Gitarre Hersteller_Framus
Test
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07.02.2020

Praxis

Spielt man die Gitarre unverstärkt an, kommt ein recht knackiger Ton aus dem Instrument - eine gute, direkte Ansprache mit klaren Höhen und einem drahtigen Bassbereich. Der Hals lässt sich sehr gut bespielen - wenn man dicke Hälse mag und nicht ein ultraflaches Speedbrett bevorzugt. Die gute Werkseinstellung in puncto Hals- und Saitenlage sowie die sauber bearbeiteten Bünde tragen natürlich ebenfalls zum Spielkomfort bei.
Jetzt geht es an den Amp und für den Praxisteil wird die Framus D-Series S 370 XG an einen Sovtek MIG-50 angeschlossen, wobei die Marshall 4x12 Box (Celestion G12M) mit einem Neumann TLM-103 abgenommen wird. Der Verstärker ist clean eingestellt, Zerrsounds werden dann mit diversen Overdrive- und Distortion-Pedalen erzeugt.

Die Pickups haben einen etwas unterschiedlichen Charakter, harmonieren aber in Kombination sehr gut. Der Hals-Pickup ist im Ausgangspegel etwas dezenter, liefert eine gute Portion obere Mitten und Höhen und unterstützt den leicht drahtigen Grundton des Instrumentes sehr gut. Der Steg-Pickup hat ordentlich Feuer und zwingt den Amp auch im cleanen Bereich bei hartem Anschlag zu dem einen oder anderen übersteuerten Ton. Die Kombination beider Pickups liefert einen knackigen Sound, der im Cleanbereich auch ein Funk-Lick überzeugend generieren kann. Nimmt man das Tone-Poti noch mit hinzu und senkt die Höhen leicht ab, lassen sich auch recht weiche Jazz-Sounds mit dem Hals-Pickup erzeugen.

Wir wechseln in die dreckige Abteilung und den Zerrsound liefert nun ein vorgeschalteter Himmelstrutz Fetto Nord mit niedrig eingestelltem Drive-Regler (10 Uhr). Die Crunch-Disziplin wird von der S 370 XG auch gut gemeistert und vor allem der Hals-Pickup lässt sich gut für Blues-Sounds einsetzen. Er liefert einen definierten, klaren Ton, der sich auch im Bandkontext entsprechend durchsetzen kann.

Bei der Anschlagsdynamik mit mittlerem Zerrgrad sieht es auch ganz gut aus, die Tonabnehmer bringen die unterschiedlichen Anschlagsarten (Finger, Pick) klar rüber und die Steuerung des Zerrgrades ist auch über den Anschlag möglich. Allerdings ist da noch Luft nach oben, was sich bei diesen Mid-Gain-Sounds am meisten bemerkbar macht. Verglichen mit High-Class-Pickups fehlt es den beiden Tonabnehmern etwas an Transparenz und der Hals-Pickup präsentiert sich in dieser Disziplin bei hartem Pick-Anschlag auch ein wenig pappig. Aber dabei sollte man immer den Preis im Auge behalten, für den die Gitarre bestens bestückt ist, aber man natürlich keine Wunder erwarten darf. Beim SH-4b am Steg ist die Dynamik nicht so groß, aber der ist auch für ein ordentliches Brett konzipiert, was er auch liefern kann. Die Arbeit mit dem Volume-Poti an der Gitarre zum Steuern des Zerrgrades funktioniert, aber hier geht der Pegel doch etwas zurück, wenn man von mittlerem Zerrgrad auf leichte Übersteuerung regeln möchte.

Mit höheren Zerrgraden klappt es sehr gut, hier singt die Gitarre ordentlich und liefert auch ein entsprechendes Sustain, um Töne auch mal entspannt länger stehenzulassen. Das funktioniert mit beiden Pickups sehr gut, auch die Ansprache auf Pinch-Harmonics zeigt sich problemlos. In diesem Bereich ist die Gitarre recht vielseitig aufgestellt, von Metal bis Stoner Style Fuzz Sounds lässt sich einiges anstellen. Die Schokoladenseiten sind aber die fetten Classic-Rock High-Gain-Sounds im Stile von Bon Jovi oder Van Halen, aber das liegt ja bei Phil X auch recht nahe. Die Gitarre ist recht stimmstabil und auch bei Downtunings nicht problematisch, auch bei Drop C hatte die tiefe E-Saite noch ein sauberes Tracking und die Pickups machten auch in diesem Frequenzbereich nicht schlapp.

Video

Audiobeispiele

Pro & Contra

  • tadellose Verarbeitung
  • sehr gute Bespielbarkeit
  • prädestiniert für High-Gain-Sounds
  • gute Ansprache
  • knackiger Grundsound
  • gutes Preis-Leistungs-Verhältnis
  • geringes Gewicht

  • leichte Defizite in Dynamik und Steuerungsmöglichkeiten mit dem Volume-Poti

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