Test
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20.07.2015

Korg Electribe Test

Groovebox / Music Production Station

Lass dich triben

Mit der neuen Electribe Music Production Station hat Korg die neueste Generation der seit langem beliebten Groovebox-Serie präsentiert. Altbekanntes neu aufleben zu lassen, scheint derzeit ein funktionierendes Geschäftsmodell zu sein. Es ist noch gar nicht lange her, da ließ Roland mit der AIRA TR-8 die alten Legenden TR-808, TR-707 und TR-909 wiederauferstehen und zog damit Augen und Ohren der Elektrosoundmacher auf sich. 

Und jetzt kommt Korg mit einer neuen (vierten) Generation ihrer populären Electribe Serie. Um genau zu sein, handelt es sich dabei um zwei Geräte – zum einen die hier getestete „Music Production Station“, die einen Synthesizer und eine Drum Machine für Live- und Produktionszwecke vereint, zum anderen einen Sampler, der auf den Namen „Electribe Sampler“ hört. 

Details

Verarbeitung

Die Korg Electribe hat ungefähr die Maße einer Standard-Computertastatur ohne Ziffernblock, ist nur etwas dicker. Im Gesamten ist sie viel kleiner als die Vorgängermodelle. Das Gerät macht durch sein Metallgehäuse einen sehr soliden Eindruck und fasst sich sehr gut, stabil und hochwertig an. Das dezente Design der Electribe mit einer schlichten grauen Oberfläche kommt außerdem – im Gegensatz zu den knalligen Vorgängermodellen – deutlich edler und mit etwas mehr Understatement daher.

Das Gerät fußt auf vier Gummipads, die für eine sehr gute Rutschfestigkeit sorgen. Die Unterseite besteht aus Kunststoff und beherbergt ein Batteriefach für sechs AA-Batterien sowie eine „Unterbodenbeleuchtung“. Diese besteht aus vier Multicolor-LEDS auf der Unterseite, die sich je nach Pattern-Rhythmus farblich ändern. Das bekommt man zwar bei der Benutzung im Tageslicht nicht wirklich mit, im dunklen Club sieht es aber schon ziemlich cool, wenn auch etwas verspielt, aus.

Die 16 Triggerpads zum Spielen der Sounds, Muten und Bedienen des Stepsequencers bestehen aus Gummi und sind in zwei Reihen zu je acht Pads angeordnet. Sie spielen sich fantastisch, sind also nicht zu hart und geben angenehm nach. Meine Fingerkuppen taten auch nach einer längeren Session nicht weh, was man von manch anderen Geräten nicht behaupten kann. Die Pads sind selbstverständlich beleuchtet. 

Ferner finden sich 18 Drehregler auf der Oberseite, wovon fünf (Endlos-) Encoder mit einem Leuchtring sind. Encoder sowie Potis drehen sich mit angenehmem Widerstand und lassen sich ebenfalls gut bedienen, auch wenn sie etwas eng beieinander stehen. Hinzukommen 34 bedruckte Taster, die, wie auch die Pads, aus Gummi und ebenfalls beleuchtet sind. Teilweise sind diese allerdings recht klein und – da sie nur bei Auswahl leuchten – im dunklen Club leider schlecht lesbar.

Anschlüsse

Die Ausgabe des Audiosignals erfolgt in Stereo über zwei symmetrische 6,35 mm Klinkenbuchsen oder einen 3,5 mm Kopfhörerausgang. Ein externer Audioeingang ist ebenfalls vorhanden, sodass sich die integrierten Effekte auch auf andere Geräte anwenden lassen. 

Synchronisiert werden kann die Kiste über eine Sync-Buchse (In/Out) und über ein MIDI-Duo (In/Out), jeweils via Miniklinke und mitgelieferten Adapter. Mit den Sync-Anschlüssen lässt sich die Maschine zu anderen Electribes, zur volca-Serie, zum Monotribe oder zum SQ-1 Stepsequencer synchronisieren. Auf eine explizite MIDI-Thru Funktion verzichtet Korg in dieser Generation jedoch leider. 

Ein Anschluss für das mitgelieferte 9 Volt Netzteil ist ebenfalls vorhanden.

Ein SD-Kartenslot an der Seite dient zum Speichern der eigenen Arbeiten oder Teilen davon, sowie dem Export der Pattern für Ableton Live und zum Laden von Sounddaten. Über einen Micro-USB-Anschluss kann man außerdem MIDI-Noten und MIDI-Controllerdaten an den Computer zur DAW seiner Wahl senden und/oder die Electribe mit der DAW synchronisieren.

Aufbau

In der oberen linken Ecke finden sich, fernab von allen anderen Bedienelementen, der Powerknopf sowie ein Volume- und ein Input-Level-Drehregler, was sie durchaus vor Fehlbedienung im Eifer des Gefechts schützen sollte. Darunter findet sich ein monochromes und beleuchtetes 6 x 3 cm Dot-Matrix-Display, das vielerlei Informationen darstellen kann und vor allem die Navigation im Einstellungsmenü unterstützt. 

Wiederum darunter finden wir die Transport-Sektion mit einem Record-, einem Stop-, einem Play/Pause- und einem Tap-Button in Fingerkuppengröße. Unter diesen befindet sich ein Touchpad samt vier kleineren Tastern, mit der die verschiedenen Funktionen des Touchpads bestimmt werden können. Zu diesen zählt die Kontrolle über den Gate Arpeggiator und die Touch Scale, was Musikspielen über das Pad ermöglicht, sowie über den Master Effekt.

Auf der rechten Seite bedecken die Buttons der Padmode-Sektion und darüber die Drehregler der Edit-Sektion etwa 3/5 der Oberfläche. Die Bedienelemente der Edit-Sektion sind in Funktionsgruppen unterteilt und steuern durch Umschalten die Parameter aller Sounds. Das Display zeigt dann die entsprechenden Werte an und unterstützt somit zusätzlich. Ein sehr gezieltes und detailliertes Bedienen ist hier also ohne Probleme möglich, jedoch muss man sich aufgrund der Fülle von Einstellungen zunächst einen gründlichen Überblick verschaffen. Im unteren Bereich befinden sich dann die bereits angesprochenen 16 Triggerpads in zwei horizontalen Achter-Reihen.

Sounds und Speicherkapazität

Die Electribe bietet 250 Templates, von denen 200 mit Demo-Songs belegt sind, die einen beeindruckend umfangreichen Einblick in das Klangspektrum der Electribe verschaffen. Die Soundbeispiele sind sowohl an moderne (z.B. Dubstep), als auch an zeitlosere elektronisch-betonte Musikströmungen (unter anderem Pop und Hip-Hop) angelehnt. Alle Templates können nach Belieben beschrieben, editiert oder gelöscht werden. 

Ferner verfügt das Gerät über 408 fertige Sounds, die losgelöst von den Pattern geladen werden können, und ermöglichen so einen schnellen Start beim Programmieren eigener Beats. Sie bieten eine umfangreiche Grundlage, um mit Hilfe der Effektparameter und Envelope-Einstellungen eigene Sounds zu erschaffen. Dabei sind die virtuellen Klänge (Analog Modeling, Wavetable und Sampling) ihrem natürlichen Klang nach bereits gruppiert. So gibt es eine Auswahl an 56 Kicks, 58 Snares, 16 Claps, 42 Hihats, 14 Cymbals, 16 Toms, 55 Percussions, 16 Voiceschnipsel, 18 Synth-FX, 18 Synth-Hits, 15 Instrument-Hits und 55 Synth-Sounds verschiedenster Art (von Grundschwingungsformen wie Sinus bis hin zu 28 Instrumentensounds wie Klavier, Gitarre oder Streichinstrumente).

Bedienung und Beats basteln

Jedes Template der Electribe bietet 16 Spuren von wahlweise 1 bis 4 Takten. Die Spuren können im „Trigger“-Modus direkt angewählt oder über Pfeiltasten links/rechts Schritt für Schritt erreicht werden. Ist eine Spur ausgewählt, so kann man hier aus der Soundlibrary einen der 408 Sounds (Samples oder Syntheseform) oder eigene importierte Sounds auswählen. 

Hat man einen Sound („OSC-Type“) gewählt, kann dieser nun mit Hilfe der Klangparameter verändert werden. Dabei hat man die Möglichkeit, den Klang zu pitchen, Glide hinzuzufügen und die Schwingungsform zu variieren. Letzteres geschieht mithilfe des wahlweise Highpass-, Lowpass- oder auch „Bypass“-Filters, der Modulationseinheit sowie einer Amp-Sektion. 

Das Filter verfügt über die klassischen Cutoff- und Resonanz-Parameter sowie einen Envelope-Regler (EG). In der Modulation-Sektion kann man aus 71 verschiedenen Modulationstypen wählen und diese wiederum mit einem Depth- und einen Speed.Regler kontrollieren. Das AMP/EG-Panel erlaubt eine Envelope-typische Verformung der Hüllkurve mit den Parametern Attack und Decay/Release bei aktiviertem Amp EG-Knöpfchen. Des Weiteren stehen ein Pan- und ein Volumeregler zur Verfügung. 

Mit dem MFX-Send-Knopf kann der jeweilige Part noch zusätzlich dem Master-Effekt zugeordnert werden, den man mittels des Touchpads steuern kann. Zu guter Letzt gibt es noch eine Insert-FX-Sektion, die bei Aktivierung des Tasters IFX On einen von 38 wählbaren Effekten (wie z.B. Bitcrush oder Phaser) einschleift. Der Edit-Regler bestimmt dabei die Intensität.

Hat man einen Sound seiner Wahl erstellt, so kann man diesen nun live mit der chromatischen Keyboard-Funktion einspielen oder aber über den Step-Sequencer Modus platzieren.

Ableton Live

Korg hat weiterhin die Möglichkeit eingebaut, seine Arbeit mit der Electribe als Ableton Set zu exportieren. Auf der SD-Karte werden dazu alle Spuren einzeln als Audio gerendert, sodass man beim Öffnen des Sets eine 1:1-Abbildung der Session in Ableton Live erhält. Eine direkte Ausgabe von Audio über USB ist indes leider nicht möglich. Freundlicherweise legt Korg der Electribe aber eine Ableton Lite Version bei.

Audiobeispiele

Pro & Contra

  • Verarbeitung, Haptik
  • Ableton Live Export
  • Ableton Live 9 Lite Lizenz im Lieferumfang
  • Batteriebetrieb möglich

  • ein bisschen zu viele „Elektro“ Werkssounds

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