Workshop
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31.01.2017

Abhörlautstärke von Lautsprechern kalibrieren

Was Pegel mit Frequenzen zu tun hat – und wie man die Abhöre richtig einstellt

Für einen guten Mix solltest du deine Studio-Monitore kalibrieren!

 Wahrscheinlich kennt ihr es von euch selbst: Wenn ihr mit einer Mischung beginnt, fahrt ihr noch recht moderate Pegel bei den Abhören. Bei jedem Solo-Schalten oder dem Begutachten der besonders leisen Passage geht dann die Hand zum Pegelsteller der Lautsprecher, aber er wird nicht wieder ganz auf den Anfangswert zurückgefahren. Und wenn man den Song mag, wird es ebenfalls immer lauter. Dabei wärt ihr gut beraten, das Level nicht nur beizubehalten, sondern wirklich jede Mischung mit dem gleichen Level zu fahren. Sicher: Es geht um das Schonen eures Gehörs, der Nerven etwaiger Nachbarn, um das Vermeiden negativer Klangeffekte der Abhörkette, auch um ein stimmiges und technisch korrektes Gain-Management, aber in erster Linie: um eine gelungene Mischung!

Was hat der Abhörpegel mit einem guten Mix zu tun?

Das ist eine berechtigte Frage. Und für sie gibt es eine Antwort, die ihr euch zu Herzen nehmen solltet. Es gibt nämlich einen enorm wichtigen Grundzusammenhang zwischen Pegel und Frequenzempfinden. Unser Gehör arbeitet nicht linear, das wird bekannt sein. So sind wir deutlich empfindlicher und empfänglicher für den Bereich, in dem die wesentlichen Elemente der Sprache stattfinden als etwa für Tiefbass oder die höchsten Höhen. Psychoakustiker haben einiges darüber herausgefunden und konnten „Kurven gleicher Lautstärke“ und vergleichbare Graphen entwickeln. Neben den Fletcher-Munson-Kurven sind es besonders die Robinson-Dadson-Kurven, die den Sachverhalt gut erklären können. Betrachtet man diese, wird deutlich, dass sie sich mit unterschiedlichen Pegeln nicht linear verschieben. Anders ausgedrückt: Hört man mit unterschiedlichen Pegeln ab, empfindet man bei exakt der gleichen Mischung bestimmte Anteile, etwa das Air-Band oder den Präsenzbereich, unterschiedlich laut. Das bedeutet wiederum, dass eine Mischung tonal unterschiedlich ausgewogen sein wird, wenn man besonders laut oder besonders leise mischt. Aus diesem Grund ist es ratsam, bei immer gleichem Pegel zu beurteilen und zu arbeiten. Ich verspreche euch: Ohne viel Zeit- und Geldaufwand sorgt ihr damit für bessere, professionelle und vor allem konstantere Ergebnisse, weil eure Mischungen spektral ausgewogener werden.

Grundvoraussetzungen für die Kalibrierung der Abhören

Eine vernünftige Abhörkette ist eine Notwendigkeit für tontechnische Arbeit. Die korrekte Aufstellung von Lautsprechern spielt eine große Rolle, die Raumakustik sollte keine Katastrophe sein und die möglichen Filter von Aktivboxen stimmig gewählt sein.  

Ihr benötigt ein Messgerät

Halt! Bitte nicht sofort dieses Browserfenster wieder schließen: Ihr müsst keine superteuren Hardware-Messgeräte anschaffen, ich habe ja gerade eben noch von „geringem Geldaufwand“ gesprochen. Zwar sind externe Pegelmessgeräte eine feine Sache und auch schon für verhältnismäßig wenig Piepen zu bekommen, aber für unsere einfachen Zwecke tut es durchaus eine rudimentäre Measurement-App für das Smartphone, wie sie im PA-Bereich zum Einsatz kommt. Hier findet ihr einen Überblick. Gemessen wird mit C-Filerkurve und langer Integrationszeit, das können aber fast alle Systeme.  

Vorgehensweise zum Kalibrieren von Monitoren

Mit irgendwelcher Musik oder einem 1kHz-Sinus sollte nicht kalibriert werden, da dann sehr individuelle Probleme das Ergebnis beeinflussen könnten. Üblicherweise wird ein Rauschen verwendet, das auf mehrere Art und Weise gefiltert wurde. So findet ein Pegelabfall zu den Höhen statt, damit es „Pink Noise“ wird. Das Messrauschen könnt ihr in vielen DAWs mit mitgelieferten Plug-Ins zwar einstellen, aber der Einfachheit halber könnte ihr euch hier das korrekte Audiofile herunterladen (Achtung beim Anhören – das ist voll normalisiert, also sehr laut!):

Auf einer Mono-Audiospur wird das geloopte Audiofile mit – Achtung, wichtig – -20 dB wiedergegeben. Das Downloadfile ist auf 0 dB normalisiert, denkt also daran, das Signal entsprechend abzuschwächen, bevor ihr es über den Masterbus auf die Ausgänge geschickt. Alle weiteren Fader, die sich dazwischen befinden, stehen auf 0 dB, also in Ausgangsstellung. Den typischen Hauptregler für eure Abhörlautstärke, also das Level am Monitorcontroller oder Control Room Level am Mischpult, setzt ihr auf minus Unendlich, dreht also zu.

Das Messgerät, euer Smartphone oder Tablet mit der entsprechenden App fixiert ihr dort, wo sonst beim Abhören im Sweet-Spot eure Nase ist. Filterkurve C (nicht A!), Integrationszeit hoch (also „slow“). Dann routet ihr das Signal auf einen der beiden Lautsprecher. Euren üblichen Levelregler dreht ihr dann so weit hoch, bis das Messgerät 80 dB(C) zeigt. Wenn 80 dB(C) schon sehr früh erreicht werden, also beispielsweise am Monitorcontroller bei einer Reglerstellung von 9 Uhr, dann könnt ihr überlegen, die Aktivboxen selbst an ihrem (meist rückseitigen) Trim herunterzuregeln, um nicht zu früh in der Kette Headroom ungenutzt zu lassen.

80 dB sind für euch natürlich eine Art Richtwert, Empfehlungen für normalgroße Räume liegen meist im Bereich von 79 – 84 dB(C). Wahrscheinlich werdet ihr nach dem Einrichten feststellen, dass ihr bislang ziemlich laut abgehört habt.  

Steht euer Level für den einen Speaker, ist der andere an der Reihe. Im Idealfall belasst ihr das Abhörlevel wie es ist und ändert das Routing auf den zweiten Speaker. Treten hier sehr große Abweichungen auf, muss per Trimmer am Speaker angeglichen werden. Kleinere Abweichungen solltet ihr eher ignorieren.

Level markieren und benutzen

Euer gefundenes Level markiert ihr mit einem Klebestreifen und haltet euch eisern daran. Manche Abhörcontroller erlauben die Nutzung von Level-Presets, was ungemein praktisch ist! Leider – und unverständlicherweise – sind das nur wenige. Ist dies aber der Fall, könnt ihr euch auch noch weitere Levels einrichten, beispielsweise folgende: Standard (wie eben beschrieben), sehr leise/Hörschwelle (oft für Balance Snare/Vocals/Gitarre sehr gut geeignet), Boost für das Solohören und „Belohnung“, also ein richtiges Ausfahren der Monitoring-Anlage, um eine fertige Mischung so richtig zu genießen.

Sonderfall Subwoofer im 2.1-Setup

Natürlich ist die hier gezeigte Variante eine recht einfache und schnelle Lösung, aber für die typischen Zwecke ist sie definitiv ausreichend. Was mit einem schmalbandigen Rauschen und einem einfachen Messaufbau nicht geht, ist das Beurteilen des Subwoofer-Levels, falls ihr mit einem solchen arbeitet. Auch spielt hier der Raum eine große Rolle. Hier kommt ihr zunächst nicht drum herum, den Sub mit dem Gehör einzustellen. Tipp: Die meisten erfolgreichen Engineers und Producer untertreiben es mit dem Level lieber, anstatt übertrieben viel tieffrequente Energie in den Raum zu pusten.

Ich wünsche euch viel Spaß beim Einrichten eures Standard-Abhörpegels! Haltet euch daran und ihr werdet merken, wie ausgewogen und konstant eure Mischungen werden – und wie lange ihr ermüdungsfrei arbeiten könnt!

Veröffentlicht am 31.01.2017

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