Software
Test
10
26.08.2019

Initial Audio Reverse und SlowMo Test

Effektplugins

Effekte für Trap, Grime und Co.

Hersteller Initial Audio, ehemalig Ignite VST, hat sich in der Szene einen Namen mit seinen Klangerzeugern gemacht, die sich auf Trap, Grime und Co. fokussieren. Nach dem Rompler Heat Up, dem Basssynthesizer 808-Studio und dem Wavetable-Synthesizer Sektor legt die Düsseldorfer Softwareschmiede nun auch Effektplugins nach.

Reverse ist ein Tool, mit dem sich kreative Rückwärtseffekte erzeugen lassen, während SlowMo zum Erstellen von Half-Speed-Effekten dient – beides Plugins, mit denen sich stiltypische Soundeffekte erzielen lassen. In diesem Testbericht checken wir, wie gut sich Initial Audios erste Effektplugins für Produktionen der besagten Genres eignen.

Details + Praxis

Kompatibilität und Installation

Die beiden Effekte gibt es für macOS als AU- und VST-Plugins in 64-Bit. Für Windows stehen 32- und 64-Bit-VST-Versionen zur Verfügung. Nach der Kaufabwicklung im hauseigenen Onlineshop (via PayPal oder Apple Pay) erhaltet ihr den Zugang zu den Downloads. Reverse und SlowMo sind nach der Installation sofort einsatzbereit – eine Seriennummer oder gar  einen Dongle benötigt ihr aber nicht.

Reverse

Reverse-Effekte findet man heute in sämtlichen Musikrichtungen. Neben Pop und EDM werden ebenso im Trap häufig Spuren, oder zumindest Teile davon, rückwärts abgespielt. Solche Effekte lassen sich grundsätzlich in jedem Sample-Editor kreieren, was allerdings etwas Übung und Editing-Arbeit erfordert. Initial Audios Reverse nimmt euch diese Arbeit ab und lässt Teile der Spuren rückwärts ablaufen. Anders als beim Editing bearbeitet das Plugin das Signal in Echtzeit, wodurch ihr diesen Effekt auch bei einer Live-Performance einsetzen könnt.

What you see is what you get! Die Bedienoberfläche besitzt nur wenige Parameter, mit denen der Reverse-Effekt angepasst wird. So lässt sich einstellen, welcher Bereich des aktuell abgespielten Signals rückwärts laufen soll (1/8, 1/4, 1/2, 1, 2 oder 4 Bars). Mit dabei ist außerdem ein Fade-Regler, mit dem ihr die Attack-Phase des Rückwärtseffekts einstellen könnt. Je nach Geschwindigkeit des Songs lässt sich der Effekt dadurch besser in den Groove einbetten. Je weiter man den Fade-Regler aufdreht, desto indirekter und weicher werden die Ergebnisse.

Hinzu kommt ein Dry/Wet-Regler, mit dem ihr zwischen dem originalen und dem rückwärts abgespielten Signal mischen könnt. Besonders bei subtilen Einstellungen kommen  interessante Ergebnisse zustande, mit denen sich Drums, Melodien und Weiteres etwas fülliger gestalten lassen, ohne wirklich viel daran herumschrauben zu müssen. Klanglich macht das Plugin einfach das, was es soll – nicht mehr und nicht weniger. In wenigen Sekunden erzielt man stiltypische Reverse-Effekte. Eigentlich braucht man das Plugin nur auf eine Spur zu laden und schon klingt es amtlich. Leider besitzt das Tool keine Filter, wodurch immer das gesamte Frequenzspektrum rückwärts abgespielt wird. Besonders beim Umkehren von Drumloops wäre es wünschenswert, beispielsweise tiefe Frequenzen einer Bassdrum herausfiltern zu können, um einen aufgeräumten Mix zu erzielen.

Das Besondere an solchen Echtzeit-Reverse-Effekten ist, dass nicht das gesamte Ausgangsmaterial verkehrt herum abgespielt wird, sondern eben nur Teile des aktuell zu hörenden Ausgangsmaterials. Somit verläuft eine Melodie mit Reverse trotzdem noch in die richtige Richtung, weshalb die Noten zum Rest der Komposition passen. Selbiges gilt natürlich auch für Grooves. Würde man einen Drumloop rückwärts abspielen und dem Original hinzumischen, käme für gewöhnlich nur Kuddelmuddel dabei heraus. Deshalb laufen mit Reverse einzelne Sounds zwar rückwärts,  während der Gesamtverlauf in der originalen Abspielrichtung vonstatten geht. Im ersten Audiobeispiel hört ihr ein Gitarrenriff, das zunächst normal abgespielt wird. Anschließend hört ihr dasselbe Riff noch einmal  komplett rückwärts abgespielt, was ich im Sample Editor der DAW eingestellt habe. Im zweiten Klangbeispiel hört ihr nochmal das Ausgangsmaterial und daraufhin den Reverse-Effekt des Plugins. Hier lässt sich gut erkennen, dass die Melodie insgesamt zwar in der richtigen Abspielrichtung verläuft, die einzelnen Noten jedoch rückwärts erklingen. Hört man sich den Unterschied zu den restlichen Spuren an, liegt der klangliche Vorteil des Plugins auf der Hand!

SlowMo

In Trap- und Grime-Beats hört man immer häufiger Spuren, die stellenweise in halber Geschwindigkeit abgespielt werden.  Dieser Effekt wird dadurch erzielt, dass die Tonhöhe tiefer abgespielt wird. Natürlich könnte man auch diesen Effekt ebenso mit nahezu jedem Sample-Editor erzielen. Doch mit SlowMo hat Initial Audio ein handliches Plugin am Start, mit dem ihr diese Aufgabe bequemer und in Echtzeit erledigen könnt.

SlowMos Bedienoberfläche ist ebenso übersichtlich aufgebaut wie die des Reverse-Plugins: Der Effekt lässt sich via On/Off bypassen oder mit dem Mix-Regler zum Originalklang hinzumischen. Stellt ihr 100 % ein, wird der Track in halber Geschwindigkeit abgespielt. Mischt man den Effekt nur leicht hinzu, beispielsweise auf einer Drumspur, können im Handumdrehen interessante Polyrhythmen erzeugt werden, ohne viel dafür tun zu müssen. Mit den darüberliegenden Buttons könnt ihr auswählen, wie lang der Teil sein soll, den das Tool in halber Geschwindigkeit abspielt. That’s it!

Natürlich gibt es auch andere Plugins, mit denen sich dieser Effekt erzielen lässt. Die Jungs von Cableguys haben mit HalfTime ein vergleichbares Effekt-Plugin im Sortiment, das wir bereits im Test hatten. In HalfTime können zusätzlich zwei weitere  Geschwindigkeiten ausgewählt werden und ein Filter ist auch dabei, was die Sache nochmal flexibler macht. Wahrscheinlich wollte man bei Initial Audio die Bedienung des Plugins simpel halten und die Funktionen somit aufs Wesentliche beschränken. Schade, denn wie auch bei Reverse würde ich mir für SlowMo zumindest eine Filtersektion wünschen, um Frequenzüberlagerungen von Original und Effektsignal zu vermeiden.

Fazit

Die Effektplugins Reverse und SlowMo aus dem Hause Initial Audio vereinen simple Bedienkonzepte mit hervorragendem Sound. Im Handumdrehen zaubert man stiltypische Effekte, wie man sie in modernen Trap- und Grime-Produktionen gut gebrauchen kann. Und klanglich halten sie das, was sie versprechen. Sowohl Reverse als auch SlowMo hätten von einer Filtersektion profitiert, um den Effekt sauber im Mix einzubetten. Wer Half-Speed- oder Reverse-Effekte sucht, die in wenigen Sekunden ans Ziel führen, bekommt – vor allem zum Einführungspreis von nur acht Euro – wirklich brauchbare Plugins für kleines Geld!

  • Pro
  • einfache Bedienbarkeit
  • genretypische Effekte
  • einstellbare Taktbereiche
  • schnelle Ergebnisse
  • Contra
  • Reverse und SlowMo ohne Filtersektionen
  • Features
  • Reverse
  • Rückwärtseffekte in Echtzeit
  • spielt folgende Taktbereiche rückwärts ab: 1/8, 1/4, 1/2, 1, 2, 4
  • On/Off-Button
  • Dry/Wet-Regler
  • Fade-Regler
  • SlowMo
  • Echtzeit-Halfspeed-Effekt
  • spielt Längen von 0,5 bis 8 Takten in halber Geschwindigkeit und Tonhöhe
  • On/Off-Button
  • Dry/Wet-Regler
  • Systemvoraussetzungen: Windows mit VST-fähiger DAW (32- oder 64-Bit), macOS mit AU- oder VST-fähiger DAW (64-Bit), Internetverbindung
  • Preis
  • je EUR 43,09 (UVP) / Einführungspreis aktuell: je EUR 8,61
Veröffentlicht am 26.08.2019

Audiobeispiele

Pro & Contra

  • einfache Bedienbarkeit
  • genretypische Effekte
  • einstellbare Taktbereiche
  • schnelle Ergebnisse

  • Reverse und SlowMo ohne Filtersektionen

Verwandte Artikel

User Kommentare

Zum Seitenanfang
ZUR STANDARD WEB-ANSICHT X