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Feature
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20.09.2017

Interview und Gear-Chat: Tony Palermo

Der Drummer von Papa Roach im Gespräch

Die US-amerikanische Band Papa Roach zählt zu den Begründern der Nu Metal Bewegung und steht kurz vor ihrem 25-jährigen Bandjubiläum. Acht Jahre nach ihrem 2000er Erfolgsalbum „Infest“ wurde Drummer und Gründungsmitglied Dave Buckner aufgrund seiner Drogenprobleme in eine Entzugsklinik eingeliefert, was zur Folge hatte, dass man für die bevorstehende Tour Tony Palermo, damals bei der Band Unwritten Law, als Ersatz anheuerte. Anfang 2008 wurde dieser dann als offizieller neuer Schlagzeuger vorgestellt und ist seitdem die treibende Kraft hinter den brachialen Songs von Papa Roach. 

Tony Palermo ist gebürtiger Kalifornier und startete seine Karriere im Jahre 1995 bei der Punk-Band Ten Foot Pole. Kurz nach seinem Einstieg bei Papa Roach wurde die Band von Mötley Crüe auf das legendäre Crüe Fest eingeladen, wo auch MC-Bassist Nikki Sixx mit seinem neuen Projekt Sixx: A.M. auftrat, bei dem zu der Zeit kein Geringerer als Tony Palermo am Schlagzeug saß. Fast zehn Jahre später trafen wir Tony zum Auftakt der „Crooked Teeth“ Tour in entspannter Atmosphäre im Backstage Raum der Hamburger Sporthalle zu einem kurzen Gespräch.

Hi Tony. Ihr startet heute Abend eure Europatour in Hamburg. Wie steht es um Jacobys (Jacoby Shaddix, Sänger von Papa Roach) Stimme? Ihr musstet wegen seiner Probleme mit den Stimmbändern kürzlich ja einige Konzerte absagen.

Die Probleme begannen schon 2013, als sich Jacoby einer chirurgischen Behandlung der Stimmbänder unterziehen musste. Nachdem es eine Zeitlang gut war, kehrten die Beschwerden kürzlich zurück, glücklicherweise aber in etwas schwächerer Form. Somit entschieden wir uns, die Skandinavien-Gigs, die am Anfang der Tour stattfinden sollten, ans Ende zu verschieben, um ihm mehr Zeit zur Erholung zu geben. Die Proben in den letzten Tagen liefen sehr gut, so dass wir guter Hoffnung sind.

Ihr seid fast 30 Tage lang in Europa unterwegs. Bleibt da auch Zeit für Sight Seeing?

Ja, auf jeden Fall. Wir haben geplant, ein Schloss in Luxemburg zu besuchen. Alles andere wird sich kurzfristig entscheiden. Auf jeden Fall werden wir versuchen, uns so viel wie möglich anzusehen. Wir waren zwar schon häufig in Europa, aber es gibt ja auch ständig Neues zu entdecken.

Kommen wir auf deine Musikkarriere zu sprechen. Wann wusstest du, dass du Profimusiker werden würdest?

Mit neun Jahren! (lacht) Da nahm mich meine Mutter mit auf ein Kiss Konzert, das mich damals natürlich total umgehauen hat. Ab da wusste ich, dass ich trommeln will, und ich habe dann bei uns zu Hause mit meinen Freunden, wenn meine Eltern unterwegs waren, die Musik aufgedreht, und wir haben geträumt, wir wären Rockstars. Dabei habe ich auf dem Bett oder irgendwelchen Kisten getrommelt. Mein erstes Drumset bekam ich dann mit zwölf. Ich war so besessen, dass ich jeden Tag nach der Schule mindestens drei Stunden getrommelt habe, bis meine Eltern von der Arbeit nach Hause kamen. Sie hatten zum Glück Verständnis dafür, trotzdem versuchten sie mir natürlich immer wieder klarzumachen, dass ich auf jeden Fall auch etwas „Vernünftiges“ lernen oder aufs College gehen soll, aber es war zwecklos (lacht). Ich habe, ohne einen Plan B, immer weitergemacht, und irgendwann war einfach keine Zeit mehr für andere Dinge.

Hattest du Schlagzeugunterricht?

Ich bin Autodidakt, obwohl ich genau genommen in meinem Leben drei oder vier Unterrichtsstunden hatte, aber ich habe schnell gemerkt, dass ich keine Lust auf Notenlesen hatte und mir das für meine Bands auch nichts brachte.

Welche Schlagzeuger haben dich damals am stärksten beeinflusst?

Das waren ganz am Anfang vor allem die funky Drummer, zu denen ja auch Stevie Wonder gehörte. Ich kam damals auf ihn, weil meine Mutter seine Musik liebte. Die meisten wissen ja nicht, dass er auf vielen seiner Songs die Drums selbst eingespielt hat. Als ich dann ernsthaft mit dem Trommeln anfing, interessierte ich mich aber eher für die Rockdrummer wie Alex van Halen, Vinnie Appice, den ich von den Dio Platten kannte, dann Dave Lombardo, Tommy Lee und überhaupt die ganzen Heavy Metal Drummer. Tatsächlich stieß ich erst später auf John Bonham und auch auf die eher jazzigen Drummer wie Dave Weckl. Ich habe solche Musik zwar nie gespielt, finde das Drumming aber absolut beeindruckend und inspirierend. Mein Schwerpunkt war aber immer klar die Rockmusik, und ich gewöhnte mir über die Jahre einen sehr kraftvollen Stil an, der auch stark inspiriert war von den mächtigen Sounds, die Leute wie Dave Grohl auf den Studioalben hatten. Man hörte einfach, dass diese Drummer in die Felle droschen, als ob es um ihr Leben ginge, auch wenn ich natürlich weiß, dass da im Studio oft noch viel dran geschraubt wurde.

Du benutzt auf der Bühne sehr große Trommeln. Hast du beispielsweise die 26“ Bass Drum auch im Studio eingesetzt?

(überlegt)... Ja, tatsächlich habe ich auf einigen Songs des neuen Albums die 26er benutzt, meistens aber eine 24“ Bass Drum, die für mich im Studio der Standard ist. Live bin ich vor vielen Jahren auf die 26er Größe umgestiegen, weil mir einfach der ultimative Rocksound vorschwebte. Die Umstellung fiel mir nicht schwer, obwohl ja viele Leute behaupten, dass das Spielgefühl deutlich unterschiedlich ist. Ich brauche einfach fette Rocksounds, die mir kleine Trommeln nicht liefern können.

Bis vor ein paar Jahren hast du bei Papa Roach mit zwei Bass Drums gespielt. Wie kam es, dass du wieder bei einer Bass Drum mit Doppelpedal gelandet bist?

Ich fand es cool, zwei Bass Drums zu spielen, aber irgendwann kam ich, nachdem wir uns mit der ganzen Band über das Thema unterhielten, zu dem Schluss, dass mir die klassische Konfiguration optisch doch besser gefällt und auch besser zu uns passt.

Mir ist aufgefallen, dass es an deinem Set keinen Tomhalter gibt. Du benutzt für das Racktom stattdessen einen Snareständer. Hat das auch optische Gründe?

Teilweise ja, aber ich mag es auch, wenn die Trommel sich beim Spielen nicht allzu sehr bewegt, und das wäre bei meiner Spielweise mit einem herkömmlichen Tomhalter definitiv der Fall.

Probst du eigentlich viel zuhause?

Ich habe ein Pearl e-Pro Kit zuhause stehen, mit dem ich mich beispielsweise intensiv auf diese Tour vorbereitet habe. Einen festen Übungsplan gibt es bei mir aber nicht. Wir sind ja auch so viel unterwegs – früher waren das teilweise 250 bis 300 Gigs pro Jahr – , dass ich es genieße, die Sticks auch mal beiseite zu legen und Zeit mit meiner Familie zu verbringen. In den letzten Jahren haben wir unser Pensum auch etwas reduziert, damit es spannend bleibt und sich keine Routine breitmacht. Spätestens seitdem Leute uns nach unseren Gigs sagten, sie hätten uns in dem Jahr bereits zwölfmal gesehen, wussten wir, dass es an der Zeit ist, kürzer zu treten. (lacht)

Hast du außer Papa Roach im Moment weitere musikalische Projekte? 

Ich werde oft von Freunden gefragt, ob ich im Studio Songs einspielen will und mache das auch sehr gerne. Beispielsweise habe ich letztes Jahr mit Coercion, einer Punk-Rock Band aus San Francisco, eine EP aufgenommen. Den Gitarristen Luke Pabich kannte ich aus der Hardcore-Band Good Riddance, bei denen ich Mitte der 90er mal kurz gespielt habe, und auch die anderen Jungs kenne ich schon lange. Dann habe ich kürzlich Aufnahmen mit James Michael, dem Sänger von Sixx: A.M., in seinem Studio gemacht. Für das Touren mit anderen Bands habe ich aber durch den vollen Zeitplan mit Papa Roach einfach keine Zeit, somit beschränkt sich meine Mitwirkung meist aufs Studio. Das heißt aber nicht, dass ich nicht grundsätzlich auch mit anderen Bands touren würde. Immerhin will ich spielen und auch Geld damit verdienen, aber im Moment habe ich einfach nicht die Zeit dafür.

Zum Abschluss hätte ich gerne noch einen Tipp von dir: Welches Album sollte deiner Meinung nach jeder Drummer besitzen?

Oh... da muss ich überlegen. Auf jeden Fall wäre „Songs For The Deaf“ von den Queens Of The Stone Age mit Dave Grohl an den Drums dabei, dann eine weitere Platte, auf der Grohl getrommelt hat, die erste Foo Fighters „ The Colour And The Shape“. Nicht zu vergessen natürlich die klassischen Led Zeppelin Alben mit John Bonham. Besonders gefallen mir die 1972er Live-Aufnahmen, die auf der CD „How The West Was Won“ veröffentlicht wurden. Da war die Band auf ihrem absoluten Zenit, und die Drums klingen so fantastisch und lebendig, wobei besonders beeindruckend ist, dass da ja vermutlich im Mix noch nicht einmal viel dran gemacht wurde. Ich könnte noch viele andere Platten aufzählen, aber das würde wohl den Rahmen sprengen. (lacht)

Tony, vielen Dank für das Gespräch und alles Gute für die bevorstehende Tour!

  • Tony Palermos Equipment
  • Drums/Hardware: Pearl
  • Serie: Masters Maple
  • 26“ x 16“ Bass Drum
  • 14“ x 9“ Rack Tom
  • 16“ x 14“ Floor Tom
  • 18“ x 14“ Floor Tom
  • 14“ x 6,5“ Brass Snare
  • Becken: Sabian
  • 15“ AA Rock Hats
  • 19“ HHX Stage Crash (2)
  • 20“ AAX Iso Crash
  • 20“ AA Medium Crash
  • 22“ Paragon Ride
  • 17“ AA Chad Smith Holy China
  • Drumsticks: Promark 2B
  • Felle: Remo
  • Roland SPD-SX Sampling Pad
  • Porter & Davies BC Gigster Tractor (Drumhocker mit integriertem Shaker)

PAPA ROACH „Crooked Teeth Tour“ 2017 

21.09.2017 Do. München - Zenith 

25.09.2017 Mo. Ludwigsburg - MHPArena 

27.09.2017 Mi. Fürth - Stadthalle Fürth 

28.09.2017 Do. Offenbach - Stadthalle 

03.10.2017 Di. Oberhausen - Turbinenhalle  - Ausverkauft! 

https://wizpro.com/papa-roach/2017/crooked-teeth-tour-2017

Veröffentlicht am 20.09.2017

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