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Test
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02.04.2012

Line6 Mobile Keys Test

Controller-Keyboards

Alles unter Kontrolle

Mit Line 6 betritt nun noch ein Anbieter für kleine USB-Controllerkeyboards die Bühne, der bisher eher für Produkte aus dem Gitarrenbereich. Dabei erschien der Markt eigentlich gesättigt. Zu den Platzhirschen wie der Oxygen-Reihe von M-Audio oder den viel gelobten Keyboards von Novation sind in jüngster Zeit immer mehr kleine Tastaturen von verschiedensten Herstellern hinzugekommen, was die Entscheidung für das richtige Gerät nicht gerade erleichtert hat. Wir haben ausprobiert, ob Line 6, die Experten für Amp-Modeling, auch Tasten bauen können.

Die beiden Keyboards der Mobile Keys-Reihe verfügen neben dem USB-Anschluss über eine direkte Schnittstelle für iOS-Geräte, also iPad, iPhone und iPod Touch. Damit trägt Line6 der Entwicklung Rechnung, dass Apples App-Store mittlerweile zahlreiche Programme bereithält, mit denen sich auf diesen Geräten durchaus ernsthaft Musik machen lässt. Aber auch an Mac und PC lassen sich die kleinen Controller betreiben. Wir haben getestet, ob die Mobile Keys das Zeug dazu haben, diesen hart umkämpften Markt zu erobern.

DETAILS

Äußerlichkeiten

Die Mobile Keys gibt es in zwei Größen. Während das kleinere Modell mit 25 Tasten (zwei Oktaven) bequem in jeden Rucksack passt, besitzt die größere Variante eine 49-Tasten-Klaviatur. Beide Modelle haben normal große Tasten. Die Größe der Tastatur ist der einzige Unterschied zwischen den beiden Kandidaten. Im Hinblick auf  Bedienelemente, Anschlüsse und Funktionalität sind sie komplett identisch, sodass dieser Test uneingeschränkt für beide Modelle gilt.

Die Keyboards stecken in schwarzen, leicht nach vorne abgeschrägten Plastikgehäusen. Sie wirken ausreichend stabil, allerdings ist Plastik hier auch wirklich Plastik. Besonders hochwertig oder edel kommt die Umhüllung nicht daher. In puncto Gewicht kann das Material seine Vorteile aber voll ausspielen: Beide Keyboards sind für ihre Größe leicht, ohne zerbrechlich zu wirken. An der Unterseite befinden sich flache Gummifüße, die zum Glück nicht von der Sorte sind, die sich sofort löst. Auf festen Unterlagen ruhen die Keyboards rutschfest und sicher.

Links von der Tastatur befinden sich ein Pitchbend- und ein Modulationsrad, zwei Drehregler und drei Buttons. Damit sind die Mobile Keys nur mit den nötigsten Bedienelementen ausgestattet. Merkmale von Premium-Controllerkeyboards, wie etwa Display, Data-Entry-Rad oder Ziffernblock, sucht man hier vergebens. So sind die Geräte sehr kompakt, und die Stromversorgung über USB oder vom iOS-Gerät wird nicht durch ein Display zusätzlich belastet.

Die beiden Wheels überzeugen durch einen genau richtig gewählten Widerstand. Sie haben kein Spiel und lassen sich sehr genau dosieren. Auch bei deutlich teureren Modellen habe ich schon Controller gesehen, die längst nicht so gut in bzw. unter der Hand liegen.

Die Drehpotis sind mit „Volume“ und „Pan“ beschriftet. Wie alle Controller können sie aber auch anderen Funktionen bzw. MIDI-CC-Nummern zugewiesen werden. Auch sie wirken hochwertiger, als es der erste Blick aufs Gehäuse vermuten lässt. Die Potis laufen gleichmäßig, wackeln nicht und lassen sich dank des recht festen Widerstands genau einstellen.

Die drei Taster machen einen langlebigen Eindruck und sind rot beleuchtet. Zwei von ihnen dienen der Oktavumschaltung – bei so kleinen Keyboards natürlich ein besonders wichtiges Feature. Schön, dass dafür trotz der spartanisch ausgestatteten Bedienoberfläche eigene Taster verbaut wurden. Der dritte Knopf heißt „Shift“ und ist für diverse speziellere Einstellungen zuständig. In Verbindung mit ihm wird die Klaviatur zum Eingabegerät für Dinge wie MIDI-Kanal, Controllerzuweisungen und Transposition. Das ist ein oft gegangener Weg bei Geräten mit wenig Bedienelementen sowie ohne Display und funktioniert solange gut, wie man sich die Tastenfunktionen merken kann. Angenehmer wäre es schon, diese Dinge visuell auf einem Display einzustellen. Damit man trotzdem nicht durcheinander kommt, liegen den Keyboards Aufkleber bei, die oberhalb der Tastatur angebracht werden können und einen Überblick über die Tastenbelegung geben.

Rückseitig befinden sich zwei Pedaleingänge für Sustain und Expression - beide können aber auch anderen CC-Nummern zugewiesen werden. Weiterhin finden wir hier nur noch eine USB-Buchse sowie einen speziellen Anschluss, der über das mitgelieferte Kabel die Verbindung zum Dock-Connector eines iPads oder iPhones herstellt. Die Abwesenheit einer traditionellen MIDI-Out-Buchse bedeutet, dass man die Mobile Keys nicht ohne Computer oder iOS-Gerät betreiben kann. Zur direkten Ansteuerung z.B. eines MIDI-Soundmoduls eignen sie sich also nicht. Auch zur Stromversorgung benötigen die Keyboards einen Rechner oder ein Mobil-Gerät - eine andere Spannungsquelle ist nicht vorgesehen, es fehlen sowohl ein Netzteil-Anschluss als auch ein Batteriefach. Laut Line6 sollen beide Probanden aber so wenig Strom verbrauchen, dass man sie bedenkenlos auch an Low-Power-USB-Ports und an iOS-Geräten betreiben können soll.

Tastatur

Die Plastik-Tastaturen der Mobile Keys bieten für das geringe Gewicht einen bemerkenswerten Spielkomfort.  Sie sind nicht zu leichtgängig und ermöglichen mit dem angenehmen Widerstand ein durchaus nuanciertes Spiel. Auch beherztere Griffe in die Tasten stecken sie gut weg, ohne dass man unten „auf Holz schlägt“. Für virtuose pianistische Darbietungen eignen sie sich natürlich nicht, aber dafür sind sie ja auch nicht gedacht. Die Tastaturen senden Note-On- und sogar auch Note-Off-Velocity, aber leider keine Aftertouch-Daten.

Die Velocity-Kurve lässt sich in zehn Stufen einstellen – nicht schlecht für diese Geräteklasse! Bei Bedarf kann die Anschlagdynamik auch komplett deaktiviert werden, um z.B. Trigger-Befehle mit einer konstanten Velocity von 127 zu senden.

Etwas beunruhigend ist der Überstand der jeweils untersten und obersten Taste über die Abschrägung des Gehäuses. Bei einem solchen Design kann im Falle eines ungünstigen Stoßes schon einmal eine Taste herausbrechen, wie es mir vor Jahren einmal passiert ist. Besonders am rechten Rand der Tastatur wäre eine feste seitliche Einfassung der kompletten Taste sinnvoll.

Pro & Contra

  • Problemloser Plug&Play-Betrieb an Rechner und iOS-Geräten
  • Angenehmes Spielgefühl der Tastatur
  • 10 Velocity-Kurven
  • Hochwertige Räder und Potis
  • Controller frei zuweisbar
  • Geringer Stromverbrauch

  • Kein Aftertouch
  • Kein MIDI-Out
  • Stromversorgung nur über Rechner oder iOS-Gerät möglich

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