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01.01.2019

Kaufberater USB/MIDI Keyboard Controller

Worauf muss man beim Kauf eines Controller-Keyboards achten?

Die wichtigsten Funktionen im Überblick

Im Bereich der USB/MIDI Keyboard Controller gibt es eine riesige Auswahl und die Entscheidung kann zu einer komplizierten Angelegenheit werden. In unserem Kaufberater erfährst du, worauf man beim Kauf eines Controller-Keyboards achten sollte, damit das Keyboard den jeweiligen Einsatzzweck optimal erfüllt.

Kaum ein Gerät aus dem Bereich der elektronischen Musik ist so wandlungsfähig und vielseitig wie ein gutes Controller-Keyboard. Je nach Ausstattung kann man damit Software-Synthesizer ansteuern und bedienen, die DAW fernsteuern, Apps auf dem iPad zum Klingen bringen und vieles mehr. Umso wichtiger ist es, dass ein Controller-Keyboard optimal auf die jeweiligen Bedürfnisse zugeschnitten ist. Damit du den Überblick behältst und schnell das richtige Keyboard für deine Zwecke findest, haben wir hier einige wichtige Infos zusammengestellt. Ausführliche Testberichte zu vielen aktuellen Controller-Keyboards und unsere aktuellen Empfehlungen findest du in unserem Testmarathon.

USB/MIDI Keyboard Controller: Quick Facts

Was ist ein USB/MIDI Keyboard Controller?

Ein USB/MIDI Keyboard Controller, Controller-Keyboard oder Masterkeyboard ist ein Keyboard, das zum Senden von MIDI-Daten an externe Klangerzeuger (Software-/Hardware-Synthesizer, Soundmodule), DAWs, Apps auf Mobilgeräten und andere MIDI-Empfänger verwendet wird. Es besitzt keine eigene Klangerzeugung (keine eigenen Sounds), sondern dient zum Fernsteuern anderer Geräte mittels MIDI-Daten.

Welche Funktionen bieten aktuelle USB/MIDI Keyboard Controller?

Controller-Keyboards sind unterschiedlich ausgestattet und eignen sich für verschiedenste Einsatzzwecke. Alle können die auf der Tastatur gespielten Noten als MIDI-Daten ausgeben. Darüber hinaus bieten viele Keyboards weitere Bedienelemente wie programmierbare Drehregler und Fader, Drumpads, Arpeggiator / Step Sequencer und ggf. eine direkte Einbindung (Integration) in bestimmte DAWs oder Software-Synthesizer.

Worauf muss man beim Kauf eines USB/MIDI Keyboard Controllers achten?

Welche Merkmale eines Controller-Keyboards wichtig sind, hängt stark vom geplanten Einsatzzweck ab. Man sollte sich als erstes überlegen, was man mit dem Keyboard genau machen möchte, was die Auswahl in der Regel schon erheblich einschränkt. Davon ausgehend kommt es neben der Größe der Tastatur ggf. auch auf andere Merkmale wie programmierbare Regler, Drumpads oder eine integrierte DAW-Steuerung an.

Wie findet man das richtige Controller-Keyboard?

Wer auf der Suche nach einem geeigneten USB/MIDI Keyboard Controller ist, sollte sich zuerst eine Reihe von Fragen stellen:

  • Welche Tastaturgröße benötige ich?
  • Wird das Keyboard viel transportiert oder stationär eingesetzt?
  • Brauche ich programmierbare Bedienelemente wie Fader und Drehregler zur Steuerung von Parametern in einer DAW oder einem Software-Synthesizer?
  • Brauche ich Drumpads?
  • Brauche ich neben dem USB-Anschluss einen herkömmlichen MIDI-Ausgang im 5-Pol-DIN-Format?
  • Benötige ich ein Keyboard mit einer tiefen Software-Integration in eine bestimmte DAW?
  • Benötige ich ein Keyboard, das mehrere programmierbare Tastaturzonen zur gleichzeitigen Steuerung mehrerer MIDI-Geräte bietet?

Im Folgenden werden wir auf alle diese Bereiche detailliert eingehen, um euch bei der Beantwortung dieser Fragen zu helfen. Wenn man sich genau überlegt, was man von einem USB/MIDI Keyboard Controller erwartet und welche Funktionen einem wichtig sind, lässt sich die Auswahl stark eingrenzen und wirkt nicht mehr ganz so überwältigend. Genauere Informationen zu den einzelnen Keyboards findet ihr dann in den ausführlichen Tests in unserem Testmarathon.

Welche Tastatur-Größen gibt es bei USB/MIDI-Controller-Keyboards?

USB/MIDI Keyboard Controller werden in verschiedenen Größen angeboten. Häufig ist das gleiche Modell in mehreren Größen erhältlich. Üblich sind die Tastaturgrößen 25 Tasten (2 Oktaven), 49 Tasten (4 Oktaven), 61 Tasten (5 Oktaven) und 88 Tasten (Klaviergröße, oft mit Hammermechanik). Seltener findet man auch Keyboards mit 37 Tasten (3 Oktaven) und 76 Tasten. 

Bei der Entscheidung für ein USB/MIDI Controller-Keyboard steht oft zuerst die Frage an, wie viele Tasten es besitzen sollte. Viele Keyboards werden in mehreren Größen angeboten, vom kleinen Mobilgerät mit 25 Tasten bis hin zu einem 88-tastigen Modell mit Hammermechanik. Welches die passende Größe ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Wer mit beiden Händen pianistisch spielt, braucht logischerweise ein größeres Keyboard mit 61, 76 oder 88 Tasten und freut sich vermutlich auch über eine Hammermechanik, die es fast nur bei Controller-Keyboards mit 88 Tasten gibt.

Auch zur Steuerung größerer Live-Setups mit mehreren Keyboard-Zonen ist ein großes Keyboard empfehlenswert. Für das Spielen von Synthesizer-Parts mit einer Hand reicht hingegen oft eine kleinere Größe aus oder ist sogar die bessere Wahl. Wichtig ist auch: Wer weniger Klavier und E-Piano, sondern hauptsächlich Synthesizer, Orgel oder viele verschiedene Sounds spielt, ist mit einer leicht gewichteten Tastatur im Synthesizer-Stil in der Regel besser bedient als mit einer schwergängigen Hammermechanik, die beim Spielen typischer Synth-Parts eher hinderlich sein kann.

Tipp:  Weitere Infos zum Thema Tastaturen findet ihr in unserem Artikel: "Von Hammermechanik bis Synthesizer-Tastatur".

Ein weiterer Faktor ist die Transportfreundlichkeit. Ein typisches 25-Tasten-Keyboard mit Minitasten nimmt nur in etwa die Grundfläche eines DIN-A4-Blattes ein, wiegt nur wenige Kilogramm und passt in jeden Rucksack. Es lässt sich also problemlos mitnehmen, während größere Keyboards sperrig und schwer sein können und ggf. ein gesondertes Case erfordern. Hier muss man abwägen, wie oft man das Keyboard transportieren wird und welche Tastaturgröße für das, was man spielen möchte, minimal erforderlich ist.

Sind Controller-Keyboards mit Minitasten eine gute Wahl?

Zunehmend werden kleine, mobile Controller-Keyboards mit Minitasten angeboten. Solche kompakten Keyboards lassen sich sehr leicht transportieren und eignen sich gut zum Triggern von Samples und Loops und zum Spielen einfacher Passagen. 

Die schmaleren, kürzeren Tasten waren lange Zeit nur bei Spielzeug-Keyboards zu finden, sind spätestens seit dem überwältigenden Erfolg des Korg microKORG Synthesizers aber auch im professionellen Bereich salonfähig geworden. Wenn man normal große Tasten gewöhnt ist, erfordert das Spielen auf Minitasten etwas Übung – schließlich müssen sich die Hände und das Muskelgedächtnis an ganz andere Intervalldistanzen anpassen. Gerade am Anfang greift man da oft daneben. Ungewohnt ist auch der geringere Tastenhub (Niedermaß) einer Tastatur mit Minitasten. 

Andererseits sind die Vorteile so kleiner Keyboards nicht zu leugnen: Sie bieten auf kleinem Raum eine vergleichsweise große Tastatur, sind echte Fliegengewichte und lassen sich auch im Zug oder im Flugzeug nutzen, ohne dass man dem Nachbarn den Tomatensaft umkippt. Auch hier gilt: Letztlich kommt es darauf an, was man spielen möchte. Wer das Keyboard hauptsächlich zum Triggern von Loops und Samples verwendet oder nur gelegentlich mal eine Bassline einspielen möchte, wird kein Problem mit Minitasten haben. Wer vom Klavier kommt und pianistisch spielt, wird sich allerdings auf einem Instrument mit normal großen Tasten deutlich wohler fühlen.

Welche Anschlüsse sind bei Controller-Keyboards wichtig?

Die wichtigsten Anschlüsse eines Controller-Keyboards sind die USB-Schnittstelle, ein eventuell vorhandener klassischer MIDI-Ausgang und ein Sustainpedal-Anschluss. Bei einigen Keyboards findet man weitere Anschlüsse, die das Keyboard für bestimmte Zwecke besonders geeignet machen.

Per Definition erzeugen Controller-Keyboards nicht selbst Klänge, sondern dienen als Fernsteuerung für andere MIDI-Klangerzeuger oder DAWs. Deshalb findet man bei ihnen keine Audio-Ausgänge. Umso wichtiger ist aber der Weg, den die MIDI-Daten aus dem Keyboard herausgehen. Alle heutigen Controller-Keyboards verfügen über einen USB-Anschluss, mit dem das Keyboard direkt an einen Computer oder an ein Mobilgerät angeschlossen werden kann. Oft kann darüber auch die Stromversorgung des Keyboards erfolgen. Der USB-Anschluss überträgt MIDI-Daten, wodurch man kein gesondertes MIDI-Interface benötigt, um das Keyboard an einen Computer anzuschließen.

Wenn das Keyboard die bidirektionale Kommunikation mit bestimmter Software unterstützt, können vom Computer kommende Informationen, zum Beispiel Parameterwerte eines Software-Synthesizers, am Keyboard dargestellt werden (auf dem Display, mit LED-Kränzen an den Reglern o.ä.). Wie weit diese Integration geht, hängt von der Software-Integration des Keyboards ab. Hersteller wie AKAI, Alesis, Native Instruments und Nektar bieten Controller-Keyboards an, die mit speziellen Protokollen tief in aktuelle DAWs und Software-Synthesizer integriert sind und eine Vielzahl von Informationen direkt am Keyboard verfügbar machen.

Gelegentlich hört man, ein Keyboard sei “USB class compliant”. Das bedeutet, dass es die im USB-Standard festgelegten Kriterien vollständig erfüllt und an einem aktuellen Rechner ohne Installation eines gesonderten Treibers funktionieren sollte. Auch der Anschluss an ein aktuelles Tablet sollte mit einem entsprechenden optionalen Adapter problemlos klappen. Inzwischen gilt das für die meisten USB Keyboard Controller.

Die klassische MIDI-Schnittstelle mit 5-poligen DIN-Steckverbindern ist auf dem Rückzug und gerade bei einfachen oder kleinen Controller-Keyboards kaum noch zu finden. Dennoch hat sie nach wie vor ihre Berechtigung, weshalb vor allem größere Keyboards im professionellen Segment auch heute noch über mindestens eine herkömmliche MIDI-OUT-Buchse verfügen. Man braucht sie zur Steuerung externer Klangerzeuger wie Synthesizer oder Soundmodule ohne einen dazwischen geschalteten Computer.

Wer das Keyboard also beispielsweise live einsetzen möchte, um ein Synthesizer-Soundmodul zu steuern, sollte darauf achten, dass ein traditioneller MIDI OUT in Form einer 5-Pol-DIN-Buchse vorhanden ist. Zudem bevorzugen viele Nutzer auch im Studio nach wie vor die klassische MIDI-Verbindung, weil die USB-Leitung in der Regel nicht galvanisch getrennt ist und eine Quelle für äußerst nervige Störgeräusche sein kann.

Bei einem Controller-Keyboard, das ohne einen Computer genutzt werden soll, ist neben dem MIDI Out auch die Stromversorgung ein wichtiges Thema. Viele aktuelle USB/MIDI Keyboard Controller werden standardmäßig über den USB-Port mit Strom versorgt. Wenn das Keyboard nicht über USB an einen Computer angeschlossen wird, muss man den nötigen Saft anderweitig zuführen – entweder über einen evtl. vorhandenen Netzteilanschluss oder mit einem handelsüblichen USB-Netzteil, wobei letzteres nicht immer einwandfrei funktioniert. Wer beabsichtigt, das Keyboard ohne Computer zu betreiben, sollte sich also genau über die Möglichkeiten der Stromversorgung informieren.

Die meisten Controller-Keyboards verfügen darüber hinaus über einen Anschluss für ein Sustainpedal. Bei sehr kleinen Keyboards für den mobilen Einsatz wird gelegentlich darauf verzichtet; stattdessen gibt es manchmal ein Sustain-Pad auf dem Bedienfeld. Ob das für den anvisierten Einsatzzweck in Frage kommt, muss jeder Nutzer für sich selbst entscheiden. Bei umfangreicher ausgestatteten Keyboards findet man zudem gelegentlich einen Anschluss für ein Expressionpedal.

Einige Controller-Keyboards haben Anschlüsse, die speziellen Zwecken dienen und das Keyboard für ganz bestimmte Einsatzzwecke geeignet machen. Beispielsweise ist das Arturia Keystep mit analogen Sync-Ein- und Ausgängen sowie mit CV/Gate-Outputs ausgestattet, was es zu einer idealen Wahl macht, wenn es um die Steuerung analoger Synthesizer oder Modularsysteme geht.

Welche Funktion haben Pads bei einem Controller-Keyboard?

Die Sampler/Sequencer der AKAI MPC Serie haben seit mittlerweile 30 Jahren einen nachhaltigen Einfluss auf die elektronische Musik; ohne sie klänge vor allem Hip Hop heute nicht so, wie wir ihn kennen. Ein Merkmal, das alle Modelle in der langjährigen Geschichte der AKAI MPCs eint, sind die rechteckigen Gummipads zum Triggern von Samples. Für viele Produzenten elektronischer Musik sind sie das Werkzeug der Wahl für das „Finger Drumming“, also das Einspielen von Beats per Hand. 

Deshalb statten viele Hersteller ihre Controller-Keyboards mit solchen Pads aus, darunter auch AKAI selbst. In der Regel sind sie in einer 4x4-Matrix angeordnet, bei kleineren Keyboards findet man manchmal acht Pads in einer 2x4-Anordnung. Heutzutage sind die Pads immer anschlagdynamisch, oft können sie auch Aftertouch-Daten senden. Bei manchen Keyboards sind die Pads zudem verschiedenfarbig hintergrundbeleuchtet, wodurch sie ihren jeweiligen Status visuell darstellen können.

Der Nutzen von Pads bei einem Controller-Keyboard geht aber deutlich über das „Eintrommeln“ von Beats hinaus. Die Pads können oft frei konfiguriert werden und statt MIDI-Noten zum Beispiel auch Controllerwerte oder Programmwechselbefehle senden. So kann man sie auch zum Umschalten von Sounds auf den angeschlossenen Geräten verwenden, oder je nach gesteuerter Software mit entsprechenden Controllerbefehlen, beispielsweise als Mute-Buttons o.ä., konfigurieren. Besonders in Verbindung mit der Software Ableton Live haben sich Pads auch zum Triggern von Clips und Loops bewährt.

Wofür braucht man Fader und Drehregler bei einem Controller-Keyboard?

Viele USB/MIDI Keyboard Controller verfügen über eine Reihe programmierbarer Fader (Schieberegler) und/oder Drehregler, mit denen man Werte in einer DAW oder einem Software-Synthesizer steuern kann. Welche Controllerwerte diese senden, lässt sich in der Regel individuell konfigurieren. Einige Keyboards bieten auch vorgefertigte Mappings zur Steuerung bestimmter DAWs oder Software-Synthesizer. 

Fader bieten sich zuallererst zur Fernsteuerung eines DAW-Mixers an. Mit ihnen kann man die Lautstärke einzelner Spuren am Keyboard kontrollieren, ohne zur Maus greifen zu müssen, was viele Anwender bevorzugen. Oftmals bieten damit ausgestattete Controller-Keyboards auch einen oder mehrere Buttons zum Wechsel zwischen mehreren Faderbänken, wodurch man beispielsweise umschalten kann, ob die Fader die Spuren 1-8 oder 9-16 etc. steuern. Darüber hinaus eignen sich Fader als Orgelzugriegel. Für diesen Einsatzzweck sollte man sie idealerweise so konfigurieren können, dass sie umgekehrt arbeiten (Maximalwert unten, Minimalwert oben). Um ein komplettes Drawbar-Set eines Hammond-Klons zu steuern, benötigt man neun Fader.

Bei Drehreglern muss man unterscheiden zwischen Potentiometern (Potis) und Encodern. Potentiometer sind variable Widerstände, die einen festen Regelbereich haben; man kann sie also nicht endlos drehen. Die Elektronik des Keyboards liest ihren Wert aus und wandelt ihn in digitale MIDI-Daten um. Da ein Poti absolute Werte sendet, kommt es ggf. zu Parametersprüngen, wenn der Wert des gesteuerten Parameters nicht mit der Reglerstellung am Keyboard übereinstimmt.

Encoder sind digital arbeitende Drehregler, die keine absoluten, sondern inkrementelle Werte senden. Dreht man den Regler nach rechts, erzeugt der Regler also beispielsweise nicht die Information „Wert = 48“, sondern „Wert +1“. Meistens sind Encoder als Endlosdrehregler ausgeführt und haben den Vorteil, dass sich Parametersprünge vermeiden lassen. Einige Keyboards mit tiefer Software-Integration, welche die bidrektionale MIDI-Kommunikation unterstützen, besitzen Encoder mit LED-Kränzen. In diesem Fall kann der in der Software eingestellte Wert visuell am Keyboard dargestellt werden.

Drehregler eignen sich für beinahe alles, was man bei Software- und Hardware-Klangerzeugern und in DAWs mit MIDI-Daten steuern kann. Die häufigsten Einsatzgebiete sind Panorama- und Aux-Regler eines Mixers, Steuerung diverser Plug-ins wie EQs, sowie Fernsteuerung der Regler von Software-Synthesizern. 

Welche Funktionen zur DAW-Steuerung bieten Controller-Keyboards?

Viele USB/MIDI Keyboard Controller sind mit einer Reihe spezieller Tasten zur Steuerung einer DAW ausgestattet, sodass man Funktionen wie Play, Stop, Record, Spurauswahl, Cycle/Loop, Metronom und ggf. weitere direkt am Keyboard bedienen kann.

Manche Hersteller bieten Keyboards an, deren DAW-Integration noch deutlich darüber hinaus geht. So sind für die Nektar Panorama Controller spezielle Protokolle verfügbar, mit denen das Controller-Keyboard tief in die DAWs Cubase, Logic, Bitwig Studio und Reason eingebunden wird. Plug-ins und Software-Synthesizer lassen sich mit den Bedienelementen des Keyboards komfortabel editieren, wobei die Parameternamen und Werte aus der DAW auf dem Display des Keyboards angezeigt werden. Außerdem bieten die Keyboards einen Motorfader, der dem Wert der jeweils ausgewählten DAW-Spur folgt, sodass keine Wertesprünge zu befürchten sind.

Das AKAI Advance und das Alesis VX werden mit der Software „VIP“ ausgeliefert, die Mappings zur Steuerung vieler populärer Software-Synthesizer enthält. Auch hier gilt: Die Parameter und ihre Werte werden im Klartext im Display der Keyboards angezeigt und lassen sich komfortabel bearbeiten. Mit dem CTRL49 bot auch M-Audio ein solches Keyboard an; dieses wurde aber eingestellt, als der Hersteller den inMusic-Verbund verließ.

Native Instruments bieten mit dem Komplete Kontrol eine Reihe von Keyboards an, die speziell auf das hauseigene Software-Paket Komplete zugeschnitten sind. Natürlich kann man auch andere Programme damit steuern; die Integration ist bei der Verwendung von Komplete und auch der NI Maschine Software aber besonders tief.

Was sind Tastaturzonen und wofür braucht man sie?

Einige USB/MIDI Keyboard Controller, die eher den klassischen Masterkeyboard-Gedanken verfolgen, bieten mehrere programmierbare Tastaturzonen. Vor allem größere Keyboards sind damit ausgestattet. Solche Zonen sind wichtig, wenn man das Keyboard live einsetzt und damit einen größeren Gerätepark unabhängig von einem Computer steuern möchte. Für die Nutzung im Studio sind sie in der Regel irrelevant.

Bei der Verwendung eines Controller-Keyboards in Verbindung mit einer DAW ist es oft unerheblich, auf welchem MIDI-Kanal das Keyboard sendet; alle ankommenden MIDI-Daten werden von der DAW erfasst, formatiert und an die jeweils aktive Spur bzw. das aktive Software-Instrument weitergeleitet. Auch, wenn das Keyboard nur zur Steuerung eines einzelnen externen Geräts eingesetzt wird, braucht man keine Tastaturzonen.

Anders sieht es aus, wenn man live spielt und das Masterkeyboard als zentrale Schaltstelle eines Setups mit mehreren externen MIDI-Klangerzeugern einsetzt. In diesem Fall ist die Einstellung der MIDI-Kanäle und anderer Parameter umso relevanter, damit jeder Klangerzeuger mit den für ihn bestimmten Daten versorgt werden kann. Deshalb bieten viele größere USB/MIDI Keyboard Controller mehrere programmierbare Tastaturzonen. Bei aktuellen, damit ausgestatteten Controller-Keyboards sind vier bis acht Zonen üblich, große Synthesizer-Workstations bieten oft noch mehr. Diese Funktion ermöglicht es, für jeden Song ein Preset zu erstellen, in dem das Masterkeyboard in verschiedene Tastaturbereiche aufgeteilt wird, die jeweils einen anderen Sound von einem externen Gerät steuern.

So könnte man zum Beispiel in der linken Tastaturhälfte einen Piano-Sound von einem Soundmodul auf MIDI-Kanal 1 ansteuern, während in der Mitte ein gelayertes String Pad von einem anderen Soundmodul und einem iPad auf den MIDI-Kanälen 2 und 3 erklingt und ganz rechts ein Lead-Sound von einem Desktop-Synthesizer auf MIDI-Kanal 6. Für jede MIDI-Zone lassen sich direkt im Masterkeyboard der Tastaturbereich, der MIDI-Kanal, die Transposition und weitere Parameter einstellen, zum Beispiel ob die Zone auf das Sustainpedal und andere Controller reagieren soll oder nicht.

Außerdem lässt sich für jede Zone ein Programmwechselbefehl programmieren, sodass die angeschlossenen externen Klangerzeuger beim Aufrufen des Presets am Masterkeyboard automatisch auf die gewünschten Sounds eingestellt werden. So kann man komplexe Setups aus mehreren Geräten erstellen, die zentral vom Masterkeyboard gesteuert werden, und muss im Idealfall beim Wechsel zum nächsten Song nur das jeweilige Preset am Keyboard aufrufen, statt alle Sounds der externen Klangerzeuger manuell zu wechseln. Ein solches Setup erfordert viel Planung und Vorbereitung, kann aber auf der Bühne enorm viel Zeit sparen.

Keytars und andere Exoten

Manche Controller-Keyboards fallen aus dem Rahmen und eignen sich für ganz spezielle Zwecke. Mit Keytars können Keyboarder wie Gitarristen am Bühnenrand performen. Andere Keyboards eröffnen mit mehrdimensionalen Tastaturen neue expressive Möglichkeiten.

Die Gattung der Keytars erlebte in den 1980ern einen Höhenflug, als sich Größen wie Jan Hammer und Herbie Hancock damit die ihnen gebührende Aufmerksamkeit verschafften. Auch wenn Modern Talking oder Nena in den 80ern im TV auftraten, war das Umhängekeyboard oft mit von der Partie. Das Konzept ist einfach: Mit einem Instrument zum Umhängen können Keyboarder ihre Burg verlassen und vorn am Bühnenrand zusammen mit den Gitarristen rocken. Eine Keytar benutzt man nicht, weil es sich darauf besonders gut spielen ließe. Auffallen ist hier die Devise!

Keytars werden meist mit der rechten Hand gespielt, während die linke Hand eine Reihe von Controllern bedient, die am „Hals“ des Keyboards angebracht sind. Oft ist darunter mindestens ein Ribbon-Controller, der sich gut für Gitarren-artige Bendings eignet. 

Heute fristen die Keytars eher ein Nischendasein, aber immerhin gibt es wieder einige Angebote auf dem Markt. Das Alesis Vortex Wireless 2 ist derzeit das einzige reine Controller-Keyboard zum Umhängen und passenderweise mit einer kabellosen MIDI-Schnittstelle ausgestattet. Außerdem verfügt es über einen Beschleunigungssensor, der beim Kippen bzw. Hochziehen des Keyboards Controller-Daten senden kann. Einige Hersteller bieten darüber hinaus Keytars an, die mit einer integrierten Klangerzeugung ausgestattet sind. Sie sind also keine reinen Controller-Keyboards im engeren Sinne. Allerdings kann man auch sie natürlich zum Ansteuern anderer Klangerzeuger verwenden und dabei die Keytar-typischen Bedienelemente einsetzen. Der Roland AX-Edge und der vor einiger Zeit eingestellte Korg RK-100S fallen in diese Kategorie. 

Eine weitere Sonderform sind mehrdimensionale Keyboard Controller. Verschiedene Hersteller bieten inzwischen Keyboard-ähnliche Instrumente an, die die Beschränkungen einer herkömmlichen Klaviatur aufbrechen und neue Möglichkeiten zur expressiven Klangformung eröffnen. Die Konzepte variieren von Hersteller zu Hersteller, das Ziel ist aber immer gleich: Es geht darum, Keyboardern Ausdrucksmöglichkeiten zu bieten, die auf einer herkömmlichen Klaviatur nicht möglich sind.

So lassen sich beispielsweise durch Verschieben des Fingers auf der „Taste“ Klangveränderungen steuern und der Druck auf die Taste wird für jede Taste einzeln analysiert und übertragen (polyphoner Aftertouch). Die Datenübertragung arbeitet oft mit dem MIDI MPE Standard (MIDI Polyphonic Expression), der daher auch von den gesteuerten Synthesizern bzw. Software-Synthesizern unterstützt werden muss, um alle Möglichkeiten eines solchen Controllers nutzen zu können.

In diese exotische Kategorie fallen zum Beispiel die ROLI Seaboard Serie und das Haken Continuum Fingerboard. Auch das kompakte Keith McMillan K-Board verfügt über Sensoren, die die vertikale Position der Finger auf den Tasten auswerten. Eine größere Variante mit mehr Möglichkeiten wurde mit dem K-Board Pro 4 bereits angekündigt.

Ihr seht: Beim Kauf eines USB/MIDI Keyboard Controllers gibt es einiges zu beachten, damit die Wahl am Ende auf ein Gerät fällt, das optimal auf die jeweiligen Anforderungen zugeschnitten ist. Wenn ihr mit den Informationen aus diesem Artikel die eingangs gestellten Fragen für euch beantwortet, wird euch die Wahl hoffentlich deutlich leichter fallen. So könnt ihr aus dem umfangreichen Angebot einige Keyboards herausfiltern, die euren Ansprüchen nahe kommen.

In unserem Testmarathon findet ihr ausführliche Informationen zu den jeweiligen Controller-Keyboards sowie unsere aktuellen Empfehlungen.

Veröffentlicht am 01.01.2019

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