Bass Hersteller_Ibanez
Test
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20.08.2015

Ibanez 2609B Black Eagle Bass Test

Viersaitiger E-Bass

Der schwarze Adler fliegt wieder!

Anlässlich des 40jährigen Jubiläums des 2609B-Basses (besser bekannt unter dem Namen "Black Eagle Bass") bringt Ibanez dieses klassische Modell nach schier endlosen Jahren der Abstinenz endlich wieder auf den Markt. Ursprünglich wurde der Bass in der sogenannten "post lawsuit era" von 1975 bis 1979 in Japan hergestellt; mit einem Peak im Jahr 1977. In dieser Zeit wandten sich die Japaner verstärkt eigenen Modellkreationen zu, um gerichtliche Copyright-Auseinandersetzungen mit den Firmen Gibson und Fender zu umgehen. Ein Ergebnis dieser Bestrebung war der Black Eagle Bass, der mit seiner extravaganten, auffälligen Optik kontrastreiche Impulse setzte, als er in der zweiten Hälfte der 1970er-Jahre als Limited Edition herausgebracht wurde.

Bekannte Black Eagle-Spieler waren z.B. Ronald LaPread von den Commodores oder - viel später - Krist Novoselic von Nirvana. Für ein Original aus den 70er-Jahren muss man heutzutage bei Ebay & Co. durchaus horrende Summen hinblättern - schauen wir doch mal, ob die Neuauflage aus Indonesien eine ernstzunehmende Alternative darstellt!

Details

Eine wichtige Neuerung wurde gerade schon genannt: der 70er-Klon stammt nicht aus einem japanischen, sondern aus einem indonesischen Werk. Dass das beileibe keinen Nachteil mehr darstellt, habe ich während der letzten Jahre zigfach feststellen dürfen: die Fertigungsqualität der indonesischen Instrumentenhersteller ist heutzutage längst über jeden Zweifel erhaben! Und so verwundert es denn auch nicht weiter, dass der neue 2609B seinem Urahnen aus den Seventies äußerlich wie ein Ei dem anderen gleicht. Auch er besitzt eine Basis, der eindeutig ein Jazz Bass zugrunde liegt. Dennoch wurden einige leichte Modifikationen im Vergleich zum Fender-Original vorgenommen, um dem Instrument ein eigenes Antlitz zu verleihen. So wurden die beiden Korpushörner des schwarz lackierten Bodies deutlich länger, dafür jedoch leicht verschnörkelt und in Richtung Hals spitzer zulaufend gestaltet. Eine weitere Besonderheit findet sich unter dem deckenden Schwarz: als Korpusmaterial kamen und kommen nämlich damals wie heute nicht etwa Esche oder Erle zum Einsatz, sondern Mahagoni. Nun könnte ich natürlich sofort die Standardfloskeln vom besonders warm und mittenstark klingenden Mahagoni anbringen, aber da das Mahagoni unseres Ibanez-Basses nicht näher bezeichnet wird und längst nicht alle Mahagoni-Arten gleich klingen, bin ich hiermit naturgemäß etwas vorsichtig.

Auffälligstes Merkmal auf dem Body ist der aufwändig gestaltete Perlmutt-Adler, auf dem ein durchsichtiges Plexiglas-Schlagbrett sitzt, welches über allerlei dünne, verschnörkelte Linien-Fräsungen verfügt. Die Linien wurden weiß verfüllt, sodass sie den Adler zur Hälfte deutlich sichtbar umrahmen. Das ist wirklich ein schickes Feature - ein echter Eyecatcher auf der Bühne!

Ganz traditionell verfügt der 2609B über eine verchromte L-Winkel-Brücke und zwei passive Alnico-Tonabnehmer aus eigenem Hause, die auf die Bezeichnungen "Super J Neck" und "Super J Bridge" hören. Sie sitzen bis auf wenige Millimeter in der klassischen 60er-Position. Die Sounds der Pickups können mithilfe einer passiven Elektronik verwaltet werden, bei der man Zugriff auf zwei Volumenregler und eine Höhenblende hat. Ihr seht schon: Alles so, wie man es vom Vorbild gewöhnt ist!

Der mit vier Schrauben am Body befestigte Hals ist einteilig und weist liegende Jahresringe auf. Auf dem mit 20 Medium-Bünden ausgestatteten Ahorngriffbrett fällt der Blick schnell auf die feinen Intarsien, die so gar nicht zu der Block- oder Dot-Inlay-Optik passen wollen, die man gemeinhin mit Bässen dieser Gattung assoziiert. Bei meinen Recherchen fand ich heraus, dass die Ibanez-Instrumentenbauer der 70er-Jahre diese Intarsien tatsächlich von Banjos entliehen haben, welche Ibanez zur damaligen Zeit bereits herstellte.

Traditioneller ist da schon das schwarze Binding, welches das Griffbrett umschließt. Schwarz ist auch die Farbe des Headstocks, welcher wieder zwei Design-Besonderheiten aufweist: zum einen wurden zwei der drei Kopfplatten-Kanten abermals leicht verlängert und schnörkelig abgerundet. Zum anderen verfügt die Kopfplatte neben den vier verchromten Mechaniken und dem obligatorischen String Tree für die D- und G-Saite über ein F-Loch. Ein F-Loch??? Ja, zugegeben: ein Headstock ist schon ein etwas ungewöhnlicher Ort für ein solches Design-Merkmal, aber ein netter Blickfang ist auch dieses Feature allemal! Direkt darüber befindet sich der Vintage-Ibanez-Schriftzug in netter Perlmutt-Optik.

Kein Blickfang, sondern garantiert einer gesunden Konstruktion zuträglich, ist der leichte Bürzel im Übergang zwischen Kopfplatte und Hals, der definitiv nicht der Fender-Vorlage entliehen wurde, sondern ebenfalls eine Idee aus eigenem Hause darstellt.

Sämtliche Fräs- und Lackarbeiten auf dem wiedergeborenen Eagle Bass wurden absolut vorbildlich ausgeführt. Die Bundstäbchen sitzen super sauber und sehr gut abgerichtet in dem schlanken Hals. Ganz offensichtlich wollte man hier nichts dem Zufall überlassen und die eigene Firmen-Historie angemessen zelebrieren!

Audiobeispiele

Pro & Contra

  • klassische Jazz-Bass-Sounds in hoher Qualität
  • super Verarbeitung
  • sehr gute Bespielbarkeit
  • klassisches Handling
  • supercoole Vintage-Optik

  • Greifhand läuft Gefahr, das untere Korpushorn zu touchieren

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