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30.04.2020

Klangvergleich Griffbretthölzer: Ahorn vs. Palisander vs. Ebenholz

So klingen verschiedene Fretboard-Holzarten: Maple vs. Rosewood vs. Ebony

"Bewirken verschiedene Holzarten bei einem Bass-Griffbrett einen klanglichen Unterschied?"

Jeder von uns wird ja ab und zu vom heimtückischen GAS ("Gear Acquiring Syndrom") befallen - jenem schier unwiderstehlichen Drang, Equipment zu kaufen. Fällt man den Entschluss, einen E-Bass zu erwerben, so spielen neben Fragen nach der coolsten Farbe oder der idealen Pickup-Bestückung vor allem die Wahl des Griffbretts die große Rolle: "Soll ich lieber einen Bass mit Ahorn-, Ebenholz- oder Palisandergriffbrett kaufen? Welches Griffbrett ist die beste Wahl für meinen Traumsound?" In diesem Artikel wollen wir der Frage nach den klanglichen Unterschieden nachgehen, welche die unterschiedlichen Holzarten mitbringen.

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Hat das Griffbrettholz einen Einfluss auf den Klang eines E-Basses?

Neben meinen eigenen Erfahrungen zum Thema "Griffbretthölzer" habe ich hierzu auch zahlreiche Kollegen und Bassbauer gefragt. Alle waren der gleichen Meinung: Das Griffbrett besitzt einen deutlichen Einfluss auf den Klang des Instruments. Viele messen ihm sogar mehr Bedeutung zu als der eigentlichen tragenden Konstruktion - also dem Basshals an sich!

Hier eine Zusammenfassung der Attribute, welche ich von Bassbauern und Bassisten als Rückmeldung bekommen habe. Diese Begriffe sind natürlich keine wissenschaftlich belegten Fakten, da jeder Mensch den Klang eines Instrumentes etwas anders empfindet. Gewisse Übereinstimmungen waren dennoch ganz klar bei allen Kandidaten zu erkennen:

Liste klanglicher Eigenschaften von Griffbrett-Holzarten

  1. Ahorn (Maple): hell, spritzig, prägnant, knackig, knallig, viel Attack
  2. Palisander (Rosewood): prägnante Tiefmitten, ausgewogen, gutmütig, warm, weniger Höhen als Ahorn
  3. Ebenholz (Ebony): transparent, definiert, klar, neutral, obertonreich

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Klangliche Unterschiede am Beispiel des Music Man Stingray-Basses

Wir hatten die Idee, das gleiche Instrument mit den drei populärsten Griffbrett-Holzarten zu vergleichen: Ahorn (Maple), Palisander (Rosewood) und Ebenholz (Ebony). Unsere Wahl für den ersten Vergleich dieser Art fiel auf den Music Man Stingray. Der Grund: Dieses Modell bietet in punkto Holz nur das Griffbrett als Variable, was die Sache für uns extrem vereinfacht.

Der Body des Stingrays besteht stets aus Esche, der Hals aus Ahorn, und auch die Elektronik ist immer die gleiche (ausgenommen sind natürlich spezielle Editionen in verschiedenen Fertigungs-Jahren oder -Jahrzehnten der Traditions-Company aus den USA).

Zudem ist davon auszugehen, dass die Streuungen innerhalb der Serie aufgrund der generell sehr hohen Fertigungsqualität bei Music Man sehr gering sind. Allerbeste Voraussetzungen für uns also, um als Testobjekt zu dienen. Der ideale Vergleich wäre freilich, auf ein und denselben Bass verschiedene Griffbretter zu leimen, aber das ist leider nicht möglich.

Alle drei Bässe sind Vertreter der beeindruckenden Music Man Stingray Special HH-Reihe. Unser herzlicher Dank geht an Philipp Salb und Chris Figgen vom deutschen Music-Man-Vertrieb, "Musik Meyer" in Marburg!

Jedes der Instrumente haben wir frisch aus dem Karton gezogen und mit identischen Saiten bestückt. Trotz der Ausstattung mit zwei Humbuckern habe ich beim Einspielen zum besseren Vergleich lediglich den Bridgepickup in paralleler Verdrahtung verwendet - was dem "klassischen" Stingray-Sound entspricht. Die Regler der Onboard-Aktivelektroniken der instrumente befanden sich in Neutralstellung und auch sonst fand keinerlei klangliche Nachbearbeitung statt.

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Klangbeispiele: Music Man Stingray Special HH mit verschiedenen Griffbrettern

Nachfolgend findet ihr die von mir eingespielten Soundfiles. Um die Bandbreite der Instrumente zu zeigen, habe ich mich für drei verschiedene Stilistiken entschieden:

  1. Heavy-Riff
  2. Disco-Groove
  3. Slap-Groove

Tipp: Die Unterschiede sind bei den geslappten Beispielen am deutlichsten, weil bei dieser Spieltechnik die Obertöne am deutlichsten hervortreten!

1.) Heavy-Riff

Das erste Klangbeispiel ist ein hartes Riff, wie man es beispielsweise von z.B. Rage Against The Machine hören könnte - bzw. von deren Tieftöner Tim "Timmy C." Commerford.

2.) Disco-Groove

Das zweite Beispiel mit seinen funky Oktaven ist ein typischer Vertreter der Disco Music der 70er-Jahre. Der unbestrittene König dieses Stils war der US-Amerikaner Bernard Edwards, bekannt durch seine Arbeit mit Bands wie Chick oder Sister Sledge.  

3.) Slap-Groove

Den Abschluss bildet ein geslappter Groove in D-Moll. Wichtige Vertreter dieser beliebten Spieltechnik sind Bassisten wie Marcus Miller, Stanley Clarke, Mark King oder Victor Wooten.

>>>Wenn du dich für Slapping interessierst, wird dir dir dieser Bass-Workshop gefallen!<<<

Video: Music Man Stingray Special HH mit verschiedenen Griffbrettern

Hier findet ihr alle Beispiele im Video, sodass ihr die schicken Instrumente während des Tests auch sehen könnt:

Ich hoffe, für euch war dieser Klangvergleich ebenso interessant wie für mich!

Bis zum nächsten Mal,

euer Thomas Meinlschmidt

Veröffentlicht am 30.04.2020

Video

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