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06.06.2017

Gear-Chat Uner

Über Equipment, Motivation und Studiozeiten

Uner ist einer der bekanntesten spanischen House/Techno-Exporte. Mit regelmäßigen Auftritten im Space und Ushuaïa sowie unzähligen weiteren Gigs um den gesamten Globus zählt er bereits seit Jahren zu den großen Namen im Geschäft. Trotzdem zeigt er sich als bodenständiger, reflektierter Künstler, dem die Leidenschaft für sein Schaffen durchgehend anzumerken ist. Ein Gear-Chat mit dem Label Boss von Solar Distance.

Uner, du reist um den gesamten Globus und hast viele große Gigs jedes Jahr. Wie gehst du mit den Anstrengungen des Tour-Lebens um?

Es ist echt verrückt, wenn ich darüber nachdenke. Letztes Jahr haben wir 127 Gigs gehabt, in diesem wird es ungefähr genauso sein. Das Wichtigste für mich ist zu versuchen, dass ich mental ausgeglichen bin. Wie mache ich das? Naja, ich kann es wirklich nur versuchen, manchmal ist das nämlich unmöglich, da man zu wenig Zeit hat. Ich versuche aber in allen Bereichen des Lebens gesund zu bleiben, also gut zu essen, keinen Alkohol zu trinken und mir Zeit fürs Lesen und klassische Musik zu nehmen. Ab und an klinke ich mich auch komplett aus, sonst überhitzt der Kopf.

Wie bereitest du deine Auftritte vor? Hast du ein bestimmtes, geheimes Ritual?

Normalerweise bereite ich meine Sets nicht vor. Also klar, das Wichtigste für mich ist die Musik, die ich dabei habe, komplett zu kennen. Damit meine ich, dass man jeden einzelnen Track kennt, weiß wie er klingt und an welchen Stellen er funktioniert. Wenn man sich dessen bewusst ist, wird es viel leichter, damit zu spielen und zu arbeiten.

Schon vor einem Set habe ich eine Idee, wie ich beginnen möchte, die ersten paar Tracks weiß ich da meistens. Aber danach mag ich es, mit dem Flow zu gehen und mich der Improvisation hinzugeben. Für Musik selbst habe ich gar kein Ritual, eher in anderen Aspekten meines Lebens. Ich steige zum Beispiel immer erst mit dem rechten Fuß in ein Flugzeug. Außerdem habe ich ein paar Amulette. Vielleicht bin ich ein wenig abergläubisch (lacht).

Wo findest du deine Musik, die du spielst?

Ich erhalte von Labels und Künstlern, die ich persönlich kenne, viel Promo-Material. Ich liebe es, coole Tracks zu spielen, die noch nicht released wurden. Ungefähr einen Tag in der Woche verbringe ich nur damit, E-Mails und Promos zu checken. Ich mag es aber auch, online nach neuen Sachen zu suchen. Wenn man ein wenig Zeit investiert, ist es unglaublich, was für Juwelen man teilweise entdecken kann, da gibt es diverse Websites. Manchmal mache ich auch eigene Edits oder variiere mit den Equalizer-Einstellungen meiner Tracks, um verschiedene Harmonien oder hohe Frequenzen zu betonen.

Gibt es einen bestimmten Tipp, den du Neulingen der DJ- und Produzenten-Szene geben möchtest?

Ja, genau einen! Der wahrscheinlich am leichtesten daher gesagte, aber gleichzeitig auch schwierigste Ratschlag: Sei du selbst. Mach einfach dein eigenes Ding, bring deine Persönlichkeit in alles, was du produzierst mit ein. Denk nicht direkt an Ruhm, Geld oder Erfolg, finde lieber heraus, wer du bist und was du machen möchtest. Anders geht es nicht. Langlebigkeit ist der Schlüssel zum Erfolg in der Musikindustrie, übrigens nicht nur dort. Es ist also enorm wichtig, sich auf das auf sich selbst am besten zugeschnittene Fundament zu konzentrieren. Klar müssen wir alle Rechnungen zahlen, aber ich brauche beispielsweise keinen Ferrari oder ein Haus mit zehn Schlafzimmern. Wenn ich mich innerhalb des Musikbusiness einigermaßen finanzieren kann und das mit meiner Passion für Musik ungebrochen kombinieren kann, bin ich mehr als glücklich! Das Wichtigste für mich ist, dass ich Musik noch jeden Tag genießen kann.

Wie sah dein erstes Equipment-Setup aus?

Wow, das ist eine lange Zeit her. So um 1997 oder noch früher. Ich hatte damals einen Korg X3, mehr nicht! Meine Eltern und ich hatten kein Geld, also musste ich dafür bei der Bank einen Kredit aufnehmen. In den folgenden Jahren kamen dann aber ein paar Sachen dazu, beispielsweise ein Korg Prophecy, ein Alesis Quadrasynth Piano und von Roland die MC303 und MC909 fürs Sampling. Ich hatte auch einen externen Sequencer, den Roland MC50, dazu einen Studiomaster Diamond Mixer. Keine Computer! Nur Sequencer und Sony DAT-Recorder. Aber klar, das hat sich seitdem ordentlich geändert.

Wie viel Zeit verbringst du im Studio?

Eher 9-to-5 oder spontan und unregelmäßig? Ich bin jeden Tag im Studio. Selbst wenn ich reise, versuche ich, beschäftigt zu bleiben und arbeite an neuen Ideen. Das ist dann allerdings natürlich ein wenig limitierter als in meinem Studio. Viele Leute fragen mich, was ich den ganzen Tag im Studio so mache, und klar, ich mache nicht 24/7 Musik. Pausen, Piano spielen, neue Plug-ins und Synthesizer antesten, neue Mixing-Aspekte kennenlernen, mit anderen Musikern reden – das gehört auch dazu. Man kann viel lernen, wenn man sich die Zeit dazu nimmt.

Es ist wichtig, sich nur zur rechten Zeit ins Studio einzusperren, manchmal bin ich nicht in der richtigen Stimmung oder Verfassung, das kennt garantiert jeder andere DJ und Produzent auch so. An manchen Tagen läuft es halt gut, an anderen dagegen weniger.

Wie arbeitest du heutzutage? Mehr samplebasiert, mit Soft- oder mit Hardware?

Alles zusammen. Hinzu kommen noch richtige Instrumente. Ich habe in meinem Hauptstudio in Lleida (ich habe für verschiedene Anliegen verschiedene Studios) einiges an analogem Equipment. Da stehen momentan ein Dave Smith Prophet-6, einige Waldorfs wie Streichfett oder der Pulse 1, dazu die Roland Boutique TR-09, der Arturia Drumbrute und ein Roland Handsonic. Außerdem noch mein Dexibell Piano, mein Gibson 5 Strings Bass und die Les Paul Gold Top.

Ich nutze auch Maschine und einige Native Instruments und Arturia Plug-ins. Das alles läuft dann über meine Apogee Soundkarte und Ableton. Ich habe noch ein weiteres Studio in Madrid, wo anderes Equipment steht. Dort nutze ich Pro Tools, da dieses Studio mehr auf instrumentale Recordings und Vocals ausgelegt ist. Daher habe ich auch mehrere Mikrofone dort, je nachdem auf welche Art man eine Stimme einfangen will. In Madrid habe ich auch Schlagzeuge von DW und Sonor, aber auch anderes Equipment wie Solid State Logic SL4000E und einen Classic Teletronix.

Wie startest du einen neuen Track und wie gehst du weiter vor?

Ich mag es, von Grund auf zu starten. Ich kenne einige Leute, die mit Templates arbeiten, also mit Projekt-Masken mit bereits geladenen Drums, Kompressoren und so weiter. Aber ich mag es lieber, wenn die Leinwand völlig weiß ist. Normalerweise fange ich mit den melodischen Elementen an und füge die Drums erst in der Endphase hinzu. Klar versuche ich auch direkt einen Groove mit reinzubringen, aber das Wichtigste für mich ist, sich zunächst mit Melodien und Harmonien auszudrücken.

Hast du eine Geheimwaffe? Einen Synthesizer oder Effekt, der jedesmal funktioniert? Die 303 gilt nicht!

Ich nutze Maschine sehr häufig. Ich liebe den Workflow mit dem Teil, es klingt richtig, richtig gut! Außerdem liebe ich es, mit dem Prophet zu spielen. Aber die Maschine ist das Hauptwerkzeug für meinen Produktionsprozess. Für Melodien nutze ich allerdings mein Piano, da ich auch von früh an klassisch musikalisch erzogen wurde. Ich liebe es, Melodien zu finden, die unüblich für die elektronische Musik sind und sie dann in diesen ungewohnten Kontext zu stellen.

Hast du denn auch Fehlkäufe gehabt?

Ja, früher. Aber jetzt teste ich alles vorher sorgfältig aus, bevor ich es kaufe. Ich versuche kein Impulskäufer mehr zu sein heutzutage.

Du hast dein eigenes Label, Solar Distance. Was war deine Intention, dieses zu starten?

Solar Distance ist nicht nur eine Plattform der totalen kreativen Freiheit für mich selbst. Ich kann darüber auch anderen Musikern, die mich begeistern, eine Möglichkeit geben, ihre eigenen Sachen zu veröffentlichen. Es ist eine persönliche Sache, ein Zuhause, um andere und individuelle Sounds zu kreieren, eine Plattform, mit der unbekannte Künstler ihre Musik einem breiten Publikum präsentieren können.

Ich höre mir Demos an und signe, was ich davon mag. Wenn deine Musik eine spannende Geschichte hat, du Leidenschaft und Hingabe zeigst, dann ist das genau das, was wir auf dem Label haben wollen. Das ist das Credo von Solar Distance, ein Weg im Spotlight zu stehen, bei dem es egal ist, wie du deine Karriere begonnen hast. Viel wichtiger ist der Weg selbst.

Wie sind deine Pläne für die nahe Zukunft? Ich habe gehört, dass etwas Besonderes für Juni geplant ist?

Momentan fokussiere ich mich total auf mein Album, ein riesiges Projekt voller verschiedener Musikstile. Darauf gibt es keine Limitierungen, es ist voller Musiker, toller Kollaborationen und natürlich interessanter Geschichten hinter den einzelnen Tracks. Ich arbeite an allen möglichen Plätzen der Welt daran, nutze verschiedene Studios und Field Recordings aus der Natur. Und es macht richtig Spaß, diese Momente mit tollen Musikern zu teilen und daraus Inspiration zu ziehen, selbst auf Reisen!

Was den Tourplan angeht, wird es wieder ein verrücktes Jahr für mich. Meine ANTS-Residency im Ushuaïa geht in ihr fünftes Jahr, am 27.05. war bereits das Club-Opening. Ich habe auch einige Gigs in den USA und viele große Festivals in ganz Europa. Aber mit meinem Team macht das alles viel Spaß und das macht mich sehr happy!

Top 5 Studio Equipment

  • Maschine (Studio & Jam)
  • Dave Smith Prophet-6
  • Waldorf Streichfett
  • EveSc307 Monitore
  • Dexibel Piano

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Veröffentlicht am 06.06.2017

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