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Test
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30.05.2014

Fender American Deluxe Dimension V HH Test

5-Saiter E-Bass

Revoluzzer?

Der Fender American Deluxe Dimension V HH im bonedo-Test  -  Kein leichtes Unterfangen in einem Unternehmen wie Fender, die bekanntesten Instrumente der Marke ständig weiterzuentwickeln und das Interesse der Kundschaft hochzuhalten, ohne dabei die Tradition aus den Augen zu verlieren. Das gilt auch für die klassischen Jazz- und Precision-Bassmodelle, die zu den Kassenschlagern des Konzerns gehören und von denen ebenfalls immer neue Varianten und Kombinationen in verschiedenen Preissegmenten auf den Markt gebracht werden wollen.

Die Vergangenheit hat aber auch gezeigt, dass der amerikanische Konzern immer wieder versuchte, neue Modelle im Programm zu platzieren, die man von ihm in dieser Art nicht unbedingt erwartet hätte. 2004 überraschte Fender die Bassgemeinde beispielsweise mit dem „Dimension Bass“, der mit seinem Zwei-Oktaven-Hals, einer abgewinkelten modernen Kopfplatte und aktiver Elektronik nicht unbedingt in das Vintage-dominierte Programm passte. Drei Jahre später verschwand der „andere“ Fender dann auch wieder von der Bildfläche - den Fans war das Modell vermutlich zu exotisch. Seit 2013 gibt es nun wieder einen Fender Bass, der den Namen Dimension trägt. Mit der früheren Ausgabe hat er aber so wenig gemein wie mit den altbekannten Jazz- und Preci-Varianten, der aktuelle Dimension wurde komplett neu entwickelt. Seine Korpusform  erinnert eher an einen Music Man als an einen Fender, dicke Humbucker-Tonabnehmer übertragen den Sound, und ein moderner 18-Volt-Preamp soll für ordentlich Flexibilität sorgen. 

Die neuen Dimension-Bässe gibt es gleich in drei Serien: als Viersaiter mit einem Tonabnehmer in der preiswerten „Modern Player“ Linie, als Vier- und Fünfsaiter mit einem Tonabnehmer in der „Deluxe“ Serie und schließlich als Vier-und Fünfsaiter mit wahlweise einem oder zwei Tonabnehmern in der „American Deluxe“ Ausführung. In meinem Testlabor ist der „American Deluxe Dimension Bass V HH“ mit fünf Saiten und zwei Tonabnehmern aufgeschlagen und ich bin wirklich sehr gespannt, ob der „moderne“ Fender das Zeug zum Klassiker der Zukunft hat.

Details

Eines der wenigen traditionellen Details am neuen Dimension Bass ist wohl die Kopfplatte, die in wohlbekannter Form auf den ersten Blick verrät, aus welchem Stall das Instrument stammt. Aber schon im weiteren Verlauf des Halses geht Fender neue Wege und verwendet Features, die wir eher von Boutique-Bässen kennen. Zwar besteht der Hals wie eh und je aus einem Streifen Ahorn, allerdings sorgen zwei Posiflex-Graphitstäbe für zusätzliche Stabilität. Das Halsprofil ist unter den tiefen Saiten dicker als unter den dünnen und somit asymmetrisch, außerdem  wird der Griffbrettradius in Richtung der hohen Lagen größer und das Griffbrett damit flacher. Fender setzt also auf den sogenannten „Compound-Radius“, um die Bespielbarkeit in Richtung Korpus angenehmer zu gestalten.

Auch das Griffbrett selbst besteht bei den „American Deluxe Dimension“ Fünfsaitern aus Ahorn, bestückt mit 21 Bünden im Medium-Jumbo Format und einem Knochensattel. Eine Fender-Neuerung zeigt sich außerdem noch am Halsende, hier sitzt nämlich ein komfortabel zu bedienendes Einstellrad für die Justierung des Halsspannstabes, wie wir es von Music Man oder Sadowsky Bässen kennen. Das sind zwar alles keine bahnbrechenden Neuerungen oder gar Neuerfindungen, aber man kann schon alleine an diesen kleinen „Tweaks“ ablesen, dass Fender mit dem Dimension Bass in eine andere, modernere Richtung will. Das zeigt sich natürlich auch an der neuen Form des Esche-Korpus, einer Art Music-Man-/Jazzbass-Kreuzung mit kurzen Hörnern und leichtem Offset-shaping, vor allem aber an der opulenten Hardwareausstattung.

Auf der Kopfplatte sitzen fünf super solide Vintage-Mechaniken, die erstaunlicherweise aus der Hipshot-Werkstatt stammen, des Weiteren kommen Saitenniederhalter für alle Saiten zum Einsatz, selbst die H-Saite wird durch eine kleine Öse an der Mechanik nach unten gedrückt. Auch die Brücke am anderen Ende des Basses ist äußerst massiv, das Design hat Fender allerdings schamlos von der beliebtesten Fender-Replacement Brücke namens „Badass“ abgekupfert. Sei’s drum, die neue Hi-Mass Brücke ist sehr komfortabel und exakt einstellbar und wird sicher für eine erstklassige Schwingungsübertragung sorgen.

Mit einer ganz eigenen Optik präsentieren sich hingegen die speziell für den Dimension Bass entwickelten Tonabnehmer und schon alleine die rechteckigen Pole-Pieces der Humbucker suggerieren irgendwie einen kraftvollen Sound - hoffentlich trügt der Schein nicht. Mit einem Pickup-Wahlschalter können fünf Sounds abgerufen werden, die aus den fünf Kombinationsmöglichkeiten der vier Tonabnehmerspulen resultieren. In Stellung 5 ist der Hals-Tonabnehmer mit beiden Spulen aktiv, in Stellung 4 hören wir die beiden äußeren Spulen beider Tonabnehmer, Stellung 3 schaltet alle vier Spulen ein, Stellung 2 aktiviert nur die inneren Spulen beider Tonabnehmer und in Stellung 1 ist schließlich der Bridge-Tonabnehmer mit beiden Spulen aktiv. 

Die Humbucker leiten ihr Signal dann zu einer aktiven Elektronik, die zur weiteren Klangbeeinflussung drei EQ-Bänder für Bässe, Mitten und Höhen bietet und mit einer Betriebsspannung von 18 Volt arbeitet. Die zwei benötigten 9Volt-Batterien sitzen in einem kleinen Fach auf der Rückseite, das mit zwei Schrauben relativ schnell zu öffnen ist. Diese laufen sogar in kleine Metallgewinde - daran könnte sich so mancher amerikanische Nobelbassbauer ein Beispiel nehmen. Das Verarbeitungsniveau des Dimension aus amerikanischer Fertigung ist generell ziemlich hoch, die Holzarbeiten sind ohne Tadel und der Hals sitzt bombenfest in der Ausfräsung, der schwarze Hochglanz - Polyester Lack ist fehlerfrei aufgetragen und das Öl-Finish auf dem Halsrücken hat eine natürliche und geschmeidige Haptik – wirklich tipptopp. 

Audiobeispiele

Pro & Contra

  • viele tolle Sounds
  • Abstimmung der Tonabnehmer/Preamp/EQ-Kombination
  • klasse Bespielbarkeit
  • 1a Verarbeitung
  • gelungene Optik

  • leicht kopflastig
  • kein Passivbetrieb

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