches Wunderwerk! Wird diese Brücke einmal mit dem beigefügten Schlüssel optimal auf eine Stimmung eingestellt, bleiben die Saiten tatsächlich immer in Stimmung. Das gilt auch bei einem neuen Satz Saiten, der identisch mit dem zuvor aufgezogenen ist. Das Ganze funktioniert rein mechanisch ohne Batterie oder sonstige Stromzufuhr.

 

 

Möglich wird dies durch ein wirklich durchdachtes Konzept, bei dem jeder Sattel einzeln durch eine Spiralfeder und, wie Evertune es beschreibt, im "Sweet Spot"oder Zone 2 genannt, gehalten wird. Drückt man beispielsweise die Saite fest aufs Griffbrett, wird der so entstehende, höhere Ton korrigiert. Aber auch ein festeres Anschlagen der Saiten, was normalerweise für Verstimmungen sorgt, wird tonal kompensiert. Der Nachteil liegt natürlich auf der Hand: Bendings und Fingervibratos funktionieren so nicht. Wird die Saite jedoch so hoch gestimmt, dass der Sattel den Sweet Spot verlässt, sind Bendigs etc. möglich. In diesem Fall verhält sich der Sattel wie bei einer herkömmlichen Gitarre. Will man das Beste aus beiden Welten, ist aber auch dies machbar. Hierfür muss die Saite so weit hochgestimmt werden, dass der Mechanismus sie weiterhin stabil in Stimmung hält und etwaige Veränderung in der Saitenspannung kompensiert. Jedoch muss sie nah genug am Ende von Zone 2 und am Übergang zu Zone 3 positioniert sein, sodass Bendings und Vibratos die Saiten über den Bendstop hinausbefördern, wo sie sich wie bei einem regulären System mit festem Steg verhalten. Positiv ist auch, dass für sämtliche Einstellungen nur ein einziger Schlüssel benötigt wird, der natürlich Teil des Lieferumfangs ist.

Die schwarz lackierte Rückseite zeigt drei Ausfräsungen, die alle mit einem Plastikdeckel verschlossen sind. Elektronik- und Batteriefach sind jeweils mit einem versenkten Deckel versehen, der für die Ausfräsung des Evertune-Stegs ist auf den Korpus aufgeschraubt. Für das Batteriefach hätte ich mir einen Schnellverschluss gewünscht, um ohne Werkzeug an den 9-Volt-Block heranzukommen. So muss bei jedem Batteriewechsel die mit zwei Schrauben befestigte Abdeckung entfernt werden.

Die beiden Gurthalter sind an den bekannten Stellen auf dem oberen Horn sowie der unteren Zarge zu finden und mit schwarzen Gummiringen unterlegt, um den Lack nicht zu beschädigen. Ebenfalls in der Zarge wartet die Klinkenbuchse auf Anschluss.

Hals:

Der durchgehende, dreiteilige Ahornhals ist wie die Rückseite des Korpus deckend schwarz lackiert und am Übergang zum Body großzügig ausgefräst, um eine super-komfortable Bespielbarkeit der hohen und höchsten Lagen des Griffbretts zu ermöglichen. Laut Hersteller besitzt der Hals einen U-Shape, der sich für mich aber eher wie ein breites D anfühlt.

Das Ebenholzgriffbrett wird wie der Korpus von einem weißen Binding umrandet und besitzt 24 akkurat eingesetzte und auf Hochglanz polierte Extra-Jumbo-Bünde. Perlmutteinlagen aus kleinen Rechtecken am Griffbrettrand erleichtern die Orientierung, genau wie die kleinen schwarzen Punkte im Binding. Bevor die Saiten auf die abgeschrägte Kopfplatte treffen, müssen sie zuerst über den 42 mm breiten Sattel, der die Drähte spielfrei in Richtung Grover-Mechaniken führt, die die Saiten punktgenau in Stimmung bringen. Dass der Sattel an den Kanten abgerundet ist, sollte als kleines, aber feines Detail nicht unerwähnt bleiben.

Auch die Kopfplatte ist mit einem Binding versehen und komplettiert so das optische Erscheinungsbild. Soll der Halsstab nachjustiert werden, muss eine kleine Abdeckung direkt hinter dem Sattel entfernt werden. Anschließend kann mit dem mitgelieferten Schlüssel eingestellt werden.

 

 

Die in Indonesien auf hohem Niveau gefertigte Gitarre bringt 3839 Gramm auf die Waage und besitzt eine Mensur von 648 mm. Seitens der Verarbeitung konnte ich keinerlei Schwächen entdecken.

Video

Audiobeispiele

Pro & Contra

  • tadellose Verarbeitung
  • sehr gute Bespielbarkeit
  • High-Gain-Soundspezialist
  • Evertune-Steg

  • kein Gigbag o.ä.
  • Batteriefach ohne Schnellverschluss

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