Gitarre Hersteller_Hughes&Kettner
Test
1
13.04.2016

Praxis

Die enormen Kraftreserven des Amps machen den TubeMeister Deluxe 40 nicht nur zu einem durchsetzungsfähigen und druckvollen Gitarrenverstärker. Mit seiner Ansprache und seinem dynamischen Verhalten kann er locker mit vielen klassischen Topteilen mithalten. Der Testamp bringt eine Spritzigkeit und Brachialität an den Start, die mir persönlich von allen TubeMeister-Amps am besten gefällt. Dazu kommt ein ausgeglichener Sound, der nur selten Anstalten macht, in glasige oder harsche Gefilde auszubrechen. Alleine schon mit dem cleanen Kanal könnten viele Blueser oder diejenigen unter uns, die alles mit Pedalen realisieren, glücklich werden. Aber das wären Perlen, die wegen der enormen Vielseitigkeit des Amps vor die (eierlegenden Wollmilch-) Säue geworfen würden.

Bei diesem Test liegen alle Audiobeispiele doppelt vor. Zuerst hört ihr immer die Version mit der mikrofonierten Box und danach das Audiofile mit der Red-Box, die einen wirklich ausgezeichneten Job macht! Beginnen wir mit dem cleanen Kanal, der einen stabilen und unkomprimierten Sound liefert und nur mit sehr hohen Gaineinstellungen in die Sättigung gefahren werden kann. Im ersten Soundbeispiel habe ich den Gainregler auf 11 Uhr, wobei der Ton zwar clean, aber nicht chemisch rein ist. Eine sehr weiche und subtile Kompression macht den Sound ideal für Funk/Soul und Mark Knopfler-artige Sounds.

Erst wenn man den Gainregler weit aufdreht, bringt der cleane Kanal eine butterweiche, bluesige Verzerrung, die man dank des Masterreglers und des integrierten Powersoaks auch in Zimmerlautstärke genießen kann. Eine gute Grundlage für Blueser oder Countryrocker.

Der Crunch-Kanal mach dort weiter, wo der cleane aufhört. Man befindet sich beim Umschalten also nicht schlagartig in einer komplett anderen verzerrten Klangwelt. Die Klangregelung hat für mich übrigens auch hier ihren Sweetspot um die 12-Uhr-Position. Am meisten habe ich beim Einspielen der Audiobeispiele mit dem Mid-Regler experimentiert, denn der greift relativ weit in die oberen Mitten herein. Dabei bin ich aber nie unter die 11-Uhr- bzw. über die 13-Uhr-Marke gegangen. Hier also der Crunch-Kanal, bei dem der Gainregler auf 9 Uhr steht.

In der 12-Uhr-Position klingt der Crunch-Kanal noch sehr offen, wobei man beim Spielen eine leichte, aber keinesfalls aufdringliche Kompression bemerkt. In dieser Einstellung bringt der Kanal einen Sound, der sich perfekt für kantigen Classic-Rock eignet. Der Ton hat durchaus marshallige Züge, was mir sehr gut gefällt.

Mit maximalem Gain komprimiert der Sound zwar deutlich, aber so lange man keine ultrabrutalen Humbucker verwendet, lässt sich der Ton immer noch gut mit dem Anschlag formen. Die Kompression macht zudem den Ton von Singlecoils fetter. Der Amp lässt auch hier die verwendete Gitarre und den Anschlag gut erkennen.

Kommen wir zum Leadkanal, dessen Sound wieder einen Schritt weiter geht als der Crunchkanal. Er bietet neben höheren Gainreserven auch eine feinere Zerrstruktur, die nicht nur flüssiges Spielen beim Solieren unterstützt. Hier kann man die Gitarrenriffs bei Bedarf noch brachialer gestalten als im Crunchmodus. Im nächsten Soundbeispiel hört ihr eine eher gemäßigte Einstellung, bei der ich den Gainregler gerade einmal in die 10-Uhr-Position gestellt habe.

Für mich bietet der Lead-Kanal mit etwa Halbgas-Gain das beste Verhältnis zwischen Sustain, Kompression und Offenheit. Hier kann man fusionmäßig herumflitzen und böse, tiefer gestimmte Riffs zum Besten geben.

Zum Schluss noch ein Soundbeispiel mit allem, was der Amp an Gain zu bieten hat. Von Dynamik kann man hier zwar nicht mehr reden, unbrauchbar ist der Sound aber bei weitem nicht. Für bösen Heavy Rock und gemeinen Metal eine gute Wahl.

Audiobeispiele

Pro & Contra

  • Sounds von clean bis brachial
  • extrem vielseitig
  • drei gut aufeinander abgestimmte Kanäle
  • integrierte Red Box AE
  • MIDI-fähig
  • Power-Soak bis 0 Watt
  • handlich

  • keins

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