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Test
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25.07.2018

Heritage Audio RAM System 5000 Test

Surround-/Stereo-Monitorcontroller mit Bluetooth und Remote

Alles drin

Heritage Audio bringt mit dem RAM System 5000 einen Surround-fähigen Abhörcontroller mit großartigen Features auf den Markt. Der Spezialist für hochwertige Analogschaltungen hat sich an die Umsetzung einer luxuriös ausgestatteten Stand-alone-Abhörsteuerung gemacht, die man in dieser Qualität sonst nur in großen Analogmischpulten integriert findet.

Die spanische Firma Heritage Audio hat es sich seit ihrer Gründung im Jahr 2011 zur Aufgabe gemacht, der Tontechnikwelt hochwertige Analogschaltungen in Form von feinen, spezialisierten Helferlein zur Verfügung zu stellen. Mit der offensichtlichen Vorliebe zu klassischem Neve-Equipment und dem Ziel, eine möglichst ähnliche Qualität zu bieten, befinden sich mittlerweile mehr als 20 Produkte in ihrem Portfolio. Diese kommen nicht nur äußerlich im vertrauten grau-bläulichen Look daher, sondern haben wie die legendären Mischpult-, EQ- und Kompressor-Vorbilder hochwertige Analogbauteile mit der Tendenz zu hervorragendem Klang unter der Haube. 

Details

Kabellose Remote

Das RAM System 5000 besteht aus zwei Geräten und kann entweder zum Bespielen von bis zu fünf Stereoabhören benutzt werden oder ein 5.1-Setup plus zwei Stereoabhören bedienen. Die Basiseinheit in Form eines 19-Zoll-Gehäuses beinhaltet alle Anschlüsse und den gesamten Audioweg. Dazu passend gibt es eine massive Remoteeinheit, die eine kabellose Bedienung des Controllers ermöglicht. Neben gängigen Abhörfunktionen und einem Kopfhörermix-Routing mit Talkback-Funktion ermöglicht das RAM System 5000 das Einschleifen mobiler Geräte per Bluetooth. Diese Technik kam schon im Heritage Audio BT-500 zum Einsatz.

Die Rückseite der Rackeinheit bietet eine Vielzahl Anschlüsse

Das zwei Höheneinheiten hohe Rackteil besitzt erwartungsgemäß sämtliche Anschlüsse, die zum Betrieb des Controllers nötig sind: zwölf XLR-Ausgänge (symmetrisch), zwei XLR-Eingänge (symmetrisch), zwei XLR-Mix-Ausgänge (symmetrisch), zwei Cinch-RCA-Eingänge (unsymmetrisch), zwei D-Sub-25-Eingänge und ein D-Sub-25-Ausgang. Um digitale Audiosignale einzubinden, stehen drei verschiedene Anschlusstypen zur Verfügung. Hierzu gibt es einen AES/EBU-, einen optischen Toslink und einen S/PDIF-Eingang. 

Die XLR-Lautsprecherausgänge können in drei grundsätzlichen Varianten konfiguriert und programmiert werden. Entweder als ein 5.1-Set plus zwei weitere Stereoabhören oder zu einem Setup bestehend aus fünf Stereopaaren. Eine dritte und sehr praktische Variante ist die Möglichkeit, die Paare 1, 3, 4 und 5 als Stereoabhöre zu definieren und den XLR-Ausgang „2, rechts“ als dedizierten LFE-/Subwoofer-Ausgang zu verwenden. Der hier angeschlossene Subwoofer steht in dieser Variante den vier Stereopaaren als Subwoofer zur Verfügung, bleibt beim Durchschalten der unterschiedlichen Stereoabhören also aktiv. Die nötigen Einstellungen werden mithilfe der Fernbedienung vorgenommen.

Die beiden mit „MIX OUT“ bezeichneten XLR-Ausgänge folgen der Auswahl des Eingangsignals und werden Pre-Fader, also vor dem Abhörlautstärke-Regler abgegriffen. Der Mix Out ermöglicht also beispielsweise einen Unitiy-Gain-Mitschnitt oder kann als zusätzlicher Cue Send verwendet werden.

Von den drei vorhandenen D-Sub-25-Anschlüssen dienen zwei als analoge, symmetrische Ein- und Ausgänge für vier Cuewege. Hier werden üblicherweise Kopfhörermixe über die D-Sub-Cue-Eingänge zugeführt, können mit Talkback von der Remoteeinheit besprochen werden und wieder über die D-Sub-Cue-Ausgänge ausgespielt werden. Über den dritten D-Sub-25-Anschluss werden die Eingänge 1 bis 4 an das RAM System 5000 angeschlossen. Den Eingang 1 hat man praktischerweise parallel auf zwei XLR-Anschlüsse dupliziert, sodass man nicht zwingend eine D-Sub-25-Verbindung verwenden muss, wenn man den Controller lediglich mit einem Stereosignal versorgen möchte.

Der vorhandene Stereo-Cinch-Eingang ist für den Anschluss eines Zuspielers wie beispielsweise eines CD-Players gedacht und ist für Signale ausgelegt, die einen Nominalpegel von -10 dBV liefern.

Zum Einbinden von digitalen Audiosignalen stehen wie bereits erwähnt drei unterschiedliche Schnittstellen zur Verfügung. Der D/A-Wandler synchronisiert sich dabei automatisch auf das anliegende digitale Eingangssignal, sobald man einen entsprechenden Eingang mit Hilfe der Remoteeinheit ausgewählt hat. Beim Anblick des optischen Eingangs könnte man vermuten, dass man eventuell ein 8-kanaliges ADAT-Signal anschließen könnte. Dies ist leider nicht der Fall. Es handelt sich bei allen Digitaleingängen ausschließlich um Stereoeingänge. Wer das RAM System 5000 als Surround-Controller benutzen möchte, muss den analogen D-Sub-25-Anschluss befeuern.

Ganz links auf der Gehäuserückseite befindet sich der fünfpolige XLR-Stromanschluss. Das Netzteil wurde aus dem Gehäuse verbannt, sodass Einstreuungen des Trafos auf den Signalweg von vorne herein verhindert werden.

Die Front des Monitor-Controllers

An der Vorderseite des Rackteils befinden sich ganz rechts zwei Kopfhörerausgänge. Die mit Headphone 1 und 2 beschrifteten Wege besitzen jeweils einen Fünffachschalter zur Quellenauswahl der Cuewege 1 bis 4 und des Mixsignals.

Cue 1 bis 4 schleift im Prinzip die D-Sub-25-Eingänge Cue 1 bis 4 durch. Befindet sich der Schalter auf „Mix“, so wird das auf die Abhöre geroutete Eingangssignal mit Unity Gain zu diesem Kopfhörerweg geschickt.

Links neben den Kopfhörerwegen befindet sich eine kleine USB-Buchse. Diese dient zum Aufladen der Remoteeinheit. Da diese funkbetrieben ist, liefert Heritage Audio zum USB-Anschluss gleich auch ein USB-Kabel mit, um den in der Fernbedienung enthaltenen Akku aufladen zu können. Während des Ladevorgangs leuchtet die rote LED an der Remoteeinheit.

Auf der linken Seite der Frontblende befinden sich Status-LEDs, die über den aktuell angekoppelten Bluetooth-Standard informieren. Die mit „Sync“ beschriftete LED gibt Auskunft darüber, ob am D/A-Wandler ein gültiges und gesynctes Signal anliegt. Sollte es einmal Probleme mit einer Digitalquelle geben, lässt sich die Einheit per Knopfdruck auf den kleinen roten Resettaster zurücksetzen.

Ungefähr in der Mitte der Frontplatte befinden sich sechs kleine Öffnungen, die mit den Standard-Surround-Abkürzungen beschriftet sind. Hierbei handelt es sich nicht etwa um Peakanzeigen, sondern um versenkte Trimschrauben, mit denen man die Pegel der 5.1-Ausgänge einzeln regeln könnte. Im Handbuch wird dringend davon abgeraten, dies zu tun, da hiermit der Garantieanspruch verfällt. Aber immerhin könnte man trimmen, wenn man unbedingt wollte. In den meisten Fällen sollte man aber den Ausgleich von Lautstärkeunterschieden einzelner Kanäle an den Verstärkern der jeweiligen Abhöre vornehmen können.

Die zwei kleinen Antennen, die ebenfalls auf der Frontplatte zu finden sind, dienen der Funkanbindung der Remoteeinheit und der Bluetooth-Zuspieler.

Controller-Remoteeinheit

Als massiven, standfesten Lautstärkeregler umringt von hintergrundbeleuchteten Routingtasten könnte man die Remote beschreiben. Aber sie ist und kann noch viel mehr. Der zentrale, rote Drehregler in der bekannten Optik anderer Heritage-Audio-Produkte thront dominant mittig auf der Oberseite des kleinen Gehäuses. Rasterlos steuert man mit seiner Hilfe die Abhörlautstärke der ausgewählten Ausgänge.

Die Tasten, die sich auf der Remote des RAM System 5000 befinden, wurden thematisch sortiert um den Lautstärkeregler angeordnet. Einige der Schalter sind doppelt belegt. Die zweite Funktion wird jeweils in Kombination mit der sogenannten Shift-Taste ausgelöst.

Die Anordnung der Tastengruppen ist folgendermaßen aufgeteilt: Links neben dem Masterlevel-Regler befinden sich die Eingangswahlschalter und rechts neben dem roten Riesen die Ausgangsschalter. Mittig darüber befinden sich Solo- beziehungsweise Mute-Taster für die einzelnen Boxenkanäle, also L und R im Stereobetrieb oder L,C,R, RL, Sub und RR im 5.1-Modus. Im darüber sitzenden kleinen blauen Display bekommt man Informationen bei jeder noch so kleinen Änderung der Einstellungen.

Unter dem roten Volumenregler befinden sich Tasten für die die üblichen Abhörfunktionen Mute, Dim, Mono und Phase. Außerdem ist hier ebenfalls die Talkback-Einheit mit ihren drei Wahlschaltern und dem dafür eingebauten Elektretmikro untergebracht.

Sehr praktisch ist das Ganze, wie ich finde, denn Dank der funkbetriebenen Remote kann man auch in großen Regieräumen – beispielsweise beim entfernten Arbeiten an Outboard-Equipment – weiterhin stressfrei per Talkback Kontakt mit den Musikern halten. Auf der ansonsten tollen Remote vermisse ich allerdings die Möglichkeit, anliegende Pegel auch sehen zu können. Leider gibt es hier keine Pegelanzeige und auch bei der 19-Zoll-Einheit wird man im Dunkeln darüber gelassen, ob und wenn ja wie viel Pegel anliegt.

Auf die inneren Werte kommt es an

Was nützt die ganze Edel-Analog-High-End-Optik, wenn die inneren Werte nicht stimmen? Tun sie aber! Die Zutatenliste der Signalkette ist gespickt mit dem Feinsten, was die Elektrotechnik zu bieten hat. Die Lautstärken werden geregelt durch Mikroprozessor-gesteuerte, vergoldete Relais, die eine Absenkung um bis zu 64 Dezibel in 1-Dezibel-Schritten erlauben. Um den aktiven Teil der Elektronik möglichst klein zu halten, wird die Pegelabsenkung durch Premium-Burr-Brown-Schaltkreise gepuffert, die so gut wie keine klanglichen Verfärbungen zur Folge haben und kein Rauschen hinzufügen. Außerdem hat man den Digitaleingängen einen Wolfson-D/A-Wandler spendiert, den man ansonsten auch in manch teuren High-End-Hi-Fi-Wandlereinheiten finden kann. Und wäre das nicht schon genug, ist im RAM System 5000 die hochwertige Bluetooth-Technologie verbaut, die bereits im 500er-Modul BT500 oder dem kleinen Bruder RAM System 2000 zum Einsatz kommt. Neben der Verwendung der hochwertigen Analogschaltkreise sicher eines der Highlights dieses Systems. Die Bluetooth-Anbindung erlaubt die drei Codecs aptX, AAC und SBC, wobei das RAM System 5000 automatisch den besten zur Verfügung stehenden Codec auswählt. Der AAC-Codec, der unter anderem von Apples iTunes und von YouTube benutzt wird, ist mit seiner verlustfreien Übertragung besser als jede analoge Anbindung per XLR oder D-Sub-25-Anschluss. Die Adaption in die professionelle Pegelwelt des RAM System 5000 gelingt so gut, dass per Bluetooth angekoppelte Mobilgeräte als verlässliche Pegelvergleichskontrolle mit der eigenen Produktion herhalten können. Hält die Theorie dem Praxistest stand?

Pro & Contra

  • hervorragender, unverfälschter Klang
  • große Vielzahl an Anschlüssen
  • kabellose, handliche Remote
  • raffinierte Subwoofer-Features
  • sehr gute Bluetooth-Anbindung
  • zwei laute und lineare Kopfhörerverstärker
  • grandiose Reichweite von Remote- und Bluetooth-Verbindungen

  • keine Pegelanzeige vorhanden

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