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Feature
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05.10.2020

Interview mit der Schlagzeugerin Linda-Philomène Tsoungui

Das volle Programm

Wer heute so durch die sozialen Medien surft, stellt fest, dass an jungen, aufstrebenden Drummer*innen offensichtlich kein Mangel herrscht. Fills und Chops von atemberaubender Geschwindigkeit füllen da die Timelines, das technische Niveau selbst von Kindern wirkt beeindruckend. Auch unsere heutige Gesprächspartnerin Linda-Philomène Tsoungui erfreut sich einer großen Followerschaft bei Instagram. Die junge Schlagzeugerin gehört jedoch zu jenen Musiker*innen, die ihre spielerischen Aktivitäten hauptsächlich in der realen Welt ausüben, und das ziemlich erfolgreich. Ihre Creditliste umfasst angesagte Künstler*innen wie Moses Sumney, Megaloh, Mine, Fatoni und Loredana, internationale Touren standen auch schon auf dem Programm. 

Einem größeren Drummerpublikum wurde Linda-Philomène durch Videos bei YouTube bekannt, in denen sie sich nicht nur als sehr musikalische, sondern auch technisch äußerst ausgecheckte Schlagzeugerin präsentiert. Anders als viele andere junge Musiker*innen kann sie auf eine umfangreiche Ausbildung sowohl im klassischen als auch im Popmusikbereich zurückblicken. Im Interview erzählt sie mir, warum sie diesen Weg eingeschlagen hat und warum das Drumset erst relativ spät eine Rolle in ihrer Entwicklung gespielt hat. Auch über ihre wichtigsten musikalischen Einflüsse, ihre Überoutinen und die Bedeutung von sozialen Medien haben wir uns unterhalten. Und – natürlich – über die Frage, wie Corona ihren Beruf als Livemusikerin gerade verändert und was sie sich von der weiteren Entwicklung erhofft. 

Hey Philo, wir sitzen in meinem Studio in Bremen, du wohnst seit Kurzem hier in der Nähe. Bieten Berlin, Hamburg, Mannheim oder andere Städte nicht viel mehr für eine Livemusikerin wie dich?

Nach dem Ende meines Studiums an der Popakademie in Mannheim wäre der logische Plan tatsächlich gewesen, nach Berlin zu gehen. Aber irgendwie habe ich gerade kein gutes Gefühl, mich dort in der jetzigen (Corona-)Situation in das Haifischbecken zu werfen. Hamburg wäre natürlich auch eine Option gewesen, aber ich habe das Gefühl, dass sich Bremen zu so einer Art musikalischem Hotspot entwickeln könnte. Außerdem ist Hamburg nahe und man kann sich das Leben hier noch leisten. Dass ich hier in Bremen – oder genauer: in Weyhe (ein Nachbarort, Anmerkung des Autors) – gelandet bin, hat aber auch private Gründe. 

Du bist eine junge, gleichzeitig aber sehr „komplett“ ausgebildete Musikerin. Du hast sowohl ein klassisches als auch ein Jazzstudium absolviert, dazu noch die Popakademie. Diese Intensität der Ausbildung ist heute eher selten, auch die Kombination. Warum hast du das so gemacht? 

Ich bin in Hof ausgewachsen und dort in die Musikschule gegangen. Die wiederum ist an das örtliche Orchester angegliedert, die Ausrichtung ist also schonmal eher klassisch geprägt. Anders als viele andere, die sich eher für's Drumset begeistern, war ich die ersten Jahre komplett auf das klassische Schlagwerk fokussiert. Dazu muss man wissen, dass es im klassischen Bereich schon sehr strukturiert zugeht, es gibt Wettbewerbe und Prüfungen nach festgelegten Mustern. Das erfordert schon viel Disziplin, besonders wenn man – wie ich damals – den Plan hat, Orchestermusikerin zu werden. Die ganze Prozedur ist gleichzeitig viel messbarer als im Drumset-Bereich. Wer viel übt und die Leistungsvorgaben erfüllt, steigert seine Chancen auf einen Platz im Orchester. Bei mir kam noch das gute Gefühl dazu, dass sich viele Leute für das interessieren, was ich dort mache, weil ich auch viel geübt habe und deswegen erfolgreich alle Stationen absolviert habe. Ich war damals so 14 oder 15 Jahre alt und habe echt viel geackert, weil mein Ziel eben der Beruf der klassischen Schlagwerkerin war. 

Hast du damals auch Drumset gespielt?

Ja, schon, aber es war eher so ein bisschen Rebellion. Der Fokus lag ganz klar auf der Klassik, die Beschäftigung mit Drumset und Bands wurde auch von meinen Lehrern als Ablenkung gesehen. Dazu kommt auch so ein bisschen Arroganz der Szene nach dem Motto: „Wir machen hier in der Klassik so komplexe Sachen, arbeiten und leiden hart, dagegen ist Drumset ja einfach“. Das entspricht natürlich nicht den Tatsachen, der Beruf der Drumset-Spielerin erfordert natürlich genau dieselbe Hingabe. Im dritten Jahr meines Bachelor-Studiengangs fing bei mir dann die Begeisterung für das Drumset an und ich habe auch in meiner Bachelorprüfung versucht, ein bisschen davon einzubauen und weniger traditionell und regelbasiert vorzugehen. 

Parallel habe ich mich für den Jazzstudiengang in München beworben, wurde auch angenommen und habe dann aber festgestellt, dass mich bestimmte Dinge sehr an den klassischen Bereich erinnern. Insgesamt bin ich dort nicht so glücklich geworden, weil ich mehr Freiheit und Improvisation erwartet hatte. Ich wollte einfach freier agieren und meine eigene Stimme finden. Und in dieser Zeit wurde mir dann klar, dass diese Art des institutionellen Lernens nicht mehr das ist, was ich eigentlich machen möchte. Irgendwann hatte ich eine Begegnung mit Moritz Müller, der mich darin bestärkt hat. Der fand es nämlich ganz selbstverständlich, dass man einen Part, den 25 Musiker*innen bisher auf eine bestimmte Art gespielt haben, natürlich dann anders spielt. Wie will man sonst herausstechen aus der Masse? Diese Freiheit war für mich eine totale Offenbarung, mir wurde dann klar, dass das Universum, in dem ich bis dato unterwegs war, einfach bestimmte Optionen ausgeschlossen hat. Das Ergebnis war, dass ich mich dann für die Popakademie in Mannheim beworben habe und auch angenommen wurde. Diese Entscheidung war auch wirklich das Beste, was ich machen konnte. Dort hatte ich das Gefühl, dass meine musikalische Persönlichkeit anerkannt und gefördert wurde. Auch meine Freiheiten waren viel größer.

Hattest du es dort leichter aufgrund deiner großen Vorbildung durch die anderen Studiengänge?

Ja, vielleicht teilweise. Aber ich musste in vielen Bereichen auch extrem viel nachholen. Beispielsweise spielt das Thema Koordination im klassischen Bereich eine viel kleinere Rolle. Ich habe mich die ersten anderthalb Jahre in der Popakademie wirklich eingeschlossen und echt viel geübt, um da alle Unsicherheiten für mich auszugleichen. Ein anderer Teil ist das Thema Sound. In der Klassik wird da zum einen viel vorausgesetzt, zum anderen spielt die Exaktheit des Notentextes eine übergeordnete Rolle. Im Popbereich ist das ganz anders, schließlich definiert der individuelle Sound der Spieler*innen maßgeblich die spielerische Handschrift.

Offensichtlich bedienst du eine sehr große musikalische Bandbreite zwischen Theater/Kunstperfomances, experimenteller Musik, New Jazz (inkl. swagiger Sachen) und HipHop. Wie bist du in die Szene herein gekommen? Was muss man – aus deiner Perspektive – heute können, um engagiert zu werden? 

Also, da hingekommen zu sein, wo ich jetzt bin, hat sicherlich auch damit zu tun, dass ich oft zur richtigen Zeit am richtigen Ort war. Aber ich habe eben auch wirklich viel gearbeitet und eine Zeitlang auch alles angenommen, was mir angeboten wurde, so ganz klassisch. Ich habe immer versucht, keine Fragen offen zu lassen, war immer gut vorbereitet und strukturiert. Teilweise hatte das auch mit Unsicherheit zu tun, denn ich wollte einfach nicht, dass man mir vorwerfen kann, einen Job nicht gut erledigt zu haben. Das kam aber auch aus meiner Sozialisation von der Klassik, dort war beispielsweise pünktliches Erscheinen und eine entsprechende Vorbereitung eine absolute Selbstverständlichkeit. 

Das hört sich wirklich nach den klassischen Tugenden an, die schon vor Jahrzehnten von bekannten Drummern in Interviews angeführt wurden. Glaubst du, dass sich die Prioritäten in Zeiten von sozialen Medien verschoben haben? Wird man eher engagiert, wenn man viele Follower hat? Was hat sich verändert?

Man darf die sozialen Medien nicht unterschätzen und man sollte sich möglicherweise dort auch nicht komplett rausnehmen. Das ist eben in unserer Branche auch eine wichtige Quelle, dort verifizieren sich die Leute und zeigen, dass sie da sind und was sie können. Auf der anderen Seite erfordert das Unterhalten der Seiten aber eben auch eine Menge Zeit. In meinem Fall ist es so, dass ich schon einige Follower habe, das liegt aber auch daran, dass ich durch meine realen Projekte schon eine gewisse Bekanntheit erlangt habe. Dann posten meine Endorsement-Firmen auch ab und zu mal was oder größere Seiten teilen mal ein Video. Das ist so eine Art Schneeball, der einfach läuft und sicherlich positive Effekte darauf hat, wie ich wahrgenommen werde. Andererseits würde ich niemals Energie in Instagram stecken, die mir dann als reale Zeit am Drumset oder bei der Vorbereitung oder sogar bei der Büroarbeit fehlt. Mein Fokus liegt ja beim „echten“ Spielen mit Menschen. Wenn ich also alles darauf ausrichte, beim nächsten Instagram-Video zu glänzen, anstatt mich auf einen Gig vorzubereiten, wird sich das schnell enttarnen. 

Das ist interessant, denn einige Drummer wollen heute ja gar nicht mehr live spielen, sondern konzentrieren sich tatsächlich darauf, nur innerhalb der sozialen Medien und der Netzwelt erfolgreich zu sein. 

Klar, das ist bestimmt bei einigen so. Für mich ist das aber eher Mittel zum Zweck. Vor drei Jahren habe ich beispielsweise eine große Tour mit einem chinesischen Popkünstler gespielt, der mich bei Instagram gefunden hat. Oder Leute fragen mich, ob ich mal was für sie aufnehmen kann. Da können sich also wirklich tolle Dinge draus entwickeln. Trotzdem versuche ich immer, mich nicht in diese Dopamin-Ausschüttungsabhängigkeit zu begeben (lacht). 

Übst du aktuell? Und wenn ja, was?

Seit ich den Raum hier in Bremen habe, übe ich wirklich wieder viel und täglich. Das ist ausnahmsweise ein positiver Effekt der Corona-Situation. Vorher habe ich oft nicht mehr soviel geübt, sondern mich eher auf Gigs vorbereitet. Das ist jetzt anders und ich genieße das auch mal wieder sehr. Mein Fokus liegt aktuell ganz stark auf den Subdivisions. Alle meine Lieblingsdrummer*innen haben gemeinsam, dass sie alle Schläge extrem bewusst spielen, und ich denke, dass der Schlüssel die exakte Umsetzung der Unterteilungen ist. Also mache ich gerade diese ganzen basis-mäßigen Dreier, Fünfer, Siebener und so weiter. 

Man übt ja alleine. Wann weißt du, dass du beim Üben gut bist, dass du dein Etappenziel erreicht hast?

Ich glaube, das hat in erster Linie mit Erfahrung zu tun. Ich habe ja lange studiert, und dort lernt man irgendwann, sein Gehör dahingehend zu schärfen, dass man eben keine*n Lehrer*in mehr braucht, um zu wissen, wann etwas wirklich sitzt. Allerdings habe ich auch einen recht hohen Anspruch an mich selbst, es dauert immer ein bisschen, bis ich zufrieden bin (lacht). Aber insgesamt versuche ich, mir immer bewusst zu machen, wo ich gerade stehe und mich nicht nur davon abhängig zu machen, ob andere ein Herzchen drunter klicken. Ich nehme mich auch viel auf und kann so ganz gut meine Fortschritte oder Veränderungen dokumentieren. Dadurch fallen mir oft auch Dinge auf, die ich beim Spielen selbst nicht so stark wahrnehme. Da bin ich dann vielleicht auf die richtige Umsetzung von Doubles zwischen linker Hand und rechtem Fuß konzentriert, beim Checken des Audios merke ich dann aber, dass das eigentliche Problem darin liegt, dass die begleitenden Achtel der rechten Hand gar nicht sauber sind. Das Aufnehmen hilft mir also stark, ich werde dadurch dann meine eigene Lehrerin. Ein weiterer Punkt sind oft Details beim Aufbau und der Sitzhöhe. Oder die Federspannung der Fußmaschine. Ich finde, da lohnt es sich total, aufmerksam zu checken, ob das alles für oder gegen einen arbeitet. 

Stichwort Drumheroes. Was sind deine?

Es gab früher den Vic Firth Podcast, den habe ich immer auf diesem winzigen iPod Nano gesehen. Eine Folge war Chris Coleman, wie er an seinem riesigen Acrylset sitzt und zum Metronom Subdivisions erklärt. Das habe ich echt hoch und runter geguckt und finde es immer noch höchst beeindruckend. Ein weiterer Hero und quasi mein Einstieg in die Drumsetwelt war Mark Colenburg. Der spielte damals mit Robert Glasper in München, und das war das erste Konzert, das ich damals bewusst gesehen hatte, was nicht klassisch war. Ich hatte Pause zwischen zwei Seminaren und ein paar Kumpels aus dem Jazzbereich haben mich gefragt, ob ich nicht mitkommen möchte. Und dieses Konzert hat meine ganze Perspektive verändert und so viel bewirkt. Später habe ich dann natürlich noch Chris „Daddy“ Dave entdeckt, und auch der ist immer noch einer meiner Heroes. 

Der Kampf um die Frage, ob „Groove“ oder „Chops“ wichtiger sind, tobt nach wie vor. Du beherrschst beides. Bringen Chops die Bewunderung anderer Drummer im Netz und Groove die Jobs im realen Leben? Was sagst du dazu?

Ohne gute Time und einen konstanten Groove bekommt man im realen Leben keine Gigs, würde ich einfach mal behaupten. Das ist einfach die Voraussetzung, um als Live- und Sessiondrummer*in zu arbeiten. Aber trotzdem finde ich, dass beide Teile eng zusammenhängen. Ich beschäftige mich in letzter Zeit ziemlich viel mit diesen ganzen Chops, weil ich gemerkt habe, dass sie mich im Bereich Sicherheit und Mikrotime schulen. Und ich habe auch festgestellt, dass ich dadurch lerne, in größeren Bögen zu hören. 

Da muss ich an Jojo Mayer denken, der mal sagte, es ginge nicht darum, wie schnell man spielen kann, sondern vielmehr wie schnell man hören kann.  

Oh ja, absolut. Das stimmt sicherlich. Es geht ja auch nicht nur um reine Geschwindigkeit, sondern auch darum, die ganzen Subdivisions parat zu haben und sowohl richtig zu spielen als auch zu hören. Je feiner das Raster ist, desto genauer muss es sein. Und das wiederum wirkt sich direkt auf das Groove-Empfinden aus. 

Erzähl doch mal ein bisschen was zu deinem Instrumentarium. Welche Sounds braucht dein persönliches Lieblingsset? Passt du deine Instrumente an den jeweiligen Künstler an? 

Ich selber mag aktuell diese trockenen, aufgeräumten Sounds sehr gerne. Die passen zum Glück auch zu vielen Produktionen, für die ich gebucht werde. Ansonsten gibt es vor Touren oft eine mehrtägige Produktionsprobe in einem Club, dort checken die Tonleute dann, ob mein Sound schon passt, oder ob Veränderungen passieren müssen. Meistens bin ich dann schon recht nahe dran, weil ich schließlich die Musik und die entsprechenden Sounds der Produktion schon kenne. Es kann aber sein, dass kleine Veränderungen vorgenommen werden, also beispielsweise die Bassdrum anders gestimmt werden muss oder etwas andere Becken besser klingen. Das ist aber alles im Rahmen, richtig daneben liege ich eigentlich nie. Ansonsten ist es natürlich immer auch eine Geschmacksfrage der Künstler*innen. 

Lass uns über die Dinge sprechen, die eigentlich gar nicht mehr der Rede wert sein sollten, es aber immer noch sind. Welche Erfahrungen hast du als Drummerin gemacht? Hast du das Gefühl, dich beweisen zu müssen?

Mittlerweile würde ich sagen, dass ich mich nicht mehr beweisen muss. Die Künstler*innen, mit denen ich zusammenarbeite schätzen es, dass ich dort sitze und etwas Weiblichkeit und Diversität in eine vornehmlich männliche und weiße Branche bringe. Ich bringe Geschichten und Erfahrungen mit, mit denen die meisten noch nie ernsthafte Berührungen hatten. Das wird mir zumindest ab und an kommuniziert. Andererseits habe ich viel dafür getan, dass ich die Gigs spiele, die ich jetzt spiele und hätte sie nicht bekommen, wenn ich dafür nicht vorbereitet gewesen wäre. Klar begegnen mir manche mit Skepsis und ich bin ab und an mit dem Vorurteil konfrontiert, dass Frauen nicht so kompetent seien wie Männer. Das ist natürlich immer wieder ernüchternd und anstrengend. Andererseits brauche ich keine Almosen, denn ich weiß im Grunde, was ich kann. Und ich arbeite immer noch permanent hart daran, mich zu verbessern und weiter zu entwickeln. 

Man muss aber sagen, dass sich in der Szene schon viel geändert hat, auch durch andere Frauen, die in der Öffentlichkeit als Drummerinnen sehr präsent sind. Ich denke, es spielen auch einfach viel mehr Frauen heutzutage Schlagzeug, und dadurch rücken einfach die spielerischen Fähigkeiten wieder in den Vordergrund. Dass in unseren Gesellschaften bestimmte Erwartungen an bestimmte Geschlechterkonstruktionen gestellt werden und gerade in der Musikszene auch das Optische eine große Rolle spielt, davon können wir uns trotzdem erst einmal nicht freimachen. Bis sich das vollständig aufgelöst hat, werden sicherlich noch ein paar Jahre ins Land gehen und einige Kämpfe ausgetragen werden.

Insgesamt finde ich das Thema wirklich total wichtig und spreche darüber auch gerne mit Schlagzeugerinnen. Mir fehlten früher nämlich entsprechende Identifikationsfiguren, die mich auch musikalisch und inhaltlich abgeholt hätten. Und darum ging es mir ja im musikalischen Aufwachsen. Heute tausche ich mich sehr gerne darüber aus, denn vielleicht hilft es auch anderen Drummerinnen, ihren Weg leichter zu finden. 

Apropos Austausch: Unterrichtest du eigentlich?

Ja, seit Corona allerdings online. Insgesamt unterrichte ich auch sehr gerne, eben gerade weil der Austausch da so direkt ist. Wer also Hilfe bei spezifischen Schlagzeugthemen benötigt, kann mich immer gerne kontaktieren. 

Corona scheint gerade einen Teil der deutschen Kulturszene zu ruinieren. Speziell größere Livegigs rücken in weite Ferne. Was bedeutet das für deine Arbeit? 

Ich habe das Gefühl, dass wir Berufsmusiker*innen jetzt krass merken, wie dünn das Eis ist, auf dem wir stehen. Ich habe jetzt seit 2011 studiert, extrem viel geübt, Netzwerke aufgebaut und stand eigentlich an einem Punkt in meiner Entwicklung, wo ich bestimmte Dinge erreicht hatte. Ich habe mir mit viel Arbeit einen gewissen „Wert“ erspielt und jetzt hätte es richtig losgehen können. Dann kam Corona und hat das alles von einem auf den anderen Tag weggezogen. Ich brauchte bestimmt zwei Monate, um mich erstmal mit der Situation zu arrangieren. Es war eben nicht so, dass ich dann mal eben schnell auf die sozialen Medien geswitcht habe, im Gegenteil. Wenn du dort keine enorme Followerschaft hast, kannst du damit alleine auch einfach kein Geld verdienen. Ich hatte zum Glück etwas gespart, sodass ich nicht sofort auf staatliche Hilfe angewiesen war. Aber wesentlich länger dürfte dieser Zustand nicht anhalten. 

Ich fände es toll, wenn die gesellschaftliche Aufmerksamkeit ein bisschen stärker auf unsere Branche gerichtet wäre und wir mehr als „richtige“ Berufstätige wahrgenommen würden. Momentan habe ich das Gefühl, dass viele denken, nur weil sie auf kulturelle Veranstaltungen verzichten können, dass wir Kulturschaffende das auch problemlos könnten. Aber das ist eben absolut nicht so. Gerade wenn man sich klarmacht, wie viele Stunden und Jahre man mit der Perfektionierung seiner Fähigkeiten zugebracht hat und dann merkt, wie wenig Wert dem tatsächlich beigemessen wird, wenn es um staatliche Hilfen geht. Hier müsste wirklich ein Sinneswandel stattfinden, sonst wird es vielleicht zu spät sein. 

Ich danke dir für das Gespräch, Philo!

  • Philos Equipment
  • Tama Starclassic Walnut/Birch 
  • 22“x14“ Kick
  • 10“ Rack
  • 12“ Rack
  • 14“ Floor
  • 16“ Floor 
  • Tama S.L.P Fat Spruce 
  • 20“x14“ Kick
  • 14“ Snare
  • 12“ Rack 
  • 14“ Floor
  • 16“ Floor
  • Tama Cocktail Jam Kit 
  • Snares: 
  • S.L.P Classic Dry Aluminium 14“ x 5,5“
  • S.L.P Big Black Steel 14“ x 8“
  • S.L.P Duo Birch 14“ x 10“
  • Metalworks 13“ x 4“
  • Metalworks 10“ x 5,5“
  • Becken:
  • Meinl Byzance 
  • 22“ Jazz Tradition Ride
  • 22“ Big Apple Ride 
  • 20“ Jazz Medium Thin Crash
  • 18“ Extra Dry Crash
  • 18“ Dual Trash Crash 
  • 18“ Vintage Trash Crash 
  • 18“ Jazz Thin Crash 
  • 16“ Extra Dry Crash 
  • 16“ Extra Dry HiHat
  • 15“ Foundry Reserve HiHat 
  • 15“ Jazz Thin HiHat 
  • Electronics:
  • Roland
  • Native Instruments
  • Ableton 
Veröffentlicht am 05.10.2020

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