Hersteller_Korg
Test
3
14.10.2014

Praxis

Sound

Die MMT-Engine erwies sich schon im microKORG XL(+) als potenter und sehr gut klingender Synthesizer, der neben klassischen virtuell-analogen Sounds auch allerhand Digitales und dank PCM-Waves sogar einige Natursounds hervorbringen kann. Das ist beim RK-100S zum Glück ganz genauso geblieben. Ein „Preset-Jogging“ durch die 200 überschreibbaren Werkssounds fördert jede Menge druckvolle Bässe, durchsetzungsfähige Leads und dichte, warme Flächen zu Tage. Für mein Empfinden hat der RK-100S den gleichen direkten und auf eine angenehme Weise etwas rauen Sound wie der microKORG XL. Im Bassbereich kann er es richtig krachen lassen und mit den flexiblen Filtern, dem Waveshaper und den „Virtual Patch“-Verbindungen taugt er für komplexere und vielschichtigere Sounds, als man der Klangerzeugung auf den ersten Blick zutrauen würde. Und wer möchte, kann mit den PCM-Waves auch Klavier, Orgel oder sogar Akkordeon darauf spielen, wobei das sicherlich nicht zu den besonderen Stärken des RK-100S gehört.

Eine weitere Parallele zum microKORG XL sind die erfreulich alltagstauglichen Presets. Während sich die Werkssounds manch anderer Synthesizer hauptsächlich durch Effektheischerei auszeichnen, findet man hier viele Klänge, die man tatsächlich gebrauchen kann, ohne dass man zuerst diverse überkandidelte Effekte oder Modulationen ausschalten müsste. Hier hört ihr einige davon:

Vocoder

Wo wir gerade bei den Gemeinsamkeiten mit dem microKORG sind: Auch dessen gut klingenden Vocoder, der maßgeblich zur Renaissance dieses Oldschool-Effekts in den letzten Jahren beitrug, hat Korg dem RK-100S mit auf den Weg gegeben. Idealerweise kombiniert man ihn bei einem Umhängekeyboard natürlich mit einem Headset-Mikrofon, wofür der RK-100S mit dem Miniklinkeneingang passend ausgerüstet ist.

Arpeggiator

Der Arpeggiator verfügt über Latch-, Swing- und Gate-Time-Funktionen und synchronisiert sich zur MIDI-Clock oder zu einem per Tap-Button eingestellten Tempo. Er bietet fünf Arpeggio-Varianten sowie einen Chord-Trigger-Modus. Mit einem Step Editor (8 Steps) kann man sich eigene Rhythmuspatterns basteln, entweder über die Editor-Software oder mittels der acht Favoritentaster, die im Modus zum Bearbeiten des Arpeggiators diese Funktion übernehmen. Die Einstellungen werden mit Sounds gesichert und der RK-100S gibt Arpeggios über MIDI aus. Und damit ist eigentlich schon alles gesagt – der Arpeggiator ist nicht üppig, aber praxisnah ausgestattet und bietet alle Funktionen, die man im Allgemeinen benötigen wird.

Editor-Software

Auf sich allein gestellt, ist der RK-100S ein Preset-Player. Um Sounds zu verändern oder selbst zu programmieren, muss man auf den Software Editor zurückgreifen, den Korg als kostenlosen Download für Mac oder Windows anbietet. Die Software gefällt mir sehr gut. Sie bietet eine Übersicht über den Speicherinhalt – hier auch mit Namen und Klangkategorien – und ermöglicht die Archivierung von Sounds im Computer. Außerdem kann man die Programme im Speicher des Keyboards neu sortieren, zum Beispiel um die für einen Gig benötigten Sounds bequem mit dem Sound-Hebel weiterschalten zu können. Auch die Favoritentaster lassen sich in der Software per Drag&Drop mit Sounds bestücken. Außerdem praktisch: Über den Editor kann man Sounds vom microKORG XL und microKORG XL+ in den RK-100S importieren. Wer einen der beiden besitzt, kann also seine Lieblingssounds mitnehmen und auf der Keytar damit abrocken.

Wählt man ein Programm aus und klickt auf Edit, so öffnet sich ein Fenster, das einen Überblick über die beiden Timbres, die Controller-Belegungen, den Arpeggiator und die Effekte bietet. Dieses Fenster lässt sich auch für mehrere Programme gleichzeitig öffnen, wodurch man Timbres, Arpeggiator-Settings etc. einfach per Drag&Drop zwischen Programmen kopieren kann. Sehr praktisch!

Von hier aus lassen sich mit weiteren Klicks Fenster zur detaillierten Bearbeitung des Synthesizers aufrufen. Mit der übersichtlich gestalteten Oberfläche kann man den Synth komfortabel programmieren. Programmiermuffel finden vielleicht Gefallen an der Randomize-Funktion, die unscheinbar in der linken oberen Ecke zu finden ist. Sie generiert einen zufälligen Sound mit denkbar durchwachsenen, aber manchmal inspirierenden Ergebnissen.

Bedienung

Sounds lassen sich am Instrument selbst zwar nicht bearbeiten, wohl aber einige andere Funktionen wie der Arpeggiator, die Velocity-Kurve und dergleichen. Dafür kommt jeweils der SHIFT-Taster zum Einsatz, der in Verbindung mit anderen Knöpfen die verschiedenen Einstellungen aufruft. Leider ist nichts davon auf dem Gehäuse aufgedruckt, man findet diese Funktionen nur in der Bedienungsanleitung. Das finde ich ein bisschen unglücklich, zumal das Mini-Display nur sehr kryptisch über die gewählte Funktion Auskunft geben kann.

Etwas unpraktisch ist auch, dass der kurze Ribbon nicht direkt am Gerät anderen Parametern als Pitchbend oder Modulation zugewiesen werden kann. So lässt sich eine Filtermodulation direkt am RK-100S nur über den langen Ribbon bewerkstelligen – und leider auch nur in Kombination mit der Sustain-Funktion. Zwar kann man per "Virtual Patch" andere Belegungen des kurzen Ribbons realisieren und mit Sounds speichern, aber das geht nur in der Editor-Software und ist wenig intuitiv. Hier wäre es schön, dem kurzen Ribbon – der nebenbei bemerkt einfach besser in der Hand liegt als der lange und daher der Performance-Controller der Wahl ist – auch direkt am Keyboard weitere Klangparameter zuweisen zu können. Noch besser wären ein oder zwei zusätzliche, für die linke Hand erreichbare und frei belegbare Regler gewesen, denn insgesamt ist der RK-100S für ein Performance-Instrument ja leider gar nicht mal so üppig mit Controllern gesegnet.  

Audiobeispiele

Pro & Contra

  • sehr guter Sound
  • voll programmierbarer virtuell-analoger Synthesizer (über Editor-Software)
  • Vocoder
  • Arpeggiator mit Tap Tempo und Step-Editor
  • Favoriten-Taster
  • Gigbag im Lieferumfang

  • wenige Controller
  • kein Aftertouch
  • Testgerät wies deutliche Verarbeitungsmängel bei der Tastatur auf
  • Ribbon-Controller nur über Software frei zuweisbar
  • viele Funktionen nicht auf dem Bedienfeld aufgedruckt

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