Gitarre Hersteller_Gibson
Test
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13.05.2020

Gibson Les Paul Special Tribute P-90 Test

E-Gitarre

Schlicht & Knackig

Mit der Gibson Les Paul Special Tribute P-90 hat sich für den heutigen Test durch und durch schnörkellose Gitarre eingefunden, die auf der Les Paul Junior basiert und bereits Mitte der 50er Jahre das Licht der Welt erblickte. Ausgestattet mit zwei P-90 Singlecoils und einem Ahornhals unterscheidet sie sich deutlich von den Specs ihrer größeren Schwestern.
Bei der Tribute P-90 ist Purismus angesagt und das wird auch augenblicklich klar, sobald die schmucke Gitarre aus ihrem Gig Bag geschält wird. Nur mit dem Nötigsten ausgestattet präsentiert sich unsere Single-Cut-Testkandidatin im Natural Walnut Satin Finish ausgesprochen traditionell und spartanisch und ich bin gespannt, wieviel Fünfziger-Flair noch in ihr steckt.

Details

Als die Stratocaster des Mitbewerbers Fender in den 50ern des letzten Jahrtausends den Markt flutete, musste Gibson nachlegen und konnte mit der Junior einen großen Erfolg verbuchen. Darauf basierend entwickelte Gibson die vergleichbar günstige Les Paul Special, die ein Erfolg des US-Gitarrenbauers war, und die nun mit der Special Tribute eine weitere Renaissance erfahren darf.
Bretteben präsentiert sich unsere Les Paul Special, weil auch das Fünfzigerjahre-Original kein Carved-Top besaß - schließlich ebnete es auch der SG den Weg. Auf dem 44 Millimeter starken, massiven Mahagonikorpus ist ein kleines, dreilagiges Schlagbrett mit vier Schrauben direkt mit dem Korpus verbunden. Wem die Natur-Optik nicht zusagt, kann die Gitarre auch in Worn White Satin, Vintage Cherry Satin oder Ebony Satin bekommen.

Die Saitenschwingungen werden von P-90 Singlecoils abgenommen, die ebenfalls direkt in den Korpus geschraubt sind und von Gibson schon seit Mitte der 40er Jahre (!) gefertigt werden. Aufgrund ihrer Optik werden sie übrigens auch Soapbars genannt. Diese Einspuler bieten etwas mehr Output als klassische Singlecoils und sind auch heute noch wegen ihres eigenständigen Sounds ausgesprochen beliebt. Jeder Pickup besitzt einen eigenen Volume- und Tone-Regler, die mit schwarzen Top-Hat-Knöpfen bestückt sind und sich gegen einen leichten Widerstand regeln lassen. Ein Dreiwegschalter an altbekannter Stelle wählt die Pickups an, besitzt aber keine Treble-Rhythm-Scheibe, die Auskunft darüber gibt, welcher der beiden Pickups gerade aktiv ist. Aber das dürfte leicht zu verschmerzen sein, denn nach oben geschaltet ist bekanntlich der Hals-Tonabnehmer und nach unten der Steg-Pickup aktiv. Die Mittelstellung aktiviert beide Einspuler.

Gibson hat eine klassische Wraparound Bridge montiert, bei der zwar die Saitenauflagen individuell kompensiert wurden, die aber ein Justieren der einzelnen Saiten nicht erlaubt. Diesen Nachteilen steht entgegen, dass dieser Konstruktionsweise ein verbessertes und direkteres Ansprechverhalten beim Anschlagen der Saiten nachgesagt wird, was beispielsweise PRS und viele andere Hersteller dazu veranlasst, ebenfalls auf solche Brücken zu setzen. Zwei kleine Madenschrauben an der Rückseite des Tailpiece erlauben aber ein Einstellen der gesamten Brücke, die Gibson bereits seit 1952 und somit auch auf dem Original unserer Special Tribute verbaut hatte.
Die Ausgangsbuchse befindet sich wie gewohnt in der unteren Zarge und die beiden Gurtpins ebenfalls an altbekannter Stelle. Allerdings wurden diese zum Schutz des Lacks nicht unterlegt. Apropos Lack: Gibson hat einen Satin Nitrolack verwendet, der hauchdünn aufgetragen noch die Holzmaserung erfühlen lässt.
Die Rückseite der Special Tribute weist die beiden Fräsungen für den Dreiwegschalter und die Elektrik unter den Potis auf, beide mit versenkt eingelassenen schwarzen Kunststoffdeckeln verschlossen.

Hals:

Der mit dem Korpus verleimte Ahornhals besitzt ein Rounded-Profil, ist ebenfalls dünn mit Nitrolack versehen und wird von einem Palisandergriffbrett gekrönt. Letzteres könnte jedoch eine kleine Ölung gebrauchen, was sich aber beim nächsten Saitenwechsel leicht nachholen lässt. Weiße Acryl Hot Inlays zwischen den 22 Medium-Jumbo-Bünden unterstützen die Orientierung, passend dazu wurden auch weiße Punkte in die Halskante eingelassen. Die Kanten der Bundstäbchen könnten durchweg sorgfältiger bearbeitet sein, auch wenn ich schon weitaus teurere Instrumente in der Hand hatte, die in dieser Disziplin massivere Schwächen zeigten.

Bevor der aufgezogene .010- .046 Saitensatz auf die abgewinkelte Kopfplatte trifft, muss er zunächst einen 43 mm breiten, weißen Graph Tech-Sattel überqueren, der die Drähte spielfrei über die Abdeckplatte in Glockenform, die den Zugang zum Halsspannstab verschliesst, weiterleitet.
Das passende Werkzeug ist natürlich Teil des Lieferumfangs, ebenso ein Inbusschlüssel zum Feinjustieren der Brücke. Die auf der Vorderseite schwarz lackierte Kopfplatte mit goldenem Schriftzug ist auch Heimat der sechs Kluson-Mechaniken mit weißen Stimmflügeln.
Viel mehr gibt es von der in den USA gebauten und 3596 Gramm schweren Gitarre nicht zu sagen, sodass wir uns auf direktem Weg in den Praxisteil begeben.

Video

Audiobeispiele

Pro & Contra

  • gute Bespielbarkeit
  • variabler, authentischer P-90-Sound
  • agiles Attack-Verhalten
  • gute Verarbeitung bis auf siehe Contra

  • Bundstäbchen-Kanten nicht optimal abgerichtet
  • Hals-Pickupgehäuse schwingt trocken angespielt hörbar mit

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