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Test
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26.01.2016

 

 

Korg minilogue Test

Analoger, polyphoner Synthesizer

Polyphon muss nicht mehr teuer sein!

Mit dem minilogue erfüllt Korg vielen Keyboardern und Produzenten den lang gehegten Wunsch nach einem günstigen, polyphonen Analogsynthesizer. Ich bin sicher nicht der einzige, der sich lange fragte, warum im Zuge der derzeitigen Welle preiswerter Analogsynths noch kein analoger Polysynth im unteren Preissegment auf dem Markt gekommen war. Die Nachfrage ist doch da! Zumindest in meinem Dunstkreis ist sie das. Synthesizer, die eben diese Eigenschaften besitzen, die man mit „analog“ verbindet: warm und charaktervoll, funktional vielleicht etwas eingeschränkt aber dafür schön geradeaus, einfach zu bedienen, und dann eben polyphon.

Lange Zeit mussten die Schätzchen aus den 80er Jahren diese Lücke schließen, auch Korg hat in dieser Zeit ja tolle Polysynths gebaut. Einerseits werden diese Klassiker aber auf dem Gebrauchtmarkt immer teurer und andererseits an Altersgebrechen nicht ärmer. Von ihren mickrigen Programmspeichern und fehlender zeitgemäßer DAW-Einbindung mal ganz abgesehen. Doch jetzt könnte ein Aufatmen durch die sehnsüchtige Keyboarderwelt gehen, denn Korg haben mit dem vierstimmig polyphonen minilogue ein Instrument auf den Markt gebracht, das alle diese Anforderungen erfüllen könnte. Dass der Name „minilogue“ einer großen Synthesizer-Legende aus anderem Hause auffallend ähnlich ist, ist eine andere Geschichte. Alle, die auf die Soundästhetik von 80er-Jahre-Polysynths stehen und denen aktuelle Highend-Synthesizer wie etwa der Prophet-6 zu teuer sind, sollten jetzt dran bleiben.

Details

Gehäuse

Der Korg minilogue ist mit seiner Größe von 50 x 30 x 8,5 cm und einem Gewicht von 2,8 kg eindeutig der Kompaktklasse zuzuordnen, die bei Korg ja schon Tradition hat. Sein Unterbau besteht aus Kunststoff, die Bedienoberfläche wird von einer auffälligen, silbrig glänzenden und leicht geschwungen Aluminiumplatte geprägt. Auf der Rückseite – der Seite, die vor allem die Zuschauer sehen – wurde Holz eingesetzt. Aus dieser Perspektive betrachtet, versprüht der minilogue etwas Retro-Flair. Das Gehäuse macht insgesamt einen stabilen Eindruck. Das Zubehör besteht aus einem 9V Netzteil und einem mehrsprachigen Quick Start Guide als Faltblatt. Das ausführliche Handbuch gibt es bei Korg als PDF zum Download.

Auf dem Aluminium-Panel sind jede Menge Regler angebracht. 29 Potis und Encoder, die in den Betriebsarten „Jump“, „Catch“ oder „Scale“ arbeiten können, 14 Kippschalter, flankiert von vielen roten LEDs und 16 Druckknöpfe. Auch ein kleines, schwarz-weißes OLED-Display ist Teil dieses Ensembles. Wählt man den entsprechenden Display-Modus, zeigt es nach Art eines Oszilloskops die Schwingungsform des erklingenden Sounds an. Ansonsten gibt es Auskunft über Parameterwerte, die man gerade verändert, oder zeigt den Programmnamen an.

Der minilogue verzichtet auf herkömmliche Pitch- und Modulationsräder und verwendet einen Schieberegler, den man in zwei Richtungen bewegen kann. Mithilfe einer Feder schnellt er immer in seine Mittelstellung zurück. Die Funktion des Schiebereglers ist frei wählbar. Man kann ihn als Pitchbend definieren und die Stimmung fließend um bis zu eine Oktave nach unten oder oben verändern. Das Pitchbend-Intervall ist dabei innerhalb einer Oktave frei wählbar. Aber auch viele andere Modulationsziele können dem Schieberegler zugewiesen werden, zum Beispiel die Stimmung nur eines Oszillators (interessant für Sync-Sounds), die Gate Time des Step-Sequencers, die Portamento-Intensität sowie viele Parameter der Hüllkurven oder des Filters.

Anschlüsse

Die Rückseite des minilogue bietet neben der edlen Holzoptik einige Anschlüsse: eine Buchse für das externe 9V Netzteil, einen An/Aus-Knopf, einen USB Anschluss (MIDI), fünfpolige MIDI In- und Out-Buchsen, Sync In & Out (Miniklinke, u.a. zur analogen Synchronisation mit den Geräten der Korg volca Serie und den aktuellen Electribes), einen Audio-Eingang (Klinke), einen Audio-Ausgang (Klinke) und einen Kopfhörerausgang (Stereoklinke). Der Audio-Ausgang ist in mono ausgeführt, auf dem Kopfhörer erhält man ein Dual-Mono-Signal. Ein MIDI Thru Port fehlt wie bei fast allen Synthesizern aus jüngerer Zeit. Schwerer wiegt in meinen Augen aber, dass Korg tatsächlich den gleichen Fehler wie beim microKORG gemacht hat und auf einen Anschluss für ein Sustain-Pedal verzichtet hat. Gerade bei einem polyphonen Synthesizer wäre das Pedal schon wichtig, um zum Beispiel eine Fläche festzuhalten, während man gerade am Sound schraubt oder auf einem anderen Instrument spielt. Schon beim microKORG wurde das von vielen Testern und Benutzern zum Teil heftig kritisiert. Umso unverständlicher ist es, dass Korg den Anschluss abermals weggelassen hat.

Tastatur

Nun kommen wir zu dem Punkt, an dem sich wie schon bei allen anderen Mini-Synthesizern von Korg die Geister scheiden werden: Minitasten. Die Tastatur besteht aus 37 kleinen, anschlagdynamischen Tasten. Sie sind ungefähr so breit wie beim microKORG, beim minilogue aber deutlich länger. Man bekommt seine Finger gerade so eben zwischen die schwarzen Tasten, für virtuose chromatische Läufe ist der minilogue damit nicht gerade prädestiniert. Velocity-Werte können von VCA und Filter verarbeitet werden. Zur Anpassung der Anschlagdynamik gibt es vier wählbare Velocity-Kurven. Aftertouch bietet die Tastatur nicht.

Klangerzeugung und Bedienfeld

Die Klangerzeugung des minilogue ist laut Korg komplett analog aufgebaut. Sie besteht aus den klassischen Bausteinen der subtraktiven Synthese: VCO, VCF und VCA plus Modulationsquellen wie Hüllkurven und LFO. Zwei VCOs machen den Anfang im Signalfluss. Sie können die Schwingungsformen Sägezahn, Dreieck und Rechteck erzeugen und in vier verschiedenen Oktavlagen erklingen. Beide Oszillatoren können unabhängig voneinander im Bereich ± 1 Oktave gestimmt werden und verfügen über einen Shape-Parameter. Damit ist es möglich, die Schwingungsform leicht bis drastisch zu verändern. Bei der Rechteckschwingung steuert Shape die Pulsbreite, die anderen Schwingungsformen werden quasi "gefaltet". Ein interessantes Klangformungswerkzeug! Mit Crossmodulation, Oszillator Sync und Ringmodulation bietet der minilogue drei Modulationsarten, bei denen sich die VCOs gegenseitig beeinflussen. Mit „Pitch EG Int“ lässt die die Stimmung des zweiten Oszillators abhängig von der EG-Hüllkurve modulieren. Im Voice Mode „Mono“ steht zusätzlich ein Suboszillator bereit, doch zu den Voice Modes später mehr. Im Mixer bestimmt man die Lautstärken der Oszillatoren. Auch weißes Rauschen kann hier hinzu gemischt werden.

Die Filter-Abteilung wartet mit einem resonanzfähigen Tiefpassfilter auf, das wahlweise mit einer Flankensteilheit von 12dB oder 24dB pro Oktave arbeiten kann. Ein Keyboard-Filtertracking von 50% oder 100% ist aktivierbar. Das Gleiche gilt für die Velocity-Ansprache des Filters. Der Audio-Eingang auf der Rückseite ermöglicht die Bearbeitung von externen Signalen mit dem Filter und den Modulationsquellen des minilogue.

Im vierten Segment findet man eine Lautstärke-Hüllkurve (Amp EG) und eine zweite Envelope zur Beeinflussung des Filters und wahlweise weiterer Parameter (EG) vor, die über die Parameter Attack, Decay, Sustain und Release verfügen. Auch ein LFO mit den Schwingungsformen Sägezahn, Dreieck und Rechteck ist hier beheimatet. Mit ihm kann man die Ziele Pitch, Shape oder Cutoff modulieren, was durch einen Schalter ausgewählt wird. Seine Modulationsintensität oder Geschwindigkeit kann von der EG-Hüllkurve beeinflusst werden. LFO Note Sync oder auch die Synchronisation zum Tempo einer externen MIDI Clock kann man im globalen Menü veranlassen.

Klingt kompliziert? Ist es eigentlich nicht, zumindest nicht, wenn man vor dem Instrument steht und hört, was man macht. Hier erklärt sich vieles von selbst. Ins globale Menü, in dem man über das kleine Display navigiert, muss man eher selten gehen. Die meisten Knöpfe haben hier ja nur eine Funktion, daher tappt man beim Programmieren selten im Dunkeln.

Ganz rechts auf dem Bendienpanel residiert das analoge Delay des Korg minilogue, umgeben von seinen Parametern „Time“ und „Feedback“. Mit dem Delay lassen sich typische Retro-Echos erzeugen. Ändert man beispielsweise die Delay-Zeit, wandert die Stimmung der Delays mit. Aber auch für einen kurzen, räumlich wirkenden Nachhall oder sich aufschaukelndes Gewummer kann man das Delay gut einsetzen. Ein regelrechtes Bonbon ist das hier integrierte Hochpassfilter. Der Ausgang des Delays kann dem Signalfluss vor oder nach diesem Filter (pre oder post) zugeführt werden. Das Hochpassfilter stellt ein wirkungsvolles Gegenmittel für zu viel Low-End-Gerumpel dar. Setzt man den Feedback-Parameter des Delays auf Minimum, kann man den Hochpass auch benutzen, ohne dass Delay-Effekte hörbar sind. So gesehen, kann man durchaus von ZWEI Filtern sprechen.

Voice Modes

Acht verschiedene Voice Modes hat der minilogue im Angebot. Damit legt man fest, wie der Synthesizer seine vier verfügbaren Stimmen einsetzt. Zusätzlich kann man das Verhalten der Stimmen in diesen Modi mit dem Encoder „Voice Mode Depth“ noch beeinflussen. Zum Beispiel lassen sich im Mode „Poly“ automatisierte Akkordumkehrungen herbeiführen, in den Modi „Duo“ und „Unison“ kann der Verstimmungsgrad der übereinander geschichteten Stimmen eingestellt und im Mode „Mono“ ein Suboszillator hinzugemischt werden. Im Einzelnen bietet der minilogue die folgenden Modi:

Poly: eine Stimme pro Note, bis zu vier verschiedene Noten können gleichzeitig erklingen

Duo: zwei Stimmen pro Note, maximal können zwei Noten gleichzeitig erklingen

Unison: vier Stimmen pro Note, nur eine Note zur Zeit Mono: eine Stimme pro Note, nur eine Note zur Zeit

Chord: minilogue spielt pro Note den Akkord, der per „Voice Mode Depth“ Poti hinterlegt wird. Auswählen kann man: Quinte, Dur-Akkord, Moll-Akkord, mit Septimen, mit verminderter Quinte und vieles mehr.

Delay: spielt man eine Note, erklingen die Stimmen 2-4 zeitverzögert, wie Echos.

Arpeggiator: Manual 1 Okt, Manual 2 Okt, Up 1 Okt, Up 2 Okt, Down 1 Okt, Down 2 Okt, Up&Down 1 Okt, Up&Down 2 Okt, Poly 1 (16tel), Poly 2 (8tel), Random 1 Okt, Random 2 Okt, Random 3 Okt.

Side Chain: in diesem Voice Mode wird die Lautstärke einer Note reduziert, wenn eine neue gespielt wird, ähnlich einem Sidechain-Kompressor.

Sequencer

Der Sequencer kann Zyklen mit bis zu 16 Schritten durchlaufen, es können aber auch kürze Loops gewählt werden. Auflösungen von 1/1, 1/2, 1/4, 17 bis 1/16 sind möglich. Auch an einen Swing Mode, im Bereich von ± 75% anpassbar, wurde gedacht. Sequenzen erstellt man entweder durch Schritt-für-Schritt-Eingabe oder durch Einspielen in Echtzeit. Sogar Bewegungen von vier verschiedenen Parametern kann der Sequencer aufzeichnen und als so genannte „Motion Sequences“ wiedergeben. Automatisierte Modulationen, Filter- oder Delayfahrten … alles möglich! Das ist für einen Synthesizer dieser Preisklasse wirklich nicht selbstverständlich.

Programmspeicher

Der Programmspeicher umfasst 200 Plätze und enthält werkseitig 100 Presets, die alle auch überschrieben werden können. Um Presets bzw. Usersets aufzurufen, betätigt man den „Program/Value“-Encoder neben dem Display und scrollt durch die Liste der Programme. Das ist bei Multitasking-Live-Keyboardern eine nicht gerade beliebte Methode, weil man sich im Eifer des Gefechts nämlich gerne mal „ver-scrollt“. Eine direkte, numerische Anwahl ist beim minilogue leider nicht möglich. Als kleinen Trost gibt es aber die Favoriten-Funktion, die acht Programmplätze für einen schnellen Zugriff per Tastendruck bereitstellt. Für jedes Programm kann die Lautstärke auf einer Skala von +/-25 Schritten festgelegt werden. 

Video

Audiobeispiele

Pro & Contra

  • guter und vielseitiger Klang
  • vielseitige Voice Modes
  • Step Sequencer mit Motion Sequencing
  • analoges Delay
  • Audio-Eingang
  • Übersichtlichkeit
  • solide Konstruktion
  • analoge Sync-Buchsen zur Verbindung z.B. mit volcas oder Electribes
  • günstiger Preis

  • kein Anschluss für Sustainpedal
  • Minitasten

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