Gitarre Hersteller_Hotone
Test
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10.08.2016

HoTone Xtomp Test

Modeling Effektpedal

Eines für alle?

Der chinesische Hersteller HoTone, mittlerweile für seine Mini-Effektpedale und -Amps bekannt, bringt mit dem Xtomp-Pedal eine neue Konzeption des Multi-Effekts auf den Markt: Ein Effektpedal im Bodentreterformat, das per App und Bluetooth mit Modeling-Effekten gefüttert werden kann. Eine äußerst interessante Idee, die zumindest auf dem Papier nach der legendären eierlegenden Wollmilchsau unter den Effektpedalen aussieht.

Die App ist mit den wichtigsten Effektpedal-Klassikern, egal, ob vintage oder modern, in gemodelter Form bestückt und aus diesem Arsenal kann sich der User nach Belieben bis zu zwei Effekt-Models auf das Pedal laden. Eine sehr spannende Geschichte also, und wir gehen der Frage nach, ob das auch in der Praxis funktioniert und wie es klingt.

Details

Gehäuse/Optik

Nach Vintage sieht unser Testkandidat nicht aus, das Xtomp-Pedal kommt im sehr modernen, edlen Look, komplett in Silber Metallic. Es erinnert zumindest entfernt an Audio-Interfaces für Apple Produkte und steckt in einem massiven, flachen Metallgehäuse, das mit 410 Gramm bei einer Größe von 74 x 126 x 35 mm eher schwergewichtig erscheint.

Seitlich sind je zwei Anschlussbuchsen angebracht, rechts die Eingänge und links die Ausgänge zum Amp zu finden. Der Anschluss für das Netzteil (9V) ist auf der Stirnseite zu finden. Das Pedal benötigt 200 mA Strom, daher ist Batteriebetrieb nicht vorgesehen, und wer kein Netzteil hat, sollte die Kosten bei der Anschaffung mit einkalkulieren. Pedalboard-User mit Multi-Output Netzteilen sollten sich vergewissern, dass die Stromversorgung in der Lage ist, tatsächlich echte 200 mA zu liefern, denn je nach benutztem Effekt-Modell wird diese Leistung auch abgerufen. Zwar leuchten die LEDs des Gerätes auch bei geringerem Strom, aber es ist nicht voll funktionsfähig. Die Bedienmöglichkeiten sind auf der Oberseite platziert, hier sind sechs Regler in zwei Reihen aufgestellt und ein großer Fußschalter aktiviert das Pedal.

Bedienung

Die Bedienung am Pedal erfolgt wie gewohnt: Dreht man an den Reglern, dann tut sich etwas. Die Frage ist nur, was? Denn das kommt auf das Modell an, das man in das Gerät gebeamt hat, weshalb wir auch ganz von vorne anfangen und uns die Xtomp App etwas näher anschauen wollen. Wer das Pedal benutzen möchte, braucht ein Smartphone, ein Tablet oder einen Windows PC. Die Datenübertragung erfolgt beim Windows PC über USB, bei Tablet und Smartphone läuft es über Bluetooth. Ich habe das Ganze mit einem iPad Air 2 getestet. Zuerst einmal muss die App auf das Tablet/Smartphone heruntergeladen werden, die Links zu den jeweiligen Download-Portalen findet man auf der HoTone-Website. Beim Öffnen der App wird direkt die Bibliothek mit bunten Grafiken angezeigt und es lässt sich erahnen, was hinter den Bildern steckt. Das Ganze ist gut sortiert nach Genre - zum Zeitpunkt des Tests waren 72 Modelle verfügbar:

  • Amplifier (3) - Amp Simulationen
  • Distortion (17) - Overdrive, Distortion, Fuzz
  • Dynamic (2) - Compressor
  • Frequency (13) - Equalizer, Auto Wah, Bit Crusher, Octaver
  • Modulation (16) - Chorus, Flanger, Phaser, etc.
  • Ambient (7) - Hall, Delay
  • Combo (9) - Kombination von zwei Pedalen
  • Cabinet (5) - Speaker-Cabinet Simulation

Die weitere Bedienung ist denkbar einfach: Man tippt auf das Produkt seiner Wahl, die Informationen dazu werden angezeigt und natürlich auch, wie die Regler belegt sind, je nach Effekt zwei bis sechs. Außerdem kann zwischen unterschiedlichen Features gewählt werden. Generell stehen True- oder Buffered-Bypass zur Verfügung, und bei Delay und Hall besteht die Möglichkeit, die Hall/Delay-Fahne beim Deaktivieren des Effekts weiterklingen zu lassen (Trail on) oder abzuschneiden (Trail off). Nach Drücken auf den unteren grünen Streifen (Load to device) wird im nächsten Fenster das Xtomp angezeigt. Natürlich sollte das Pedal dabei am Netzadapter hängen. Dann auf das Xtomp-Symbol und nach der Bestätigung der Verbindung erneut auf den grünen Streifen drücken und der Ladevorgang startet, der je nach Model bis zu einer Minute dauert. Während des Ladevorgangs kann mit dem noch aktuellen Effekt oder im Bypass-Modus ganz normal weitergespielt werden. Wenn Load Complete angezeigt wird, steht das Xtomp mit dem neuen Effekt bereit. Wobei aber eine Sache noch erwähnt werden sollte: In meinem iPad wurde das Xtomp bei den Systemeinstellungen unter Bluetooth nicht angezeigt. Das scheint normal zu sein, die Verbindung wird direkt in der App hergestellt. Ich finde das persönlich auch besser, dann muss man nicht zwischen verschiedenen Apps hin und her wechseln, sondern hat alles zügig parat.

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Audiobeispiele

Pro & Contra

  • clevere Konzeption
  • tadellose und stabile Verarbeitung
  • True Bypass oder Buffered Bypass pro Model wählbar
  • einfache, analoge Bedienung am Pedal
  • gute, vielfältige Sounds, große Anzahl an Effekt-Models

  • keine Tap-Funktion für tempobasierte Effekte
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