Test
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08.01.2019

Praxis

Der Formula Sound PM-80R ist kein gewöhnlicher DJ-Mixer, sondern ein authentisches Retro-Gerät, das konsequent an seinem Vorbild aus den 80er Jahren angelehnt ist. Diese Tatsache sollte man immer im Hinterkopf behalten, denn sie zieht sich durch den kompletten Workflow. Um den Mixer nutzen zu können, ist es obligatorisch, sich mit der Bedienungsanleitung detailliert auseinanderzusetzen.

Die Bedienungsanleitung beinhaltet einen Schaltplan, den man zur Konfiguration der Eingangsmodule benötigt, denn wie bereits erwähnt, lassen sich die gewünschten Quellen nicht einfach per Drehregler selektieren. Das entsprechende Modul muss zur Auswahl der Quelle aus dem Mixergehäuse ausgebaut werden, was durch das Lösen zweier Schrauben auf der Vorderseite gelingt. Per Schaltplan lassen sich die Positionen der Jumper identifizieren. Ich empfehle zum Umstecken eine kleine Zange, da man nicht alle Steckplätze bequem erreichen kann. Weniger technisch Versierte sollten sich von dieser Operation am offenen Herzen nicht abschrecken lassen, denn wirklich schwierig ist dieser Vorgang nicht.

Für die Anschlüsse der Eingangsmodule gibt es vier verschiedene „Steck“-Szenarien:

  • Symmetrische Signale an XLR
  • Line-Signale an Phono-Eingang (Cinch)
  • RIAA (Phono-) Signale an Phono-Eingang
  • Mic-Signale an XLR inklusive optionaler Phantomspeisung

Des Weiteren lassen sich folgende Konfigurationen ebenfalls per Jumper selektieren:

  • EQ an/aus
  • Pre-/Post-Fader für den Aux-Weg
  • Einschleifen in die Mikrofon-Insert-Schleife
  • Routing in den Mic- oder Music-Bus

Durch die zusätzlichen Konfigurationsmöglichkeiten lassen sich die Eingangsmodule auf das verwendete Equipment abstimmen. Bezüglich des Bus-Routings gilt zu beachten, dass Signale, die in den Mic-Bus eingeschleift werden, nicht im Booth-Ausgang zur Verfügung stehen und von der Stummschaltung durch die Brandmeldeanlage ausgenommen sind, damit Durchsagen im Notfall erfolgen können – prima! Zudem steht für die Mic-Bus-Signale eine Mic-Mix-Send-Return-Schleife zur Verfügung. Sollte keine Brandmeldeanlage zum Einsatz kommen, kann der Mic-Bus auch für Zuspieler-Effektzuweisungen genutzt werden.

Das Ausgangsmodul bietet ebenfalls Anpassungsmöglichkeiten. Hier kann der Mikrofonweg deaktiviert und der Pegel des Sub-Bass-Ausgangs auf +6 dB angehoben werden. Welche Handgriffe dazu notwendig sind, ist allerdings nicht im Handbuch dokumentiert, der Hersteller empfiehlt die gewünschte Konfiguration schon beim Kauf zu wählen.

Um den Überblick zu behalten, sollte man die Eingangsmodul-Konfigurationen notieren oder den Mixer mit Beschriftungen versehen. Da ein spontaner Umbau der Kanäle im laufenden Betrieb nicht möglich ist, empfiehlt sich eine Einrichtung, die genau auf das verwendete Equipment angestimmt ist, wobei man bei acht Kanälen sicherlich auch ausreichend „freie“ Slots zur Verfügung hat und so auf Änderungen oder Ergänzungen des Setups reagieren kann.

Für einen Einsatz des PM80R in einem Club oder einer Diskothek würde ich vier Line- und zwei Phono-Eingänge für die Cinch-Anschlüsse wählen sowie einen Kanal für symmetrische Signale und einen für Mikrofonsignale. Somit kann der Mixer mit Media-/CD-Playern, Soundkarten eines digitalen DJ-Setups, Plattenspielern und Erweiterungen genutzt werden.

Sollen Hardware-Effekte zum Einsatz kommen, lassen sich diese an die Mic-Insert-Buchsen anschließen oder über den Mic-Bus einbinden. Alternativ kann man hierzu auch den Aux-Weg verwenden, der durch die Aktivierung im Kanalzug etwas „spontaner“ nutzbar ist. Zur Rückführung der Aux-Signale muss dann allerdings ein Eingang geopfert werden, da es keinen Aux-Return-Kanal gibt – das ist bei acht Kanälen aber auch kein wirkliches Problem.

Die zahlreichen Ausgangsoptionen erlauben den Einsatz des PM80R in verschiedenen professionellen Szenarien. Der Masterausgang lässt sich mit XLR-Kabeln direkt an eine Verstärkeranlage oder aktive Lautsprecher anschließen und Klinkenbuchsen stehen für die Monitoranlage im DJ-Booth parat. Per Zone-Ausgang kann zudem ein zweiter Raum beschallt werden und bei Bedarf ist ein Subwoofer am Sub-Bass-Out ergänzbar, der Signale unter 70 Hertz ausgibt. Der Recording-Ausgang lässt sich mit einem Aufnahmegerät oder einem Soundkarteneingang kombinieren, um DJ-Sets mitschneiden zu können.

Ist der Installationsprozess abgeschlossen, lassen sich verschiedenen Quellen mit dem PM-80R mixen. Die Bedienelemente sind sehr robust und groß und erlauben eine gezielte Parameteränderung. Zur Pegelabstimmung eines Kanals aktiviert man den entsprechenden Monitortaster im Kanalzug und kann dann die LED-Ketten zur optischen Unterstützung nutzen. Wenn kein Monitortaster aktiviert wurde, zeigen die LED-Ketten den Pegel des Mastersignals, sodass sich auch dieser im Blick behalten lässt. 

Die Klangqualität des PM-80R ist sehr ansprechend und das Signal ausgeglichen. Der Mixer liefert ein druckvolles Bassfundament und angenehme, nicht aufdringliche Höhen. Die EQs greifen dezent in das Klangbild ein, hier hätte ich mir beim Auslöschen vielleicht noch etwas mehr Absenkung gewünscht, aber hier kann ein Fachbetrieb die notwendigen Anpassungen vornehmen.

Der Pegelhub lässt sich auf Vorder- und Rückseite für die unterschiedlichen Eingangssignale anpassen, sodass unterschiedliche Quellen ohne Lautstärkeunterschiede mischbar sind. Effekte, Filter oder andere Klangbearbeitungsoptionen bietet der Mixer nicht, diese lassen sich aber dank der recht zahlreichen Einschleifoptionen mittels zusätzlicher Geräte ergänzen.

Audiobeispiele

Pro & Contra

  • authentischer Retro-Mixer
  • viele Anschlussmöglichkeiten
  • flexibles Routing durch Busse und Insert-Wege
  • robustes Gehäuse
  • große Bedienelemente
  • druckvoller Analogsound
  • professionelle Ausgänge

  • spontaner Eingangsquellen-Wechsel nicht möglich
  • Aux-Weg-Schalter schwierig aktivierbar

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