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21.05.2017

Interview und Gear-Chat: Ray Luzier

Der Drummer von KoRn im Gespräch

Seit 2007 ist Ray Luzier der offizielle Drummer von KoRn, der Band, die in den Neunzigerjahren mit ihrem selbstbetitelten Erstlingswerk durch die eigenwillige Melange aus Metal- und Hip Hop- Elementen und verstörenden Texten das Genre „Nu Metal“ definierte. Ein Dutzend Alben und die eine oder andere Bandkrise später füllen die Gründungsmitglieder Jonathan Davis, Munky, Head und Fieldy heute immer noch weltweit die großen Hallen. Das haben sie sicherlich zum großen Teil auch Ray Luzier, dem charismatischen Mann hinter den Trommeln, zu verdanken, der mit seinen energetischen Grooves und virtuosen Stick-Tricks auch alten KoRn-Evergreens wie „Blind“, „Freak On A Leash“ oder „Falling Away From Me“ wieder frischen Wind einhaucht.

Wir trafen Ray im März 2017 in Hamburg im Rahmen einer Europa-Tour von KoRn. Begleitet von einer Geräuschkulisse aus Vinnie Pauls Double Bass-Gewitter (Vinnie spielte an diesem Abend mit seiner Band Hellyeah als Support) und den leidenden Schreien von KoRn-Frontmann Jonathan Davis, der zeitgleich im Nebenraum ein neues Tattoo bekam, erzählte ein sehr sympathischer Ray unter anderem über das Leben als trommelnder Familienvater, das neue KoRn-Album und sein Side-Projekt „KXM“. 

Hallo Ray! Wie läuft die Tour bisher, und wie viele Shows habt ihr noch vor euch?

Die Tour läuft super, und mittlerweile sind wir auch endlich den Jetlag los. (lacht) Wir haben jetzt noch acht Konzerte im Rahmen der Europa-Tour vor uns. Nach einer kurzen Pause und einer Tour in Südamerika geht es dann für eine ausgedehnte Tour zurück in die Staaten: Zwei Wochen mit Animals As Leaders und vier Wochen mit Stone Sour. Danach geht’s dann noch weiter nach Japan und Australien... It keeps going!

Wie bereitet ihr euch auf eine so intensive Tour-Phase vor?

Mit KoRn proben wir so gut wie nie! Das macht mich wahnsinnig, denn ich liebe es, viel zu proben! Mit anderen Bands habe ich zum Teil sogar drei Wochen lang geprobt, bevor es auf Tour ging, aber mit KoRn ist das was völlig anderes. Ich bin immer froh, wenn wir mal zwei Songs während des Soundchecks anspielen. (lacht)

Bereitest du dich also alleine vor?

Ich habe zwar ein Studio in meinem Haus, aber ich bin mittlerweile auch Vater von zwei Kindern. Wenn ich zuhause bin, bin ich also in erster Linie „Dad“. Es hat lange gedauert, bis ich mir den Traum von einem Haus mit eigenem Studio erfüllen konnte, und jetzt habe ich manchmal ein schlechtes Gewissen, wenn ich mich zu lang dort unten aufhalte. Ich übe zwar regelmäßig, aber sicherlich nicht mehr so viel, wie ich eigentlich sollte. Mittlerweile versuche ich auch, mehr auf so Sachen wie Ernährung zu achten, was mir auch dabei hilft, eine Tour mit KoRn durchzuhalten – wir spielen ja nun mal keine Balladen! (lacht) Tatsächlich habe ich abends während der Show lediglich nur eine kurze Verschnaufpause, wenn Jonathan (Anm. d. Red.: Jonathan Davis, Sänger von KoRn) eine zweiminütige Einlage auf dem Dudelsack spielt.

Darüber hinaus hast du ja auch oft einen Solo-Spot in der Show, oder?

Richtig, wobei ich nicht an jedem Abend ein Solo spiele. Jonathan entscheidet eigentlich jedes Mal aufs Neue, ob es ein Solo gibt oder nicht. Es erfordert eine Menge Energie, und du kannst es dir nicht leisten, an einem Abend einfach mal weniger zu geben. Das Publikum bezahlt ja schließlich dafür!

Folgst du während deines Solos einem bestimmten Konzept oder einem gewissen Fahrplan?

Überhaupt nicht, aber vielleicht sollte ich?! (lacht) Meine Soli sind komplett improvisiert. Viele meiner Lieblingsdrummer, Tommy Lee zum Beispiel, haben immer eine gewisse Struktur, wenn sie solieren. Ich richte mich in erster Linie nach dem Publikum, denn dem möchte ich ja etwas Interessantes bieten. Vor allem in Europa gehen die Leute total auf unsere Shows ab, viel mehr als die Leute in Amerika. Wenn ich hier in Europa die Bass Drum trete und die Leute zum Mitklatschen animiere, rasten alle sofort aus, und sie fühlen sich in dem Moment als Teil der Show. Ich spiele dann oft zu dem Klatschen weiter. Klar, das kann man schnell als cheesy abstempeln, aber die Leute lieben es nun mal! (lacht) Manchmal spiele ich mehr Grooves, manchmal spiele ich mehr „flashiges“ Zeug, je nachdem, wie das Publikum reagiert. Wichtig ist mir dabei immer, nicht zu technisch zu werden, denn dann erreichst du die Leute nicht. Die Leute holst du nicht mit einem 7/8 Takt ab! Ich deute lieber mal einen Drum Part oder ein Drum Intro aus einem KoRn-Song an, wie zum Beispiel aus dem Song  „Blind“. Auf diese Weise fügt sich mein Drum Solo auch nochmal besser in den Verlauf der Show ein. Es geht mir dabei einfach grundlegend um Entertainment. Damals, als ich noch mit David Lee Roth unterwegs war, war das allerdings eine ganz andere Nummer, denn das Publikum war etwas „technischer“ drauf und hat deshalb auch ein anspruchsvolleres Solo erwartet. 

Lass uns über das neue KoRn-Album „The Serenity Of Suffering“ sprechen...

Ich bin total stolz auf unsere neue Platte! Sie ist meiner Meinung nach eine der besten KoRn-Platten bisher, und das sage ich jetzt nicht nur, weil ich Teil der Produktion war. Mittlerweile ist Head (Anm. d. Red.: Brian „Head“ Welch, einer der beiden Gitarristen von KoRn) nach einer längeren Auszeit wieder mit an Bord, und seitdem sind wir einfach eine einzigartige Macht. Wir hatten eine tolle Zeit im Studio und konnten uns glücklich schätzen, mit Nick Raskulinecz den richtigen Produzenten gefunden zu haben. Die Chemie im Studio war einfach großartig! Nick ist so voller Passion, er ist so eine Art Jack Black-Typ. Während ich meine Drum Tracks eingetrommelt habe, hat Nick teilweise vor mir mit einem Besenstiel gestanden und total abgerockt! Er ist so motivierend und Tag und Nacht bei der Sache. Es ist toll, eine neue Platte zu haben, auf die man stolz ist, denn das macht das Touren wesentlich einfacher.

Hast du einen Lieblingssong auf der neuen Platte?

Das wechselt von Tag zu Tag. Momentan ist es der Song „The Hating“. Ich mag die verschiedenen Energiestufen und die Arrangement-Ideen in dem Song. Aber ich liebe auch die erste Single „Rotting in Vain“, mit der wir sogar aktuell für einen Grammy nominiert sind. Tommy Flanagan (Anm. d. Red.: Bekannt aus der amerikanischen Fernsehserie „Sons Of Anarchy“) spielt die Hauptrolle in dem Video, das dadurch schnell zum YouTube-Hit wurde und mittlerweile knapp 14 Millionen Aufrufe hat. Innerhalb der Band albern wir schon rum, was passieren würde, wenn doch nur die Hälfte dieser Leute unsere Platte für zehn Dollar kaufen würde. (lacht) Aber das ist eben die heutige Zeit: YouTube, Spotify und das alles.

Wie entsteht ein neues KoRn-Album? Habt ihr die neuen Songs zusammen erarbeitet?

Ja, daran waren wir alle beteiligt. Zuerst habe ich mich mit Munky und Head (Anm. d. Red.: James „Munky“ Shaffer und Brian „Head“ Welch, die beiden KoRn-Gitarristen) zusammengesetzt und neue Grooves und Riffs ausprobiert, die wir daraufhin als Demos festgehalten haben. Das haben wir immer wieder in den Pausen zwischen zwei Touren gemacht, und irgendwann waren es dann etwa 50 Songs. An dieser Stelle kam Nick ins Spiel. Ab einem gewissen Punkt brauchst du einfach jemanden, der von außen auf die Sache guckt und das Ganze noch einen Schritt weiter bringt. Nick ist großartig darin, Parts neu anzuordnen und ein stimmiges Song-Arrangement zu kreieren. Dieser Typ hat viele meiner Lieblingsbands produziert: Foo Fighters, Alice in Chains, Rush, Deftones, Queens Of The Stone Age, und so weiter. Als ich zum Beispiel das Album „Snakes & Arrows“ von Rush hörte, dachte ich erstmal nur: „Wow, die klingen ja wie spielwütige Kinder!“. Als ich dann schaute, wer für die Produktion verantwortlich ist, las ich: Nick Raskulinecz!

Um beim Thema „Studio“ zu bleiben: Vor deiner Zeit bei KoRn warst du als Session-Drummer aktiv, oder?

Genau, ich habe jahrelang als Session-Drummer gearbeitet und in der Zeit mindestens 85 Platten eingetrommelt. Da waren auch viele Ghost-Drumming-Jobs dabei, also Sessions, bei denen ich den jeweiligen Trommler der Band ersetzen sollte, jedoch nie in den Credits auftauchte. Ich habe teilweise viel Geld dafür bekommen, den Mund zu halten. Das war damals ok für mich, denn davon konnte ich immerhin drei Häuser kaufen! Eines Tages, bevor ich sterbe, werde ich vielleicht mal alle Platten aufdecken, auf denen ich getrommelt habe! (lacht) In der Zeit habe ich mit vielen verschiedenen Bands und Musikern zusammen gespielt. Auf diese Weise wird man zu einer Art Chamäleon, weil man sich permanent in verschiedene Styles und verschiedene Köpfe reindenken muss. 

Wo liegen deiner Meinung nach die größten Unterschiede zwischen der Arbeit im Studio und einem Live-Konzert?

Jedes Mal wenn ich eine Platte einspiele, denke ich: „Mann, das wird jetzt für immer so bleiben!“ Das ist oft verrückt. Ein Konzert hingegen ist immer nur eine Momentaufnahme – der Moment ist da, und schon ist er wieder weg. Klar, mittlerweile gibt es auch Konzert-Videos, ob auf DVD oder auf YouTube, aber das ist nicht das Gleiche, denn das ersetzt nicht den Vibe, den ein Konzertbesucher mitkriegt. Von allen Platten, die ich bislang eingespielt habe, gibt es vielleicht fünf, die ich mir von vorne bis hinten anhören kann, ohne dabei zu denken, dass ich irgend etwas hätte besser machen können. Ich bin da ziemlich hart mit mir selbst, weißt du. Oft entwickelt sich für mich ein Song auch erst über das ständige Livespielen...

Spielst du im Studio anders als Live? Immerhin lieferst du auf der Bühne eine atemberaubende Show ab!

Ich spiele im Studio weniger aggressiv als auf der Bühne. Die acht Jahre mit David Lee Roth haben mich viel über das Showbiz gelehrt. David sagte immer: „Die Leute bezahlen dich nicht dafür, um dich da sitzen zu sehen, als würdest du grad auf den Bus warten. Give me a Show!“ Natürlich kann man es auch übertreiben und wie ein Clown rüberkommen. Ich versuche immer eine Show zu liefern und gleichzeitig bei der Sache zu bleiben. Allerdings ist ein Konzert für mich oft so etwas wie eine außerkörperliche Erfahrung. Nachdem ich von der Bühne runter bin, weiß ich manchmal gar nicht, was soeben passiert ist. Wenn ich auf der Bühne bin, denke ich auch überhaupt nicht ans Trommeln. Ich höre den Gesang, ich höre die Gitarren, aber ich denke nie darüber nach, was ich als nächstes spielen sollte oder wie ich dabei aussehen will. Ich lasse mich einfach in die Show fallen. Mein Drum Tech muss oft lachen, weil ich kurz vor dem Konzert, in dem Moment, wenn die Lichter ausgehen, oft zu einer Art Zombie werde und ein Gespräch mit mir nicht mehr möglich ist. (lacht) Wenn ich da hoch gehe und hinter meinem Set sitze, bin ich irgendwie nicht mehr ich. Das ist eine ziemlich verrückte Sache.

Die „außerkörperlichen Erfahrungen“ hast du sicherlich nicht im Studio?

Nein, im Studio ist das völlig anders! Da sitze ich und weiß, dass ich gerade aufgenommen werde und viele Details in meinem Spiel einfach stimmen müssen. Da liegt die Lautstärke, verglichen mit der Bühne, vielleicht bei 50 bis 60 Prozent.

...und vermutlich machst du auch weniger Stick-Tricks…

Genau! Im Studio kommen die nicht so gut! (lacht)

Auf der Bühne sind Stick-Tricks jedoch ein fester Bestandteil deiner Show…

Auf jeden Fall! Ich habe damals lange in einer Marching Band gespielt.

Ok, daher kommen also deine unglaublichen Twirling-Einlagen…

Oh Mann, damals war ich noch wesentlich fitter, was Stick-Tricks betrifft. Nachdem ich aus der Marching Band ausgestiegen war, habe ich mir keine Gedanken mehr um Stick-Tricks gemacht. David Lee Roth sah dann eines Tages ein Video von mir mit der Marching Band und brachte mich dazu, Stick-Tricks in die Show mit einzubringen. Ich dachte erst, dass das zu Poser-mäßig würde. Er überzeugte mich aber davon, dass es bis zu einem gewissen Grad sehr charmant sein kann. Wenn du zu viel Spielereien machst, kann sich das auch negativ auf den „Groove“ auswirken, und das ist das Schlimmste, was passieren kann. Drummer, die mehr Wert auf ihre Show als auf ihr Spiel legen, machen mich wahnsinnig. Sobald du nicht hinsiehst, macht alles keinen Sinn mehr.

Was hat es mit deinem riesigen Drum Set und dem ungewöhnlichen Rack auf sich?

Für mich waren Drum-Racks eigentlich immer das typische Eighties-Klischee, und ich habe sie gehasst. Mit meiner damaligen Band Army Of Anyone bin ich in Los Angeles dann auf einen Bühnentechniker gestoßen, der immer wieder betonte, dass ich doch unbedingt ein Rack bräuchte und er mir eins bauen würde. Ich wehrte mich zunächst, allerdings überzeugte mich dann das Rack, das der Typ für Brooks Wackerman gebaut hatte, der mittlerweile bei Avenged Sevenfold spielt. Es sah nicht wie die üblichen Racks aus, sondern war tiefer und geschwungener gebaut. Das fand ich schon sehr spannend. So richtig überzeugt war ich jedoch erst, als ich später das Schlagzeug von Jonathan (Anm. d. Red.: Jonathan Davis, Sänger bei KoRn) sah. Jonathan ist nämlich eigentlich auch Drummer und besitzt dieses unfassbar gut klingende Set von Brady, für das ihm derselbe Typ ein Rack gebaut hat. Das Teil sieht einfach so eigenständig und abgefahren aus! Ich bat ihn daraufhin, mir auch ein Rack zu bauen, wobei ich dabei einen besonderen Wunsch hatte: Ich spiele seit Jahren mit diesem großen China-Becken, das direkt vor mir hängt. Meine Bedingung für das Rack war, dass kein Beckenarm oder ähnliches direkt unterhalb des Chinas hängt, da mir das die Sicht rauben würde. Ich war mir wirklich sicher, dass mir dieser Typ diesen Wunsch nicht erfüllen könnte. Da hatte ich mich jedoch sehr in ihm getäuscht! Er baute mir eine Art diamantförmiges Gebilde, auf dem das China-Becken thronte – total abgefahren! Heute wird das China von einem einzelnen großen Arm gehalten, der diagonal von unten kommt. 

Diese spezielle Position des Chinas ist schon so etwas wie dein Markenzeichen, oder?

Ich spielte früher so Eighties-like immer mit zwei Chinas direkt vor mir…

Terry Bozzio Style…

Ja, Terry Bozzio, Tommy Lee, Tommy Aldridge… die ganzen Typen aus den Achtzigern haben das irgendwie so gemacht. Ich hab mir das am ehesten von Tommy Lee abgeguckt, der zu der Zeit zwei rote Chinas benutzte. Das fand ich unglaublich cool, und ich habe lange gespart, um mir auch zwei rote Chinas kaufen zu können. Zu der Zeit wollte ich einfach wie Tommy sein! Leider habe ich eins davon irgendwann kaputt gehauen. Das China, das heile blieb, habe ich dann übergangsweise in die Mitte, direkt vor meine Nase gerückt. Seitdem habe ich mir kein zweites mehr angeschafft, und mittlerweile ist es zu einer Art Markenzeichen geworden. 

Im Vergleich zu damals ist dein Kit aber merklich größer geworden…

Auf jeden Fall! Ich hab immer mit zwei Rack Toms und zwei Floor Toms gespielt, aber nur eine Bass Drum mit einem Doppelfußpedal benutzt. Jonathan, der wie gesagt eigentlich auch Drummer ist, sitzt oft während eines Soundchecks an meinem Set und sagt: „Mann, du brauchst hier noch eine Gong Drum und da diese Spiral-Becken!“ Mittlerweile ist mein Setup dadurch ziemlich groß geworden! (lacht) Wenn man jedoch mal genauer hinsieht, habe ich nichts in meinem Setup, das ich nicht wirklich brauche. Immer wenn mein Drum-Tech merkt, dass ich ein Teil im Setup nicht spiele, baut er es beim nächsten Mal einfach nicht mehr auf. Der einzige „Fake“ in meinem Setup ist die linke Bass Drum, die ich streng genommen nicht brauche, da ich weiterhin mit einem Doppelpedal spiele, weil ich das Feeling einer einzelnen Bass Drum einfach sehr mag. Obendrein ist das für den Tontechniker einfacher, da er keinen Stress hat, die Lautstärken von zwei Bass Drums anzupassen. 

Hast du derzeit neben KoRn noch andere Projekte?

Cool, dass du das ansprichst! Ich hab kürzlich eine Platte namens „KXM“ veröffentlicht, die mit der Gitarrenlegende George Lynch und dem Bassisten Doug Pinnick (Frontmann von King’s X / Anm. der Red.), der obendrein ein phänomenaler Sänger ist, entstand. Wir haben schon mal eine Platte mit „KXM“ produziert, allerdings ohne anschließende Live-Shows und auch ohne eine richtige Promotion-Kampagne. Das Projekt wurde in der Öffentlichkeit deshalb vielleicht etwas übersehen, jedoch haben wir immerhin 42.000 Platten verkauft! Unser Label schlug daher vor, dass wir ein zweites Album machen sollten. Das Interessante bei „KXM“ ist, dass wir uns nicht allzu lange mit Sachen aufhalten. Für die aktuelle Platte haben wir beispielsweise ein Studio für zwölf Tage gebucht und in der Zeit dreizehn Songs geschrieben und aufgenommen – das ist quasi ein Song pro Tag! Das Ganze lief so ab, dass wir morgens Ideen für einen neuen Song sammelten und mittags am Arrangement feilten. Am Nachmittag habe ich dann oft schon die endgültigen Drum Takes für das Album eingespielt! Bei YouTube gibt es einige Videos von „KXM“ zu sehen. Wer jetzt neugierig geworden ist, kann da mal reinschauen!

Wie sieht es mit Hobbys abseits vom Musikmachen aus?

Ich bin eigentlich ziemlich langweilig! Meine Freizeit verbringe ich mittlerweile vor allem mit meinen Kids. Früher habe ich viel Sport gemacht, bin Motorrad gefahren und so weiter. Mit Kindern läuft das einfach anders. Sogar wenn ich auf Tour bin, fühle ich mich jetzt etwas schlecht. Ich verdiene mit dem, was ich mache, zwar mein Geld, aber versuch' das mal meiner sechsjährigen Tochter zu erklären! (lacht) Die sagt immer: „Warum fährst du weg? Spiel doch einfach hier zuhause Schlagzeug!“ Ansonsten kann man mich als so eine Art Hobby-Engineer bezeichnen. Ich habe eine große Sammlung an Mikrofonen zuhause, und mir macht es Spaß, mich mit Themen wie Frequenzen und Effekten zu beschäftigen. 

Vor deiner Zeit bei KoRn hast du auch viel unterrichtet. Machst du das heute immer noch?

Ich mache heute noch Drum Clinics. Damals habe ich für etwa zehn Jahre am „Musician’s Institue“ in Hollywood, Kalifornien unterrichtet. Ich liebe es zu unterrichten. Ich bin selbst einfach ein großer Musik-Geek. 

Du hast auch eine eigene Lehr-DVD auf dem Markt...

Genau, wobei die mittlerweile schon ziemlich alt ist. Die ist glaube ich 2005 erschienen – das war noch der junge Ray! (lacht) Die DVD ist damals in Zusammenarbeit mit dem „Musician’s Institute“ entstanden. 

Im Anschluss bist du dann zu „KoRn“ gestoßen. Wie kam es eigentlich genau dazu?

Meine damalige Band Army Of Anyone hatte damals denselben Manager wie KoRn. Als KoRn plötzlich anfingen, mit verschiedenen Drummern wie Joey Jordison, Terry Bozzio und Brooks Wackerman zu arbeiten, habe ich meinen Manager natürlich gefragt, was zur Hölle da vor sich geht. Er erklärte mir, dass KoRn einen neuen Drummer suchten und ich doch eigentlich perfekt für den Job wäre! Army Of Anyone waren zu der Zeit leider nicht so erfolgreich, wie wir uns erhofft hatten, weshalb mein Manager mir damals anbot, das letzte Konzert der KoRn-Tour mal probehalber zu spielen. Er warnte mich damals schon vor, dass es keine Probe geben würde - wie bereits angesprochen hassen sie es zu proben! (lacht) Er organisierte mir einen Flug nach Seattle und ein Drum Set. Ich legte mich dann richtig ins Zeug und lernte etwa 35 Songs, von denen ich aber bereits einige auswendig kannte, weil ich selbst immer schon ein großer Fan ihrer Musik war. Ich wollte aber auch vieles von den neueren Stücken lernen, die Terry Bozzio im Studio getrommelt hat. Ich bin ein riesiger Bozzio Fan! Ich lernte schließlich das komplette „Untitled“ Album. Die Audition lief dann quasi auf der Bühne ab, auf der KoRn am selben Abend ihren Tour-Abschluss spielten. Sie gaben mir eine kleine Liste ihrer Hits, die wir dann nacheinander anspielten. Danach fragte ich, ob wir nicht auch ein paar neue Songs spielen könnten. „Du kennst das neue Album?“, hieß es dann. „Klar!“, sagte ich, und dann haben wir auch noch sechs neue Nummern gespielt. Im Anschluss hieß es: „Welcome to KoRn! See you in Dublin!“. Ich hab’s erstmal nicht fassen können.

Und ging es dann gleich auf Tour mit den Jungs?

Nein, ganz im Gegenteil! Zwei Wochen vergingen, drei Wochen vergingen und es passierte erstmal gar nichts. Also habe ich den Manager angerufen und meinte: „Ey, was ist los? Bin ich jetzt in der Band oder nicht?“ Er meinte: „Klar, wieso denn nicht?“. Ich entgegnete: „Naja, irgendwie meldet sich niemand!“. Er beruhigte mich: „Die nächste Tour geht im Januar 2008 los. Bis dahin wirst du von uns hören!“. Als dann Weihnachten war, hatte ich immer noch nichts gehört, keine Setlist, gar nichts... Es gab dann letztendlich keine richtige Probe vor meiner ersten Show. Wir haben lediglich einen Tag vor der Show in Dublin das Setup aufgebaut und die Setlist einmal durchgespielt. Einmal!

Wie ging es dir damit? 

Mir war richtig übel vor Aufregung! (lacht)

Fühlst du dich heute immer noch als „der Neue“?

Nicht mehr, aber das abzulegen hat lange gedauert. Neil Peart hat einmal zu mir gesagt: „Ray, ich werde für immer der neue Typ bei Rush sein!“. Spätestens als Head (Anm. d. Red.: Gitarrist bei KoRn, der zwischenzeitlich die Band verlassen hatte) wieder zur Band zurückkam, fühlte sich die Band wie eine Einheit an. Wir sind so dankbar, dass wir das hier immer noch machen können und dass unsere Fans weiterhin zu den Konzerten kommen.

Danke Ray für das nette Gespräch!

  • Ray Luziers Equipment:
  • Drums: Pearl Reference Series
  • 14x6.5 Free Floating Bronze Snare
  • 13x5 Snare
  • 12x9 Tom
  • 13x10 Tom
  • 16x16 Floor Tom
  • 18x16 Floor Tom
  • 24x16 Bass Drum (2x)
  • 20x16 Gong Drum
  • Cymbals: Sabian
  • Modelle variieren von Mal zu Mal...
  • 19″ Holy China (oder Manta Ray)
  • 18″ AAX X-Plosion Crash
  • 10″ AA Splash
  • 19″ AAX X-Plosion Crash
  • 14″ AA Rock Hats
  • 10″ Glennie’s Garbage
  • 21″ AA Rock Ride
  • 20″ HHX X-Plosion Crash
  • 18″ AAX O-Zone Crash
  • 8″ Ice Bell
  • 18″ APX O-Zone Crash
  • 16″ Radia / 15″ HH Bottom Hi-Hat kombiniert
  • 15″ Radia China / 14″ HH Bottom Hi-Hat kombiniert
  • 9″ LP Ice Bell
  • 18″ Holy China
  • 21″ Holy China
  • Prototype “Spiral” Cymbals
  • Electronics:
  • Yamaha DTX-MULTI 12
  • ddrum triggers
  • Hart pads
  • Aviom A-16II mixer
  • Hardware: DW
  • 9000 Series Double Bass Drum Pedal
  • Felle: Remo
  • Sticks: Vic Firth Ray Luzier Signature
  • Percussion: LP
  • Accessories: Porter & Davies BC2 Throne
Veröffentlicht am 21.05.2017

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