Ukulele Gitarre Hersteller_HarleyBenton
Test
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17.02.2021

Harley Benton Hawaii Spruce Tattoo Ukulele Serie Test

Sopran- und Konzert-Ukulele

Aloha im Doppelpack

Mit den beiden Harley Benton Hawaii Spruce Tattoo Ukulelen in Sopran- und Konzertgröße steigen zwei neue Instrumente mit opulenter Optik im Einsteiger-Preisbereich in den Ring. Das Design kommt von einem Tattoo-Künstler, der für die Instrumente ein traditionelles Muster im polynesischen Stil entworfen hat.
Die Eckdaten der neuen Serie lassen aufhorchen, bekommt man hier doch für weit unter 100 Euro Instrumente mit massiver Fichtendecke, die als echte Hingucker bezeichnet werden dürfen. Schauen wir einmal, wie es hinter der kunstvollen Fassade mit Klang und Bespielbarkeit aussieht.

Details

Erster Eindruck

Harley Benton hat sich in den letzten Jahren bei den Einsteiger-Ukulelen durch Instrumente mit einem tollen Preis-Leistungs-Verhältnis etabliert. Unsere beiden kommen wie gehabt nur im Karton. Es wäre an der Zeit, einmal darüber nachzudenken, die Instrumente in Zukunft mit einer Tasche auszuliefern und einen Gurthalteknopf vorab zu installieren. Dann legt man noch eine kurze Spielanleitung bei, bleibt immer noch unter 100 Euro und kann sich an einem sinnigen Konzept und wachsenden Marktanteilen erfreuen.

Nun aber zu den Instrumenten selbst: Die Ukulelen haben keinerlei Verarbeitungsrückstände und machen einen wertigen ersten Eindruck. Das Muster auf der Decke ist gelasert. Beim Konzertmodell schließt es allerdings nicht sauber mit dem Steg ab und so bleibt eine unschöne Lücke rund um den Steg, die unangenehm auffällt. Das sollte beim Qualitätscheck definitiv auffallen, denn es schmälert den positiven ersten Eindruck erheblich. Ansonsten fühlen sich beide Instrumente sehr gut an, das Finish auf der Rückseite, den Zargen und dem Hals hat einen tollen Griff. Griffbrett und Bundstäbchen sind ebenfalls tipptopp.

Material

Seit einiger Zeit setzt Harley Benton bei der Herstellung seiner Ukulelen auf Hälse aus Okume und einem Griffbrett und Steg aus "Reconstituted Wood". An dieser Stelle sei kurz erwähnt, dass es sich dabei um Holzwerkstoffe handelt, bei denen Holz zerkleinert und anschließend in bestimmten Verfahren wieder zusammengepresst wird. Größe und Form der Holzpartikel entscheiden über die Art des Holzwerkstoffes und seine Eigenschaften. Das heißt aber auch, dass man nicht hundertprozentig weiß, wie er sich genau zusammensetzt. Andererseits werden Holzabfälle verwertet und das Ergebnis ähnelt in Struktur und Oberflächenbeschaffenheit herkömmlichen Griffbretthölzern. Meiner Meinung nach ist das in diesem Preisbereich die wohl sinnigste Lösung. Man merkt, dass das Griffbrett, verglichen mit einem aus höherwertigem Palisander oder Ebenholz, etwas trocken oder spröde wirkt. Ein paar Tropfen geeignetes Öl zur Pflege macht hier also Sinn.

Die Decke besteht aus massivem Fichtenholz, was in dieser Preisklasse nicht selbstverständlich ist und generell ein Qualitätsmerkmal darstellt, da Massivhölzer traditionell im Instrumentenbau verwendet werden. Wie bereits erwähnt, wurde das Tattoo-Motiv bei dieser Serie gelasert. Neben dem bereits erwähnten Fehler beim Steg sieht man bei genauerem Hinsehen, dass das Motiv unterschiedlich dunkel ist. Ich gehe davon aus, dass dies aufgrund der Design-Vorlage so ist, da dieses gezeichnet und digitalisiert wurde. Dabei werden die Schattierungen nicht optimal vom Laser umgesetzt. Jedenfalls spricht für diese Theorie, dass bei beiden Modellen an den exakt gleichen Stellen die Unregelmäßigkeiten auftreten. An der Zargenkante sind die Motive ausgefranst und das sieht tatsächlich sehr unschön aus. Mit anderen Worten wurde hier einfach nicht sauber gearbeitet. Zwar fällt der Fehler mit etwas Abstand nicht auf, aber solche Arbeiten habe ich schon deutlich sauberer gesehen, auch bei gleich großen und aufwendigen Motiven.

Um preistechnisch die Kurve zu kriegen, besteht der Korpus, also Boden und Zargen, aus laminiertem Mahagoni. Der Boden ist leicht gewölbt und das matte Lackfinish ist sauber aufgetragen. Hier spielt Harley Benton wieder seine ganze Erfahrung und vor allem den hohen Verarbeitungsstandard aus. Denn abgesehen vom missglückten Laser-Experiment sind beide Ukulelen sehr sauber verarbeitet. Besonders zu erwähnen ist, dass der Sattel und die Stegeinlage aus Knochen sind. Zum einen wissen jetzt Veganer, dass sie dieses Instrument wohl eher nicht kaufen werden, zum anderen ist dies in diesem Preisbereich ungewöhnlich und erwähnenswert. Die selbstschmierenden Eigenschaften von Knochen sind der Stimmstabilität sehr zuträglich. Außerdem klingt Knochen einfach besser als Plastik und lässt sich sehr gut bearbeiten. Das schürt meine Hoffnung, dass dies auch auf die Bespielbarkeit einen positiven Einfluss hat.

Audiobeispiele

Pro & Contra

  • gutes Preis-Leistungsverhältnis
  • massive Decke
  • saubere Verarbeitung des Griffbretts und der Bundstäbchen

  • Unsauberkeiten im Laser Design
  • Saitenlage könnte besser eingestellt sein

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