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19.06.2017

Gospel und R&B Piano Workshop #1: Wechselakkorde

Gospel und R&B Piano spielen lernen

Spice up your Gospel Chops!

In unserem Gospel Piano Workshop für Pianisten und Keyboarder wollen wir uns dem typischen Gospel-Sound widmen, wie er in traditioneller und moderner Gospelmusik und im R&B verwendet wird. Wer Gospel Piano spielen lernen möchte, ist hier genau richtig! Vornehmlich soll es hier um Akkordverbindungen, Voicings und typische Harmonieklischees gehen, die man auch ohne Vorkenntnisse als Solist sowie als Begleitmusiker in sein Spiel integrieren kann.

Dieser Workshop richtet sich an alle Keyboarder, Pianisten und Organisten, denn die Gospel-Klischees klingen auf allen Tasteninstrumenten gut und lassen sich natürlich auch in anderen Stilen wie R&B, Pop, Rock und Jazz einsetzen. Legen wir also direkt los!

Wechselakkorde

Beispiel 1 - C-Dur

Als erstes Beispiel für einen Gospel-Sound dient das Prinzip der „Wechselakkorde“: Jeder Akkord, den ich im Laufe dieses Workshops vorstelle, bekommt jeweils einen zusätzlichen „Partner“, d.h. einen Akkord, zu dem man nach Belieben wechseln kann. Beginnen wir an dieser Stelle mit C-Dur, den wir direkt mit seinem „Partner“ d-Moll erweitern. Die beiden Akkorde kann man natürlich in allen Umkehrungen spielen; dadurch ergibt sich auch eine interessante Sechstonskala (C D E F G A).

Dieses Akkord-Klischee dürfte allen Lesern spätestens seit Michael Jacksons „Will You Be There“ von seinem Album „Dangerous“ bekannt sein. Die Akkorde im Intro des Songs sind wie hier beschrieben immer C-Dur und d-Moll im Wechsel. Interessant ist dabei, dass der Basston – ein tiefes C – liegen bleibt. Der Wechsel zum d-Moll findet nur in der rechten Hand statt. Das klingt dann schon ganz typisch nach Gospel:

Beispiel 2: Weitere Akkorde

Anhand einer einfachen Akkordfolge können wir nun weitere Akkorde hinzunehmen: F-Dur als vierte Stufe und G-Dur als fünfte Stufe zu C-Dur. Die Akkorde sind typisch für einen einfachen Song und wer sich etwas mit Musiktheorie beschäftigt hat, der kennt die beiden Akkorde auch als Subdominante (F-Dur) sowie Dominante (G-Dur) zu unserem Grundton C. Probieren wir aber zuerst aus, wie unsere beiden Wechselakkorde C-Dur und D-Moll klingen, wenn wir zunächst nur den Basston darunter variieren und ein tiefes F bzw. ein tiefes G spielen.

Das klingt sehr effektiv und eröffnet uns eine ganz einfache Regel: Wir müssen die rechte Hand nicht unbedingt ändern. Aber warum ist das so? Genau genommen ergeben sich bei der Kombination aus C-Dur bzw. d-Moll in der rechten Hand und einem tiefen F in der linken Hand komplexere Akkorde als die gewöhnlichen Dreiklänge. Das Schichten von Dm über F ergibt beispielsweise einen F6, d.h. einen F-Dur-Akkord mit Sexte bzw, einem D anstatt C. Spielt man ein tiefes G und passend dazu den d-Moll-Akkord in der rechten Hand, dann erklingt ein Gsus9. Lassen wir uns aber an dieser Stelle nicht weiter von verwirrenden Akkordsymbolen einschüchtern. Halten wir hier vereinfacht fest: zu C-Dur und d-moll passen auch F und G im Bass. 

Weitere Akkordstufen mit Wechselakkorden

Gehen wir nun noch einen Schritt weiter: die beiden Akkorde F-Dur und G-Dur bekommen nun auch ihre zugehörigen Wechselakkorde. Beginnen wir mit unserer Subdominante, d.h. F-Dur. Sie wird nun – entsprechend unserer Theorie – um den benachbarten g-moll-Dreiklang erweitert.

Die Dominante G-Dur wird in unserem Fall um einen a-moll-Dreiklang erweitert. Jetzt besitzen die beiden wichtigen Funktions-Akkordstufen einen eigenen Wechselakkord, den man sich sehr gut einprägen sollte.

Wen es jetzt in den Fingern juckt, der darf die gelernten drei Akkorde nach Lust und Laune ausprobieren und sich mit dem Klang vertraut machen. Im folgenden Beispiel habe ich drei Stufen C-Dur, F-Dur und G-Dur abwechselnd gespielt und ordentlich Gebrauch von den zugehörigen „Akkord-Partnern“ gemacht. Gerade beim F-Dur, also auf der sog. Subdominante, lohnt es sich sowohl den D-moll Akkord sowie auch den G-moll als Wechselakkord auszuprobieren. Schließlich verfügt gerade die vierte Stufe (unser F-Dur) über diesen zweideutigen „Reiz“, den wir besonders in der Gospelmusik ausspielen können. Der G-moll bringt jedenfalls eine vollkommen andere Farbe ins Spiel, und gerade diese Farbe bereichert die Harmonik ungemein. Dazu darf ich übrigens sehr empfehlen, das Haltepedal zu benutzen und zusätzlich sehr dynamisch zu spielen: je mehr, umso besser klingt es!

Dramatik hineinbringen

Noch etwas mehr Dramatik? Das ist kein Problem! Eine weitere, emotionale Klangfarbe lässt sich ganz einfach ins Spiel bringen, und wer darf das System der Wechselakkorde schon beherrscht, der kann sich an einem weiteren Wechselakkord ausprobieren. Anstelle des d-moll, den wir bereits als Wechselakkord zu C-Dur kennen, wechseln wir in diesem Fall zu einem verminderten D-Akkord, in welchem statt eines A nun ein As eingebaut wird. Dieser Akkord kann auch als Fm6 bezeichnet werden. Wem das an dieser Stelle zu theoretisch klingt, der wird sich an den schmerzlich-süßen Klang aus „I Believe I Can Fly“ von R. Kelly erinnern, denn hier hört man dieses Klischee andauernd. Genau genommen kommt dieser dramatische Klang immer zustande, wenn die Subdominante (bislang immer F-Dur) zu einem Moll-Akkord wird. Man spricht deshalb auch von der Moll-Subdominante.

Auch an dieser Stelle funktioniert das Wechseln der Basstöne bei gleichbleibenden Akkorden in der rechten Hand.

Vorschläge und Blue Notes

Der Teufel liegt wie immer auch im Detail. Mit ein paar kleinen Tricks lassen sich noch ein paar feine, aber sehr schöne Artikulationen in das Spiel einbauen. Das gilt natürlich für alle Stufen und Wechselakkorde. Die Vorschläge können sich an verschiedenen Stellen verstecken, so beispielsweise als Sekundvorhalt beim C-Dur in der Grundstellung, als Quartvorhalt des d-Moll in der Grundstellung oder z.B. als Septimvorhalt in der zweiten Umkehrung. Sofern das Tempo des Stücks und das Zusammenspiel mit den anderen Instrumenten bzw. dem Sänger / der Sängerin es erlauben, kann man an dieser Stelle natürlich so viele Vorhalte einbauen, wie man möchte. An dieser Stelle darf man seiner Kreativität freien Lauf lassen. Auf diese Art bringt man eine Menge Ausdruck und Lebendigkeit in die Akkorde.

Auch die sogenannten Blue Notes, vornehmlich die kleine Terz (Eb) und die übermäßige Quarte (F#) eignen sich als Vorschläge. Bei der C-Dur-Tonleiter bieten sich die beiden Töne insofern sogar an, da man prima von den schwarzen in die weißen Tasten „sliden“ bzw. gleiten kann. Für den C-Dur-Akkord kann man also vom Eb aufs E und beim F-Dur beispielsweise vom Ab auf das A gleiten. 

Kraftvolle Oktaven

Passend zur Dynamik und zur individuellen Interpretation darf ein Gospel-Pianist nicht auf Oktaven verzichten. Egal ob als Melodie, improvisierte Läufe oder auch als Verbindung mit einem Akkord: Es darf jederzeit reichlich Gebrauch von Oktaven gemacht werden. Hier darf sollte man sogar recht kraftvoll spielen und es darf laut sein – schließlich geht es in der Gospel-Musik u.a. um den Ausdruck von Lebensfreude. Tonal bleibt man dabei meistens in der Pentatonik, d.h. bei den Tönen C D E G A. Natürlich dürfen auch hier die Blue Notes, insbesondere das Eb benutzt werden. 

Schlusswort

Um die verschiedenen gelernten Techniken in das Spiel zu integrieren, solle man nach Möglichkeit jede Technik gesondert und mit Ruhe und Zeit üben. Hat man den Dreh einmal raus, dann macht das Improvisieren mit den verschiedenen Möglichkeiten richtig Spaß! Wie das klingen kann, zeige ich euch in diesem Video.

Bis zum nächsten Mal!

Tipp:  In der nächsten Folge des Gospel und R&B Piano Workshops mit dem Thema Gospel und R&B Piano Workshop #2: Neue Akkorde und Klischees, werden wir uns dann weiteren typischen Techniken widmen, mit denen ihr euer Spiel noch "gospeliger" machen könnt.

Tipp:  Weitere interessante Themen rund um das Klavier lernen und spielen findet ihr in unserem Artikel: Klavier lernen – Tipps für Anfänger und Profis

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