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27.03.2016

Interview und Gear-Chat: Ilan Rubin

Der Schlagzeuger von Nine Inch Nails und Paramore im Gespräch

Laute Drums und noch viel mehr

Ilan Rubin war immer der Jüngste. Die Kombination aus großem Talent und unermüdlichem Fleiß brachte ihn bereits im zarten Alter von elf Jahren auf die Bühne des legendären Woodstock Festivals. Nicht minder rasant ging die Karriere weiter: Als Zwanzigjähriger tourte er mit keiner geringeren Band als den Nine Inch Nails um die Welt. Kein Wunder also, dass er sich nach einer so fulminanten Karriere in jungen Jahren irgendwann eine neue Herausforderung sucht. So tritt der Multiinstrumentalist Rubin nun selbst ans Mikrofon und verwirklicht sich mit „The New Regime“ den Traum der eigenen Band. Zwischen Welttourneen und Studioproduktionen mit Paramore, Angels & Airwaves und den Nine Inch Nails veröffentlicht er fortwährend neues Material seiner Band und geht damit nun erstmals auch auf internationale Tour. Per Skype sprach ich mit dem sympathischen Drummer aus San Diego über seinen Werdegang, seine Zukunftspläne und darüber, was es heißt, Profi zu werden.

Ilan, lass uns über „The New Regime“ sprechen. Du bist vielen als Drummer bekannt. In deiner neuen Band singst du aber nun und spielst Gitarre. Wie kam es dazu?

„The New Regime“ ist meine Band. Ich schreibe und produziere die Songs und spiele im Studio alle Instrumente selbst ein. Bei der Produktion hilft mir mein Bruder, der gleichzeitig Engineer in meinem Studio und auch mein Manager ist. Wenn es mal ein sehr großer, räumlicher Drumsound werden soll, suchen wir uns größere Aufnahmeräume in der Gegend von San Diego. Mit meinem Bruder mixe ich auch am Ende die Musik.

Ist The New Regime deine Hauptband oder eher ein Nebenprojekt, wenn du nicht mit großen Bands wie Nine Inch Nails oder Paramore unterwegs bist?

Es ist mein Prioritätsprojekt, mein Baby, wie auch immer man es nennen will, weil es die Verwirklichung all dessen ist, was ich als Musiker bin. Ohne angeberisch wirken zu wollen: Ich bin ein Komponist und kann alle Instrumente meiner Stücke so spielen, wie ich sie mir vorstelle, und das liebe ich so sehr. Ich stecke sehr viel Zeit und Energie in das Projekt und werde auch damit touren. Drei Jahre lang war ich mit Nine Inch Nails, Paramore und Angels & Airwaves unterwegs, und erst in den letzten Monaten konnte ich dann endlich ein wenig mit The New Regime spielen. Da mit den anderen Bands, in denen ich als Sideman spiele, erstmal nichts gebucht ist, fülle ich das Jahr jetzt mit möglichst vielen Tourdates mit meiner eigenen Band. Ich liebe Schlagzeugspielen, es ist aber manchmal auch ein bisschen frustrierend, wenn man beispielsweise ein Album einspielt, mit der Band tourt und dann einfach auf den nächsten Job warten muss. Das ist auf Dauer nichts für mich.

Bist du dann auch Solo unterwegs?

Nein, um den Sound der Platte umzusetzen, sind wir immer als Trio unterwegs. Der Bandsound ist ein bisschen rougher als auf den Alben, und die Truppe bringt eine tolle Energie auf die Bühne. Wir sind letztes Jahr drei Monate unterwegs gewesen und haben am Ende sogar noch Support Shows für Muse in Mexiko spielen dürfen. Für den Frühling wird gerade eine Tour geplant, mit der wir auch nach Europa kommen werden.

Du bist also ein echter Multiinstrumentalist. Wie hat das alles angefangen?

Schlagzeug war mit sieben oder acht Jahren mein erstes Instrument. Durch meine Brüder, die Bass und Gitarre spielen, habe ich mich mit etwa zwölf Jahren auch damit intensiv beschäftigt. Mir hat das so viel Spaß gemacht, und ich war einfach besessen davon, so gut wie möglich zu werden. Gleichzeitig war es aber auch sehr interessant, eine ganz andere Sicht auf die Musik zu haben, weil Schlagzeug ja durch und durch rhythmisch ist. Mit sechzehn Jahren hat mich dann auf einmal klassische Musik fasziniert, und ich habe angefangen, Klavier zu spielen. Später habe ich  festgestellt, dass es sich irgendwie recht nutzlos anfühlt, all diese Instrumente zu spielen und sie nicht zusammenzuführen und am Ende darauf zu singen. Also habe ich mit achtzehn Jahren sehr schüchtern angefangen, zu singen und Songs zu schreiben, was den Grundstein zu „The New Regime“ gelegt hat. Das hat sich dann zu einer regelrechten Sucht entwickelt: Songs schreiben, Multi-Tracking der Instrumente im Studio und die gesamte Produktion perfektionieren. Die Songs dann am Ende mit einer Band auf die Bühne zu bringen und sie ständig weiterzuentwickeln, ist das Größte für mich.

Du bist schon in jungen Jahren mit großen Bands um die Welt getourt. Wie kamst du zu solchen Traumgigs?

Wenn ich auf meine Karriere zurückblicke...

...mit 27 Jahren?

(lacht) Ja, das hört sich schon etwas komisch an, aber ich bin ja wirklich schon recht lange aktiv. Ich war sehr ungeduldig und wollte immer besser werden, mich einfach weiterentwickeln. Ich war zuerst mit meinen Brüdern in einer Band, aus der dann eine weitere hervorging, mit der wir schon früh durch Amerika touren durften. Die Band wurde dann vom Label fallen gelassen, wodurch ich wiederum Zeit hatte, bei den Lost Prophets zu spielen, was letztendlich zu Nine Inch Nails führte.

So einfach geht das also.

Irgendwie schon. Wir haben auf dem Reading und Leeds Festival direkt vor Nine Inch Nails gespielt, und Trent Reznor hat vom Bühnenrand aus zugeguckt. Als dann ein Jahr später Josh Freese die Band verließ, schrieb mir Trent eine Mail, und so bin ich mit zwanzig dort eingestiegen. Zwischen den Touren mit Nine Inch Nails habe ich dann für Angels & Airwaves und Paramore jeweils ein Album eingespielt und war mit beiden Bands unterwegs. Dazwischen und auf Tour habe ich konstant am Material für The New Regime gearbeitet. Das Album „Exhibit A“ habe ich beispielsweise während der Zeit mit Paramore erarbeitet und vor der zweiten Tour mit Nine Inch Nails veröffentlicht. Während dieser Tour habe ich dann das Material für „Exhibit B“ geschrieben und es sofort danach fertiggestellt und veröffentlicht.

Scheint so, als wären gleich mehrere Träume auf einmal in Erfüllung gegangen. Hast du immer bewusst an deiner Karriere gearbeitet oder ging es dir vorrangig nur darum, Musik zu machen?

Nun, dass ich mit Schlagzeug angefangen habe, war mehr ein Glücksfall. Wir hatten in unserer Garage ein altes Drumset von meinem Vater, das er zu Schulzeiten spielte. Ich habe also eigentlich nur damit angefangen, weil es da war. Mein Vater hat aber recht bald erkannt, dass ich nicht nur Lärm auf dem Schlagzeug gemacht habe, sondern einfache Grooves spielen und ein bisschen die Time halten konnte. Also hat er angefangen, mir ein paar Sachen zu zeigen. Ich wollte dann immer weiter lernen und neue Sachen ausprobieren. Irgendwann hat er mir das erste Led Zeppelin Album geschenkt, was mich dann völlig mit der Musik infiziert hat. Led Zeppelin ist immer noch meine Lieblingsband und John Bonham die größte Inspiration überhaupt. So habe ich mir viele Dinge selbst beigebracht und erst später Unterricht genommen und Noten lesen gelernt. 

Mit elf Jahren stellte ich fest, dass ich einfach nur Musik machen will. Meine Eltern haben mich da sehr unterstützt, aber vor allem darauf geachtet, dass ich das ganze ernst und professionell angehe. Musik macht so viel Spaß, und es kann eben auch eine Karriere und ein Beruf sein. Es ist schon verrückt: Ich bin siebenundzwanzig Jahre alt und fühle mich manchmal wie ein alter Mann. Als ich sechzehn war und meine Band vom Label gedropped wurde, dachte ich mir: „Ich bin jetzt schon 16 und mittlerweile in meiner zweiten Band, die nun kein Label mehr hat. Was mache ich jetzt nur mit meinem Leben?“. Hatte jemand schonmal eine Midlife-Crisis in dem Alter? (lacht) Ich war also immer realistisch und wusste, dass mir niemand etwas schenkt, sondern ich es mir erarbeiten muss. Wenn du professioneller Musiker sein willst, ist das nicht nur Spaß und Party. Ich habe in meinem Leben nie eine Droge angerührt, sondern immer hart daran gearbeitet, als Musiker weiterzukommen. Das hat sich wirklich ausgezahlt. Ich glaube, dass mich diese Einstellung sehr reif für mein Alter gemacht hat. Als ich mit zwanzig dann bei Nine Inch Nails eingestiegen bin, dachte ich: „Endlich! Ich möchte ein Teil dieser Band sein und mit Leuten zusammen arbeiten, die wissen, was sie wollen“. Zurückblickend ist es schon verrückt, dass Trent Reznor einen Zwanzigjährigen mit auf Tour nimmt, oder?

Du spielst am Schlagzeug „Open Handed“. Hast du dich bewusst dafür entschieden oder passierte das mehr durch das intuitive, autodidaktische Lernen?

Witzigerweise weiß ich noch ganz genau, wann und wie das passiert ist. Mein Vater hat mir einen Groove vorgespielt, den ich umsetzen sollte. Ich habe dann angefangen zu üben, konnte aber motorisch einfach nicht so richtig nachvollziehen, warum ich die Hi-Hat mit der rechten Hand spielen sollte, wenn doch meine linke näher dran ist. Das ergibt ja irgendwie keinen Sinn. Nach einer Weile kam mein Vater dann wieder in unsere Garage. Ich spielte den Groove richtig, aber er war ein bisschen perplex, dass ich den Handsatz komplett vertauscht hatte. Da es jedoch nicht falsch klang, ließ er mich das eben einfach so spielen. Seitdem habe ich intuitiv beide Seiten gleich behandelt, weil es sich für mich natürlicher anfühlt. Das Ride hängt rechts, also spiele ich es mit der rechten Hand. Dadurch, dass ich mit der linken Hand die Hi-Hat spiele, ergeben sich auch oft sehr interessant klingende Grooves in Verbindung mit Ride, Hi-Hat und Snare.

Anmerkung des Autors: In diesem Live-Video mit Paramore seht ihr im ersten Refrain sehr gut einen dieser beidhändigen Grooves.

 

Du hast später unter anderem bei Travis Barker Unterricht genommen. Wie kann man sich den Unterricht bei ihm vorstellen?

Ich habe mit elf Jahren für ein Jahr Unterricht bei ihm bekommen. Travis war natürlich sehr viel unterwegs, aber er war ein wirklich sehr guter Lehrer. Er hat mir vor allem beigebracht, Musik und Noten lesen zu können. Ich habe zwar in meiner professionellen Karriere erst zweimal Noten lesen müssen, aber es ist einfach auch wichtig und nützlich, als Drummer die Möglichkeit zu haben, sich ein Lehrbuch zu nehmen und die Noten daraus spielen zu können.

Dein Drumming ist offensichtlich sehr von John Bonham beeinflusst. Welche anderen Trommler haben dich inspiriert?

John Bonham wird einfach immer mein Lieblingsdrummer sein. Ich bin aber auch ein großer Fan von Stewart Copeland. Außerdem haben mich Buddy Rich und Joe Morello schon immer sehr fasziniert. Ich bin zwar kein großer Jazz-Fan, aber mich hat es immer beeindruckt, den beiden zuzusehen. Die Mixtur aus diesen vier völlig unterschiedlichen Drummern ist maßgeblich für meinen Sound verantwortlich. 

Welches Setups nutzt du Live und im Studio? Unterscheiden sich diese wesentlich?

Mein Haupt-Setup besteht aus einem Kit in typischen Bonham Größen. Also eine wuchtige 26“ Bassdrum und 14“, 16“ und 18“ Toms. Wenn es um eher schnellere Musik geht, wie zum Beispiel bei Paramore oder Angels & Airwaves, spiele ich ein 13“ Tom, das ein bisschen direkter klingt. Ich mag aber nicht nur den Sound dieser Größen, sondern vor allem auch das Feeling beim Spielen. Wenn es im Studio allerdings um einen ganz bestimmten Drumsound geht, verändere ich mein Setup natürlich dahingehend.

Spielst du wie Bonham dann auch Acryl- oder Stahlkessel?

Ich bin Mitinhaber der Q Drum Company, deren Drums ich natürlich ausschließlich spiele. Ein Stainless Steel Set, wie John Bonham es gespielt hat, würde ich auch sehr gerne mal ausprobieren. Momentan ist Dominic Howard von Muse mit einem Prototyp eines unserer Stahlsets auf Tour, und es klingt großartig. Ich persönlich spiele entweder ein Drumset aus Kupferkesseln oder aber ein „Cold Rolled Steel Kit“. Ludwigs Stahlkessel hatten ihren spezifischen Klang durch die in Form gebrachten und verschweißten Kessel. Für die „Cold Rolled“ Q Drum Co. Kessel wird dünner Stahl gerollt und anschließend vernietet. Während die Kessel aus einem Stück Stahl bestehen, sind an den Gratungen zusätzlich Verstärkungsreifen aus Ahorn angebracht. Die Felle liegen also auf einer gewöhnlichen Holzgratung auf, und dennoch haben die Drums die Power des Metallkessels. Erhältlich sind diese Sets in Kupfer, Messing und „Cold Rolled Steel“. Sie haben den perfekten Mix aus Attack und warmem Ton.

Was genau beinhaltet dein Job bei der Q Drum Company?

Ich kümmere mich vor allem um Marketing und zusammen mit dem zweiten Inhaber Jeremy Berman um Visionen zur Produktentwicklung. Wir haben beispielsweise erst kürzlich unsere Version der Supraphonic Snaredrum vorgestellt. Ich habe sie zwar nicht gebaut, aber hatte die Idee, den Kessel etwas dicker, damit trockener und gleichzeitig auch tiefer zu machen. Außerdem war es uns wichtig, die Snare mit hervorragender Hardware auszustatten. Ich mag den Sound der Supraphonic sehr, aber diese Abhebung hat mich einfach verrückt gemacht. Ständig war sie entweder lose oder kaputt. Außerdem ist das Snarebed bei unserer Version per Hand gefeilt und dadurch sehr präzise gefertigt, was der Teppichansprache wirklich zugute kommt. Q Drums sind normalerweise Custom Instrumente, aber diese Snare ist die erste, die es auch in Serie gibt, weil wir mit dem Ergebnis wirklich hochzufrieden sind.

Was gehört außerdem außerdem zu deinem Setup?

Meine Drums beziehe ich mit Remo Fellen. Auf den Toms sind wie bei John Bonham CS Black Dots, auf der Bassdrum ein Powerstroke 3, und auf der Snare Ambassador X oder X14 Felle. Ich mag Felle, die dünn genug sind, um einen schönen Oberton zu haben, aber gleichzeitig auch mein härteres Spiel vertragen. Mein Becken-Setup von Zildjian besteht immer aus einem 24“ K Light Ride und 15“ K Light Hi-Hats. Die Crash-Becken sind entweder 20“ K Custom Crash Rides oder A Medium Crashes. Von Vater spiele ich die 1A Sticks und benutze DW Hardware und Pedale. Bei Nine Inch Nails kommen zusätzlich noch Pads von Roland für das Triggern von Samples dazu.

Du bist trotz deines jungen Alters bereits sehr erfolgreich. Was möchtest du ambitionierten, jungen Musikern mit auf den Weg geben?

Wenn du dich entscheidest, die Musik nicht nur als Hobby zu sehen, sondern damit eine Karriere machen zu wollen, musst du das so ernst wie möglich nehmen. Versuche so gut zu werden, wie du nur kannst. Stell dich den Herausforderungen und versuche dich immer weiterzuentwickeln. Stillstand und Mittelmaß sind das Schlimmste. Gleichzeitig sollte man sich aber auch der Business-Seite der Musik bewusst sein. Ich habe Networking immer gehasst, aber du weißt nie, wer zuguckt und wen du triffst, also musst du immer top in Form sein. Hätte ich damals auf den Festivals in England nicht gut genug getrommelt oder wäre schlecht vorbereitet gewesen, hätte mich Trent Reznor für Nine Inch Nails niemals kontaktiert. Außerdem sollte man einfach auch ein umgänglicher Typ sein. Ich habe so oft gesehen, wie Leute wegen irgendwelcher Befindlichkeiten gefeuert wurden. Abgesehen von der Musik ist es doch das Schöne an diesem Beruf, dass man so viel mit unterschiedlichen Leuten unterwegs ist, also sollte man auch das Beste aus dieser Zeit machen.

Vielen Dank für's Gespräch!

 

Zum Schuss habe ich für euch noch das Video zur aktuellen Single von Ilans Soloprojekt: The New Regime - „We Rise, We Fall“. 

  • Ilan Rubins Equipment:
  • Drums: Q Drum Co. Patina Cold Rolled Steel oder Copper
  • 26“x14“ Bass Drum
  • 14“x10“ Tom, 16“x16“ Floortom, 18“x16“ Floortom
  • 14“x7“ Brass Snare mit Copper Strip
  • Becken: Zildjian
  • 15“ K Light Hi-Hat
  • 20“ A Medium Thin Crash
  • 20“ K Custom Crash Ride
  • 24“ K Light Ride
  • Felle: Remo
  • Coated Powerstroke 3 (Bassdrum)
  • CS Black Dot (Toms)
  • Ambassador X oder Ambassador X14 (Snare)
  • Hardware: DW
  • 5000 Serie Pedale, 9000 Serie Beckenständer
  • Sticks: Vater 1A
Veröffentlicht am 27.03.2016

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