Gitarre Hersteller_Line6
Test
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01.10.2019

Line 6 Spider V 120 MkII Test

Modeling Gitarrenverstärker Combo

Sparrings-Modeler

Der Line 6 Spider V 120 MkII ist heute unser Testobjekt, ein Amp aus der Spider-Serie, der man ein Facelifting verpasst und damit die fünfte Generation der Modeling Combos eingeläutet hat. Die Spider Combos gibt es bekanntlich in unterschiedlichen Ausführen, insgesamt vier Combos und ein Topteil mit Lautsprecherbox. Die Combos kommen mit 30, 60, 120 und 240 Watt Leistung, das Topteil hat 240 Watt.

Was die Software-Ausstattung anbelangt, sind die Amps identisch, hier gibt es virtuelle Amp-Modelle und Effekte in Hülle und Fülle. Die Spider Amps sind als Übungsverstärker konzipiert und standen immer etwas im Schatten der großen Modeling-Gerätschaften wie zum Beispiel Helix oder POD. Das hing in der Vergangenheit auch etwas an den klanglichen Möglichkeiten, bei denen Line 6 wohl nachjustiert hat. Mal sehen, was die Generation V MkII anders und vielleicht besser macht als ihre Vorgänger.

Was ist neu?

Wir fallen gleich mal mit der Tür ins Haus und werfen einen Blick auf die Neuerungen, die uns das Team von Line 6 mit der neuen Serie beschert. Dazu gehört auf jeden Fall vieles, was die Software anbetrifft, und das Schöne dabei ist, dass auch User eines Spider V MkI die Firmware per kostenloses Update auf Version MkII upgraden können. Dort gibt es dann beispielsweise einen Speaker-Mode mit der Bezeichnung "Classic", der laut Hersteller für organischen Klang und ein natürliches Spielgefühl sorgen soll. Dazu neue Amp-Presets, die von renommierten Sounddesignern und Amp-Herstellern (z.B. Dan Boul von 65 Amps) abgestimmt wurden. Außerdem haben bekannte Gitarristen diverse Sounds programmiert, u.a. Josh Smith, Ola Englund und Jeff Loomis. Wer gerne drahtlos spielt, der benötigt jetzt lediglich einen Line 6 Relay-Sender, der Empfänger ist bereits im Amp integriert. Der Spider ist mit einem Fullrange-Speaker und einem Hochtöner ausgestattet, dazu ein spezieller Fullrange-Modus für Akustikgitarre und die Wiedergabe von Jam Tracks. Auch die Optik vermeldet mit neuem Front-Bespannstoff und Poti-Knöpfen ein Upgrade.

Details

Der Spider V 120 MkII kommt mit schwarzem Tolex überzogen und Kunststoffschonern an den Kanten. Das Bedienfeld ist an der Frontseite, darunter haben 12" Fullrange-Speaker und Tweeter hinter dem schwarz/silbernen Bespannstoff ihren Platz eingenommen. Der Amp steht auf vier harten Kunststoff-Füßen - so richtig rutsch- und kratzfest wirkt das Ganze nicht unbedingt. Mit einem Gesamtgewicht von 13,8 kg lässt sich der 510 x 490 x 265 mm (B x H x T) große Amp noch entspannt transportieren. Im Inneren werkelt eine 120 Watt starke Endstufe, mit der man die beiden Speaker ordentlich befeuern kann. Vom Schalldruck her kann man das zwar nicht mit 120 "Röhrenwatt" vergleichen, aber für die Bühnenbeschallung sind sie auf jeden Fall ausreichend, um sich gegen Drums und Bass durchzusetzen. Die wichtigen Anschlüsse für Gitarre und Kopfhörer sind an der Front angebracht, der Phones-Ausgang kann auch als Line-Out genutzt werden. 

Alle weiteren Anschlüsse sind an der Rückseite versammelt. Dort gibt es zwei XLR Line-Outs, um den Ampsound in Stereo (oder Mono) an ein Mischpult zu schicken, ausgestattet mit Ground-Lift-Schalter gegen Brummschleifen. Zum Anschließen von MP3- Playern oder ähnlichen Gerätschaften steht ein Aux In mit Miniklinken-Anschluss zur Verfügung, und wer den Amp auf der Bühne betreiben möchte, hat die Möglichkeit, eine FBV-Pedaleinheit an die entsprechende Buchse anzuschließen. Dann können Sound und Effekte per Fußschalter gewechselt und letztere auch mit dem integrierten Expression-Pedal der Steuereinheit in Echtzeit geregelt werden. Line 6 hat an alle gedacht und zwei USB-Anschlüsse integriert, einmal eine USB-A-Buchse für iPad oder iPhone und einen USB-B-Anschluss zur Verbindung mit Mac/PC oder einem Android-Gerät. Mit dem USB-Select-Schalter kann der jeweilige Port angewählt werden. Der Spider V MkII lässt sich dann mit der installierten Spider Remote App über das jeweilige Gerät editieren.

Bedienung am Amp

Das Bedienfeld ist mit sechs Reglern bestückt. Rechts befindet sich das Master-Volume-Poti für die Gesamtlautstärke des Amps, die übrigen fünf Regler sind mit je zwei Funktionen belegt. Einmal ist das die Regelung für das jeweilige Amp-Model mit Drive, Bass, Mid, Treble und Volume, wozu der Amp-Taster gedrückt werden muss - die Beschriftungen für die Regler sind dann weiß hinterleuchtet. Die aktuellen Einstellungen werden im Display dargestellt. Wenn man den FX-Taster neben dem Display drückt, wird die zweite Bedienebene aktiviert, in der die Regler die Intensität von Compressor, FX1, FX2, FX3 und Reverb einstellen. Dabei leuchten die Reglerbeschriftungen in den Farben der jeweiligen Effektblöcke, Modulation blau, Delay grün, Overdrive orange, Pitch/Synth lila. Möchte man in die Tiefe der Einstellungen eintauchen, läuft das über den Edit-Taster. Hat man das Amp-Menü angewählt und drückt Edit, werden die Parameter des Amps angezeigt. Dabei kann mit dem Wahlregler inkl. Tastfunktion gescrollt, angewählt und editiert werden. Ähnlich verhält es sich mit den Effekten. Auch hier wird mit dem Wahlregler der entsprechende Effekt im Display angewählt und dann editiert. Im Display werden immer drei Parameter übereinander dargestellt, was für die Bedienung am Amp in Ordnung ist, aber komfortabler ist es natürlich mit der Spider Remote App. Die Spider Amps haben außerdem Tools zum Üben an Bord, zum Beispiel kann man entweder mit Metronom oder auch mit vorgefertigten Drumloops sein Timing trainieren. Außerdem gibt es einen Looper mit 60 Sekunden Aufnahmezeit, um mal schnell eine Akkordfolge aufzunehmen, über die man dann stundenlang solieren kann.

Spider Remote App

Die Spider V MKII Amps sind, was die Bestückung von Amp, Cabs und Effekten betrifft, alle identisch. An Bord sind 78 Amp-Modelle, 23 Cabs und 101 verschiedene Effekt-Typen. Alles kann mit vielen Parametern eingestellt werden, die Zeiten, in denen man die Effekte nur in ihrer Intensität einstellen konnte, sind vorbei. Die Signalkette sieht folgendermaßen aus:

Noise Gate > Volume (Pedal) > Wah (Pedal) > FX1 > Amp > Compressor > EQ > FX2 > FX3 > Reverb

Bei den Blöcken FX1, FX2 und FX3 hat man freie Auswahl zwischen Modulation, Drive, Pitch/Synth und Delay. Damit lässt sich einiges an Sounds einstellen, und das funktioniert mit der Spider Remote App auch erstklassig und übersichtlich. Ich habe das Ganze mit iPad und iMac getestet, beides läuft bestens und vor allem problemlos: App herunterladen, installieren, verkabeln - läuft! Das ist nicht bei jedem Hersteller der Fall ...

Video

Audiobeispiele

Pro & Contra

  • Ausstattung an Amp-Models und Effekten
  • kompakte Größe
  • Bedienung und Editiermöglichkeiten über Spider Remote App
  • Metronom, Drumloops
  • Looper

  • Ampsounds mitunter etwas dünn

Gehört zu dieser Serie

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