Bass
Feature
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05.04.2019

In Ear Monitoring für Bassisten

In Ear Monitoring-Systeme für Bass - Meinungen, Anregungen, Tipps

Große Umfrage unter Profibassisten über ihre Erfahrungen mit In-Ear-Systemen

"Was ist das beste In-Ear-System für Bass?" - "Gibt es einen Hersteller, dessen Produkte sich besser für Bass eignen als andere?" In-Ear-Monitoring hat sich mittlerweile zu einer festen Größe im Livemusik-Sektor entwickelt. Begonnen hat dieser Trend bereits Mitte der 1990er-Jahre, vorrangig durch die Entwicklungen des Soundengineers Jerry Harvey und seiner Firma Ultimate Ears bzw. später JH Audio. In Deutschland war es die Firma Hearsafe, die sich erstmals ca. 1996 auf der Musikmesse mit dem Thema "In-Ear-Monitoring" vorstellte.

In den letzten drei Jahrzehnten haben die kleinen Ohrstöpsel eine sensationelle Entwicklung durchlaufen - sowohl im Bereich der Fertigung und Materialien, als auch im Bereich des elektronischen Innenlebens und somit letztlich der Klangwiedergabe. Waren die ersten Systeme mit einem einzelnen sogenannten "Treiber" oder maximal einem 2-Wege-System ausgestattet, so sind im Laufe der Jahre 3- und 4-Wege-Systeme dazugekommen, die mittlerweile bis zu zehn Treiber und mehr (!) pro Hörer verbauen. Entsprechend sind natürlich die Preise für derartige Spezialsysteme in zum Teil astronomische Höhen geschossen: Die Preisunterschiede rangieren von 100,- Euro bis schwindelerregende 2.500,- Euro und mehr, etwa für Sonderanfertigungen besonders anspruchsvoller Kunden.

Quick Facts: Was ist "In Ear Monitoring"?

In Ear Monitoring ist der Fachbegriff für ein Monitoring-Verfahren, welches speziell (aber nicht ausschließlich!) für die Verwendung bei Live-Auftritten entwickelt wurde. Der Monitorsound wird bei diesem Verfahren via Kabel oder Sender auf Miniaturohrhörer übertragen. Diese Hörer können Universalhörer sein, die mittels Schaumstoff- oder Silikonplastiken im Hörkanal befestigt werden, oder aber angepasste Ohrhörer (Otoplastiken), die aufgrund eines exakten Abdrucks der Hörkanäle des individuellen Musikers über einen besonders passgenauen Sitz verfügen. Die englischen Fachbegriffe hierfür sind "generic" für Universalhörer und "moulded" für angepasste Hörer.

Vorteil angepasster In-Ears: Fester Sitz, dadurch gleichbleibend sehr guter Sound und gute Isolation vor Außengeräuschen.

Nachteil angepasster In-Ears: Wesentlich teurer als Universalhörer. Bei Verlust oder Beschädigung nur durch erneute Anfertigung von Otoplastiken zu ersetzen.

Vorteil von Universalhörern: Vergleichsweise preisgünstig zu haben. Inzwischen ebenfalls sehr ausgewogener Sound.

Nachteil von Universalhörern: Schlechterer Halt und Isolierung als angepasste Hörer. Der Sound kann sich beim Bewegen des Kopfes stark verändern und die Hörer schlimmstenfalls sogar herausfallen.

Probleme bei der Anschaffung eines In-Ear-Systems

"Welches In-Ear-System soll ich kaufen?"

Schon als erfahrener In-Ear-User ist es schwierig, sich im stetig wachsenden Angebot der unterschiedlichen Firmen und der Vielzahl zusätzlicher Optionen zurechtzufinden. Da möchte man sich lieber gar nicht erst ausmalen, was ein Einsteiger zu durchleiden hat, sobald er beginnt, die ersten Angebote zu vergleichen!

Genau genommen ist der Vergleich speziell zwischen den angepassten Produkten nicht nur schwierig, sondern sogar unmöglich. Der Grund: Man kauft hier quasi immer die Katze im Sack! Es gibt Serviceanbieter, die einen Vergleich zwischen Universalhörern ermöglichen, doch auch das ist nicht einfach, denn oft sind es bei diesen universalen Hörern die Schaumstoff- oder Silikonstopfen, die den Sound beeinflussen, und schon die kleinste Positionsänderung im Ohr kann in drastischen Unterschieden bei der Basswiedergabe resultieren.

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Zudem gibt nicht besonders viele Erfahrungsberichte zu lesen und noch weniger eben solche, die spezifisch auf die Anforderungen und Bedürfnisse von Bassisten eingehen.

Ich habe dies zum Anlass genommen, um einmal eine eigene Recherche zu starten: Dabei wollte ich ausschließlich Bassisten befragen - und darunter nur solche, die In-Ear-Monitoring bereits über viele Jahre verwenden und idealerweise mindestens 1000 Auftritte oder mehr damit hinter sich haben, um ein wirklich fundiertes Erfahrungsbild zu erhalten.

Welche Bassisten benutzen In Ear Monitor-Systeme?

Allein diese Personengruppe ist natürlich gar nicht so leicht ausfindig zu machen, aber glücklicherweise bewege ich mich seit vielen Jahren in einem Umfeld, in dem nahezu alle Kollegen der genannten Profilanforderung entsprechen: Die Rede ist vom Londoner West-End!

In diesem umtriebigen Musiktheater-Umfeld sitzen, oft in dunklen Gräben oder im Unsichtbaren verborgen, einige der besten Musiker der britischen Szene. Einerseits spielen sie in einer großen Show-Maschine teilweise acht und mehr Shows pro Woche, andererseits sieht man sie darüber hinaus außerhalb dieser Szene nicht selten auch auf Tourneen, in TV-Shows oder anderen Konzertreisen.

Das Londoner West End schien mir daher schlichtweg der ideale Boden für eine Recherche zum Thema "In Ear Monitoring für Bassisten", denn hier ist die Verwendung von In Ears bereits seit langer Zeit zur Norm geworden - auch wenn es natürlich nach wie vor Kollegen gibt, die am liebsten mit konventionellen Kopfhörern spielen. Dagegen ist auch nichts einzuwenden, aber sobald es auf die Livebühne geht, sind traditionelle Kopfhörer nun einmal nicht mehr besonders praktikabel.

>>>Video-Feature: So arbeitet ein Musicalbassist am Londoner West End.<<<

So habe ich 20 Bassisten in London befragt, deren gemeinsame Erfahrungen weit über 30.000 Shows/Konzerte beträgt. Dabei ist natürlich zu betonen, dass auch ein erfahrener Profi seine persönlichen Präferenzen und Eigenarten hat. Soll heißen: Selbst wenn ein Produkt überaus positiv oder negativ erscheint, muss das nicht heißen, dass es dem Nächsten genau so gut gefällt.

Zudem ist hervorzuheben, dass es in der Natur der Sache ist, dass Musiker in England vorrangig Produkte aus England oder den USA verwenden. Ich möchte jedoch ausdrücklich betonen, dass es in Deutschland ebenfalls zahlreiche hervorragende Hersteller von In-Ear-Hörern gibt. Die Recherche sollte also keinesfalls zu einer Produkt-Eingrenzung führen, sondern eher zu einem Herauskristallisieren bestimmter globaler Produkteigenschaften. Zu diesen Eigenschaften zähle ich die Treiberanzahl, Universalhörer vs. Angepasste Hörer (generic vs. Moulded), Material, Kabelführung etc.

So habe ich den lieben Kollegen einen kurzen Fragebogen zukommen lassen und war gespannt auf die Antworten. Ich war gelinde gesagt von den Resultaten verblüfft, denn die Bandbreite war enorm weit gestreut! So bevorzugen doch nicht wenige der befragten Bassisten tatsächlich Universalhörer gegenüber der angepassten Variante - und das nicht unbedingt aus Preisgründen, wie sich herausstellte. Insbesondere Kontrabassisten sind scheinbar mit puristischen Varianten, z.B. Generics mit nur einem Treiber, zufriedener als mit angepassten Luxushörern.

>>>Auch dieser In-Ear-Test aus 2018 dürfte für viele Bassisten interessant sein!<<<

In-Ear-Monitoring: Starke oder schwache Außen-Abdichtung?

Die Umfrage zeigt das Dilemma, in dem speziell wir Bassisten stecken, wenn es um eine adäquate Klangwiedergabe der tiefen Frequenzen unserer Instrumente Instrument geht. Hier gibt es zwei getrennte Lager: Die einen bevorzugen eine gute Isolation/Abdichtung, so dass nur das Kopfhörersignal zu hören ist. Die anderen fühlen sich hingegen wohler, wenn sich das Kopfhörersignal mit der räumlichen Umgebung mischt, man also weniger das Gefühl der Isolation zur Umwelt bekommt und das Monitorsignal mehr "Ambience" enthält.

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Wenn der In-Ear-Hörer nicht richtig sitzt ...

Entscheidend für beide Lager von Bassisten mit In-Ear-Systemen ist, dass der Basssound gut wiedergegeben wird. Das größte Problem bei nicht angepassten Universalhörern entsteht, wenn der Hörer nicht sicher im Ohr sitzt, denn der Basssound verändert sich schon bei minimalen Verschiebungen. Verschärft wird dieses Problem, wenn man zusätzlich noch singt und die Kieferbewegungen auch den Hörkanal verformen. Bei schlecht sitzenden In-Ears bedeutet dies den Supergau für den Basssound! Hier ist es also von essentieller Bedeutung, individuell sehr gut passende Silikon-, bzw. Schaumstoff-Polster zu finden, die sicher im Ohr sitzen. Meine Gehörgänge beispielsweise sind so eng, dass sie schlicht keine universalen Ohrpolster halten, so dass ich persönlich die universellen Hörer generell nicht verwenden kann.

Guter Kompromiss: Universalhörer mit angepassten Otoplastiken

Eine galante Zwischenlösung stellen daher Universalhörer mit angepassten Otoplastiken dar. Das heißt, eine Otoplastik wird von einem Ohrabdruck angefertigt, und darin können dann Universalhörer verschiedener Art eingesetzt werden (diese müssen natürlich in die dafür vorgesehene Öffnung passen). Mit dieser Lösung ist man deutlich flexibler als mit fest angepassten Hörern, aber scheinbar ist diese Variante nicht sehr beliebt, denn kaum einer der von mir zu diesem Thema Befragten verwendet sie.

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Luxusvariante: der angepasste In-Ear-Hörer

Die Luxusvariante, also die angepassten Hörer, wird zwar häufig verwendet, offensichtlich aber auch recht kritisch betrachtet - und zwar weitaus kritischer, als ich das von den professionellen Vertretern unserer bassistischen Zunft erwartet hätte! Kritisiert wird meistens die Problematik der hohen Anschaffungskosten sowie eventuell anfallende Reparaturen, die häufig zu lange dauern, weil Hörer verschickt werden müssen und der Service teilweise nicht den Erwartungen entspricht.

In-Ear-Monitoring: Je mehr Treiber, desto besser?

Interessant finde ich vor allem, dass die Anzahl der Treiber nicht unbedingt maßgebend für einen befriedigenden In-Ear-Monitorsound zu sein scheint - sondern in einigen Fällen offensichtlich sogar als nachteilig empfunden wird. "Mehr Treiber" bedeutet also nicht zwangsläufig auch "besser"!

Es sind vor allem Kontrabassisten, die 1- oder 2-Wege-Systeme bevorzugen, weil sie laut deren Auskunft einen natürlicheren Sound des Instrumentes abbilden. Speziell die Wiedergabe des Kontrabasses ist besonders kritisch, denn der Monitorsound beeinflusst in hohem Maße das Spielverhalten, die Dynamik und Soundgestaltung dieses sensiblen akustischen Instrumentes. In diesem Zusammenhang sind in meiner Umfrageliste vor allem die Schilderungen der Bassisten Andy Pask, Don Richardson oder Dave Brown interessant.

>>>Diese sieben Dinge sollte ein Bassist immer dabeihaben!<<<

Bei Bassisten, die neben der Arbeit in Orchestergräben auch große und laute Bühnen bespielen, haben sich die gängigen Marktführer offensichtlich besser durchsetzen können. Aber auch hier geht die Schere der unterschiedlichen Philosophien weit auseinander. Rockbass-Legende Neil Murray (Whitesnake, Black Sabbath ...) beispielsweise verwendet verschiedene Systeme, speziell unter Hinzunahme von Ambience-Lösungen, wie externe Ambience-Verstärker oder Ambience-Öffnungen in den Hörern selbst. Darüber hinaus zeigt sein Beispiel auch, dass die Suche nach dem idealen In-Ear-System stets ein fortwährender Prozess ist.

PDF-Download der Umfrage zum Thema "In Ear Monitoring für Bassisten"

Hier nun die Resultate meiner Umfrage in Form einer umfangreichen Tabelle, die ihr euch als PDF herunterladen könnt. Bitte nicht erschrecken - die Liste ist aufgrund der zahlreichen Fragen sowie der hohen Zahl an Befragten durchaus stattlich geworden. Ich empfehle daher, beim Lesen durchaus etwas mehr Zeit einzuplanen, oder sich die Datei auszudrucken und später in Ruhe zu studieren.

Fazit der Umfrage unter Bassisten zum Thema "In-Ear-Monitoring"

Auch wenn meine Umfrage leider keine klaren Empfehlungen herauskristallisieren konnte, so zeigt sie doch immerhin deutlich, wie schwierig es ist, Bassisten eine passende Lösung für ihre individuellen Bedürfnisse zu liefern. Ein schwacher Trost ist also, dass man mit diesem Problem nicht alleine ist. Erfreulich ist aber auch diese Beobachtung: Die Community wächst stetig und das Thema In-Ear ist noch längst nicht am Ende der Entwicklung angelangt.

Klar ist, dass die Verwendung von In-Ear-Monitoring für viele Anwendungen mittlerweile unverzichtbar geworden ist. Ich hoffe, dass sich der ein oder andere Unentschlossene durch die Aussagen in der nachfolgenden Tabelle inspirieren lässt und die Statements und Aussagen der Befragten eine kleine Hilfe auf der Suche nach einer Entscheidung bieten kann.

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Besonders bitter sind übrigens die Erfahrungen derjenigen Kollegen, welche ihre teuren angepassten Hörer irgendwann einmal verloren haben oder deren Systeme beschädigt wurden. Man stelle sich die Schmerzen in der Magengrube vor, gerade einmal 1.800,- Euro Bargeld verbrannt zu haben - weg und futsch! So sehr man auch auf seine Hörer auch aufpassen mag - sie sind nun einmal klein und verwundbar. Auch dies ist ein Argument mancher Kollegen, lieber auf preiswertere Universalhörer zu setzen. Die Entscheidung, welches System man sich letztendlich wählt, kann einem leider niemand abnehmen.

Gerne könnt ihr auch eure persönlichen Erfahrungen aus Bassisten-Sicht hier im Kommentar-Bereich schildern.

Alles Gute und viel Spaß beim Lesen, eurer Ollie!

Veröffentlicht am 05.04.2019

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