Software
Test
5
22.04.2016

Praxis

Bevor wir uns nun den weiteren Funktionen der Software zuwenden, stellt sich die Frage nach dem Setup. Wer mit einem Kopfhörer unabhängig vom Playout-Signal vorhören möchte, sollte sich entweder ein Splitter-Kabel besorgen, das zwei separate Monosignale (A/B) via Stereoklinke ausspielt, einmal für den Preview-Signalpfad, einmal für den Master. Kostet rund 20 Euro und reicht für Hobby-DJs erste Schritte definitiv aus. Wer es professioneller mag, arbeitet mit einem externen Vierkanal-Audiointerface, das von der App, so unterstützt, eingerichtet wird.

Das Routing lässt sich in den Settings, wo sich die üblichen Einstellungen zu Pitch, Audio, Jogwheel und Co vornehmen, ändern. Einen „External Mixer Mode“ zur Ausgabe der einzelnen Decks an je einen Stereo-Channel, um sie dann in ein echtes Mischpult zu leiten, bietet das Programm im Gegensatz zu Traktor DJ nicht an. Als Controller unterstützt deej nur den Akiyama TTWO und den DJ2Go. Die habe ich beide nicht hier, also muss das flachfallen. Eine alternative Hardware ist mangels MIDI-Learn nicht zu mappen. Als Interface wähle ich für diesen Test das Griffin DJ Connect mit je einem Headphone-Anschluss und Stereo-Cinch-Masterausgang.

Die Kabel sind gesteckt, der Lade-Button auf dem Hauptbildschirm blinkt mich fröhlich an und schnell – auf meinem iPad Air 2 innerhalb von 3 (!) Sekunden - sind die Titel im Player inklusive Wellenvorschau startklar. Hut ab. Während der Titelselektion stehen euch die Kategorien Playlists, Künstler, Songs, Alben und Discover (Anmerkung: iTunes Store) zur Verfügung. Dazu kommt der Reiter Beats, wo ihr bereits analysierte Titel fein säuberlich nach BPM gelistet findet. Hier würde ich mir für das nächste Update noch die Tonart fürs Harmonic-Mixing wünschen und für die Library grundsätzlich Sortierfunktionen.

Ist der Track eingestartet, lässt er sich mit dem Pitchfader zehntelgenau im Tempo abstimmen. Wer mag, betätigt + oder - für je einen Zehntelprozent-Schritt. Das Regelintervall (5, 10, 15, 20 Prozent) könnt ihr dabei vorgeben. Alternativ lässt sich das Tempo auch einklopfen und halbieren/verdoppeln. Angeschubst und gescratcht wird mit dem Jogwheel je nach gewähltem Modus (CD/Vinyl). Wem das alles zu aufwändig ist, der bemüht die automatische Tempo/Taktsynchronisation, die bei meiner House/Techno-Playlist weitgehend gut funktioniert, aber zu Tonhöhenverschiebungen (Mickey Mouse/Darth Vader) führt, da es keinen Keylock respektive Timestretcher/Compressor gibt.

Das Mixen selbst über die virtuellen Channelfader und den Überblendregler, den ich lieber unten gesehen hätte, indes geht problemlos von der Hand. Ein nettes Detail: Wenn man an den Frequenzen schrauben will, bläht sich der angefasste EQ auf gut die doppelte Größe auf, sodass man ihn besser tweaken kann. Die EQs lassen sich über einen Doppelklick wieder zentrieren. Dennoch muss man bei impulsiveren Handlungen darauf achten, nicht die Quicklaunch-Leiste des iPad (Bluetooth, WLan, Air Drop und Co.) aufzuziehen. Ein Pop-Up-Fenster mit drei EQ-Fadern wie in Traktor DJ wäre mitunter ein Lösungsansatz hierfür, zumal sich Fader am iPad ohnehin besser bedienen lassen, als kleine Knobs. Dann noch Autogain für die (leiseren) Titel und der Hersteller könnte zwei weitere Drehknöpfe einsparen. Ein Blick auf die FX:

Beim Setzen von Loops, Pitch-Bending oder Scratchen via Jogwheel zoomt das Programm in die Waveform hinein und zeigt die Schleife und Beatmarker an. Ein nettes Detail. Die Loop-Abteilung funktioniert auf dem Fuß, allerdings werden die taktgenauen Schleifen nicht quantisiert auf den Beat gesetzt. Dennoch dürft ihr die Beats pro Phrase in den Settings (-/1/2/4/8) festlegen, was für die Track-Synchronisierung, den Wiedergabebeginn nach einer Seek-Funktion und den Loop-Release im Slip Modus relevant ist. Die Effekte, wo wir das Fenster schon mal offen haben, bewegen sich klanglich im Mittelmaß und eignen sich eher zum gelegentlichen Herumspielen.

Sicher ist euch auch schon der Rec-Button ins Auge gesprungen, der eure Performance als m4a-Datei für die Nachwelt festhält. Ein integrierter Preview-Player erlaubt innerhalb der App das Anhören des aufgezeichneten Tracks, bevor ihr ihn verteilt. Dies kann via Dropbox, Sound- oder Mixcloud erfolgen oder ihr bannt die Datei über iTunes auf den Rechner. Deej erlaubt zudem auch Audio Copy-Paste.

Schade nur, dass deej keinen Streaming Service integriert hat, auch in Hinblick darauf, dass die App Splyce aus gleichem Hause mit Pulselocker zusammenarbeitet. Splyce Premium (2,99 €) bekommt derjenige aktuell kostenlos on-top, wer deej und Splyce im Music Lover Bundle für 5,99 statt in der Einzelversion kauft. Kein schlechter Deal, wie ich finde, denn Splyce ist eine sehr interessante App, die in einigen Teilen sehr an Serato Pyro erinnert, nur mit deutlich mehr durch den User festlegbaren Optionen. Ob die App besser als Pyro ist, das wird  unser Test ans Licht bringen, der bereits in vollem Gang ist. Trotzdem muss man sich vor Augen halten, dass Algoriddim Djay 2 und Traktor DJ zumindest für iPhone preiswerter sind (für iPhone 2,99/1,99 € und für iPad 4,99/9,99 €) und meiner Meinung nach einfach mehr zu bieten haben.

Schließlich möchte ich noch erwähnen, dass deej ein umfangreiches integriertes Handbuch bereitstellt, mit dem sich Einsteiger gut zurecht finden werden. Ebenso wissenswert: Aktuell kann man zwischen drei unterschiedlichen Design-Templates auswählen, einmal etwas minimalistisch, einmal eher klassisch, auch was die Wellenformen betrifft, und einmal knallbunt als Aquarell. Das sieht dann so aus.

Audiobeispiele

Pro & Contra

  • Ordentliche Performance
  • Inter-App-Audio-fähig
  • Passables Funktionsangebot
  • Unterstützung externer Mehrkanal-Audiointerfaces
  • Split-Option
  • Austauschbare Skins
  • Gute Loop- und FX-Steuerung
  • Integrierter iTunes-Store

  • Kein Keylock
  • Nur ein Cuepoint, keine Hotcues
  • Kleinere Layout-Aspekte (EQs, CF...)
  • iTunes only, kein Streaming-Dienst

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