Software
Test
10
22.04.2019

Praxis

Nectar 3 ist vor allem für Stimmbearbeitung gedacht. Die anthrazitfarbene, zurückhaltende Oberfläche, die sich je nach Bildschirmgröße auch vergrößern lässt, zeigt alles auf einen Blick ohne vollgestopft zu wirken. Gerade Nutzer von Ozone 8, Neutron 2 oder Vocalsynth 2 werden sich sehr schnell zurechtfinden. Jedes Modul lässt sich dazuschalten, die Modulreihenfolge lässt sich bis auf das Pitchmodul, das immer an erster Stelle steht, beliebig verändern und alle Module haben einen Dry/Wet-Regler. Was man aus Version 2 kennt und etwas vermisst: Modul-Presets. Überhaupt ist auch die Menge der globalen Presets im Vergleich zum Vorgänger deutlich geringer – alles ist auf den Vocal Assistant ausgelegt, Presets soll dieser ja überflüssig machen.

Grundsätzlich funktioniert der Assistent genau wie die Helferlein von Ozone 8 und Neutron 2: Man aktiviert ihn, lässt die Wiedergabe laufen und innerhalb von gut 20 Sekunden hat sich Nectar 3 auf die Aufnahme eingestellt. Drei verschiedene „Vibes“ kann man vorauswählen: Vintage, Modern und Dialogue. Zu jedem Vibe lässt sich dann noch die Intensität in drei Stufen auswählen. In der Praxis waren die Unterschiede der Intensitätsstufen relativ gering. Im Modern-Vibe war je nach Stufe nur der Kompressor etwas zupackender eingestellt, im Vintage-Vibe kamen im zweiten EQ-Modul je nach Intensität noch einige Bänder dazu. 

Auch sonst wirkte der Assistent in den meisten Fällen wie das immer gleiche Preset mit leichten Variationen bei Kompressor und EQ. Das Pitch-Modul wird kein einziges Mal automatisch aktiviert. Auffällig im ersten der zwei EQ-Module beim Modern-Vibe: Immer waren genau vier Bänder um genau 2 dB abgesenkt, nur die Frequenzen unterschieden sich leicht. Dieses Verhalten tauchte bei Männer- wie Frauenstimmen auf. Prinzipiell eher ein Vocal-Preset-Modifier als ein Vocal-Assistant.

Stellt man die Module komplett manuell ein, fällt als erstes auf, dass das Pitch-Modul eine Stereo-Spur komplett auf Mono switcht, sobald es aktiviert wird. Das kann, falls man Nectar 3 auf eine gedoppelte Gesangsspur legt, zu ärgerlichen Phasen-Effekten führen. Ansonsten entfalten sich Sound und Tiefe erst, wenn man selbst alles einstellt. 

Hat man sich in die Module und ihre Soundmöglichkeiten erst einmal eingearbeitet, ist Nectar 3 ein Channel-Strip-Plug-in, was man nicht mehr missen möchte. Vor allem der dynamische EQ und die Frequency-Follow-Funktion sind enorme Hilfen bei zu resonanten Gesangsaufnahmen. Auch die Sättigungs-Funktionen an fast allen Modulen sorgen für schöne Wärme bei zu digital klingenden Sounds. Allein, was sich aus den Modulen Dimension, Saturation und Delay rausholen lässt, kann sich mit den Platzhirschen, was analogen Sound betrifft, wie Slate, Soundtoys oder Kush Audio durchaus messen. 

Die Unmasking-Funktion kennt man prinzipiell schon aus Neutron 2. Beim Frequency Masking spielen Instrumente aus zwei Spuren in zu ähnlichen Frequenzbereichen, durch die Überlagerung ist eines zu wenig zu hören. Neben dem klassischen Kriegsschauplatz Bass und Kick ist es vor allem die Stimme, die bei zu lauten Gitarren oder zu dröhnenden Synthies untergehen kann. Prinzipiell sollte das am besten natürlich schon im Arrangement gelöst worden sein, aber es gibt genug Fälle, wo weder Gitarrenriff noch Vocals wirklich weichen können. Bei Neutron 2 packte man das Plugin auf beide Spuren, aktivierte bei einer die Masking-Funktion und konnte so sehen, welche Frequenzen sich überlagern. Dann konnte man aus dieser Spur heraus den EQ der anderen Spur entsprechend einstellen. Bei Nectar 3 hat man hier etwas gespart.

Aktiviert man im Assistenten die Unmask-Funktion, wählt man die gewünschte Spur aus – auf dieser muss entweder auch Nectar 3, Neutron 2 oder das mitgelieferte Relay-Plugin liegen, damit die zwei Spuren miteinander kommunizieren können. Der Assistent braucht hier meistens nur einige Sekunden und schon ist in Relay, das beispielsweise auf einer störenden Piano-Spur liegt, ein „Unmasking“-Button zu sehen. Das war es aber leider auch schon. Welche Frequenzen wie stark in der Piano-Spur gedämpft werden, ist genauso wenig zu sehen, wie die Möglichkeit an diesen zu drehen. Das ging doch so gut in Neutron 2!

Effekte

Eine der Stärken von Nectar 2 waren einige der mitgelieferten Presets, die ohne großes Einstellenmüssen die Stimme in die 50er, ins Weltall oder in den Kirchenchor versetzte. Diese hat iZotope dankenswerterweise mitgeliefert. Auch sonst klingen die Presets, die Nectar 3 mitbringt, oft besser, als das, was der Vocal Assistant liefert. Aber klar: „Here is a suggestion to get you started.“ Auch sonst entfaltet Nectar 3 seine Soundmöglichkeiten vor allem dann, wenn es kreativer wird. Was sich da aus der Kombination von Pitch-Engine, Harmony-Modul, einer ordentlichen Portion Chorus oder Flanger und einem guten Mix aus Delay und Saturation aus Stimmen, genauso wie Gitarren, Drumloops oder Vogelzwitschern mit nur wenigen Mausklicks holen lässt, macht Laune. Und klingt hervorragend. 

Auch die Anbindung an den Visual Mixer, den man bei Neutron 2 Advanced mitgeliefert bekommt, ist sehr nützlich. So kann man alle Spuren mit Nectar und Neutron bestücken und das Mixen nur noch im Visual Mixer machen. 

Audiobeispiele

Pro & Contra

  • Hervorragende Klangqualität der einzelnen Module
  • Dynamischer EQ
  • Frequency Follow Funktion
  • Plugin-Kommunikation mit iZotope Plugins auf anderen Spuren
  • Dry/Wet-Regler für jedes Modul

  • Vocal Assistant variiert ein Preset nur minimal, egal welche Aufnahmen man nutzt
  • Unmasking-Funktion lässt sich nur an- und ausschalten, nicht bearbeiten
  • Pitch-Modul macht Stereo-Aufnahmen zu Mono, kann phasig klingen
  • RX7 Breath Control nur als eigenes Plugin nutzbar, nicht in Nectar

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