Software
Test
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22.04.2019

iZotope Nectar 3 Test

Vocal-Plugin

KI-Assistent und neue Effekte

Wenn es um einsteigerfreundliche Mixing-Plugins geht, die trotzdem tiefgreifende Einstellungen bieten und eine moderne Oberfläche mitbringen, ist iZotope ganz vorne mit dabei. Mit Ozone 8 und Neutron 2 gab es die ersten Mixing- und Mastering-Assistenten. Sie versprachen schnelle, KI-gestützte Spur- oder Master-Track-Bearbeitung ohne stundenlanges Einstellen. Und „Spurvernetzung“: Die verschiedenen Instanzen der iZotope-Plugins können sich „sehen“ und einander beeinflussen. 

Wo von Ozone gefühlt quasi jährlich neue Versionen veröffentlicht wurden, verharrte Nectar seit fünf Jahren auf Version zwei. Als Nectar 3 vergangenen Herbst mit einigen Teaser-Videos angekündigt wurde, war die Erwartungshaltung hoch – gerade in Verbindung mit den Entwicklungen bei den KI-gestützten Assistenten. Nie mehr Vocals mischen müssen? Schlechte Aufnahmen mit einem Klick so gut wie bei den Stars klingen lassen? So weit, so aufgeregt.

Details

Nectar 3 kommt in zwei Versionen: der normalen, die zusätzlich noch Melodyne 4 Essential mitbringt, und Elements, die eine abgespeckte Ausführung ist. Melodyne 4 Essential ist die kleinste von vier Melodyne-Versionen, die die simple Tonhöhenkorrektur beherrscht, das aber auch mit dem mächtigen Korrektur-Algorithmus, allerdings ohne den polyphonen DNA-Modus für mehrstimmige Instrumente. Außerdem ist der Standard-Version von Nectar 3 noch das RX7 Breath Control-Plugin zum automatischen Dämpfen von zu lauten Atmern beigelegt.

Die Elements-Serie von iZotope gibt es bereits für die Mastering-Suite Ozone 8, das Mixing-Channel-Strip Neutron 2 und die Post-Produktionssoftware RX7. Nectar 3 Elements kostet gut die Hälfte, bringt aber nicht die zwei zusätzlichen Plugins mit, erlaubt keinen Zugriff auf die einzelnen Module (lässt sich nicht vergrößern), und ist insgesamt viel rudimentärer. 

Beide Versionen gibt es in allen gängigen Plugin-Formaten; AU-, VST-, VST3- und AAX-Versionen. Rein technisch gesehen muss auf Macs mindestens Mountain Lion (10.8.5) und auf Windows-Rechnern mindestens Version 7 installiert sein. Melodynes Software-Anforderungen sind ähnlich, auf der Hardware-Seite empfiehlt der Hersteller vier Gigabyte Arbeitsspeicher und ein dezidiertes Audiointerface.

Features

Viel ist neu in Nectar 3. Was sofort auffällt: Die Oberfläche ist der von Ozone 8, Neutron 2 und Vocalsynth 2 ähnlich. Wer diese Plugins kennt, wird sich sofort zurechtfinden. Prominent prangt oben rechts der Button zum neuen „Vocal Assistant“, der wie bei Ozone 8 und Neutron 2 verspricht, KI-basiert automatisch eine zur Stimmaufnahme passende Einstellung zu erstellen. Dazu gibt es im Assistenten noch die Unmask-Funktion, die über das mitgelieferte Relay-Plugin einer zweiten Spur „zuhört“ und bei dieser dann Frequenzen dämpft, die die Stimme stören. Dazu später mehr.

Nicht nur an der Oberfläche gleicht Nectar 3 den anderen Plugins von iZotope, auch die von den Mixing-Plugins bekannte Inter-Plugin-Kommunikation ist mit eingebaut. Nutzt man auf verschiedenen Spuren Instanzen von Neutron 2 und Nectar 3, können sich diese „sehen“. So kann man Spuren, auf denen Neutron 2 liegt, auch zum Unmasking in Nectar 3 heranziehen. Auch tauchen alle Spuren, auf denen Nectar 3 verwendet wurde, im Visual Mixer von Neutron 2 auf.

An den einzelnen Modulen ist im Einzelnen auch viel geschraubt und verbessert worden. Das EQ-Modul hat fünf verschiedene Band-Arten – Bell, Low Shelf, High Shelf, Lowpass und Highpass – mit insgesamt 16 verschiedenen Ausprägungen. Dazu kann nun jedes Band (24 sind maximal möglich) als dynamisch eingestellt werden, allerdings kann man außer mit dem Threshold das dynamische Verhalten nicht weiter einstellen. Außerdem ist die Funktion „Frequency Follow“ dazugekommen. Diese kennt man bis jetzt nur vom SurferEQ von Sound Radix: das Band verfolgt die einmal eingestellte Dämpfung oder Anhebung. Gesang ist selten monoton und mit dieser Funktion verfolgt der EQ automatisch den jeweiligen Grundton.

Beim Kompressor gibt es nun vier verschiedene Typen: Digital, Vintage, Optical und Solid-State. Welchen bekannten Kompressoren hier genau nachgeeifert wird, verrät das Handbuch nicht, grundsätzlich unterscheiden sich aber alle im Attack- und Release-Verhalten, der einstellbaren Ratio und ihrem Klangcharakter.

Insgesamt ist an allen Ecken auf mehr analogen Klangcharakter Wert gelegt worden. Der Hall kann angezerrt werden, im Delay-Modul gibt es fünf Sättigungs-Modi, das eigene Saturation-Modul hat nun sogar sieben verschiedene Modi und das Dimension-Modul bringt mit Phaser, Flanger und Chorus klassische Analog-Effekte mit. Allen Modulen ist gemein, dass sie dezidierte Dry/Wet-Regler haben, man also bei jedem Modul die individuelle Stärke des Einflusses bestimmen kann.

Auch die Pitch-Engine und das Harmony-Modul haben einige Updates bekommen. Das Pitch-Modul kann automatisch das passende Register einer Gesangsaufnahme erkennen, chromatisch oder nach voreingestellter Tonart stimmen. Das Harmony-Modul kann basierend auf der Original-Stimme zusätzliche Stimmen erzeugen, entweder Unisono oder nach einstellbaren Intervallen. Insgesamt acht Harmonien kann Nectar 3 erzeugen, genauer lässt sich das steuern, indem man die gewünschten Harmonien per MIDI einspeist. Wie bei VocalSynth 2 gibt es hier für jede DAW eine kurze Anleitung, wie man das ganze einstellt.

Audiobeispiele

Pro & Contra

  • Hervorragende Klangqualität der einzelnen Module
  • Dynamischer EQ
  • Frequency Follow Funktion
  • Plugin-Kommunikation mit iZotope Plugins auf anderen Spuren
  • Dry/Wet-Regler für jedes Modul

  • Vocal Assistant variiert ein Preset nur minimal, egal welche Aufnahmen man nutzt
  • Unmasking-Funktion lässt sich nur an- und ausschalten, nicht bearbeiten
  • Pitch-Modul macht Stereo-Aufnahmen zu Mono, kann phasig klingen
  • RX7 Breath Control nur als eigenes Plugin nutzbar, nicht in Nectar

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