Test
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19.07.2017

Praxis

Der Player benötigt etwa 10 Sekunden für den Bootvorgang, der beim 600er aufgrund des optischen Laufwerks mit einem „Einschaltgeräusch“ verbunden ist. Aufgespielt ist zum Testzeitpunkt Firmware 6.5. Geminis MDJ-Serie unterstützt FAT, FAT32, HFS+ und NTFS, sie spielt Audiodateien der Formate WAV (16 Bit, 48 kHz max.), MP3, AAC und AIFF ab. Wer den 600er nutzt kann auch MP3- und Audio-CDs verwenden. Ist dies der Fall, muss der Anwender etwa 6 Sekunden warten, bis der Silberling startklar ist. Beim Schütteltest war festzustellen, dass die CD nach etwa 10 Sekunden intensiven Rüttelns springt, der offizielle Antischockpuffer ist nicht erwähnt.

Die On-the-fly-Analyse eines Musikstücks ist von der Länge und dem Dateiformat abhängig – rund 50 Sekunden benötigt ein kurzer Club-Track (Wave). Die MP3 braucht länger: Der Neunminüter (MP3) kam auf gut 3,5 Minuten, die Wave benötigte hingegen nur 2 Minuten, spielt man dabei ab, dauert es etwa doppelt so lange  - so viel für die Statistiker. Die CD puffert etwa 20 Sekunden vor und legt beim Abspielen nach.

Ein Emergency Loop springt ein, wenn jemand den USB-Stick aus dem Laufwerk mopst. Stellt ihr den Langfinger und stöpselt das gute Stück wieder ein, stoppt dann allerdings die Musik und die Player werden entladen, statt weiter zu spielen. Das geht besser. Gemini vCase … ist eine Musikverwaltungs-Software für die MDJ-Mediaplayer. Das Programm ist für Mac und Windows verfügbar und lässt sich kostenlos von Geminis Website laden. Dieses kleine Helferlein analysiert eure Musikdateien – ähnlich wie Pioneers rekordbox und Denons Engine – und exportiert Daten wie BPM, Peaks und Track-Infos auf einen Wechseldatenträger. GUI und Funktionsumfang fallen vergleichsweise spartanisch aus. Ihr könnt Ordner, Dateien und Playlisten importieren, berechnen lassen, editieren und exportieren. Dazu ein paar Screenshots. Wer mag, kann auch intelligente Playlisten erstellen und diverse Parameter verknüpfen.

Nach Befüllen der Library benötigte vCase für die Titel-Analyse auf meinem i5 5. Generation etwa 4 Sekunden pro Track. Multicore-Unterstützung (simultane Threads) konnte ich nicht feststellen, aber gut, dann lässt man den Rechner halt über Nacht ackern, wenn die Sammlung so riesig ist. Der Export der Playlisten und Dateien auf den USB-Stick erfolgt in einem eigenen Verzeichnis mit Namen der Playlist, selbst wenn die Tracks bereits auf der SSD oder dem Stick vorhanden sein sollten. Ein paar Wermutstropfen bei vCase, die sich im praktischen Einsatz bemerkbar machen: Es gibt keinen Beatgrid-Editor zum Anpassen des Taktrasters, nicht einmal eine Player-Sektion zum Anhören eines Tracks, wenn man Playlisten anlegt oder jedwede Möglichkeiten, Hotcues oder Loops in der Software anzulegen. Hier ist man noch Lichtjahre von der direkten Konkurrenz entfernt, auch was die Vergabe von Tags, Kommentaren und dergleichen angeht. Hier dürfte Gemini gern nachlegen.

Tempo und Takt

Schwächen zeigen die MDJs beim Thema Beatgridding. Zwar erlaubt eine Beat-Offset-Funktion eine Korrektur, doch auch das klappt nicht immer hundertprozentig präzise. Am besten bin ich oftmals mit dem ID3-Tag statt dem integrierten Beatcounter als BPM-Vorgabe gefahren. Beim Beatmatchen und dem einhergehenden Anpassen des Tempos via Pitchfader darf man auf einen sechsfach einstellbaren Pitch-Bereich von 4-100 Prozent zurückgreifen. Die Deadzones betragen eine halbe Skalenteilung, die feinste Auflösung beträgt etwa 0,2 Prozent Pitch, gerundet auf Zehntel-BPM, damit kann man zwei Player in Sekunden grob angleichen, bevor der Tempo- und Phasenabgleich via Gehör erfolgt. Die Tempoanzeige ist allerdings nicht zuverlässig und verspringt - bitte nachbessern. Wer Wert darauf legt, dass die Geschwindigkeit beim nächsten Track gleich bleibt, aktiviert den BPM-Lock. Beim Keylock sollte man keine Wunder erwarten, so ab 3-4 Prozent ist mit auftretenden Artefakten zu rechnen.

Beim „Temposchubsen und -bremsen“ sind die Teller, ob groß ob klein, gute Gefährten, sie arbeiten recht akkurat und erlauben das framegenaue Ansteuern von Positionen im Track, jedoch keine Hochgeschwindigkeitssuche via Shift. Man kurbelt und kurbelt also, möchte man zum Ende eines Titels gelangen. Mit dem Search-Tasten lässt sich kurz angetippt ein Frame weiter springen und auch schneller spulen, wenn die Taste gehalten wird, aber auch hier ist kein Shift-Turbo am Start. Framegenau akkurate Cuepoints zu platzieren gelingt mit den Tellern auch gern mal besser als mit der „Taktraster-Quantisierungsmethode“, wenn das Grid nicht sitzt.

Die MDJs bieten vier Hotcues, speicher-, spiel- und löschbar, dazu manuelle oder automatische Loops (ein Beat, vier Beats bei den kleinen Modellen, die großen wie erwähnt 1/8 - 16) sowie Loop-Rolls. Dazu kommt ein Revers und eine Slip-Funktion, welche die fortlaufende Track-Position puffert, derweil man Cues und Loops abfeuert oder scratcht, um dann wieder an die Echtzeitposition zu springen. In Kombination mit dem Reverse kann man so auch Songstellen zensieren. Hat man beim Setzen eines Loops mal ein wenig danebengelegen, lassen sich die Loopflanken via Jogwheel anpassen. Auch verdoppeln und halbieren einer Schleife ist kein Problem. So kann man mit den Reverse-, Loop-, Slip- und Hotcue-Tasten Live-Remixing-Einlagen zum Besten geben, wie erwähnt auch quantisiert, aber ohne Einfluss auf den Quantisierungswert. 

System Link

Ein tolles Feature des 900ers ist die Möglichkeit, mehrere Player via Netzwerkverbindung zum Datenaustausch zu bewegen und sie untereinander zu synchronisieren. In den Preferences kann hierfür eine Player-Nummer festgelegt werden. Im Test habe ich die MDJs direkt verbunden, sind weitere Player beteiligt, muss man zum Hub greifen.

Im Mix lässt sich ein Master-Deck deklarieren, das das Tempo für den Verbund vorgibt. Sitzt das Grid, klappt’s auch ganz gut mit dem Sync – gelegentliches Nachjustieren nicht ausgeschlossen. Auch hier habe ich mit dem ID3-Tag statt Auto-BPM bessere Ergebnisse erzielt und hier und da ein Grid-Offset eingeleitet oder manuell angeglichen, wenn kein Phasenabgleich möglich war. Praktisch: Stoppt das Master-Deck, nimmt sein Gegenüber diese Rolle vorübergehend an oder bleibt der Taktgeber, wenn der gegenüber als Slave deklariert wird. Erwähnenswert: Die Sync-Funktion wird im Falle eines Emergency Loops außer Kraft gesetzt.

Über die Link-Taste greift man schließlich auf den Datenbestand des zweiten Players zu, der im USB-Modus läuft. Listen browsen, Titel laden, synchronisieren – das funktioniert. Erstaunlich, was für 350 Euro heute möglich ist. Doch es geht noch weiter:

Audiointerface

Geminis MDJs bringen ein USB-Audiointerface mit, das wahlweise 44,1/16/24, 48/16/24, 48/24 96/24 und 192/24 anbietet – erreichbar via Preferences-Menü. Auf der Hersteller-Website gibt es ASIO-Treiber für Windows zu verwenden, am Mac laufen sie unter Core Audio. In Virtual DJ besteht die Möglichkeit, mehrere „Audiokarten“ zu nutzen und somit die Player zu konfigurieren. Für Traktor wäre ein „Mac-Aggregat“ eine Lösung, doch aufgrund mangelnder Display-Unterstützung finde ich Virtual DJ hier attraktiver, was uns zum nächsten Thema führt:

VDJ und MIDI/HID

Die 500/600er werden automatisch erkannt und gemappt, die Zuweisung der Decks erfolgt im Preferences Menü. Fortan lässt sich mit den Playern die Software befehlen. Das funktioniert gut und das Display leistet unter VDJ hervorragende dienste. Bequem browst man durch die Library, selektiert und lädt und feuert Loops und Rolls ab auch das Synchronisieren der Decks ist möglich. Interessant dazu: Mit der Eject-Taste schaltet man durch die Decks und kann so – je nach Audio-Preferences – auch mehrere VDJ-Player steuern. MDJ 500 und 600 teilen sich im Test kurzerhand die Decks auf, einmal 1 und 3, einmal 2 und 4. Ein Pickup-Mode für den Fader ist auch dabei. VDJ – auch nicht als LE – indes nicht. Folglich sind 149 Dollar für die „Controller-Edition“ einzuplanen, möchte man beide Player separat an ein Pult ausgeben, benötigt man die Analog-Mixer“ Lizenz für 99 Euro.

Der 900er wurde als „MDJ1000“ erkannt, dem er ja – mal abgesehen vom nicht mehr vorhandenen CD-Laufwerk – fast wie ein Ei dem anderen gleicht. Das Mapping passt ebenso wie Faust aufs Auge. Der Bedienkomfort der Full-Size-Unit ist entsprechend höher.

Apropos MIDI-Mode: Hier ist mir noch aufgefallen, dass der Sprung in die Preferences aus dem MIDI-Modus nicht möglich ist, stattdessen muss man zuerst auf USB umschalten, was Zeit kostet. Hin und wieder trübten auch kleine Bugs den Spielfluss. Mal hing die Beleuchtung hinterher, einmal gab es einen fiesen Ton beim Jogwheel-Drehen. Reproduzierbar war das nicht, darum hier nur der Hinweis auf den „Geist in der Maschine“. Und klar: Die Geminis können bei ihrem äußerst günstigen Verkaufspreis nicht mit den Profi-Playern gleich ziehen, doch sie haben das Zeug dazu, im investitionssensiblen Einsteigermarkt zu punkten, mitunter auch im semiprofessionellen Bereich und auf dem mobilen Sektor, wenn Gemini via Firmware-Update die Bugs ausmerzt und die Performance verbessert. Dabei sollten sie auch vCase einer optischen und funktionalen Frischzellenkur unterziehen.

Audiobeispiele

Pro & Contra

  • USB-Player mit Waveform-Display
  • Onboard- oder vCase-Analyse
  • MIDI/HID-Controller
  • integriertes USB-Audiointerface
  • ordentliche Kreativabteilung
  • umfangreiche Einstellmöglichkeiten
  • Zusammenspiel mit VirtualDJ
  • netzwerkfähig (MDJ-900)
  • Digitalausgänge (MDJ-900)
  • günstiger Preis

  • vCase Software rudimentär
  • Beatgrid und Tempodarstellung nicht immer korrekt
  • keine Hochgeschwindigkeitssuche
  • vereinzelte Bugs und Performance-Aspekte

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