Hersteller_Gemini
Test
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08.01.2014

Gemini G2V Test

Zweikanal-DJ-Controller mit USB-Audiointerface

Kommandozentrale für digitale DJs

Seitdem die digitale Musikverarbeitung und Datenverwaltung Einzug auf dem Laptop gehalten hat, fluten Equipment-Firmen den Markt mit immer neuen DJ-Controllern. Auch Gemini sind in diesem Segment aktiv. Ihr neuester Controller, der optisch sehr ansprechende G2V, regt bei unserem Autoren sofort den Appetit an. Also wie schmeckt der neue Styler?

Die Ingredienzien jedenfalls versprechen nicht zu viel: Eine Zweikanal-Mixereinheit umgeben von zwei Decks mit jeweils acht Pads und einem großen Jogwheel, dazu die obligatorische Transportsektion nebst Auto Sync und schließlich eine Betriebssoftware in Form von Virtual DJ Limited Edition (LE). Auch der Preis von 356 Euro UVP scheint im Vergleich zur Konkurrenz angemessen. Ob der Gemini aber das Zeug dazu hat, sich in die Herzen der DJs und somit in die globalen Kanzeln, Bars und Partykeller zu spielen, steht auf einem anderen Blatt Papier.

Details

Das waren noch Zeiten: In den 1980er Jahren, als der Turntable den Ton in der DJ-Kanzel angab, zählte Gemini zu den wichtigsten und angesagtesten Marken. Ihr legendärer Vierkanal-Mixer MX-2200, dem einst schon Jazzy Jeff und Afrika Bambaataa schnelle Crossfader-Cuts abverlangten und der somit zum Standard unter den Hip-Hop-DJs avancierte oder der in Kooperation mit Grandmaster Flash entwickelte Flash Former, pflasterten Geminis mit innovativen Produkten gespickten Weg. Doch in den 90ern wurden sie von Firmen wie Vestax, später Pioneer und Denon überholt und sind seitdem im professionellen Segment eher selten vertreten.

Der in diesem Bericht getestete G2V DJ-Controller bestätigt die Entwicklung der letzten Jahre. Geminis Produkte sind vom Preis-Leistungs-Verhältnis her ausgeglichen, überzeugen im Punkt Verarbeitung, sprechen allerdings weniger den professionellen DJ an und lassen wirklich grundlegende Neuerungen vermissen. Bei DJ-Controllern ist dies wohl auch ein schwieriges Unterfangen, denn sie sind quasi etabliert und ausgereift und bieten daher kaum noch Entwicklungsspielraum. Besondere Gadgets sollte man daher nicht erwarten. Mit einer UVP von 365 Euro spielt der G2V preislich und von der Ausstattung her in der Liga eines Pioneer DDJ SB, Denon MC2000 oder eines Numark Mixtrack Pro. In welchen Disziplinen er konkret punktet, zeigt sich in seinen Details und vor allem im anschließenden Praxistest.

Zum Lieferumfang des G2V zählen ein Netz- und USB-Kabel, eine viersprachige Gebrauchsanleitung samt Installations-CD und eine Garantiekarte. Beim Herausheben des G2V fällt sofort das massive Metallgehäuse mit knapp fünf Kilogramm Gewicht auf. Die Verarbeitung wirkt auf mich sehr hochwertig und robust, was auch auf die meisten Bedienelemente zutrifft. Vor allem die insgesamt sechzehn auffälligen, gummierten Pads scheinen auf den ersten Blick sehr bedienerfreundlich und geben ein angenehmes mechanisches Feedback, wie geschaffen für schnelle, genaue Trigger. Aber auch die kleineren Tasten, beispielsweise für Play/Pause, Sync, Cup oder auch Cue vermitteln Steuerkompetenz. Die Funktionstasten der Pads hingegen (wahlweise für Hotcues, Auto Loops, Samples oder Loop Rolls) lösen bei ihrer Bedienung buchstäblich eine Kettenreaktion aus. Beim Betätigen einer Taste überträgt sich der mechanische Druck auch auf die daneben liegenden, allerdings (so viel sei vorweggesagt) ohne „triggertechnische Konsequenzen“.

Weiterhin setzt sich jedes Deck aus vier an der Oberkante angeordneten Drehknöpfen für Loop Moves, das Sample-Volume und die Parameter 1 und 2 der Effekte zusammen. Darunter liegen jeweils vier Funktionstasten für Keylock/Range, Bank Up/Down, Slip/FX Select und FX On/Off. Erfreulich sind die im Vergleich zu anderen Controllern mit zehn Zentimetern Regelweg deutlich längeren Pitchfader. Einem genauen Beatmatching ohne Sync-Funktion sollte von dieser Seite nichts im Wege stehen.

Beim Blick auf die Benutzeroberfläche fallen mir sofort die großen Jogwheels auf, die einen beachtlichen Teil des Controllers einnehmen. Ihre Teller sind, was die Mechanik angeht, sehr ausgeglichen justiert. Sie sind nicht zu leichtgängig und auch nicht zu schwerfällig, sodass ihre Bedienung in der Praxis ein beatgenaues Auflegen unterstützt. Ganz gleich, ob gerade der Search- oder Scratch-Modus ausgewählt ist. Gewöhnungsbedürftig hingegen fühlen sich die mit einem gewissen Spiel montierten, berührungsempfindlichen Sensor-Teller an. Auch eine virtuelle Anzeige der Titelposition suche ich vergeblich. 

Die in der Mitte platzierte Mixzentrale hebt sich durch eine schwarze Lackierung dezent vom ansonsten überwiegend anthrazitfarbenen Controller ab. Die Bedienelemente sind mit auffälligen weißen Lettern und Symbolen beschriftet und zudem sehr übersichtlich und großzügig angeordnet - schnellen Fingeraktivitäten steht hier also nichts im Wege. Die Knöpfe bieten mit ihrer Oberflächenstruktur genügend Grip und rasten bei der Nullposition leicht ein, um ungewollte Klangeinstellungen im Dunkeln zu vermeiden. Neben einem Dreiband-Equalizer verfügen beide Kanäle über jeweils einen Gain-Regler und ein zusätzliches Lowpass/Highpass-Kombifilter. Weitere Drehknöpfe dienen dem stufenlosen Kopfhörer-Cue-Mix sowie der Einstellung des Booth- und Master-Pegels. Etwas größer fällt der mittig platzierte Browser-Knopf aus, der zusammen mit den Back- und Load-Tasten das Suchen und Laden der Tracks unabhängig von der Laptop-Tastatur ermöglicht.

Die untere Hälfte der Mixereinheit nehmen die Linefader ein. Dazwischen residiert eine zweigliedrige und -farbige Master-Pegelanzeige mit je zehn LEDs, die eine Übersteuerung in Rot signalisiert. Für die visuelle Anpassung der beiden Cue-Signale sind zwei weitere, aus fünf LEDs bestehende Ketten vorgesehen, die sinnvollerweise neben dem zugehörigen Gain-Regler angeordnet sind. Sowohl Line- als auch Crossfader messen 45 Millimeter - völlig ausreichend, aber vom Gleitwiderstand sind sie in meinen Augen etwas schwerfällig. Schnelle Cuts könnten daher ausgebremst werden, zumal ein Curve-Regler zum Anpassen der Line- oder Crossfader-Kurve am Controller und zumindest in der LE-Version von Virtual DJ fehlt.

An der Frontseite befinden sich zwei 6,3-Millimeter-Klinkenanschlüsse. Der erste Eingang ermöglicht den Anschluss eines Mikrofons und bietet einen Lautstärkeregler, jedoch leider keinen EQ. Das Mikrofonsignal landet direkt auf dem Master und klingt natürlich und rauscharm. Der Mikrofonkanal funktioniert bei angeschlossenem Netzteil auch ohne USB-Verbindung und ermöglicht so die Moderation unabhängig vom Softwarebetreib. Die andere Buchse ist für den Kopfhörer gedacht und mit einem separaten Lautstärkeregler ausgestattet. Der Kopfhörerausgang dürfte ruhig etwas mehr Saft haben, klingt aber sehr ausgeglichen, ohne zu verzerren.

Mein Blick wandert auf die Geräterückseite, wo gleich zwei Master-Ausgänge in Cinch und XLR die Schnittstellenkompatibilität zu professionellen PA-Anlagen und der heimischen Stereo-Anlage des Hobbyisten sicherstellen. Der Masterausgang klingt transparent und überträgt das Signal frei von Störungen an meine Studio-PA. Auch an einen getrennt regelbaren Cinch-Booth-Ausgang für die Kabinen- oder Monitorbeschallung hat der Hersteller gedacht. Obendrein hat hier der Aux-Input Platz gefunden, über den sich ein externer Zuspieler anschließen lässt, zum Beispiel ein CD-Player oder ein iPhone für den Warm-Up. Das Signal gelangt ebenfalls direkt auf den Master, ist vom USB-Betrieb unabhängig und wird über einen großen, griffigen Regler an der Vorderseite des G2V in der Lautstärke justiert. Weiterhin finden sich am Backpanel: eine Kensington-Lock-Ausfräsung, die USB-Buchse Typ-B zur Rechneranbindung, ein Einschaltknopf und die Netzteilbuchse zur (optionalen) Spannungsversorgung. Im Inneren des Gemini G2V werkelt ein 24-Bit-Audiointerface (0-In/4-Out) mit einer festen Samplingfrequenz von 48 kHz, dem ich in der Summe solide Audioeigenschaften und eine ordentliche Performance attestieren kann. Aufgrund der Beschränkungen von Virtual DJ ist es allerdings nicht möglich, die Latenzeinstellungen anzupassen.

Audiobeispiele

Pro & Contra

  • Sehr gut verarbeitetes, massives Metallgehäuse
  • Gute Bedienergonomie
  • Einfache Installation und Bedienung
  • Große Jogwheels
  • Lange Pitch-Control-Fader
  • Acht Multifunktionspads für Hotcues, Loops und Samples

  • Nur ein Input
  • Keine Fader-Kurveneinstellung am Controller
  • Gewöhnungsbedürftige Berührungsempfindlichkeit der Jogwheels
  • Anzahl und Auswahl der Effekte
  • Keine generelle Beleuchtung der Tasten
  • Freies Mapping nur mit Virtual DJ Pro
  • Keine Klangregelung für das Mikrofonsignal

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