Gitarre Hersteller_Fender
Test
1
09.03.2018

Praxis

Der Hot Rod Deluxe wird mit einem Beyer M160 Bändchenmikrofon abgenommen und das Signal geht über einen Neve Channelstrip ohne zusätzliche Bearbeitung ins Audio-Interface und auf die Festplatte.

Clean Channel

Wir starten unseren Rundgang zuerst mit dem Clean-Channel und der trägt seinen Namen zu Recht, denn die Cleanreserven sind ordentlich. Man kann clean locker mit der Band mithalten, die 40 Watt sind absolut ausreichend, um auch in kleineren Clubs von der Bühne aus das Publikum mit dem Amp zu beschallen. Der Celestion A-Type-Speaker klingt sehr abgerundet und warm, auch bei höheren Lautstärken sind keine blechernen Klanganteile zu verbuchen. Es tönt in jeder Lautstärke sehr angenehm und mit ordentlich Druck. Zu bemängeln wäre lediglich der Regelweg des Volume-Reglers, denn der nimmt wirklich sehr schnell Fahrt auf, sodass eine gedämpfte Lautstärke nur mit Fingerspitzengefühl zwischen 1 und 2 einstellbar ist. Wer den Amp überwiegend im Proberaum und auf der Bühne spielt, wird sich daran aber nicht stören.

Ihr hört jetzt zuerst einmal den Clean Channel mit neutraler Einstellung der Klangregelung, also alles in der Mitte auf 12 Uhr geparkt. Der Volume-Regler steht bei den folgenden Beispielen auf 9 Uhr, was in Sachen Schalldruck schon einen ordentlichen Proberaum/Bühnenpegel generiert. Den Reverb habe ich auch erst einmal komplett zurückgedreht und damit deaktiviert. Im zweiten Beispiel hört ihr den klanglichen Unterschied, wenn die Bright-Funktion aktiviert wird. Die Höhen werden dabei entsprechend angehoben, was zum Beispiel muffiger klingende Gitarren etwas frischer klingen lässt oder einem Sound die crispe Zusatznote gibt.

Der Equalizer hat einen sehr guten Wirkungsgrad, sodass man einerseits den Frequenzgang sehr gut an die benutzte Gitarre anpassen, aber auch etwas extremere Sounds erzeugen kann. Egal, wie der EQ eingestellt ist, es klingt immer angenehm und homogen, selbst bei hohen Treble- und Presence-Settings wird es im oberen Frequenzbereich nicht bissig, wodurch eine große Bandbreite an Sounds erzielbar, ihr hört nun zwei Extreme, einen höhenbetonten Rhythmus-Sound mit der Tele und der etwas wärmere Jazz-Sound mit der Semi-Akustik.

Der Federhall besitzt viel Charakter, das konnte man schon im vorangegangenen Beispiel hören und dort stand der Reverb-Regler erst auf neun Uhr. Mit dem Effektanteil ist es ähnlich wie mit dem Volume-Regler im cleanen Kanal, eine dezente Dosierung geht nur zwischen Reglerwert 1 und 2, wobei der Hall schon recht ordentlich mit lange ausklingender Fahne zu hören ist. Und der ist schon eher als Effekt einzustufen und weniger als eine leichte Raumsimulation. Wenn man auf Federhall steht, dann macht das richtig Laune. Beim nächsten Beispiel steht der Reverb-Regler auf 11 Uhr und mit Volume auf 10 Uhr lässt sich dem Clean-Channel eine deutliche Übersteuerung entlocken. Aber laut ist es!

Im zweiten Beispiel kommt die Les Paul zum Einsatz und die Humbucker können auch dem cleanen Kanal bei höheren Volume-Settings eine rauchige Verzerrung entlocken. Ich habe dabei bewusst den ersten Eingang genommen, um die Vorstufe mit höherem Pegel zum Schwitzen zu bringen.

Drive Channel

Beim Drive-Channel wurde laut Hersteller nochmal nachgebessert und der Fokus lag darin, einen etwas wärmer klingenden Overdrive-Ton zu generieren. Fender hat bekanntlich den Ruf, bei Overdrive-Sounds eher etwas schriller aufzutreten, was nicht unbedingt jedermanns Geschmack ist. Ihr hört hier zuerst die Strat mit neutraler Einstellung der Klangregelung. Danach kommt die Tele mit höheren Werten bei Treble und Presence sowie dem Drive-Regler auf 14 Uhr

Das kann sich hören lassen und der Drive-Channel besteht den Test als durchaus ernstzunehmende Alternative zum Zerrpedal. Der Overdrive-Sound macht seinem Namen alle Ehre, der Ton übersteuert angenehm harmonisch und der Zerrgrad lässt sich sehr feinfühlig von einer leichten Übersteuerung bis zum Mid-Gain-Sound einstellen. Wer trotzdem lieber mit Zerrpedalen arbeitet, kann den Kanal auch als Boost Channel für Solo-Lautstärken nehmen. Mit weit zurückgedrehtem Drive-Regler bleibt der Sound fast clean und der Master erledigt auf einem höheren Level den Rest. Aber auch ohne externe Hilfe rockt der Hot Rod Deluxe IV jetzt richtig ab. Ihr hört einmal den Drive-Channel mit maximal-Gain und danach die Einstellung More-Drive, ebenfalls mit dem Drive-Regler auf 17 Uhr. Hier gefällt mir, dass der Sound auch bei hohem Zerrgrad immer noch gut auf die Anschlagsdynamik und das Volume-Poti an der Gitarre reagiert. Der Amp bietet gute Gestaltungsmöglichkeiten und folgt auf Schritt und Tritt. Die Arbeit am Zerrsound hat sich gelohnt, es klingt tatsächlich generell wärmer und fülliger und generiert ein sehr gutes Spielgefühl.

Effekt-Pedale

Die Hot Rod Deluxe Amps werden von vielen Gitarristen als "Pedalversteher" bezeichnet, deshalb sind diese Verstärker auch häufig bei Backline-Firmen zu finden. Der tourende Gitarrist bringt sein Pedalboard mit und leiht sich einen recht neutral klingenden Amp, der mit seinen Zerrgeneratoren harmoniert. Auch dieser Einsatz wird nun mit dem Hot Rod Deluxe IV ausprobiert, wozu ich ein Overdrive- und ein Distortion-Pedal vor den Amp geschnallt und dabei wieder den Clean-Channel angewählt habe.

Da gibt es nichts zu meckern. Der Hot Rod Deluxe IV ist ein sehr guter Partner für Zerrgeneratoren jeglicher Art. Durch den im Frequenzgang recht neutralen Grundsound bei mittlerem EQ-Setting harmoniert der Amp sehr gut mit Overdrive, Distortion oder Fuzz-Pedalen. Wer seine Zerrsounds überwiegend mit Pedalen erzeugt, erhält mit dem Hot Rod Deluxe IV einen sehr guten Partner. Egal, ob leichter Overdrive oder eine High-Gain-Keule, der Amp macht eine gute Figur und mit dem wirkungsvollen Equalizer kann auch noch etwas Anpassung im Frequenzgang betrieben werden. Ich hatte für die beiden Beispiele lediglich die Mitten etwas weiter aufgedreht, der Rest blieb auf 12 Uhr.

Video

Audiobeispiele

Pro & Contra

  • exzellente Cleansounds
  • hoher Schalldruck
  • tadellose Verarbeitung und Optik
  • Federhall mit Charakter
  • warme Overdrive Sounds
  • dynamische Ansprache bei Overdrive-Sounds
  • ideal für den Einsatz mit Effektpedalen

  • keins

Gehört zu dieser Serie

Verwandte Artikel

User Kommentare

Zum Seitenanfang
ZUR STANDARD WEB-ANSICHT X