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17.01.2020

Kaufberatung und Testmarathon Stagekeyboards

Welches Stagekeyboard ist das Richtige für mich?

Orgel und mehr in einem Keyboard für die Bühne

Stagekeyboards sind für den orgelspielenden Keyboarder das, was Stagepianos für den Pianisten sind: Praktische Komplettlösungen für die Bühne, die neben Orgelsounds in bester Qualität auch weitere Klänge abdecken können und nicht selten das zentrale Instrument in der Keyboardburg darstellen. Doch worauf muss man beim Kauf eines Stagekeyboards achten und welches Instrument empfiehlt sich für welchen Einsatzzweck? In unserem Kaufberater und Testmarathon nehmen wir aktuelle Stagekeyboards unter die Lupe und beantworten diese und weitere Fragen.

Wie auch bei den Stagepianos sind ist die Abgrenzung zu anderen Instrumentengattungen wie den Synthesizer-Workstations nicht immer ganz eindeutig: Manche moderne Stagekeyboards sind so vielseitig, dass sie fast als Workstation durchgehen könnten, und natürlich bieten auch andersherum die meisten Workstations viele Funktionen, die man von einem Stagekeyboard erwartet. Und doch hat diese Instrumentengattung ihre ganz bestimmten Merkmale, die sie für die anvisierte Zielgruppe unverzichtbar machen.

Was ist ein Stagekeyboard?

Unter einem Stagekeyboard versteht man ein Keyboard mit einem Schwerpunkt auf Orgelsounds, das für den Einsatz auf der Bühne ausgelegt ist. In der Regel bieten Stagekeyboards auch Zugriegel, oder spezielle Sensorfelder für eine orgelkonforme Bedienung.

Im Unterschied zu einem Stagepiano, das sich mit einer gewichteten Tastatur mit Hammermechanik an Keyboarder wendet, die überwiegend Piano- und E-Piano-Sounds spielen, besitzt ein Stagekeyboard in der Regel eine ungewichtete bzw. leicht gewichtete, für das Orgelspiel optimierte Tastatur. Zudem verfügt es über eine hochwertige Emulation des Hammond-Orgelsounds mitsamt Leslie-Effekt, sowie über eine für den Live-Einsatz optimierte Bedienung mit viel direktem Zugriff auf wichtige Funktionen. Von reinen Combo-Orgeln unterscheidet sich das Stagekeyboard dadurch, dass es zusätzlich zu den Orgelklängen noch weitere Sounds wie E-Pianos und Synthesizer abdeckt, sodass es für viele Keyboarder die Funktion eines All-in-one-Keyboards erfüllen kann.

Für wen eignet sich ein Stagekeyboard?

Ein Stagekeyboard ist dann die richtige Wahl, wenn der Schwerpunkt auf dem Orgelspiel liegt, aber gelegentlich zusätzlich weitere Klänge wie StreichersoundsPianos oder Synthesizersounds in guter Qualität benötigt werden. Genauso, wie es viele Keyboarder gibt, die überwiegend Klavier spielen und hin und wieder eine Orgel oder eine Synthesizerfläche brauchen, gibt es auch Keyboarder, für die die Orgel das zentrale Instrument ist. Wer den Großteil eines Gigs mit Hammond- und ggf. weiteren Orgelsounds bestreitet, bekommt mit einem aktuellen Stagekeyboard ein Instrument, das perfekt zu diesem Spielerprofil passt. Liegt der Schwerpunkt hingegen auf Klavier- und E-Piano-Sounds und die Orgel spielt eher eine Nebenrolle, ist ein Stagepiano die bessere Wahl. 

Welche sind die wichtigsten Merkmale moderner Stagekeyboards?

  • Leicht gewichtete oder ungewichtete Tastatur, ggf. Waterfall-Tastatur
  • Hochwertige Hammond-Orgelemulation mit Zugriegeln, ggf. Emulationen anderer elektronischer Orgeln, z. B. Transistororgeln wie Vox oder Farfisa
  • Hochwertiger Leslie-Effekt
  • Auswahl weiterer Sounds wie Pianos, E-Pianos und Synthesizer-Sounds
  • Split- und Layerfunktionen
  • Effektsektion mit Distortion, Hall, Delay und ggf. weiteren Effekten
  • Intuitives Bedienkonzept mit direktem Zugriff auf alle wichtigen Parameter für den Liveeinsatz

Worauf sollte man beim Kauf eines Stagekeyboards achten?

Wie immer steht am Anfang der Kaufentscheidung die Frage, wofür das Instrument hauptsächlich benutzt werden soll. In welcher Besetzung tritt man auf, welche musikalischen Stilistiken werden gespielt, und welche Sounds sind besonders wichtig? Wenn man diese Fragen für sich selbst beantwortet, wird schnell klar, welche Ausstattung das Keyboard mitbringen sollte. Im Folgenden haben wir zu den einzelnen Merkmalen typischer Stagekeyboards einige Tipps zusammengestellt, die euch bei der Auswahl des richtigen Instruments helfen sollen.

Tastatur

Die Tastatur spielt bei jedem Keyboard für den Liveeinsatz eine herausragende Rolle, und somit natürlich auch bei Stagekeyboards. Hier sollte man sich genau fragen, welche Klänge man hauptsächlich spielen wird. Leider gibt es nämlich keine Tastatur, die für Piano- und Orgelsounds gleichermaßen gut geeignet ist, weshalb nicht wenige Keyboarder dafür zwei verschiedene Instrumente mitschleppen. Während eine gewichtete Tastatur mit Hammermechanik für Klavier- und E-Piano-Sounds das Maß der Dinge ist, ist es praktisch unmöglich, darauf überzeugend Orgel zu spielen. Andersherum wird man mit der leicht gewichteten Klaviatur einer Orgel, eines Stagekeyboards oder eines Synthesizers auf Dauer nicht glücklich, wenn der Schwerpunkt auf Pianosounds liegt. Bis zu einem gewissen Grad sind in beide Richtungen Kompromisse möglich, aber insgesamt sollte sich die Wahl des Keyboards und der Tastatur daran orientieren, welche Sounds den Großteil der gespielten Songs ausmachen. An dieser Frage entscheidet sich also meistens, in welche Richtung die Kaufentscheidung fällt.

Im Unterschied zu einer Klaviertastatur ist die Tastatur einer Orgel nicht oder nur sehr leicht gewichtet und nicht anschlagdynamisch. Bei der Hammondorgel kommt noch das charakteristische Merkmal hinzu, dass der Ton nicht wie bei einem Klavier am unteren Ende des Tastenwegs ausgelöst wird, wenn die Taste ganz heruntergedrückt wurde, sondern bereits erklingt, wenn die Taste nur ganz leicht gedrückt wird.

Aus diesen typischen Eigenschaften der Hammond-Tastatur haben sich eine Reihe spezieller Spieltechniken entwickelt, die auf der gewichteten Tastatur eines Stagepianos nur schwer bis gar nicht umzusetzen sind. Wer schon einmal probiert hat, auf einem Piano ein typisches Orgelglissando mit dem Handballen hinzulegen, wird festgestellt haben, dass das kaum gelingt und der Versuch sogar ganz schön schmerzhaft sein kann. Auch andere beliebte Orgelspieltechniken wie das sogenannte “Sputtern” (schnell repetierte, sehr kurze Noten) und rasante Triller bereiten auf einer gewichteten Klaviatur Probleme, weil die Tastatur einfach nicht schnell genug ist und zu viel Kraftaufwand erfordert. Wer authentisch orgeln möchte, braucht daher eine dafür optimierte Tastatur.

Ein weiteres Merkmal der Hammond-Tastatur ist das Fehlen der Tastenlippe. Den kleinen Vorsprung an der Vorderkante, den die Tasten eines Klaviers, Flügels oder Stagepianos haben, gibt es bei der Hammondorgel nicht. Gerade für Glissandi ist das von Vorteil, denn, wenn man mit der ganzen Hand über die Tasten wischt, kann man sonst daran hängen bleiben. Stagekeyboards, die einen klaren Orgelschwerpunkt haben, sind daher mit sogenannten Waterfall-Tastaturen ausgestattet, die diesen Vorsprung nicht besitzen.

Obwohl die Klangerzeugung einer echten Orgel nicht anschlagdynamisch ist, verfügen die Tastaturen aller heutigen Stagekeyboards übrigens selbstverständlich über eine Anschlagdynamik. Dadurch kann man auch andere Sounds darauf spielen, wodurch das Stagekeyboard seine Allrounder-Fähigkeiten bekommt. In der Regel lässt sich die Anschlagdynamik für Orgelsounds deaktivieren oder wird bei Auswahl eines entsprechenden Sounds automatisch abgeschaltet.

Orgel-Klangerzeugung

Hammond-Orgel

Die elektromagnetische Tonewheel-Klangerzeugung der Hammondorgel ist ein komplexes Gebilde. Tonräder beeinflussen sich gegenseitig und in der Mechanik und Elektronik der Hammond treten verschiedenste Übersprechungseffekte und Nebengeräusche auf. Viele davon waren bei der Hammondorgel eigentlich unerwünscht, zum Beispiel der charakteristische Keyclick. Dennoch tragen sie zum charakteristischen Sound bei und gehören untrennbar zur Hammond. Deshalb steht und fällt ein Stagekeyboard mit der Qualität der Hammond-Emulation.

Mit Samples lässt sich der Charakter der Hammondorgel nur unzureichend wiedergeben. Gesampelte Orgeln sind statisch und lassen sich nicht während des Spielens mit den Zugriegeln beeinflussen, was beim Orgelspiel ein wesentliches stilistisches Element ist. Auch können sie nicht die dynamischen Effekte und Nebengeräusche abbilden, die beim Spielen auftreten. Zum Beispiel wird das Percussion-Register der Hammondorgel beim Spielen von Legato-Noten nicht erneut ausgelöst, es erklingt nur bei der ersten Note. Bei einer gesampelten Orgel mit gleich mitgesampelter Percussion würde diese jedoch bei jeder Note spielen, was nicht dem typischen Verhalten der Hammondorgel entspricht.

Deshalb basieren die Orgel-Emulationen der meisten heutigen Stagekeyboards auf der Physical-Modeling-Technologie. Dabei wird der Sound in Echtzeit von einem DSP (Digitaler Signalprozessor) errechnet, inklusive aller Nebengeräusche, Unsauberkeiten und weiterer Merkmale des Orgelsounds. Mit einem oder mehreren Drawbar-Sets lässt sich der Klang während des Spielens anpassen. Auch das Perkussionsregister und die Hammond-typischen Chorus- und Scanner-Vibrato-Effekte sind in der Regel Bestandteil der Emulation.

Wie detailliert die Emulation ist, unterscheidet sich von Instrument zu Instrument. Bei einigen Keyboards kann man durch Parameter wie Leakage das Alter und den Zustand der virtuellen Orgel variieren und an den persönlichen Geschmack und die Musikrichtung anpassen. Auch die Lautstärke des Keyclicks ist oft einstellbar.

Elektronische Orgeln

Zusätzlich zur klassischen Hammond B3 bieten manche Stagekeyboards auch Emulationen elektronischer Transistororgeln wie der Vox Continental und der Farfisa-Orgel. Mit diesen Klängen lassen sich viele Hits der 1960er und 1970er authentisch intonieren. Da diese Orgeln über andere Register und Bedienkonzepte verfügen als die Hammond, ist die Bedienung über die Hammond-orientierten Zugriegel eines Stagekeyboards in der Regel nicht ganz authentisch. Aber es ist eine schöne Zugabe, diese Klänge an Bord zu haben.

Zugriegel

Das Beeinflussen des Orgelsounds mit den Zugriegeln während des Spielens ist ein wichtiges Stilmittel. Daher bieten alle modernen Stagekeyboards mindestens ein sogenanntes Drawbar-Set, das aus neun Zugriegeln für die neun Register eines Hammond-Manuals besteht. So muss man nicht das Preset wechseln oder an einem Controller drehen, wenn man dem Orgelsound für den Chorus etwas mehr Schub verleihen möchte, sondern kann intuitiv zu den Drawbars greifen.

Herkömmliche Zugriegel haben jedoch ein Problem: Beim Wechseln von Presets entspricht ihre Stellung meist nicht den gespeicherten Werten. Wenn man dann einen Zugriegel bewegt, können sprunghafte Klangveränderungen entstehen. Die Hersteller haben sich verschiedene Verfahren einfallen lassen, um dieses Problem zumindest teilweise in den Griff zu bekommen. Welche dieser Lösungen man bevorzugt, ist Geschmackssache und sollte bei der Wahl des Instruments berücksichtigt werden.

  • Bei der Nord Electro Serie setzte Clavia in den ersten Generationen zunächst auf virtuelle Zugriegel mit LED-Ketten, die mit jeweils zwei Knöpfen bedient werden und bei denen das Problem nicht auftritt. Sie sind nach wie vor in der Hammermechanik-Version (Nord Electro 6HP) sowie im Nord Stage zu finden. Es zeigte sich jedoch, dass Orgelfreunde echte, physische Zugriegel bevorzugen, weshalb die Orgel-Versionen des Nord Electro seit dem 4D über Drawbars verfügen. Mit dem Button “Manual Organ” kann man die Zugriegel von den gespeicherten Werten entkoppeln; der Orgelsound entspricht dann immer dem tatsächlich mit den Reglern einstellten Zustand.
  • Bei den Stagekeyboards Roland VR-09 B V-Combo und VR-730 V-Combo werden die gespeicherten Werte der Zugriegel im Display angezeigt. Somit kann man immerhin sehen, ob große Unterschiede zwischen der Zugriegelstellung und dem Preset bestehen, und sie ggf. vor dem Spielen anpassen.
  • Beim Vox Continental gibt es statt Zugriegeln Sensor-Touchstrips, die mittels LEDs ihre Einstellung anzeigen. Daher tritt das Problem bei diesem Keyboard nicht auf. 
  • Das Yamaha YC61 verfügt für jeden Zugriegel über eine LED-Kette, die den gespeicherten Wert anzeigt. 
  • Die luxuriöseste und aufwändigste Lösung ist derzeit beim Dexibell J7 zu finden. Es verfügt über motorisierte Zugriegel, die beim Wechseln von Presets automatisch in die richtige Position fahren.

Leslie-Effekt

Das kommodengroße Leslie-Kabinett mit rotierenden Lautsprechern gehört untrennbar zum Sound der Hammondorgel. Deshalb verfügen Stagekeyboards in der Regel über eine Emulation des Rotary-Speaker-Effekts. Wie detailliert diese umgesetzt ist, unterscheidet sich von Instrument zu Instrument. Bei einigen Instrumenten kann man zwischen verschiedenen Leslie-Modellen wie dem begehrten 122 und dem 147 umschalten. Auch lassen sich die Parameter der Emulation, wie zum Beispiel die Rotationsgeschwindigkeiten von Drum und Horn sowie die Beschleunigungs- und Abbremszeiten, oft detailliert einstellen.

Bei der Bedienung des Leslies haben verschiedene Keyboarder unterschiedliche Präferenzen. Der eine mag einen Fußtaster, während der andere den klassischen Halbmondschalter bevorzugt. Man sollte also darauf achten, dass das Stagekeyboard über die passenden Anschlüsse für die bevorzugten Zubehörteile verfügt (Fußschaltereingang für die Rotorgeschwindigkeit) und ggf. entsprechendes Zubehör vom Hersteller erhältlich ist, wie zum Beispiel der Nord Half Moon Switch.

Besonders detailverliebte Organisten ziehen es mitunter vor, einen externen Leslieeffekt zu verwenden. Das kann ein Bodeneffektgerät wie der Neo Instruments Ventilator II oder ein echtes Leslie-Kabinett sein. Daraus ergeben sich jeweils besondere Anforderungen an die Anschlüsse des Keyboards:

  • Wenn man plant, die Orgelsounds durch ein externes (Boden-)Effektgerät zu schicken, sollte das Stagekeyboard über einen separaten Audioausgang verfügen, über den die Orgelsounds getrennt von den übrigen Sounds des Keyboards ausgegeben werden können.
  • Die Stagekeyboards der Marke Hammond (SK1, SK2, SKX) sowie das Crumar Mojo verfügen über spezielle Leslie-Anschlüsse mit 8 oder 11 Pins zur Verbindung mit verschiedenen Leslie-Kabinetten.

Weitere Sounds

Zusätzlich zu den Orgelsounds bieten Stagekeyboards eine Reihe weiterer Klänge, damit man als Keyboarder nicht immer ein zweites Instrument mitschleppen muss. Neben Piano- und E-Piano-Klängen (Rhodes, Wurlitzer) findet man oft Clavinets, Streicher- und Bläsersounds, Bässe und ggf. Synthesizersounds. Diese basieren in aller Regel auf Samples. Am flexibelsten ist in dieser Hinsicht der Nord Electro, dessen Sample Synth sich mittels einer Editorsoftware sogar mit eigenen Samples bestücken lässt. Welche zusätzlichen Klänge man benötigt, richtet sich nach den gespielten Songs und nach der Frage, ob man noch weitere Keyboards verwendet, oder nicht. Wenn das Stagekeyboard das einzige Instrument ist, das man einsetzt, sollte es natürlich umso umfangreicher mit Sounds ausgestattet sein.

Bei den meisten modernen Stagekeyboards sind die Sounds in zwei bis drei übersichtliche Sektionen gegliedert, die jeweils über eigene Bedienelemente verfügen. Man findet beispielsweise die Sektionen Orgel, Piano / E-Piano und Synthesizer / weitere Sounds, die sich einzeln aktivieren und deaktivieren sowie per Split und Layer auf der Tastatur verteilen lassen. Auch die Effekte sowie die Controller wie Modulationsrad, Pedale etc. können oftmals einzelnen Sektionen zugewiesen werden. Da sich die Konzepte und Fähigkeiten verschiedener Stagekeyboards hier recht stark unterscheiden, sollte man vor dem Kauf genau prüfen, ob ein Keyboard die jeweiligen Anforderungen erfüllt.

Effekte

Effekte sind das Salz in der Suppe. Das gilt besonders für Orgel- und E-Piano-Klänge, weshalb Stagekeyboards in der Regel über speziell für diese Sounds abgestimmte Effektsektionen verfügen. Der Leslie-Effekt (siehe oben) ist dabei nur der Anfang. Auch Distortion / Overdrive sind beliebte Effekte für Orgelsounds und dürfen bei einem Stagekeyboard nicht fehlen. 

Des Weiteren findet man häufig eine Reihe von Modulationseffekten, die besonders für E-Pianos wie Rhodes und Wurlitzer geeignet sind. Dazu zählen Chorus, Phaser, Flanger, Tremolo und Auto-Pan. Wer viel Clavinet spielt, wird sich zudem über einen Auto-Wah-Effekt freuen, und auch ein Delay darf natürlich nicht fehlen. Hier sollte man darauf achten, dass die Effekte einzeln den jeweiligen Soundsektionen zugewiesen werden können, also z. B. Leslie und Overdrive für die Orgel in der rechten Tastaturhälfte, und Tremolo für das E-Piano in der linken Hand.

Schließlich bieten die meisten Stagekeyboards einige Master-Effekte, die gleichzeitig auf alle Soundsektionen wirken. Dazu gehören meist ein Hall und ein Master-Equalizer, mit dem man den Klang des Keyboards an den Gesamtsound der Band anpassen kann.

Wie bei allen Aspekten des Stagekeyboards gilt für die Effekte: Sie sollten einfach zu bedienen sein. Für wichtige Parameter wie Effektanteile, Delayzeit, Verzerrungsgrad und Geschwindigkeit eines Tremolos sollten direkt auf dem Bedienfeld Regler vorhanden sein. Wenn man live mit Delays arbeitet, darf auch ein Tap-Tempo-Knopf nicht fehlen. Auf der Bühne und im Proberaum hat man meist keine Zeit, in Menüs abzutauchen und nach der richtigen Einstellung zu suchen. Daher gilt: Je einfacher, intuitiver und schneller die Bedienung, desto bühnentauglicher das Instrument.

Bedienung

Das übersichtliche Bedienkonzept mit verschiedenen Sektionen für die einzelnen Soundgruppen und unkomplizierten Split-/Layer-Zuweisungen hat sich bei den meisten heutigen Stagekeyboards durchgesetzt. Auch verfügen die meisten Instrumente inzwischen über eine gute Ausstattung mit Reglern und Controllern, über die man schnell und einfach auf Klangparameter zugreifen kann. Mit einem so ausgestatteten Instrument kann man live auch auf unvorhergesehene Situationen reagieren und muss nicht lange programmieren, um die passenden Sounds parat zu haben. Gegenüber der Menüstruktur, die bis heute bei vielen Workstations zu finden ist, ist das ein großer Fortschritt. Viele Stagekeyboards verfügen außerdem über eine Möglichkeit, sich die für einen Gig benötigten Einstellungen in einer Setlist zurecht zu legen.

Wie immer gilt bei der Bedienung: Ob einem das spezielle Bedienkonzept eines Stagekeyboards zusagt, kann man oft nur durch persönliches Ausprobieren ermitteln. Dabei kann man sich an den folgenden Fragen orientieren:

  • Habe ich in wenigen Sekunden und mit wenigen Bedienschritten Zugriff auf alle wichtigen Sounds (Orgel, Piano, weitere Klänge)?
  • Kann ich genauso einfach Effekte zuweisen und spontan anpassen?
  • Lassen sich Split- und Layer-Setups unkompliziert realisieren?
  • Sagt mir das Konzept des Keyboards zum Speichern und Abrufen von Einstellungen zu? Lassen sich gespeicherte Sounds aufrufen, ohne mit einem Encoder oder einem Button durch eine lange Liste zu blättern?

Anschlüsse

Damit ein Stagekeyboard auf der Bühne mit allen nötigen Mischpultkanälen und Zubehörteilen verbunden werden kann, benötigt es natürlich die passenden Anschlüsse. Welche man davon in der Praxis tatsächlich braucht, hängt vom jeweiligen Setup und den persönlichen Anforderungen ab. Im Allgemeinen sollte ein gutes Stagekeyboard über die folgenden Anschlüsse verfügen:

  • Stereo-Audioausgang (am besten symmetrisch)
  • Ggf. weiterer Audioausgang (Sub-Ausgang, Ausgang 3-4) zur getrennten Ausgabe bestimmter Sounds wie z. B. der Orgel. So lassen sich einzelne Sounds mit externen Effekten bearbeiten und im Mischpult getrennt von den übrigen Sounds behandeln. Gerade bei der Orgel kann das sehr vorteilhaft sein.
  • Pedalanschlüsse: Sustain und je nach Bedarf weitere Pedale wie Expression, Orgel-Lautstärke (Schwellerpedal), Leslie-Footswitch
  • MIDI In/Out zur Einbindung in ein MIDI-Setup und ggf. zur Steuerung externer Klangerzeuger
  • USB zur Verbindung mit einem Computer. Neben der Übertragung von MIDI-Daten dient die USB-Verbindung bei vielen Stagekeyboards zur Kommunikation mit einer Editor-/Librarian-Software, die die Soundverwaltung erleichtert. Auch zum Aufspielen von Systemupdates kommt USB zum Einsatz.
  • Kopfhörerausgang

Schlusswort

Ein modernes Stagekeyboard bietet dem orgelspielenden Keyboarder das, was ein Stagepiano für den Pianisten ist: Ein Komplettpaket für den Liveeinsatz, das neben den wichtigen Orgelsounds auch weitere Klänge und die dazugehörigen Effekte enthält und über eine intuitive, bühnentaugliche Bedienung verfügt. Wir hoffen, dass euch dieser Kaufberater einen Überblick vermittelt hat, worauf man bei der Entscheidung für ein Stagekeyboard achten sollte. Detaillierte Informationen zu aktuellen Stagekeyboards erhaltet ihr in unseren Testberichten, die wir unten verlinkt haben.

Stagekeyboards im Test

Hier findet ihr alle Bonedo-Testberichte zu Stagekeyboards verschiedener Hersteller. Die Liste wird laufend aktualisiert; die neuesten Tests findet ihr immer ganz oben.

Roland V-Combo VR-730 Test

Wer als Keyboarder ein Allroundtalent für die Bühne sucht, kommt an der Roland V-COMBO VR-730 nicht vorbei. Wir haben das Stagekeyboard getestet.

Nord Electro 6D 73 Test

Clavias Nord Electro-Serie geht nun in die sechste Generation. Wir haben den jüngsten Sproß, das Nord Electro 6D Stagekeyboard getestet.

Vox Continental Test

Ein Relikt aus den 1960er Jahren, oder mehr? Wir testen das neue Vox Stagekeyboard mit dem karmatösen Namen "Continental".

Nord Electro 5D 61 Test

Mit dem Nord Electro 5 geht das beliebte Vintage-Stagepiano in die fünfte Generation. Wir haben den Nord Electro 5D 61 im Test.

Roland V-Combo VR-09 Test

Das Stage-Keyboard Roland V-Combo VR-09 vereint Orgel-, Piano-, Vintage- und Synth-Sounds in einem Instrument – und das zu einem ziemlich günstigen Preis. Eine Allzweck-Waffe für die Bühne?

Nord Electro 4D Test

Clavia spendiert der Neuauflage des beliebten Nord Electro in der Version Nord Electro 4D die gleichen physischen Drawbars wie der Orgel C2D.

Hammond SK1

Aus den Modellen SK1 und SK2 klingen neuerdings auch Piano, E-Piano, Bläser, Streicher und einige andere eigentlich Hammond-untypische Sounds. Wir haben nachgeforscht!

Clavia Nord Electro 3 - Sixty One

Clavias Serie "Nord Electro" begann als puristische Orgel- und E-Piano Simulation. Mittlerweile ist das rote Nordlicht bei Version 3 angelangt und hat sein Konzept erweitert ...
Veröffentlicht am 17.01.2020

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