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11.01.2019

 

 

Kaufberatung Akustikverstärker

Warum Akustikamps unverzichtbar sind

Verstärker für Akustikgitarre, die universellen Spezialisten

Verstärker für Akustikgitarren sind für alle diejenigen unverzichtbar, die ihrer Western- oder Konzertgitarre über die naturgegebene Lautstärke hinaus Gehör verschaffen möchten. Natürlich könnte man auch ganz einfach ein Mikrofon vor die Gitarre stellen und dann ab in die Anlage, was allerdings in der Praxis selten ohne Probleme klappt.

Ein Grund, weshalb die Industrie die verschiedensten Tonabnehmer und Verstärkungsmöglichkeiten entwickelt hat, darunter spezialisierte Verstärker, die so genannten Akustikamps.

Was können diese Verstärker, was können sie nicht, und wie kann man sie sinnvoll einsetzen? Diese und alle anderen Fragen rund um die Verstärkung der Akustikgitarre soll euch dieses Special beantworten.

Quick Facts - Akustikamp

Was ist ein Akustikamp?
Mit "Akustikamp" wird ein handlicher Combo-Verstärker bezeichnet, der einen weiten Frequenzgang und mehrere Eingänge bietet und speziell auf den Einsatz mit akustischen Instrumenten ausgelegt ist.

Warum gibt es Akustikamps?
Akustische Gitarren besitzen einen anderen Frequenzgang als E-Gitarren. Ein E-Gitarrenverstärker kann diese Frequenzen nicht übertragen.

Seit wann gibt es Akustikamps?
Die ersten Gitarrenverstärker wurden in den 1920er-Jahren entwickelt. Sie waren für die Verstärkung akustischer Gitarren gedacht, denn E-Gitarren gab es noch keine. Ausgesprochene Akustikamps gibt es jedoch erst seit den späten 1980er-Jahren.

Wo setzt man einen Akustikamp ein?
Ein Akustikamp kann alle akustischen Instrumente abbilden, aber auch Gesang und bei entsprechender Auslegung auch Bassinstrumente. Er kann als Hauptverstärker genauso wie als Monitor dienen.

 

 

Warum es Akustikamps gibt

Eingangs soll aber erst mal die Frage beantwortet werden, wofür ihr einen Akustikamp benötigt. Speziell E-Gitarristen besitzen bereits einen Gitarrenamp - und eine Akustikgitarre ist in erster Linie doch eine Gitarre, oder? Sie besitzt einen Tonabnehmer mit Klinkenausgang, der Gitarrenamp besitzt einen Klinkeneingang. Volle Kompatibilität sollte also gewährleistet sein, oder? Wer so denkt, steckt auch eine KT88-Röhre in einen EL34-Sockel.

Eine Akustikgitarre tönt leider nicht mehr nach Akustikgitarre, wenn man sie beispielsweise über einen Vox AC30 schickt - das habe ich vor vielen Jahren selbst ausprobiert. Der Grund: Zum einen ist der Frequenzgang eines E-Gitarrenamps nicht linear, zum anderen fehlen ihm die Hochtöner, so dass die wichtigen Obertöne von Akustikinstrumenten nicht übertragen werden. Was für eine E-Gitarre perfekt funktioniert, ist der Tod eines natürlichen Akustiktons.

Was ist ein Akustikamp?

Aber was genau soll das sein, ein "Akustikamp"? Damit wird üblicherweise ein Comboverstärker bezeichnet, der für die Verstärkung akustischer Instrumente optimiert ist. In unserem Fall sind damit vor allem Saiteninstrumente wie Gitarre, Mandoline oder Geige, aber auch Akustik- oder Kontrabass gemeint. Sogar die menschliche Stimme gehört dazu. Solche Instrumente besitzen einen sehr weiten Frequenzgang, der vor allem nach oben offen ist.

Akustische Instrumente werden dann als natürlich klingend empfunden, wenn die Obertöne bis zur menschlichen Hörgrenze linear wiedergegeben werden. Diese Obergrenze liegt bei jungen Menschen bei maximal 20.000 Hertz (leider sinkt sie mit zunehmendem Alter ab). Ein Akustikamp ist in der Lage, diese Bandbreite wiederzugeben. Zum Vergleich: Ein E-Gitarrenverstärker - besser gesagt die Lautsprecher - macht bei etwa 9.000 Hertz "dicht" und schneidet das Signal steilflankig ab - was auch gut ist, denn sonst würde auch der cremigste "Woman Tone" eher nach Rasierapparat klingen.

Die meisten Akustikamps sind mit mindestens zwei Kanälen ausgestattet, die den Anschluss der unterschiedlichsten Signalquellen erlauben. Extrem hochohmige Pickups über Klinkenkabel, beispielsweise passive Piezos, sind genauso wenig ein Problem wie niederohmige Kondensatormikrofone, die Phantompower benötigen und mit einem XLR-Kabel angeschlossen werden. Man könnte also sagen, dass ein Akustikamp eine PA im handlichen Combo-Format darstellt: Er bietet einen weiten Frequenzgang, eine Mischmöglichkeit mehrerer Eingänge und sogar Effekte. Also alles, was man benötigt, um einen Auftritt über die Bühne zu bekommen.

Was so toll ist an einem Akustikamp

Akustikamps besitzen jedoch noch eine weitere und einzigartige Eigenschaft: Sie können die Signale von Piezo-Pickups verarbeiten. Diese Pickups bestehen aus Kristallen, die bei mechanischer Verformung einen dazu entsprechenden elektrischen Strom abgeben. Sie haben den Vorteil, dass sie auch hohe Frequenzen übertragen können. Außerdem sind sie im Vergleich zu Mikrofonen gegen Rückkopplungen wenig anfällig. Und sie sind billig!

Der Nachteil dieser Pickups liegt zum einen in der nicht linearen Übertragung, wodurch das Signal deutlich gefärbt wird, und zum anderen in dem sehr hohen elektrischen Widerstand, der bei den üblichen Verstärkern zu Fehlanpassungen führt (deswegen sind in den meisten Akustikgitarren so genannte Impedanzwandler eingebaut). Das klingt dann dünn, undynamisch und wenig akustisch - kurz: grausig. Aber ein guter Akustikverstärker wird mit beiden Eigenheiten eines Piezos gut zurecht kommen.

Wichtige Verbündete: Feedback-Killer

Ein weiteres, zentrales Problem bei der Verstärkung von akustischen Instrumenten ist Feedback, jenes Pfeifen, das entsteht, wenn man ein Instrument zu laut aufdreht. "Zu laut" kann es dabei bereits bei ernüchternd niedrigen Pegeln sein. Die meisten Akustikamps besitzen daher zumindest einen Phase-Switch, der die Phase dreht und durch Phasenauslöschung Feedback unterdrücken kann. Oft ist zusätzlich ein durchstimmbares Notch-Filter vorhanden, das man genau auf die Feedback-Frequenz abstimmen kann.

Damit sind auch schon die wesentlichen Unterschiede zu einem normalen Mischpultkanal skizziert, dem üblicherweise die Ausstattung fehlt, um mit Piezos klarzukommen, und auch die Möglichkeit, Feedback zu unterdrücken.

Alternative: externe Preamps

Der Vollständigkeit halber sei noch erwähnt, dass es externe Vorverstärker gibt, die das können. Diese besitzen dann zwar keinen Mikrofoneingang, keine Endstufe und auch keine Speaker, aber man kann damit mit seinem Instrument direkt in eine PA gehen und sich sein Signal auf den Monitor geben lassen. Diese Lösung bietet sich an, wenn man ausschließlich auf größeren Bühnen und mit eigener PA unterwegs ist.

Akustikverstärker richtig aufstellen

Will man einen Verstärker hören (damit sind natürlich die Lautsprecher gemeint, den Verstärker selbst sollte man nicht hören können), muss man ihn so aufstellen, dass er die Ohren beschallt. Wenn man ihn auf den Boden stellt, muss er also so angewinkelt werden, dass er nach oben strahlt. Dann jedoch wird er tatsächlich nur das Ohr der direkt vor ihm Stehenden erreichen, nicht jedoch die eines Publikums - eine typische Monitor-Situation. Das ist ok, wenn er auch als Monitor genutzt wird. Soll er ein Publikum beschallen, muss man anders vorgehen.

Schall wird von weichen Oberflächen wie Teppichen, Vorhängen oder Publikum absorbiert, und speziell die hohen Frequenzen werden sehr schnell unhörbar. Wird also der Amp als alleiniger Verstärker eingesetzt (beispielsweise beim Kneipengig), muss er nach oben über die Köpfe der Leute. Dafür benutzt man einen Hochständer. In manchen Kneipen stehen auch mal Schränke oder Regale herum, auf die man den Amp stellen kann - Hauptsache weg vom Boden.

Man wird schnell feststellen, dass zwei prinzipbedingte Probleme auftauchen: Zum einen kommt man dann nur noch schlecht an die Regler, zum andern klingt der Amp etwas dünner, wenn er nicht mehr am Boden steht. Damit muss man leider klarkommen, denn die Alternative ist eine platzaufwändige PA. Oder wir warten auf die ersten Akustikamps mit Tablet-Koppelung via Bluetooth. Dann spielen zumindest die nicht erreichbaren Regler keine Rolle mehr.

Um es zusammenzufassen:

Das Tolle an einem Akustikamp ist, dass er eine Box, eine Endstufe und eine auf akustische Instrumente optimierte Vorstufe mit mehreren Eingängen in einer kleinen Kiste zusammenfasst. Um einen Auftritt erfolgreich über die Bühne zu bringen, benötigt man nur noch sein Instrument, die Kabel und eventuell ein Mikrofon.

Akustikamps in der Praxis

Lasst uns mal ein paar typische Szenarien durchspielen, was man mit einem Akustikamp so anstellen kann, und wo er entweder als Monitor oder als alleiniger Verstärker eingesetzt wird.

Location: Kneipe oder Club

Artist: Alleinunterhalter mit Gesang
Dieses Szenario ist einer der Kernkompetenzen eines Akustikamps. Eine Kneipe ist vergleichsweise klein und eng. Man wird also nicht viel Platz haben, aber auch keine extrem hohen Leistungen benötigen. Wichtig dabei ist, dass der Amp irgendwie höher gelegt wird, sei es mit einem Stativ, sei es auf einem Schrank oder einem Regal. Außerdem sollte man mehr oder weniger deutlich vor dem Amp stehen, damit man sich selbst hört. Die mögliche Lautstärke ist dann natürlich begrenzt, was bei einem kleinen Raum verschmerzbar ist.

Location: Kneipe oder Club

Artist: Duo mit Gesang
Das gilt genauso für ein Duo. Allerdings wird man nicht um einen zweiten Amp herum kommen, denn vier Eingänge stellen die wenigsten Akustikamps zur Verfügung. Hier wäre möglicherweise auch eine Mini-PA wie die Bose L1 eine gute Wahl. Besitzt jedoch jeder der Gitarristen bereits einen eigenen Akustikamp, ist dieser Lösung der Vorzug zu geben - der so genannte "Eh da"-Faktor. Eine besonders clevere Verschaltung ist, beide Amps zu koppeln, um so die Endstufe und Lautsprecher des anderen Amps mitbenutzen zu können - die zur Verfügung stehende Leistung verdoppelt sich glatt! Dazu verbindet man die Effektschleifen beider Amps wechselseitig, also Send von Amp A in den Return von Amp B - und umgekehrt. Das funktioniert jedoch nur bei einem parallelen Effektweg, und zudem beileibe nicht bei jeder Verstärkerkombination.

Location: Kneipe oder Club

Artist: laute Akustikbands
Wenn man mit einer kompletten Band unterwegs ist, sieht die Situation ein bisschen anders aus. Wenn jeder Musiker mit seinem eigenen Amp aufschlagen würde, wäre bald kein Platz mehr für das Publikum. Ab diesem Punkt ist eine zentrale PA eindeutig im Vorteil, denn sie benötigt weniger Platz und ist dennoch leistungsstark. Für den Gitarristen ist bei diesem Setup allerdings ein Preamp vor dem PA-Mischer empfehlenswert. Ein Akustikamp kann in einem solchen Fall jedoch noch immer als Monitor eingesetzt werden.

Location: Bühne oder Orchestergraben

Artist: Musiker
Kommen wir zu Eignung des Akustikamps als Universalverstärker. Man kann ihn eigentlich überall dort einsetzen, wo noch ein Verstärker oder ein Monitor benötigt wird. Dazu muss er natürlich passend ausgelegt sein. Das gilt vor allem für die Leistung: Mit einem 50-Watt-Schuhkarton steht man gegen einen dynamisch spielenden Schlagzeuger auf verlorenem Posten. Aber es gibt ja auch noch die Gitarristen, die bei Musical- oder Theaterproduktionen im Orchestergraben oder auf der Seitenbühne spielen. Man hat wenig bis sehr wenig Platz und muss dennoch eine breite Palette an Sounds anbieten. Hier drehen sich die Schwerpunkte witzigerweise um, denn viele Gitarristen benutzten nun ihren Akustikamp auch für die E-Gitarre. Mit einem modernen Multieffektgerät mit Cab-Simulation davor tönt er auch dann überzeugend.

Location: große Bühne

Artist: Rockband
Als Gitarrist in einer Rockband ist man gewöhnt, seinen Verstärker hinter sich stehen zu haben. Der Vorteil ist, dass man seinen eigenen Sound und seinen eigenen Pegel dabei hat. Wenn man nun auf eine Akustische wechselt, würde man dies gerne beibehalten, anstatt sich in die PA einzuklinken und nur über den Monitor zu hören, und das in der Regel entweder zu laut oder zu leise. Mit einem leistungsstarken Akustikamp fühlt man sich in einem solchen Umfeld sicherer.

Kaufempfehlungen: Akustikamps unter 300 Euro

 

Man muss kein Vermögen ausgeben, um zu einem guten Akustikamp zu kommen. Die größten Abstriche muss man bei der Leistung machen, denn mit 20 oder auch 50 Watt kommt man in einer Kneipe nicht besonders weit.

 

 

Kaufempfehlungen: Akustikamps über 300 Euro

In der Preisklasse über 300 Euro gibt es schon richtig erwachsene Geräte. Speziell die wattstarken Boliden kann man bedenkenlos auch in gut besuchten Kneipen oder auf größeren Bühnen einsetzen.

Veröffentlicht am 11.01.2019

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