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Test
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04.04.2019

Korg Minilogue XD Test

Analogsynthesizer

Prologue meets Minilogue

Mit dem Minilogue XD präsentierte Korg während der letzten Winter-NAMM 2019 einen hybriden Poly-Synth, der das bewährte Konzept des Minilogue mit Features des Hybrid-Flaggschiffes Korg Prologue vereint. Der portable, preiswerte Korg Minilogue hat sich schnell zum Kassenschlager und viel genutzten Bühnenbegleiter entwickelt. Korg‘s Prologue hingegen begeistert zwar durch ein innovatives Hybrid-Konzept und seinen fantastischen Klang, ist aber entsprechend teurer und fordert einen größeren Stellplatz ein. Sehr begrüßenswert ist es, dass Korg den portablen Zeitgeist des Minilouge nun mit der Hybrid-Welt des Prologue kombiniert. Bleiben dadurch beim Minilogue XD keine Wünsche mehr offen? Wir haben den ‚Kleinen‘ für euch getestet.

Details

Erscheinungsbild

Rein äußerlich setzt sich der schwarze Minilogue XD nur farblich von seinem silbernen Geschwisterchen ab. Die kompakten 37 Slim-Tasten und das Aluminium-Gehäuse machen in Kombination mit der Echtholz-Rückwand einen soliden, wertigen Eindruck und stellen dabei federleichte 2,8 kg auf die Waage. Der Minilogue XD bleibt also trotz technischer Extensions ein transportabler, gut verarbeiteter (Tour)-Begleiter.

Aufbau und Bedienoberfläche

Auch das aufgeräumte Layout der Bedienoberfläche wirkt zunächst unverändert im Vergleich zum bisherigen Minilogue, erst auf den zweiten Blick werden einige Unterschiede deutlich. Das beginnt beispielsweise in der Oszillator-Sektion. Die zwei analogen Oszillatoren bieten jeweils modulierbare Puls/Triangle/Sägezahn-Wellenformen und lassen sich in Form von Sync und Ring-/Cross-Modulation gegeneinander ausspielen. Wo beim Minilogue ein einfacher Noise-Regler sitzt, hat sich beim XD die „Multi-Engine“ des Prolouge eingenistet. Hierbei handelt es sich um eine digitale Oszillator-Einheit, die nebst einem Noise-Generator auch VPM-basierte basierte FM-Sounds und Wavetable-Synthese in den Minilogue XD integriert.

Mithilfe der externen Software „SDK (Software Development Kit)“ lassen sich auch ganz eigene Wellenformen kreieren, wodurch man dem Synth mehr Individualität und Persönlichkeit einhauchen kann. Dazu später mehr. Im Mixer werden die drei Oszillatoren gelevelt und in das simple 2-pol-Filter mit dreistufiger Drive-Schaltung geschickt, das ebenfalls aus dem Prolouge übernommen wurde und leider die 4-pol-Option des Minilogue vermissen lässt. Eine Fusion erfordert nun einmal auch manchmal Kompromisse. Die 4-Stimmigkeit des XD lässt sich in den vier Voice-Modi Poly, Unisono und Arpeggiator organisieren, auch ein Portamento ist mit an Bord.

Im Edit-Menü lassen sich globale Einstellungen treffen. Es kann aber auch etwa auf das Tuning zugegriffen werden, was beim XD ein besonderes Feature bietet: Jede Taste des Keyboards lässt sich quasi separat stimmen, was ungewöhnliche Skalen und beispielsweise Vierteltonschritte aus der arabischen Welt beim Spiel ermöglicht. Eine weitere Säule des Minilouge XD ist der polyphone 16 Step-Sequenzer, der durch Motion Sequencing unter anderem Filter-Bewegungen aufnehmen und sequenzieren kann. Dem Sequenzer wurde beim XD auch mehr Platz auf dem Bedienpanel gelassen, so dass durch Einzel-Buttons für alle Steps die Übersicht und Bearbeitung leichter fallen soll.

Zur Klangformung dient neben einer klassischen ADSR-Amp-Hüllkurve eine weitere Attack/Decay-Envelope, die wahlweise auf das Filter oder den Pitch von einem der Oszillatoren geroutet werden kann. Beim ursprünglichen Minilouge ist auch diese Hüllkurve vollwertig mit Attack/Decay/Sustain/Release bestückt, was wesentlich ausgefuchsteren Filter-Hüllkurven-Spaß ermöglicht. Man kann ja nicht alles haben. Leider ist wie schon beim Prolouge und Minilogue lediglich ein LFO verbaut worden, der aber erfreulicherweise auch zur Pulswellen-Modulation genutzt werden kann.

Das Analog-Delay des Minilogue ist der digitalen Effekt-Engine des Prologue gewichen. Durch diese erübrigen sich externe Effekt-Pedale, denn die diversen (Stereo)-Modulations-, Reverb- und Delay-Effekte lassen kaum Wünsche offen. Anstelle des Pitch-Bending-Hebels findet sich nun ein Joystick zur Live-Performance, der mich kurz an meinen alten Korg Delta aus den 1970er Jahren erinnert. Die Wellenform des aktuellen Sounds sowie die meisten Parameter-Einstellungen werden im kleinen, aber feinen OLED Display innerhalb der Effekt-Sektion visualisiert, damit man den Überblick auch nicht verliert. Für die Verewigung der gebastelten Sounds stehen insgesamt 500 Speicherplätze bereit, von denen 200 mit Werkspresets belegt sind.

Anschlüsse

Das Leben ist ein Geben und Nehmen – das zeigt sich bei der Fusion von Minilogue und Prologue auch auf der Anschluss-Rückseite. MIDI über MIDI In/Out oder USB sowie Anschlüsse für das mitgelieferte Netzteil und einen Kopfhörer bleiben wie gehabt an Ort und Stelle. Gleiches gilt für den Stereo Klinkenausgang und Sync In/Out zur Synchronisation beispielsweise mit Korg‘s Volca-Geräten. Dem Minilogue XD wurden ein Sustain Pedal-Input sowie 2 CV/Gate-Eingänge zum Austausch mit weiteren (Modular)-Geräten spendiert, dafür musste der Audio-In aus dem ursprünglichen Minilogue weichen. Ob Korg hier die richtigen Elemente reduziert, bzw. addiert hat, soll der Praxis-Test zeigen.

Video

Audiobeispiele

Pro & Contra

  • Solider Grundsound
  • Inspirierendes, innovatives Hybrid-Konzept
  • Gute Verarbeitung und geringes Gewichtes
  • Hochwertige, praktische On-Board-Effekte
  • Intuitive Bedienung und Workflow
  • Große Ideen-Quelle durch intuitiven Sequenzer

  • Nur ein LFO
  • Keine ADSR-Filterhüllkurve (nur AD)

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