Gitarre Hersteller_Hagstrom
Test
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29.06.2019

Hagstrom Ultra Max Test

E-Gitarre

Allrounder auf Schwedisch

Mit der Hagstrom Ultra Max stellte der schwedische Gitarrenhersteller pünktlich zur NAMM 2019 eine Gitarre vor, die ganz in der Tradition des Erfolgsmodells Ultra Swede steht, allerdings im Gegensatz zum "älteren Schweden" mit einem etwas großzügiger dimensionierten Mahagonikorpus. Der Rest zeigt einige Parallelen zur etablierten Serie, wie das optisch sehr wertige Design, moderne Finishes und die attraktive, geflammte Ahorndecke.

Überraschenderweise kommen all diese Eigenschaften auch noch gepaart mit einem überaus geldbeutelfreundlichen Thekenpreis. Das "Ghost" Signaturmodell Fantomen war unlängst erst Gegenstand eines Tests und daher wollen wir heute ergründen, wie sich das etwas optisch eher traditionell gehaltene Ultra Max Modell schlägt.


Details

Korpus

Die Ultra Max zeigt sich in einem Les-Paul-artigen Singlecut-Korpus aus Mahagoni, dem eine gewölbte Decke aus Riegelahorn aufgeleimt wurde. Das Finish des Testkandidaten wird als "cosmic black burst" bezeichnet und entspricht einer schwarz-grauen Sunburst-Variante, bei der die Ahornmaserung gut zum Vorschein kommt. Um Korpusdecke, Hals und Kopfplatte schmiegt sich ein Perloid-Binding (ein synthetischer Perlmutt-Ersatz).

In der unteren Korpushälfte befinden sich drei chromfarbene Potis und ein Dreiweg-Kippschalter zum Anwählen der beiden Humbucker.

Als Steg kommt eine "Long Travel" Tune-O-Matic-Brücke zum Einsatz, welche die Saiten zum "Sustain Block Tailpiece" führt. Dabei handelt es sich um eine hauseigene Konstruktion, die bereits seit 1978 verbaut wird und den Ton optimal und sustainreich an den Korpus weitergeben soll. Ein Blick hinter die Chromkappe zeigt eine sehr massive und asymmetrisch angeordnete Konstruktion, die alle sechs Öffnungen für die Saiten bereithält, hier in Form eines D'Addario 0.10 - 0.46er Satzes.

Rückseitig präsentiert sich der Korpus in einer mattschwarzen Lackierung und, im Gegensatz zur Les Paul, einem ergonomisch angepassten Shape. Ein Blick auf die Zargen offenbart auch, dass die Korpusdicke etwas schlanker ausfällt als beim Gibson-Vorbild. Da der Hals in den Korpus eingeleimt ist, findet man hier natürlich auch keine Verschraubungen und auch eine Verjüngung des Bodys entfällt am Hals-Korpus-Übergang. Lediglich eine schwarze Abdeckplatte garniert den Korpusrücken und verschließt den Zugang zur Elektrik.

Die chromfarbenen Gurtpins findet man an den dafür üblichen Stellen.

Hals

Auch beim Hals kommt Mahagoni zum Einsatz, allerdings besteht das Griffbrett aus Resinator, einem drucklaminierten Verbundstoff, der ähnliche Klangeigenschaften wie massives Holz hat, aber in puncto Stabilität diesem sogar überlegen sein soll.

Das Halsprofil ist als "Slim D" angegeben, liegt sehr komfortabel in der Hand und ist eine ganz Ecke schlanker als das frühe Les-Paul-Format, hat aber immer noch genug Masse, um nicht als Flitzefingerhals durchzugehen. Die Mensur entspricht einer, für Paula-artige Modelle unüblichen, Strat-Länge von 648 mm und die Halsbreite beträgt am Sattel 43 mm. Der Griffbrettradius weist 15" auf und ist damit extrem modern und wesentlich weniger gewölbt als beim klassischen Vorbild. Die Rückseite des Halses trägt, wie die Korpusrückseite, ein mattes Finish und verleiht ein sehr angenehmes Spielgefühl, das weniger "bremsend" als Klarlack-Finishes wirkt.

Auf dem Hals zeigen sich 22 Medium-Jumbo-Bundstäbchen, die dank des Cutaways bis in die höchsten Lagen gut bespielbar sind. Alle sind tadellos abgerichtet und poliert, sodass keine unangenehmen oder gar scharfen Kanten überstehen. Als Bundmarkierung dienen Blockeinlagen in Perlmuttoptik, die in quadratischer Form an den üblichen Positionen eingesetzt wurden. Wie bereits erwähnt, werden sowohl Hals- als auch Kopfplatte von einem weißen Perlmutt-Binding gesäumt.

Der Sattel besteht aus schwarzem Graphtech und führt die Saiten zu den sechs symmetrisch angeordneten Hagstrom-Mechaniken, die zuverlässige und stimmstabile Arbeit verrichten. Die Wirbel fühlen sich sehr wertig an und besitzen die klassische Hagstrom-Pyramidenoptik, die bereits in den 60er Jahren bei dieser Firma anzutreffen war. Hinter dem Sattel verschließt eine Kunststoffabdeckung den Zugang zum Halsstab. Auch hier wartet Hagstrom mit einem Eigenpatent auf, nämlich dem "H-Expander", einer H-förmigen Trägerkonstruktion, die eine hohe Stabilität gewährleisten soll.

Elektrik

Die Ultra Max ist mit zwei Custom 60 Humbuckern ausgestattet, die mit einer speziellen Wicklung aus nylonbeschichteten Draht und Alnico-5 Magneten bestückt sind. Der Custom 60 ist im Gegensatz zum eher Vintage-orientierten Custom 58, der z.B. in den Super-Swede-Modellen verbaut wurde, laut Herstellerangaben "noch durchsetzungsfähiger und beißender". Beide Tonabnehmern tragen eine chromfarbene Kappe und sitzen in schwarzen Kunststoffrahmen. Jeder besitzt seinen eigenen Volume-Regler, wobei eine R/C-Schaltung dafür sorgen soll, dass die Arbeit mit dem Volume-Poti z.B. beim Zurückdrehen ohne Höheneinbußen vonstatten geht. Übrigens arbeiten die beiden Regler so, dass das vordere Poti den Steg und das mittlere den Halstonabnehmer verarztet.

Das dritte Poti fungiert als Master-Klangregler und ist als Push/Pull-Schaltung konzipiert, womit ein Coilsplit beider Humbucker möglich ist. Insgesamt stehen dem User damit sechs verschiedene Pickupkonfigurationen zur Verfügung:

  • Push-Pull-Poti unten: Steg, Bridge, Steg+Bridge (beide ungesplittet)
  • Push-Pull-Poti oben: Steg (split), Bridge (split), Steg+Bridge (beide gesplittet).

Zum Lieferumfang gehören lediglich zwei Inbusschlüssel. Optional ist aus dem Hause Hagstrom das Koffermodell C-53 oder das Gigbagmodell E-20 erhältlich. Die Ultra Max ist übrigens auch in drei weiteren Finishes lieferbar: Satin Black, Fall Sky, und Milky Mandarin.

Video

Audiobeispiele

Pro & Contra

  • tadellose Verarbeitung
  • druckvoller Sound
  • Flexibilität durch Coilsplitting
  • hervorragende Bespielbarkeit

  • Werkseinstellung (Saitenlage, Oktavreinheit)

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