Gitarre Hersteller_HarleyBenton
Test
1
31.08.2020

Harley Benton DNAfx GiT Test

Ampmodelling- und Multieffektpedal für E-Gitarre

Preiswerter Alleskönner

Mit dem Harley Benton DNAfx GiT gibt die Thomann Hausmarke ihren Einstand in die Welt der kompakten Ampmodelling- und Multieffektgeräte. Dabei kommt der Neuling, gemessen an seiner Größe, mit überraschend vielen Features. So gehören zum Inventar 55 Ampmodelle, ein IR Loader, Drum Computer, Looper und unzählige Effekte – und das bei einem erfreulich niedrigen Thekenpreis.
Zugegeben: Ganz neu ist das Konzept des günstigen Multieffekts in Gigbag-Größe nicht, denn wenn man sich Herstellungsland, Dimensionen, Potis und Anschlüsse z.B. eines Mooer GE150 oder eines NUX MG-300 anschaut, wird man eine gewisse Ähnlichkeit nicht leugnen können. Und dazu offenbart ein zweiter Blick auf die verwendete Software und die Betitelung z.B. der internen Amp-Modelle, dass diese identisch zum Mooer-Pendant sind. Ob es sich um einen Klon oder um die Harley-Benton-Ausgabe desselben Produktes handelt, kann ich nicht abschließend beurteilen, weshalb wir das Gerät schlichtweg an dem messen wollen, was es ist und was es kann.

Details

Gehäuse/Optik

Das Harley Benton DNAfx GiT kommt in einem silbernen Kunststoffgehäuse mit Metallboden und besitzt die äußerst kompakten Maße von 23,5 x 16 x 5 cm. Die Bedienelemente sind komplett auf der Oberseite versammelt, inklusive dreier Drehknöpfe, wovon zwei als Endlospoti mit Druckfunktion ausgestattet sind. Darunter zeigen sich neun blaue LEDs für die Effektblöcke, und noch eine Reihe weiter befinden sich sechs Kunststofftaster, die ebenfalls mit LEDs hinterlegt sind. Links neben dem Bedienfeld präsentiert sich ein 4 x 5 cm großes, mehrfarbiges Display, das die Presets, aber auch die Editierfunktionen gut lesbar anzeigt.
Rechts außen ist ein Expressionpedal angebracht, das ebenfalls aus Kunststoff gefertigt ist und dank der großen, schraffierten Fläche und des angenehmen Widerstandes eine bequeme Fußarbeit ermöglicht. Am hinteren Pedalende befinden sich zwei Fußschalter für Presetwechsel und weitere Aufgaben, wie wir später sehen werden.

Die Anschlüsse, ein Eingang und zwei Ausgänge, finden sich stirnseitig im 6,3 mm Klinkenformat, und das häusliche Üben wird durch ein Auxiliary-Eingang sowie ein Kopfhörerausgang im Miniklinkenformat vereinfacht. Auch an Computer und mobile Anbindungsoptionen wurde sowohl mit einem USB Typ B-Anschluss als auch einem Micro USB-Port gedacht. Rechts außen befindet sich der Eingang für das mitgelieferte Netzteil, das 9 Volt und 300 mA bereitstellen muss. Ein Einschaltknopf oder MIDI-Anschlüsse sind nicht vorgesehen. Der Boden ist fest mit dem Gehäuse verschraubt und mit sechs Gummifüßen versehen, die Kratz- und Rutschsicherheit bieten.

Auch wenn die meisten Bedienelemente aus Plastik bestehen, wirkt das Gehäuse doch relativ robust und auch hinsichtlich der Verarbeitung fallen keinerlei Schlampereien auf. Zum Lieferumfang gehören ein deutsches und ein englisches Manual, das Netzteil und ein USB-Kabel.

Bedienung

Das DNAfx GiT wurde als Floorboard-Multieffektgerät mit Ampmodelling-Funktion und Speakersimulation auf IR-Basis konzipiert. Grundsätzlich bietet das Harley-Benton-Pedal neun verschiedene Effektblöcke, bestehend aus einem FX/Comp-, Distortion/Overdrive-, Amp-, Cab-, Noise Gate-, EQ-, Modulations-, Delay- und Reverb-Modul. Innerhalb der Blöcke hat man eine extrem üppige Auswahl der gängigen Klassiker:

  • FX/Comp: eine Auswahl aus 6 Wahs, inklusive Auto Wah, sowie 2 Kompressor-Modellen
  • DS/OD: 20 verschiedene Overdrive-, Distortion- und Fuzz-Verzerrer
  • Amp: 55 Amp-Modelle, davon drei für Akustikgitarre
  • Cab: 26 Cabinet IRs plus 10 frei Slots
  • Noise Gate: 3 Noise Gates
  • EQ: Auswahl aus 6 EQ-Typen (u.a. auch für Bassgitarre)
  • Mod: 19 verschiedene Modulationseffekte wie Chorus, Phaser, Flanger, Pitch Shifter, Tremolo, aber auch Filter
  • Delay: 9 Delay-Typen, inklusive Stereo-Delays
  • Reverb: 7 Reverbtypen

Das Effektgerät bietet 200 Werkspresets, die jedoch allesamt überschreibbar sind. Das Umschalten der Presets geschieht entweder über die beiden Fußschalter, mit denen man in beiden Richtungen durch die Presets steppt, oder aber am Value-Rad. Die Gesamtlautstärke wird schließlich am Master-Regler bestimmt.

Editieren

Das Erstellen eigener Presets funktioniert am Gerät selbst mithilfe des Mode- und Value-Endlosreglers. Hierzu wähle ich das Preset, das ich bearbeiten möchte, und gelange durch Drehen des "Mode"-Rades in die Effektblocksektion. Weiteres Drehen des Mode-Knopfes führt mich durch die Blöcke, die ich durch Drücken des Knopfes aktiviere oder deaktiviere, was die blauen LEDs auf der Pedaloberseite signalisieren. Mit dem Value-Rad gelange ich nun zu den Parametern, die ich durch Drücken desselben Knopfes anwählen und anschließend verändern kann. Das Abspeichern wird über den Save-Button realisiert.

Wesentlich komfortabler gestaltet sich die Programmierung jedoch mithilfe des Editors. Mein anfängliches Suchen sowohl nach Manual-Downloads als auch der Software auf der Harley-Benton-Website wurde nicht von Erfolg gekrönt. Nach kurzem Lesen der Produktbeschreibung auf der Thomann-Website fand ich jedoch den Hinweis, dass die entsprechenden Download-Links auf der Thomann-Produktseite direkt bereitstehen.
Installation und der Anschluss via USB-Port liefen problemlos und der Editor arbeitet herrlich intuitiv und übersichtlich. Kleinigkeiten, dass man zum Beispiel ein Poti-Icon nicht erst anklicken muss, bevor man Veränderungen vornehmen kann, sondern dass das Hinführen des Mauszeigers bereits das Poti aktiviert, empfinde ich als tolle Beschleunigung des Workflows. Im Editor lassen sich auch sehr bequem die Presets umbenennen, kopieren, oder aber via Drag and Drop auf dem Computer abspeichern.

Ein Feature, das das DNAfx GiT sicherlich extrem bereichert, ist die Speakersimulation auf Faltungsbasis. Im Cab-Block stehen 26 IRs bereit, unter denen sogar eine Simulation eines Akustikgitarren-Amps ist. Die hauseigenen IRs erlauben nun die Auswahl aus 26 verschiedenen Mikrofonen, die stufenlose in ihrer Distanz und Position zum virtuellen Cab ausgerichtet werden können. Auch eine zuschaltbare Endstufensimulation ist an Bord, bei der man zwischen EL34, EL84, 6V6 und 6L6 Röhren auswählen kann.
Darüber hinaus finden sich in diesem Block noch 10 freie Slots für das Aufspielen von Drittanbieter-Faltungen über den Editor, das extrem intuitiv abläuft: Einfach auf das kleine +-Symbol neben dem leeren Speicherplatz klicken und von der Festplatte eine Faltung auswählen. Diese wird sowohl im 48 kHz als auch im 44,1 kHz Format erkannt und akzeptiert. Die Mikrofonauswahl und -Positionierung entfällt allerdings bei Fremd-IRs.
Der interne Cab-Block kann global für alle Presets abgestellt werden, und das für den linken und rechten Kanal getrennt. Das heißt, man könnte z.B. mit dem linken Output in einen Amp ohne Cabsimulation und gleichzeitig in eine DAW mit Cabsimulation spielen.
Das Expressionpedal bietet zwei Funktionen, die über festes Drücken der Toe-Position geschaltet werden – eine sehr sinnvolle Funktion, wenn man z.B. im Normalmodus ein Volume-Pedal benötigt, das man durch Drücken in ein Wah umwandeln kann. Grundsätzlich lässt sich das Expressionpedal frei belegen und auch das Kalibrieren der Pedal-Range kann man im EXP-Menü vornehmen. An eine Tap-Funktion wurde ebenfalls gedacht, die jedoch händisch am Gerät ausgeführt wird. Hierzu muss man lediglich rhythmisch auf den Tap-Taster klopfen, der dann entsprechend rot pulsiert.

Drumcomputer

Auch ein Drumcomputer ist an Bord, der über den Rhythm-Taster angeworfen wird. Hier hat der User die Auswahl aus 40 Drum-Rhythmen und 10 Metronom-Taktarten, die er in Geschwindigkeit und Lautstärke regulieren kann.

Looper

Der Looper wird durch Gedrückthalten des rechten Fußschalters aktiviert und gewährt bis zu 80 Sekunden Aufnahmezeit. Alle weiteren Funktionen wie Overdub, Play, Stop, oder das Löschen des Loops wird über die beiden Fußschalter realisiert.

Tuner

Das Stimmgerät wird mit dem linken Fußschalters eingeschaltet. Hier wird auch die Höhe des Referenztons A zwischen 435 und 445 Hz festgelegt und bestimmt, ob das Stimmgerät im angeschalteten Zustand das Signal mutet oder bypasst.

Systemeinstellungen

Über die Systemeinstellungen gelangt man zu grundsätzlichen Settings wie dem Eingangspegel, der Ausgangslautstärke für den USB-Anschluss oder die LCD-Helligkeit. Darüber hinaus bietet sich außerdem die Möglichkeit, die Cabs global auszuschalten, möchte man das Pedal in einen Amp oder eine Endstufe stöpseln. Softwareupdates, Factory Resets oder Preset-Backups werden ebenfalls hier vorgenommen.
Der Micro-USB Anschluss verbindet das DNAfx mit einem kompatiblen Smartphone, Tablet, oder einer DAW als Audio-Interface. Die meisten PC-User werden hierzu einen zusätzlichen Asio-Treiber wie z.B. Asio4All benötigen.

Video

Audiobeispiele

Pro & Contra

  • große Soundvielfalt
  • günstiger Preis
  • tadellose Verarbeitung
  • freie IR Slots
  • intuitive Bedienung
  • sehr guter Editor

  • Soundqualität mit Abstrichen
  • eingeschränkte Dynamik

Gehört zu dieser Serie

Verwandte Artikel

User Kommentare

Zum Seitenanfang
ZUR STANDARD WEB-ANSICHT X