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Test
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23.01.2018

IK Multimedia T-Racks 5 MAX Test

Mix- und Mastering-Suite

Mastering-Dino!

Rund 20 Jahre hat der Mix- und Mastering-Dino T-Racks nun auf dem Buckel. Doch auch in Version 5 ist der Featureumfang alles andere als prähistorisch.

Unter den mittlerweile 38 Modulen befinden sich in der neuen Version ein All-in-One-Prozessor namens „One“, ein Precision EQ, eine Manley Vari-Mu-Emulation sowie Master Match, ein innovativer Matching-Prozessor, der neben dem Frequenzspektrum auch die Dynamik aus Referenztracks analysieren und auf das eigene Mastering übertragen kann. Die Bedienoberfläche wurde einem Facelifting unterzogen und auch die Audio Engine wurde rundumerneuert. Ferner kommen neue Meter hinzu, die das Signal noch umfangreicher und nach aktuellen Broadcast-Standards kontrollieren. Ob sich das Update lohnt, zeigt euch dieser Test.

Details

Individuelles Rack

Drei Bundles stehen bereit, die allesamt die neuen Features an Bord haben. Dank des IK Multimedia Custom Shops lassen sich die T-Racks-Komponenten auch einzeln kaufen. Jede Komponente lässt sich 14 Tage kostenlos ausprobieren. So kann man sich sein virtuelles Rack selbst zusammenstellen. Die Freeversion enthält bereits eine Metering-Komponente, mit der Pegel, Frequenzspektrum und Phase kontrolliert werden können. Weitere Komponenten können für einen Preis zwischen 50 und 150 Euro hinzuerworben werden. Wer also mehr als eine Handvoll Module nutzen möchte, sollte am besten gleich zu einem der drei verfügbaren Bundles greifen. Für rund 180 Euro erhält man nämlich bereits die Standard-Version, welche alle Classic-Effekte sowie die Neuheiten enthält. Im Deluxe-Bundle kommen zwölf weitere Module hinzu, die hauptsächlich Emulationen namhafter Hersteller beinhalten. Das Max-Bundle (zum Zeitpunkt des Tests zum selben Preis erhältlich wie das Deluxe-Bundle) ist im Vergleich zum Standardpaket mit weiteren Emulationen ausgerüstet, unter denen auch Neve-EQs sowie ein Vintage-Tape-Delay und die Classic Studio Reverbs mit dabei sind. Eine Auflistung der Bundles und den beinhalteten Effekten findet ihr hier. Nehmen wir die neuen Features einmal genauer unter die Lupe.

One

Der neue Prozessor „One“ ist der eine für alles. Zumindest vereint er viele Effekte in einem Modul, wie man es in ähnlicher Form zum Beispiel vom SPL Vitalizer kennt. One enthält einen 3-Band-Equalizer, Kompressor, Stereo Enhancer, Harmonic Exciter, Bass Kompressor/Expander und Adaptiver Limiter. Das Schöne: Unter der Haube werkeln viele Prozesse, während man nur einen Regler bedient. So kommt man auch ohne Kenntnisse über Effekt-Prozessoren zu brauchbaren Ergebnissen. Folgende Parameter stehen zur Verfügung:

  • Air, Focus und Body: 3-Band-Equalizer
  • Push: Kompressor
  • Volume: Adaptiver Limiter
  • Width: Stereobasis-Verbreiterung
  • Transients: Attack-Modul
  • Bass Punch: Low-End-Enhancer
  • Analog: Färbt den Sound mit harmonischen Verzerrungen

Master Match

Das Grundprinzip ist bekannt: Matching-EQs, wie man sie bereits von etlichen Plug-in-Entwicklern und DAW-Onboard-Effekten kennt, analysieren das Frequenzspektrum eines Referenztracks und können dieses auf ein eigenes Projekt übertragen. Master Match geht allerdings ein Stück weiter und verfährt so auch mit der Dynamik des Materials und passt dabei Komprimierung und Limiting an. Bei der Analyse werden drei Schritte durchlaufen: Zunächst erfolgt eine Spektral- und Pegelanalyse. Und zwar nicht nur für einen, sondern für drei Referenztracks. Dabei kann von jeder Referenz ein unterschiedlicher Ausschnitt als Probe ausgewählt werden. Im zweiten Schritt erfolgt eine Spektral- und Pegelanalyse des eigenen Materials. Dabei muss zwar nicht der gesamte Song abgespielt werden, bei längeren Analysen wird das Ergebnis allerdings genauer. Zuletzt wird das Ausgangsmaterial an die ermittelten Frequenzspektrum- und die Dynamikwerte der Referenztracks angeglichen.

EQual

Der neue EQ „Equal“ besitzt 10 Bänder, deren Charakteristiken britischen Filtern nachempfunden sind, die in Neve-, SSL- und API-Konsolen verbaut sind. Kombiniert werden die Emulationen mit der Präzision, die ein vollparametrischer EQ mit sich bringt: anpassbare Q-Faktor, Gain und Frequenz. Den Filtercharakteristiken Bell, Low Shelf und High Shelf stehen dabei Modelings der beliebten SSL 4000/9000, Neve 1073/81 und API 550A/B sowie 560 bereit. Durch diese Kombination ist dieser EQ als Hybrid anzusehen, der analoge Kurven mit digitaler Genauigkeit und Flexibilität kombiniert.

Dyna-Mu

Dyna-Mu ist, wie der Name bereits verrät, eine Emulation des Manley Klassikers Vari-Mu: im Originalen ein Röhrenkompressor, dessen Komprimierung variabel verläuft. Wie bei seinem  analogen Vorbild ist die Kompressionsrate (Ratio) nicht mit einem Parameter regulierbar, sondern ändert sich variabel zum eingestellten Input. Je höher das Eingangssignal reguliert wird, desto höher die Ratio. Durch die Röhren im Original wird das Signal zudem mit Obertönen angereichert, was den Klang zusätzlich färbt. Dyna-Mu hat alle essentiellen Parameter an Bord, die es auch an der Hardware gibt: Input, Threshold, Attack, Release und Output. Allerdings unterscheidet er sich optisch leicht vom echten Vari-Mu und die Features wurden teils umbenannt. Statt „Compress/Limit“ wird bei Dyna-Mu per „Hard“-Schalter zwischen Kompression und Limiting umgeschaltet. Die Ratios gleichen dem Vorbild: Kompressor 1.5:1 bis 1:1, Limiter 4:1 bis 20:1. Das bei der Hardware optional erhältliche M/S-Feature ist gleich mit dabei und es gibt zwei separat regelbare Inputs-Potis. Mit dem Sidechain-Schalter lassen sich tiefe Frequenzen unter 100 Hz per Hochpass-Filter vor der Komprimierung rausfiltern, was sich besonders für Bassdrum- und Bass-Komprimierung eignet. Mit dem Gang-Hebel werden beide Kanäle gleichzeitig gesteuert, während man nur die Parameter eines Kanals bedient.

Erweitertes Metering

Die Metering Suite, mit der sich Pegel, Lautheit, Frequenzspektrum, Phase und Korrelation visuell überwachen lassen, wurde in T-Racks 5 mit zeitgemäßen Features ergänzt und ermöglicht ein wirklich umfangreiches Monitoring. Fortan lässt sich die Lautheit gemäß der aktuellen Richtlinie R128 kontrollieren. Dementsprechend wird die Lautheit des Materials in LUFs (Loudness Unit Full Scale) dargestellt. Das LUFs-Meter ist kompatibel zu allen Referenzstandards im Rundfunkbereich. Zu den Peak-, RMS-Werten kommt ein Dynamik-Range-Meter hinzu, mit welchem man die Dynamik des Tracks im Blick behält. Je geringer der DR-Wert, desto weniger Dynamik ist im Master vorhanden. Die VU- und PPM-Pegelanzeigen bieten eine weitere Pegelreferenz im analogen VU-Meter-Style. Diese zeigen zum einen den durchschnittlichen Lautstärkepegel, der an den Crest-Faktor gekoppelt ist, während die Peak-Messung schneller reagiert, um die Transienten im Blick zu behalten. Die VU-Meter ermöglichen sowohl das Monitoring von L/S als auch M/S. Neu dabei ist auch ein Spektrogramm, mit dem das Frequenzspektrum visualisiert wird. In der horizontalen Achse steht die Zeit, während die vertikale Achse die Frequenz darstellt.

Multi-Track-Editing und Alben-Erstellung

Anders als seine Vorgänger erlaubt T-Racks in der Standalone-Version die Bearbeitung multipler Tracks. Dabei kann jeder Track seine eigene Mastering-Kette erhalten. Bei Bedarf können die Ketten und auch einzelne Module auf ausgewählte Bereiche angewendet werden. Neu ist auch, dass sich in der Suite Alben erstellen lassen. Fades und Pausen lassen sich setzen, Kopierschutz aktivieren und auch Meta-Daten wie Artistname, Song- und Album-Titel sowie ISRC und EAN/UPC-Code können eingetragen werden. Daraufhin lässt sich das Werk in WAV, FLAC und AAC exportieren.

Überarbeitete Audio Engine

Wer T-Racks gerne standalone verwendet, darf sich über eine überarbeitete Resampling Engine freuen, die in der letzten Limitierungsstufe eine zusätzliche Schutzschicht vor Inter-Sample-Peaks bietet. Dadurch lassen sich Übersteuerungen vermeiden, die beispielsweise beim Komprimieren in MP3 und AAC entstehen können. Die interne Audio-Engine ermöglicht Projekte in 192 kHz, 32-Bit-Floating-Point.

Audiobeispiele

Pro & Contra

  • benutzerfreundlicheres Bedienkonzept, verbesserter Workflow
  • standalone sowie als Suite- und Solo-Plug-in nutzbar
  • DAW-unabhängige Alben-Erstellung
  • Preis-Leistungs-Verhältnis

  • One-Limiter
  • wenig Innovationen
  • kein globaler Output-Gain

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