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15.05.2018

Kadenzen einfach erklärt!

Was sind Kadenzen und wozu benötige ich sie?

So lernst du in kurzer Zeit Kadenzen zu spielen und Stimmführung zu verstehen!

Ähnlich wie der Quintenzirkel, ist auch die Kadenz bei einigen Klavierschülern nicht gerade beliebt. Zu vieles ist dabei unklar. Man muss immer so viele Töne spielen und dann auch noch in anderen Tonarten. Aller Anfang ist eben, wie immer, auch hier nicht ganz leicht. Deshalb gilt: Verstehst du die Kadenz und weißt, wie sie funktioniert, wird der Umgang mit ihr leicht. Außerdem hat das Kadenzspiel neben der reinen Anstrengung auch viele Vorteile für den Schüler zu bieten. 

Grundsätzlich ist eine Kadenz nichts anderes, als eine festgelegte Abfolge bestimmter Harmonien. Man kann sie deshalb also auch als Akkordfolge bezeichnen. Ursprünglich bestand sie aus gerade mal vier Akkorden, und in ihrer Reinform tut sie das auch heute noch. Der erste und der letzte Akkord sind gleich, also eigentlich sind es nur drei verschiedene Akkorde. Die Kadenz wird seit dem Barock als Schlussformel, als Basis für Kompositionen, Improvisationen und für Song-Ideen benutzt. So etwas gab es also auch schon vor Punk und Dieter Bohlen. Im Jazz wurde sie in leicht abgewandelter Form (II-V-I) sogar zu einem der wichtigsten harmonischen Elemente, das so gut wie in jedem Jazz- Standard der Welt vorkommt und deshalb auch zu Übungszwecken von Jazzern exzessiv genutzt wird.

Details

Eine Kadenz kann erweitert werden. Wenn man weiß wie, kann man so locker auf über zehn Akkorde kommen. Dadurch klingt sie äußerst interessant, weil sie dann fortgeschrittene Harmonieverbindungen nutzt. Und auch heute spielt die Kadenz in der Musik immer noch eine große Rolle. In zeitgenössischen Kompositionen wird sie allerdings fast ausschließlich in freierer Form eingesetzt und deshalb eher Akkordfolge oder Akkordschema genannt. Aber auch hier setzen sich in vielen Songs immer wieder die gleichen Akkordfolgen durch. Da die heutige Popmusik strukturell immer noch sehr vom Hip Hop und seinen Loops geprägt ist, und so auch die meisten Popsongs mit einem einzigen viertaktigen Akkordschema auskommen, lebt der Gedanke der ursprünglichen Kadenz also fort.

Besonders wichtig ist die Urform der Kadenz aber immer noch für alle Klavierschüler. Die anfänglich festgelegte Abfolge führt zu einer schnellen Orientierung auf der Klaviatur. Sie hilft beim Spiel in anderen Tonarten und außerdem dient sie auch hier als Basis für Improvisation, Komposition oder Liedbegleitung. Gerade die anfänglich beängstigende Menge an Tönen, die ein Klavier bereitstellt, bedarf einer klar strukturierten Übefolge, wenn man beginnt, sich mit diesem Instrument und dem Thema Akkordfolgen zu beschäftigen. Und dafür ist die Kadenz absolut perfekt. 

Wie ist eine Kadenz aufgebaut?

Aus welchen Akkorden genau besteht nun aber eine Kadenz? Dazu schauen wir uns noch einmal die C-Dur Tonleiter an.

Bauen wir nun auf jedem Ton dieser C-Dur Tonleiter einen Akkord auf, sehen wir folgendes Bild.

Das sind alle Akkorde, die in C-Dur vorkommen können. Da wir nur die Töne der C-Dur Tonleiter benutzen und somit in diesem Fall auf Vorzeichen verzichten, sprechen wir von der sogenannten Diatonik. Bestimmen wir die sieben Akkorde, stellen wir folgende Verteilung fest.

Es gibt drei Dur-, drei Mollakkorde und einen verminderten Akkord. Also C-, F- und G-Dur, d-, e- und a-moll, sowie h vermindert. Dabei bezeichnet man die Dur-Akkorde auch als Hauptklänge oder -Hauptfunktionen und die Moll-Akkorde als Nebenklänge oder Nebenfunktionen. Der verminderte Akkord fristet ein eher stiefmütterliches Dasein, weil er für unsere Betrachtung keine Rolle spielt. 

Eine Kadenz besteht aus den drei Dur- und somit den drei Hauptklängen, in unserem Fall C-, F- und G-Dur.

Spielt man wie in diesem Fall alle Akkorde in Grundstellung, klingt das noch ein bisschen hölzern, denn dann bewegt sich immer jeder Ton und somit jede Stimme im gleichen Abstand und in die gleiche Richtung. Dadurch entstehen Parallelen und die gilt es zu vermeiden, weil sie einfach nicht schön klingen. Die Lösung für dieses Problem bietet die sogenannte Stimmführung.

Die Stimmen und wie sie geführt werden

Die Stimmführung klärt die Frage, wie genau sich jede Stimme bewegt. Gut geführte Stimmen klingen sehr gut, deshalb üben Musiker diese Disziplin intensiv. Haben zwei aufeinander folgende Akkorde gleiche Töne, dann bleiben diese einfach liegen. Diese Stimme spielt also beim nächsten Akkord den gleichen Ton. Somit werden Parallelen vermieden, da sich nicht alle Töne gleich bewegen. Haben zwei aufeinander folgenden Akkorde keine gleichen Töne, bedient man sich eines Tricks.

Hier sehen wir zwei aufeinander folgende Akkorde, die beide in Grundstellung gespielt werden. Wie dieses Beispiel zeigt, kann der Basston allerdings nicht anders, als vom F zum G aufwärts zu gehen. Tun es ihm die anderen Stimmen gleich, kommt es zu den oben erwähnten Parallelen. Deshalb benutzt man in diesem Fall die sogenannte Gegenbewegung.

Ganz zum Schluss in der Kadenz folgt dann noch einmal der C-Dur Akkord. Eine Kadenz in C-Dur, bei der alle Stimmen richtig geführt werden, sieht also so aus.

Und so klingt sie.

Wie du hörst, klingt das tatsächlich viel besser, als würden alle Akkorde in Grundstellung gespielt werden. Und hier siehst du noch die anderen Lagen.

Jetzt fehlen uns nur noch die korrekten Namen. 

Funktionen und ihre Namen

Analysiert man Akkorde, die in einem Zusammenhang stehen, teilt man den Einzelakkorden Funktionen zu, um ihr Zusammenwirken besser verstehen zu können. Das tun wir auch im Alltag. Zum Beispiel nennst du deine Mutter wahrscheinlich Mama oder Mutti. Ihr Name aber lautet ganz anders, du nennst sie entsprechend der Funktion, die sie für dich hat. 

Der erste Akkord in der Kadenz und somit also der Ausgangspunkt (C-Dur) wird Tonika genannt. Der fünfte Akkord bekommt den Namen Dominante und der vierte Akkord heißt Subdominante, weil er einen Schritt unter der Dominante liegt. Ab jetzt benutzen wir nur noch diese Begriffe, das ist viel leichter. Schau dir nun noch einmal alle drei Lagen der C-Dur Kadenz mit ihren Funktionsbezeichnungen an.

Der Verlauf der anderen Stimmen

Sehr wichtig ist, dass die Stimmführung der einzelnen Töne immer gleich bleibt, und das in allen drei Lagen. Ich zeige dir das konkret am Ton C. Von der Tonika zur Subdominante bleibt das C einfach liegen. Für die Dominante bewegt es sich einen Halbton tiefer zum H und danach für die Schlusstonika wieder nach oben zum C.

Beginnen wir nun die Kadenz mit C-Dur in der ersten Umkehrung, liegt das C an einer anderen Stelle im Akkord. Trotzdem bleibt es zur Subdominante wieder liegen, bewegt sich für die Dominante runter zum H und steigt für die Schlusstonika wieder zum C. Genau wie in der C-Dur Kadenz, die in der zweiten Umkehrung beginnt.

Übst du irgendwann Kadenzen in verschiedenen Tonarten, kannst du dir das zu Nutze machen. Denn egal in welcher Tonart oder Lage du bist, die Stimmen bewegen sich immer gleich. Untersuchen wir das in E-Dur.

Du siehst, dieses Mal ist der Grundton ein E, aber auch hier bleibt er zur Subdominante liegen, bewegt sich für die Dominante einen Halbton tiefer und steigt für die Schlusstonika dann wieder einen Halbton. Und das ist auch hier in allen drei Lagen gleich. Und genau darin besteht der Vorteil, wenn du beginnst, Kadenzen auf dem Klavier zu spielen. Im Prinzip musst du vorerst gar nicht wissen, wie der Ton oder Akkord heißt, den du als nächstes spielen musst. Aber du weißt wo er liegt, bzw. wie sich die Stimmen bewegen. Untersuchen wir noch, wie sich die anderen Stimmen bewegen. Dafür gehen wir wieder zurück nach C-Dur.

Die Terz des Akkordes, in unserem Fall der Ton E, steigt zur Subdominante um einen Halbton, fällt zur Dominante dann eine kleine Terz und steigt dann zur Schlusstonika wieder einen Ganzton.

Die Quinte des Akkordes, hier ein G, steigt zur Subdominante um einen Ganzton, fällt zur Dominante direkt wieder um einen Ganzton und wiederholt in der Schlusstonika den gleichen Ton. Das überprüfen wir jetzt wieder an E-Dur.

Die Terz des Akkordes, im jetzigen Fall der Ton Gis, steigt zur Subdominante um einen Halbton, fällt zur Dominante dann eine kleine Terz und steigt dann zur Schlusstonika wieder einen Ganzton.

Die Quinte des Akkordes, hier ein H, steigt zur Subdominante um einen Ganzton, fällt zur Dominante direkt wieder um einen Ganzton und wiederholt in der Schlusstonika den gleichen Ton. Wie du siehst, bleiben auch die Bewegungen der anderen beiden Stimmen in allen Lagen und Tonarten gleich. Mache dir diese Erkenntnis beim Üben von Kadenzen zu Nutze und studiere vor allem die Stimmen und deren Verlauf. Höre dir die einzelnen Stimmen immer wieder an. Singe sie nach, auch das hilft sehr! Und mache dir beim Spielen einer Kadenz immer wieder klar, wohin sich die einzelnen Töne oder Stimmen bewegen. So wirst du immer sicherer und deine Finger finden den Weg mit der Zeit von ganz alleine.

Kadenzen in moll

Jetzt schauen wir uns nun noch eine Kadenz in moll an, und zwar in a-moll. Das hier ist die reine a-moll Tonleiter.

Jetzt bauen wir auf jedem Ton wieder einen Akkord auf und analysieren diese.

Da a-moll und C-Dur parallele Tonarten sind, treffen wir hier auf die gleichen Akkorde wie in C-Dur. Dieses Mal heißen der erste, vierte und fünfte Akkord aber a-, d- und e-moll.

Allerdings muss an einem der Akkorde eine kleine Änderung vorgenommen werden, nämlich an der Dominante. Ihre Dominanz auf den nachfolgenden Klang übt sie nämlich durch einen bestimmten Ton aus. Schauen wir uns das noch einmal in C-Dur an.

Die Terz der Dominante ist in diesem Fall der Ton H. Er liegt einen Halbton unter dem Grundton des Folgeakkords und wird deshalb Leitton genannt, weil er sich nach oben zum C auflösen möchte und den Klang dorthin leitet.  Zurück in a-moll fällt auf, dass dieser Ton fehlt.

Denn der Akkord auf der fünften Stufe heißt e-moll, die Terz dieses Akkordes somit G. Der Leitton zu A fehlt also, somit handelt es sich um eine sogenannte Molldominante. Der Name ist etwas irreführend, eine Dominanz auf den folgenden Klang kann dieser Akkord nämlich nicht ausüben. Gelöst wird dieses Problem dadurch, dass das G zu Gis erhöht wird. Somit entsteht E-Dur, der Leitton ist damit vorhanden und die Dominante verdient ihren Namen damit wieder. 

Bei einer Mollkadenz muss die Terz der Dominante also immer durch Vorzeichen erhöht werden. Die komplette a-moll Kadenz in allen Lagen sieht also so aus.

Fazit

Jetzt bist du gefragt

Abschließend bist nun du wieder gefragt, wie immer. Mache die Kadenzen unbedingt zu einem festen Bestandteil deiner musikalischen Übungen. Als Pianist lernst du das Klavier dadurch auf ganz neue Art kennen. Außerdem wirst du in punkto Harmonien und Akkordverbindungen sehr sicher und lernst so auch erste Bausteine für Improvisation und Komposition.

Gehe zusätzlich in der Literatur auf die Suche nach Kadenzen. Mit etwas Übung wirst du in sehr vielen Stücken diese harmonischen Verbindungen finden. Auch wenn sie in einer Mozart Klaviersonate, natürlich nicht unbedingt als vierstimmiger Akkord, der gleichzeitig angeschlagen wird, auftauchen werden. Schau dir genau an, wie die großen Komponisten diese Schemen eingebaut haben und wende diese Techniken auf deine Übestrukturen an. 

Viel Spaß und viel Erfolg!

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