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Feature
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05.09.2017

Interview und Gear-Chat: Jan „Stix" Pfennig

Hintergrundinfos zum Video, Equipment und...

...zu seinem elektronischen Spider-Pedaltechnik-Setup

Lese ich „spider“, kommen mir folgende Bilder in den Sinn: Der alte rote Alfa meines Vaters, die mühelos kletternde Comicfigur und die aberwitzige Fußtechnik des Jan „Stix“ Pfennig. Diese „spiderpedaltechnic“ demonstriert der sympathische Wahlberliner im folgenden Video in komplett elektronischem Umfeld, mit jeweils vier Roland E-Pads für Füße und Hände, Macbook Pro, Drum-to-MIDI-Converter und Ableton Live.

 

Da beim Staunen auch kleine Fragezeichen aufpoppten, morse ich geschwind rüber in die Hauptstadt … – . — .. .. –  . Mensch Jan, deine überragende Technik und Unabhängigkeit finde ich grandios, diese extreme Grundlage jetzt aber mal im reinen E-Drum-Kontext zu erleben, ist wegweisend. Denn dort verbindest du die elektronische Klangästhetik mit der Programmierungsidee mehrerer übereinander gelegter Schichten aufs Typischste, bis hin zum schier Unmöglichen. Nämlich zwei sich überlagernde Grooves, Main- und Additional-Loop, gleichzeitig zu trommeln. Das hebt den Echtzeitgedanken des elektronischen Livesets auf ein neues Level – Chapeau! Die folgende Fragen beziehen sich auf die strombasierte Technik, das elektronische Setup.

Mit den Roland Pads triggerst du Samples in Ableton Live. Hast du die Sounds selbst aus den Breaks ausgeschnitten?

Jan: Ja, ich habe viele meiner Drumsamples aus Drumloops herausgeschnitten. Bei meinem aktuellen Video sample ich zum Beispiel den original Amen Break: Ich habe mir den kompletten Song einfach bei YouTube gezogen, dann die Stelle mit dem Drumsolo rausgesucht und das Originaltempo getappt (irgendwo im Bereich 140/150 bpm), dann noch das Drumsolo aufs Grid/Raster gebracht und einen kompletten Takt im Originaltempo herausgeschnitten. Diesen Takt habe ich gewarpt und danach den Warp-Modus auf „Re-Pitch“ geändert, nun noch das Tempo auf Drum&Bass Tempo eingestellt (ich nehme 178 bpm), und schon klingt der Takt beim Abspielen schön Jungle-mäßig durch den höher gepitchten Sound…Dann schneide ich die einzelnen Instrumente Kick, Snare, Ghostnote und Ride noch heraus. Ich habe darauf geachtet, dass die Länge des Kick, Snare und Ride Samples eine Achtelnote beträgt, und zwar aus folgendem Grund: Auf dem Kick und Snare Sample ist der Ride Sound ja auch noch zu hören – wenn ich jetzt linear die Samples der Reihe nach als Achtel auf 178 bpm spiele (Kick-Ride-Snare-R-R-K-S-R), dann würden bei einer kürzeren Notenlänge Lücken entstehen und das Ride-Becken klänge immer wie abgeschnitten. Bei einer Notenlänge von einer Achtelnote hört man dann einen schönen durchgängigen Rausche-Ride Sound. Die Ghostnote habe ich ganz kurz geschnitten und spiele sie noch 16telig irgendwo dazwischen. Dieses Prinzip habe ich nicht nur beim Amen Break, angewendet, sondern auch bei anderen Loops, die ich in Einzelteile zerlege und dann linear abspiele.

Mit welchem Modul wandelst du die Triggerimpulse in MIDI-Noten um?

Jan: Ich benutze einen Drum-to-MIDI Converter, in diesem Falle das Alesis I/O. Das Alesis Modul wird einfach per USB-MIDI direkt an den Laptop angeschlossen, und schon kann ich die Samples in Ableton antriggern. Man kann aber jedes beliebige Drum-Modul benutzen, das einen Trigger-Eingang und einen MIDI-Ausgang besitzt.

Worin legst du die Sounds ab?

Jan: Ich lege meine Samples im Ableton Drumrack ab. Mein Drum&Bass Drum-Setup besteht aus zwei Drumsets: Links ein komplettes, bestehend aus Kick, Snare, Ride, Ghostnote, und rechts ein komplettes, bestehend aus Kick, Snare, Hi-Hat und einem Viertelnoten-Sound (z.B. ein Tambourin oder eine Ridebell) – also jeweils vier Samples pro Set. Diese zwei Drumsets gibt es dann in den verschiedensten Sound-Ausführungen: Amen Break-Set, Neurofunk-Set, Liquid-Set, Hard-Set, Thinkbreak-Set, Dry-Set, MainStage-Set, und so weiter (ich glaube ich habe mir ungefähr 40 verschiedene Soundsets so zurecht gebastelt). Anfangs habe ich aus Umschalt-Gründen für jedes einzelne Soundset ein eigenes Drumrack benutzt, als es dann immer mehr wurden, habe ich einen Trick angewandt und alle SoundSets in ein einziges Drumrack gestapelt (passte auch super, da es im Drumrack immer 4-Zeiler für die Samples gibt - also perfekt für meine vier Samples pro Set), als Umschalter zwischen den Sets dient jetzt ein Pitch Shifter, den ich einfach vor das Drumrack setze und per Poti oder Automation umschalte. So kann ich bei meinen Club-Gigs von Song zu Song die Drumsounds ändern lassen, ohne einen Finger zu bewegen (brauche sie ja zum Spielen ;-)

Spürst du die Latenz beim Spielen?

Jan:  Lange Zeit habe ich überhaupt nicht in Erwägung gezogen, Ableton Live als Soundmodul zu benutzen, da ich immer gehört hatte, dass die Latenz so unkomfortabel sein soll. Anfang diesen Jahres habe ich es mit einem Live-House Projekt dann das erste Mal ausprobieren müssen, und ich war überrascht, dass es super funktioniert und man ein sehr gutes Spielgefühl hat. Man muss natürlich den Sample-Puffer in den Ableton-Voreinstellungen so weit wie möglich runterschrauben. Ich habe ihn auf 64 Samples heruntergefahren. Seitdem ist Ableton das geilste und am schnellsten zu bedienende Soundmodul, das es gibt.

Als Audio Interface benutze ich das Traktor Audio 2. Das ist meeegapraktisch, weil es so tierisch klein ist, dennoch zwei Stereo-Outputs hat, womit man sich den Click für seine Backingtracks super auf seinen Kopfhörer/In-Ear legen kann. Vom Sound her ist es absolut professionell! Eigentlich für DJs gedacht, ist es meiner Meinung nach das perfekte Tool für Ableton-Drummer, die keine gesplitteten Signale (Einzel-Drums, Einzel-Bass, Einzel-Synthies etc.) zum FOH rausgeben müssen. Also keine Angst mehr vor der Latenz, kann ich nur sagen.

Fazit

Ganz nach meinem Geschmack: Geschichte und Technik (im doppelten Wortsinn) nutzen und dabei eine eigene Stimme finden – Yeah!

Zur Weiterbildung und Motivation möchte ich abschließend noch auf Jans Internetpräsenz, sein Buch „Swagdrumming“ , sowie auf seinen YouTube-Kanal hinweisen.

Veröffentlicht am 05.09.2017

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