Test
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17.04.2019

Praxis

Aufstellung

Ich stelle die JBL 104 für den Praxistest wie vorgesehen auf meinen Schreibtisch. Durch das Gummipad an der Unterseite stehen die beiden massiven, wie schwarze Alieneier anmutende Speaker rutschsicher auf der Arbeitsplatte. Da ich im empfohlenen Abstand von ungefähr einer Armlänge fast keinen freien Platz links und rechts von meinen Bildschirmen habe, verdecken die JBL 104 jeweils einen Teil meiner Sicht. Das liegt natürlich in erster Linie daran, dass es auf meinem Tisch recht eng zugeht, ist aber auch der schieren Größe der Boxen geschuldet. Die JBL 104 sind dafür, dass sie als Desktopmonitore ausgelegt sind, ziemlich groß. Es sind die massivsten, die mir bisher auf den Testtisch gekommen sind. Aber sie sehen toll aus, und wenn sie gut klingen nimmt man die Größe ja vielleicht gerne in Kauf.

Die Verkabelung ist kinderleicht. Strom-, Miniklinken- und Lautsprecherkabel sind schnell verlegt und bieten keinerlei Überraschungen. Wer großen Wert auf die Optik und die Aufgeräumtheit seines Schreibtisches legt, dem könnte das mitgelieferte rot-schwarze, zerknickte Lautsprecherkabel vielleicht ein wenig ein Dorn im Auge sein. Hier hätte man vielleicht ein etwas ästhetischeres Kabel einpacken können, wo doch die beiden Boxen an sich schon solch schöne Designobjekte hergeben. Aber das ist natürlich Geschmackssache und mit einem Gang zum lokalen Hi-Fi-Händler auch leicht änderbar.

Die JBL 104 haben ausgewogene Mitten

Um den Klang und die Performance einschätzen zu können, bespiele ich das Boxenpaar abwechselnd mit einer Mischung mir vertrauter Musiktitel und Podcasts. Was mir beim Musikhören als erstes auffällt, sind recht scharfe Höhen. Mit ordentlich Biss kommen die hohen Frequenzanteile meiner Lieblingssongs rüber, was vielleicht auch ein wenig der Tatsache geschuldet sein könnte, dass sich die Boxen in nur knapp einem Meter Abstand von mir befinden. Manu Katchés Hi-Hat klingt schärfer als gewohnt und auch die knapp an der Höhenlastigkeit gemischten Songs des „The Seeds of Love“-Album von Tears For Fears kommen ungewohnt spitz rüber.

Im Bassbereich liefern die JBL 104 eine zu erwartende Performance. Bei Boxen dieser Größe, mit einem 4,5-Zoll-Woofer und ohne DSP-Zauberei à la Bose Soundstick 2 oder IK Multimedia iLoud bleiben die Bässe im Bereich unterhalb von 60 Hz quasi unhör- und unfühlbar. Dies kann man bei solchen Nahfeldboxen, die explizit für den Schreibtisch konzipiert sind, auch nicht in erster Linie erwarten. Im Mittenbereich klingen die 104 sehr ausgewogen und geradezu schön. Hier haben die Entwickler von JBL alles richtig gemacht. Fast schon warm und ausgeglichen könnte man den Sound beschreiben, der sich im Bereich zwischen 300 und 800 Hz abspielt. Stimmen klingen präsent und sitzen deutlich und sauber im Klangbild. Geradezu ideal für Podcaster und Content-Produzenten also, die beispielsweise in Eigenproduktion Videos für ihre Kanäle generieren, in denen Sprache eine wichtige Rolle spielt.

Durch die Befeuerung mit Class-D-Amps – also digitalen Verstärkern – können der Box prinzipiell DSP-Funktionen zur Verfügung gestellt werden. Bei einigen vergleichbaren Lautsprechersets werden Eingriffmöglichkeiten wie beispielsweise EQ-Optionen zur Klanganpassung angeboten. Ob der Frequenzgang im Falle der 104 unter der Haube per digitaler Rechenpower angepasst wurde, lässt sich nicht feststellen. Ein effizienter und sauber arbeitender Limiter wurde aber ganz offensichtlich eingebaut. Der Limiter greift hörbar, plättet zu laute Signale ab, hinterlässt aber zu keinem Zeitpunkt ein unschönes Hörerlebnis. Führt man die JBL 104 an ihre Grenzen, was die Lautstärke betrifft, so gelingt es mir mit nur sehr wenigen Songs den Boxen ein hörbares Zerren zu entlocken. Dafür dass man die Abhöre im Nahfeld betreiben soll, liefern die 104er nicht nur eine sehr ordentliche Lautstärke, sondern schaffen dies auch Dank des guten Limitings noch in den meisten Fällen ohne unangenehmes Zerren.

Das 104er-Set klingt trotz der nahen Aufstellung rauscharm. Selbst bei höchster Verstärkung wirkt das vorhandene Rauschen noch nicht störend auf mich. In der Praxis hängt dies aber vor allem von der Qualität und Bauart der angeschlossenen Geräte ab. Ein unsymmetrischer Miniklinkenausgang eines PCs rauscht in der Regel sehr viel stärker als ein symmetrischer Ausgang einer Soundkarte oder eines Abhörcontrollers, aber grundsätzlich zählt die JBL 104 zu den rauscharmen Vertretern ihrer Zunft.

Die Front-Features

Der Lautstärkeregler an der Vorderseite ist mit einem edel ausschauenden LED-Ring umrundet, der bei eingeschalteter Box dezent weiß leuchtet. Der Reglerweg ist fein gerastert und erleichtert es somit, die immer gleiche Verstärkung seitens der Abhöre beizubehalten. Einige Billigboxen der Sparte Desktop-Lautsprecher haben manchmal das Problem, auf Linksanschlag nicht komplett stumm zu schalten. Hier arbeitet der Volumeregler der JBL 104 zuverlässig und mutet bereits beim vorletzten Rasterpunkt.

Schließt man am vorderseitigen Aux-Eingang ein Miniklinkenkabel an, so hat dieser Priorität und verdrängt das an den Rückanschlüssen anliegende Signal. Praktisch, um zwischendurch mal eben eine Referenz per Zuspieler abzuhören. Ein wenig schade finde ich allerdings die Tatsache, dass keine Bluetooth-Schnittstelle vorhanden ist, wie dies bei anderen Desktop-Monitoren teilweise angeboten wird. Der vorhandene Class-D-Amp bietet grundsätzlich die Voraussetzung dafür. Der Kopfhörerausgang schaltet die Boxen stumm, sobald ein Kopfhörer angeschlossen wird, und liefert genügend Power, um auch hochohmig laut hören zu können. Ich habe beim Vergleich mit dem Kopfhörerausgang meiner Soundkarte aber den Eindruck, dass das Stereobild – über die JBL 104 abgehört – ein klein wenig enger auf mich wirkt. Es ist dennoch ein praktisches Feature, einen Kopfhörer bequem an der Vorderseite der Box anschließen und regeln zu können.

Pro & Contra

  • ausgewogene und weich klingende Mitten
  • sehr schöne Optik
  • hohe Lautstärken mit nur wenig Zerren

  • überbetonte Höhen
  • keine Klangbeeinflussung möglich

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