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Test
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06.05.2015

Fender Passport Conference und Passport Venue Test

Mobiles PA System in Kofferform

Maximal mobil

Bei bonedo.de im Doppel-Test: Zwei Klein-PAs von Fender aus der Passport-Serie. Wir haben uns die Modelle Conference und Venue zur Brust genommen. Obwohl Fender den meisten sicherlich eher durch legendäre E-Gitarren und Verstärker bekannt ist, haben wir es hier und heute mit zwei PA-Systemen zu tun. Das kleinere namens Conference, es wird für 380 Euro angeboten, hat der Hersteller für die reine Sprachbeschallungen konzipiert. Das größere Modell Venue für 860 Euro soll auch für die Bühne taugen und dort kleinere Bands zufrieden stellen. Wir werden der Sache auf den Grund gehen und zeigen, was bei Fenders Koffer-PAs tatsächlich geht.

Details

Passport Venue

Beim Auspacken wird schnell ersichtlich, dass Fender nicht nur Wert auf hochwertige Komponenten, sondern auch auf eine ansprechende Optik legt. Das gegossene schwarze Kunststoffgehäuse ist nämlich einem Reisekoffer prominenter Herkunft gar nicht unähnlich. In ihm findet die komplette PA zusammengeklappt Platz. Das Design wirkt recht futuristisch, da die Entwickler auf abgerundete Kanten und Ecken gesetzt haben. Doch die asymmetrische Bauform samt Rundungen wirkt sich auch positiv auf die Eigenresonanzen der Speaker-Chassis aus: Design und Funktionalität in Eleganz vereint. Durch den großzügigen Tragegriff auf der Oberseite lässt sich die Anlage auch über längere Strecken gut tragen. Das Gesamtgewicht unterschreitet gerade eben die 20-Kilo-Marke, die Maße fallen moderat aus. Gepäckaufschläge am Flugschalter sind also nicht zu erwarten.

Die zwei großen Verschlüsse auf der Oberseite arretieren die beiden Lautsprecher an der Amp-Sektion. Schnell sind sie geöffnet und die Lautsprecher klappen nun nach außen, ohne wegzukippen. Es bedarf eines weiteren Handgriffs, um sie ganz zu lösen. Das ginge allerdings mit einem Griff an den Speakern noch einfacher. Denn durch die abgerundeten Kanten sind die Chassis ein wenig unhandlich und gleiten leicht aus der Hand.

Speaker

Die Boxen sind ein wenig nach hinten geneigt, was eine Schallausbreitung nach vorne-oben zur Folge hat. Die 36-mm-Stativaufnahme auf der Unterseite erlaubt die Montage auf Drei-Punkt-Hochständerstativen. Dann sind die Speaker gerade ausgerichtet, eine leichte Neigung ist nicht möglich. Im Innern der Box residieren ein 10-Zoll-Basstreiber und ein 1,2-Zoll-Hochtöner mit Horn. Die Basswiedergabe wird von zwei Reflexöffnungen auf mittlerer Höhe des Gehäuses unterstützt. Zum Schutz der Chassis spendierte Fender ein stabiles schwarzes Frontgitter aus Metall.

Zentrale mit Mixer

Die Mittelsektion des Systems beherbergt das Netzteil, die Endstufen, den Mixer und ein rückseitiges Fach mit einer verriegelbaren Klappe für Netz- und Lautsprecherkabel. Beim Anschluss der Lautsprecher gibt es einen Moment der Irritation, denn die Buchsen sind vorne an den Boxen angebracht. Ungewöhnlich aber sinnvoll, weil so im zusammengeklappten Zustand kein Schmutz hineingelangt und auf eine Schutzkappe verzichtet werden kann.

Der Mixer bietet sechs Mono- und vier Stereokanäle, jeder ausgestattet mit Gain-, Treble-, Bass- und Reverb-Regler. Die Kanäle eins bis vier sind mit XLR-Mikrofoneingängen und -20-dB-Pads bestückt, wobei die Phantomspeisung global aktiviert wird. Kanal fünf und sechs (6,3-mm-Klinkenbuchsen ) wurden für Hi-Z- bzw. Line-Signalen ausgelegt; die beiden Stereoeingänge (Kanal 7/8 und 9/10) gewähren per Stereominiklinke sowie zwei 6,35-mm-Klinkenbuchsen Zugang.

Die Mischpultregler hat Fender großzügig dimensioniert und mit einer neon-grünen Markierung versehen. Aktivierte Pads, Hi-Z-Switches und auch der Schalter für die Phantomspeisung strahlen in kräftigem Rot; die Pegelanzeigen über den Gains leuchten bei Anliegen eines Signals grün  und ändern ihre Farbe bei zunehmender Pegelstärke über Gelb zu Rot. So kann man alle Bedien- und Signalelemente des Mischpults auch auf größere Distanz oder bei ungünstigen Lichtverhältnissen noch gut erkennen.

Links oben befindet sich der Main-Out-Regler mit dem Stereo-Peak-Meter im traditionellen Ampel-Code (grün gelb, rot). Weiter rechts gibt es ein schlichtes Tone-Poti für die Summe. Nach links gedreht wird der Bassanteil angehoben und die Höhen abgesenkt, das Schrauben im Uhrzeigersinn bewirkt das Gegenteil.

Die Reverb-Sektion bietet zwei Hall-Programme mit justierbarer Nachhallzeit und Höhen/Bass-Präsenz. Darunter ist die USB-Sektion angesiedelt. Nach Anschuss eines Sticks werden Musikdateien automatisch erkannt und die Wiedergabe kann gestartet werden. Das Playback-Signal wird über Kanal 9/10 geroutet und lässt sich somit der Summenbearbeitung zuführen. Startet man eine Aufnahme, landet die Mixersumme als Stereo-Interleaved-Datei mit 44,1 kHz und 16 Bit auf dem USB-Stick.

Der regelbare Kopfhörerausgang kann praktischerweise als Ausspielweg für externe Aufzeichnungsgeräte zweckentfremdet werden. Parallel geschaltet ist ein zusätzlicher Mono-Output (6,3 mm Klinkenbuchse), der beispielsweise dazu genutzt werden kann, eine weitere PA anzusteuern.

Was sonst?

Über einen 6,3-mm-Klinkenausgang findet ein aktiver Subwoofer Anschluss, etwa ein Fender PS-512. Ist dieser Ausgang belegt, wird automatisch ein Hochpass-Filter mit einer Grenzfrequenz von 120 Hertz in den Signalfluss der Hauptlautsprecher geschaltet. Alles unter 120 Hz wird nun also an den Sub geleitet. Zu guter Letzt sei noch die Protect-LED erwähnt. Leuchtet sie, hat das System aufgrund thermischer Überlastung oder eines Defekts den Schutzzustand aktiviert.

Die Leistung des Passport Venue gibt Fender recht hemdsärmelig mit 600 Watt bei 750 Watt Stromaufnahme an. Mit Details zur Leistungsermittlung behelligt man den Kunden lieber nicht.

Passport Conference

Das Passport Conference gleicht dem Venue äußerlich fast aufs Haar. Allerdings ist es kleiner und leichter. Die Entriegelung der Lautsprecher erfolgt nach dem gleichen Prinzip wie beim Venue: Zunächst löst man die Riegel – hier sind es vier Stück an den Seitenteilen – und mit einem weiteren Handgriff wird die Box gelöst. Wiederum wären Griffe an den Speakern hilfreich. Begründung siehe oben.

Unterschiede gibt es hingegen beim Innenleben. Im Bassbereich werkelt ein 5,25“-Chassis, und um die hohen Töne kümmern sich pro Box zwei übereinander angeordnete, leicht nach links und rechts schauende 2,75“-Hochtontreiber. Ein bei Sprachbeschallungen sinnvolles Feature, da so ein größerer horizontaler Abstrahlwinkel erreicht wird.

Die Ausstattung der Mittelkonsole fällt ebenfalls sparsamer aus. Zu drei Monokanälen mit XLR-Mikrofoneingängen gesellt sich ein Stereovertreter. Alle Kanäle besitzen einen Gain- und Tone-Regler; letzterer regelt gleichzeitig das Höhen und Bass-Verhalten, so wie der Tone-Regler in der Summe des Venue. USB-Deck und Hall-DSP fehlen, ebenso der Mono-Out sowie der Anschluss für einen Subwoofer. Das Summen-Peak-Meter des Venue wurde durch eine einfache Pegelkontrolle wie in den Eingängen ersetzt, und auch auf den praktischen, verriegelbaren Stauraum für Kabel und Mikros muss man verzichten.

Die Systemleistung des Conference gibt der Hersteller mit 175 Watt bei einer maximalen Leistungsaufnahme von 225 Watt an. Zum Lieferumfang gehört ein dynamisches Mikrofon, einem amerikanischen Klassiker nicht ganz unähnlich.

Pro & Contra

  • Einfache Bedienung
  • Guter Klang
  • Kompakte Bauform
  • Durchdachtes Abstrahlverhalten für Sprache (Conference)
  • Recording & Playback via USB (Venue)
  • Gelungenes Layout
  • Design der Bedienelemente
  • Qualität des Halls

  • Keine Griffe an den Lautsprechern

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