Gitarre Hersteller_Fender
Test
1
12.12.2016

Praxis

Für den Einsatz "on the road" gibt es im Lieferumfang eine Schutzhülle, die den Tweed-Bezug des Amps gegen die üblichen Angriffe von außen verteidigt. Auch das versenkte Bedienfeld bietet keine große Angriffsfläche und seine Akteure, also Regler und Schalter, machen ebenfalls einen sehr stabilen Eindruck. Eines gleich vorweg: Der Bassbreaker 18/30 braucht Auslauf. Der satte Sound entfaltet sich erst ab einer bestimmten Lautstärke, und die liegt in einem Bereich, in dem Mitbewohner sehr schnell an die Tür klopfen und fragen, ob man schwerhörig sei. Und dieser Pegel ist sehr schnell erreicht, denn der Amp lässt es fast nicht zu, dass man in gemäßigter Wohnzimmerlautstärke spielt. Bei Volume auf 8 Uhr geht es gerade noch, bei 9 Uhr raucht es schon ordentlich, aber ab diesem Punkt setzt die schmatzige Endstufenkompression ein und das Spielgefühl ist wirklich gut mit dem Combo. In Beispiel 1 hört ihr den Amp im Channel 1 mit der Klangregelung in mittlerer Position. Dieser Kanal kommt bei neutraler Einstellung des Equalizers mit einer guten Portion Höhen im Gepäck, der typische glockenartige Fender Sound ist hier zu hören, die Marketing-Abteilung bei Fender hat nicht übertrieben. Auch in punkto Klangübertragung macht der Bassbreaker einen erstklassigen Job. Ihm entgeht quasi nichts, minimale Anschlagsänderungen oder der Wechsel auf ein anderes Pick, alle Feinheiten werden klar übertragen - und so soll das auch sein! Bei Singlecoil-Gitarren ist der Sound bei Volume auf 9 noch clean, schlägt man etwas härter an, dann erhält man eine leichte harmonische Übersteuerung.

Im Beispiel 2 ist das ganz gut zu hören. Die Klangregelung klingt ebenfalls sehr natürlich, extreme Klangverbiegungen sind nicht an der Tagesordnung, aber intensive Feinkosmetik ist angesagt. In Beispiel 3 hört ihr die Bandbreite des Mittenreglers in drei unterschiedlichen Einstellungen. Die Center-Frequenz ist eher im unteren Mittenbereich angesiedelt und hohe Einstellungen verleihen einer Singlecoil-Gitarre noch einige Fülle.

Den Wirkungsbereich des Treble-Reglers hört ihr in Beispiel 4, dort geht es schon kerniger zur Sache; Volume ist auf 12 Uhr, es zerrt und macht richtig Lärm. Hier lässt sich aber erstklassig nach alter Schule der Zerrgrad mit dem Volume-Poti an der Gitarre einstellen. Auch die Anschlagsdynamik ist hervorragend. Und der Sound kommt mit britischer Färbung, gerade bei aufgedrehtem Mittenregler klingt es recht kernig - ein Klang, der mir persönlich sehr gut gefällt! Aber ihr braucht schon schmerzfreie Mitmusiker, um den Channel 1 mit diesem Zerrkaliber zu fahren. Der erste Kanal hat seine Gebrauchslautstärke eher mit Cleansounds, während der zweite Kanal schon früher zu den dreckigen Tönen übergeht.

Ihr hört in Beispiel 5 verschiedene Einstellungen des Volume-Reglers bei neutralem Tone-Regler. Ab 9 Uhr beginnt die Verzerrung und nimmt dann stetig zu. Die Endlautstärke ist bei ca. 11 Uhr recht zügig erreicht und im weiteren Verlauf komprimiert der Amp auch immer mehr. Soundmäßig geht es zwar in die Fender-Deluxe-Richtung, es klingt aber nicht so hart wie zum Beispiel beim Tweed Deluxe mit seiner etwas sägenden Zerre. Hier ist der Ton schon deutlich rockiger und die britische Färbung wird deutlich. Der Tone-Regler im Channel 2 ist überwiegend eine Höhenblende, die Bässe werden nur leicht abgesenkt, wenn der Regler über die 12er Marke wandert. Aber damit lässt sich sehr gut der Sound an die angeschlossene Gitarre anpassen. Das Klangbild des zweiten Kanals zeigt sich in den Höhen nicht so brillant wie das des ersten und bietet somit eine gute Ergänzung zu diesem für die etwas dreckigeren Sounds.

Mit Pedalen versteht sich der Bassbreaker 18/30 sehr gut, Kanal 2 lässt sich problemlos mit einem Booster etwas schärfer anfahren, um noch mehr Verzerrung bei humaner Lautstärke aus dem Amp zu holen und dabei den Zerrcharakter des Amps zu erhalten. Die andere Möglichkeit ist es, den Amp eher auf unverzerrten Sound einzustellen, ganz gleich, ob Kanal 1 oder 2, und die Zerrgestaltung einem Overdrive-oder Distortion-Pedal zu überlassen. Auch das funktioniert einwandfrei und durch die schnörkellose Architektur eignet sich dieser Verstärker auch sehr gut für Pedalboard-Spezialisten, die lediglich einen Amp zum "laut machen" benötigen und die komplette Soundgestaltung mit den Effektpedalen erledigen. Ihr hört in Beispiel 7 einen Tube Screamer als Booster für Channel 2 und in Beispiel 8 ist der Friedman BE-OD vor Channel 1 geparkt. Für High Gain Sounds empfiehlt es sich, den Treble-Regler sehr weit zurückzunehmen.

Bsp. Text Vol Bas Mid Tre Vol Ton
1 Ch 1: Clean Sound mit neutraler Klangregelung (Strat) 9 12 12 12 - -
2 Ch 1: Reggae Style (Strat) 9 9 15 13 - -
3 Ch 1: Mid-Regler - 7-12-17 Uhr (Melody Maker) 9 9 var. 15 - -
4 Ch 1: Treble-Regler - 7-17 Uhr (Les Paul) 12 13 16 var. - -
5 Ch 2: Volume - 8-9-12-15-17 Uhr (Les Paul) - - - - var. 12
6 CH 2: Tone - 7-10-14-17 Uhr (Strat) - - - - 9 var.
7 CH 2: Mit Tube Screamer (Tele) - - - - 9 14
8 CH 1: Mit Friedman BE-OD 9 9 14 8 - -

Audiobeispiele

Pro & Contra

  • sehr guter Sound
  • hoher Schalldruck
  • simple Architektur, einfache Klanggestaltung der beiden Kanäle
  • satte Endstufenkompression
  • harmoniert gut mit Overdrive/Distortion-Pedalen
  • sehr gutes Preis-Leistungsverhältnis

  • keins

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